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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-01 · 31 (1.8.1913) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
31 (1.8.1913)
Date
1913-08-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 557 htm deshalb zivilisatorisch so erfolgreich gewesen, weil es seine alten Ideale festgehalten habe. Diese Ideale sind: Der Glaube an die Einheit Gottes, für welche die Iuden so viele Märtyrerqualen erlitten, zweitens die Reinheit des Familienlebens, die einen Teil der Religion bilde, und drittens die Ethik der Bibel, welche die Iuden der Welt geschenkt haben. Der Gelehrte schloß seine Vorlesung mit der Bemerkung, daß die Iuden, welche erfreulicherweise sich der amerikanischen Freiheit bedienen, jetzt ihrem alten Namen schuldig sind, zu beweisen, datz die Iuden nicht nur von Freiheit träumen, von Freiheit singen und für die Freiheit sterben, sondern auch in Freiheit als Iuden leben und wirken können. Die Vorlesung hat in der gesamten amerikanischen Presse sympathischen Widerhall gefunden. Wenn die russisch-jüdischen Emigranten frei werden. Aus Newyork wird uns berichtet: Nahezu sämtliche Preise, welche anlätzlich des Schuljahrschlusses an der hiesigen juridischen Fakultät zur Verteilung gelangten, wurden von jüdischen Hörern erworben. Die meisten von ihnen sind Söhne russischer Einwanderer, von denen manche einen Teil des Gymnasiums noch in Nutzland absolviert haben. Ein russisches Blatt verzeichnet diese Nachricht mit der Bemerkung, datz die russische Regierung von jeder solchen Erscheinung in Kenntnis gesetzt werden sollte, damit sie unausgesetzt zupf Bewutztsein gebracht werde, was die russich-jüdischen Emigranten für das Land zu leisten vermögen, wenn sie frei werden. Amerika. Bei einem Newyorker Gerichte wurde vor kurzem das Testament des Majors Iwan Taleff eröffnet, aus welchem hervorging, datz derselbe 50.000 Dollar zur Verteilung an Wohltätigkeitsanstalten ohne Unterschied der Religion und der Rasse vermachte. Trotzdem testierte Major Taleff noch besonders bedeutende Summen der „United Hebrew Caritie»“, dem „Montefiore-Heim", dem „jüdischen Waisenhause" usw. Major Iwan Taleff, der vor 18 Iahren als russischer Offizier aus Riga flüchtete, trat bald nach seiner glücklichen Landung in Newyork in die Armee der Vereinigten Staaten ein, wo er es auch bald zum Major brachte. Er kannte die Leiden der russischen Iuden aus eigener Anschauung, und diese Kenntnis war der Beweggrund dafür, datz er die Institutionen zugunsten der jüdischen Einwanderer besonders bedachte. Juden in der Verwaltung vom Kap der guten Hoffnung. Wie aus London berichtet wird, wurde der jüdische Advokat Löwenthal als Vertreter der Stadt Kirnberlay in den Provinzialrat vorn Kap der guten Hoffnung gewählt. Nutzer Löwenthal gibt es noch vier Iuden, die Sitz und Stimme im Provinzialrat haben. ___ Zu der Galvestoner Emigration. Donnerstag, den 17. Iuli, ist von Bremen die 83. Gruppe jüdischer Emigranten nach Galveston eingeschifft worden, welche unter der Verwaltung der jüdischen Emigrationsgesellschaft die Auswanderung unternimmt. Die Gruppe besteht aus 500 Passagieren, von welchen 100 den Rest der früheren Gruppen bilden. Von den neuen Emigranten sind 285 Männer, 56 Frauen und 54 Kinder. Meistens sind es Handwerker und Arbeiter, Geschäftsleute befinden sich in dieser Gruppe 42, Handelsangestellte 30. — Die 84. Gruppe wird am 31. Iuli ausgerüstet werden. Eine jüdische Freiwilligenbngade in Amerika._ Wie aus Newyork berichtet wird, hat sich dort unter dem Namen „Hebrew American Brigade“ eine militärische Jugendorganisation gebildet. In Amerika gibt es bekanntlich keine allgemeine Militärdienstpflicht, weshalb besonders unter den eingewanderten Iuden das Pflichtgefühl, im Kriegsfälle sich freiwillig zum Dienst zu melden, erweckt werden soll. Die Brigade wird nach englischem Muster organisiert und nach allen Vorschriften der amerikanischen Armee geleitet werden. Zum Kommandanten der Brigade wurde Herr Mayer A. Goldberg gewählt. _ Vermischtes. Kranzablöfungsspeudeu zugunsten der Chewra-Kadischa in Wie« I.. Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffeu. Anlätzlich des Ablebens der sei. Jda Wetzler: Jakob und Janka Karpeles 20, Beamtenpersonal der Fa. Brüder Wetzler 50, Emil Wetzler 100, Clara Horschitz 25, Dr. Felir Horschitz 25, Dr. Hans Horschitz 10, Dr. Heinrich Stransky 15, Mar und Hella Wurmser 10, Käthe und Waller Osten 5, Anton und K. Feigl, Auscha 20, Karl Gibian 20, Fritz Winterberg 50, Gusti Winterberg 50, Mar und Olga Thieben 15, Edmund ^nd Marta Melcher 20, Hugo Wetzler 50, Jacques Meißner 10, zusammen 495 Kronen. Anlätzlich des Ablebens der sel. Hermine Sobotka: Roubitschek Kr. 10.—, Alois Kohn 20.—, kais. Rat Mar Hahn 20.—, Eugen und Laura Singer 20.—, Alfred Kohn 20.—, Alfred Sobotka 50.—, Heinrich Bäum! 50.—, Alfred Löw-Beer 20.—. Zusammen Kr. 210.—. Anlätzlich des Ablebens des sel. Jakob Krauh: Die Angehörigen der Familie Jakob Krautz Kr. 10.—. Anlätzlich des Ablebens des sel. Moritz Jellinek: R. Reff Kr. 10.—, Jakob Rothberger 20.—, Bernhard Bachrach 20.—. Zusammen Kr. 50.—. Anlätzlich des Ablebens des sel. Jakob Egg: Dr. Emil Suetz Kr. 20.—, Familie Lewie 20.—, Adolf Geiringer 20.—. Zusammen Kr. 60.—. Anlätzlich des Ablebens der sel. Elisa Fischer: Eduard Jonas- Schachtitz Kr. 10.—, Familie Goldenberg 10.—. Hermann Höchstem 5.—. Zusammen Kr. 25.—. Anlätzlich des Ablebens des sel. Leopold Kohn: Alois 'Hruby Kr. 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Josef Beck: Jacques Landesmann Kr. 20.—, Alfred Heinsheimer 20.—, Irene Beck und kais. Rat S. Steinhübel 100.—. Zusammen Kr. 140.—. Anlätzlich des Ablebens des sel. Sigmund Bachrich: Leopold Kluger Kr. 20.—. Anlätzlich des Ablebens des sel Jakob Bock: Julie Liebl Kr. 20.—, Louise Pfeifer 20.—, Richard Bock, Strakonitz 10.—, Gustav Pick, Ernst Lewith, Rachod 10.—, Rosa Glatz 5.—, Josef Liebel, Berlin 10.—. Zusammen Kr. 75.—. Betti Bauer anlätzlich des Todestages ihres Gatten Albert Bauer Kr. 30.—. Anlätzlich des Ablebens der sel. Fanny Fischer: Adolf Ullmann Kr. 10.—. Hofrat Stukart. Auszeichnung des Chefs des Sicherheitsbureaus- Der Kaiser hat dem Chef des Sicherheitsbureaus der Wiener Polizeidirektion Regierungsrat Moritz S t u k a r t den Titel eines Hofrates verliehen. In der Wiener Gesellschaft wird die Auszeichnung des hochverdienten Mannes überaus sympathisch begrüßt werden. Reminiszenz an Ernst Schneider. Anfangs der Acht.zigerjahre batte ich abends nach einer Lehrer» konferenz mit meinen Kollegen eine Zusammenkunft in einem Gastbause des VIII. Bezirkes. Da gewahrte ickr einen netten, blonden, etwa fünfjährigen Jungen, der von Tqch zu Tisch wunderte und eine kurze An« iprache an die Gäste hielt, die stets ein schallendes Gelächter auslöste. Ich fragte einen rm Bezirke versierten Kollegen, ob er das Kind kenne und was es spreche. „Warte nur", sprach dieser, «er kommt auch zu uns; ob Du in das Luchen einstimmen wirst, weiß ich nicht." Der Knabe kam richtig zu uns und rezitierte, gut eingedrillt, folgenden Spruch: „Ich heiße Schneider, bin ein deutscher Knabe und hasse die Juden." Diese kuriose Pädagogik kam später dem alten Schneider ziemlich teuer zu stehen. Er hatte dann keine besondere Freude an diesem Jungen. A. R.

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