Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 31 (1.8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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- Odesa 2× ep/1000834
- Liepāja 1× ep/1000744
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Seite 556 Dr. Klochs Wochenschrift »fc. 31 6 Betten hat, aber es leistet den armen Kranken viel, besonders da hier Medikamente horrend teuer sind. Im Innern des Landes kann man Juden finden, die auch Landwirtschaft betreiben, sowie verschiedene Handwerker aller Art. Vor ungefähr 6 Wochen ersuchte ich einem Glaubensgenossen, einer kranken armen Jüdin, die ich fast täglich mit 1 Pisetta Hasani (gleich 1 Francs) unterstützte, mit Einigem zu helfen. Die Antwort war mit einem Lachen, aber ich war Augenzeuge, wie selbiger 5—6000 Francs an einem Abend an der Roulette verspielte. Hochachtungsvoll! B. Rosen st rauch, Ueberseereisender. Vergewaltigung jüdischer Mittelschulen. Die russischen Blätter beschäftigen sich gegenwärtig mit einem Erlaß des Bildungsministers Kasso, der offenkundig den Zweck hat, der jüdischen Jugend in Rußland die letzte Möglichkeit einer höheren Ausbildung zu rauben. In ganz Rußland gibt es etwa acht jüdische Mittelschulen mit Oeffentlichkeitsrecht, Die jüdischen Gründer dieser Mittelschulen sind gleichzeitig ihre Direktoren. Da die staatlichen mittleren Lehranstalten den meisten Juden verschlossen bleiben, ist es nur natürlich, daß diese jüdischen Schulen überfüllt sind und fast für jede Klasse Parallelklassen errichten mußten. Gegen diese Parallelklassen richtet sich nun der Ministerialerlaß Kassos. Er verfügt nämlich, daß bei Strafe der Auflösung die Parallelklassen aufgelassen werden müssen, die Schulleitung nicht dem Gründer, sondern einem vom betreffenden Schuleninspektor bestätigten Gymnasiallehrer anvertraut sein müsse, und daß schließlich für den Unterricht in russischer Sprache, Geschichte und einigen anderen Gegenständen nur christliche Lehrer bestellt werden dürfen. Russisch. Russischen Blättern entnehmen wir das folgende Zeitdokument. In Libau lebt ein alter kranker Jude, dessen einziges Einkommen eine Pfründe von 7 Rubel monatlich ist, die er von einer jüdischen Wohltätigkeitsanstalt erhält. Vor einigen Wochen flüchtete einer seiner Verwandten vor der Assentierung nach Amerika. Da der Flüchtling keinen anderen Verwandten hat, der für die für jüdische Militärdienstflüchtlinge bemessene Strafe von 300 Rubel hätte aufkommen können, so wurde dieser arme, alte Jude, der, nebenbei bemerkt, diesen flüchtigen Verwandten gar nicht kennt, zur Bezahlung dieser Strafe verutreilt, und da der kranke Mann kein anderes Vermögen besitzt, wurde ihm die Pfründe bei der Wohltätigkeitskasse gepfändet. - Brüskienmg eines Mitgliedes der Petersburger Kaiserlichen Oper. Der berühmte Sänger an der Petersburger Oper Davidow, der Liebling der russischen Hofkreise, hat dieser Tage in Rostow am Don gastiert. Davidow kam am selben Tage an, an welchem er auftreten sollte. Zu seiner großen Ueberraschung erfuhr er jedoch, daß der Rostower Polizeimeister das Plakat, mit welchem sein Auftreten bekanntgegeben werden sollte, nicht vidieren wollte, weil Davidow Jude ist und in Rostow am Don kein Wohnrecht besitzt. Es wurde ihm auch erklärt, daß er sich nicht länger als 24 Stunden in Rostow aufhallen dürfe. Das ganze Gastspiel war in Frage gestellt und erst nach mehrmaligem Depeschenwechsel zwischen Rostow und Petersburg war es dem Künstler Davidow, dem ganz Petersburg enthusiastisch zujubelt, möglich, sein Gastspiel in Rostow am Don zu absolvieren. Ein Refus des Odeffaer Gemeinderates. Wie bereits berichtet wurde, haben die letzten Gemeinderatswahlen in Odessa den Sieg der Ertremantisemiten ergeben, welche dann den berüchtigten Pogromstifter Pelikan zu ihren Bürgermeister wählten. Bald nach dieser Wahl kam eine angesehene italienische Studienkommission nach Odessa. Der Kommission gehören mehrere angesehene Persönlichkeiten Italiens an. Wie nun die Petersburger „Rjetsch" meldet, habe der neugewählte Gemeinderat die italienische Studienkommission zu Gaste geladen und hatte zu ihrem Empfange auch die weitestgehenden Vorbereitungen getroffen. Die Italiener lehnten jedoch dankend ab und erklärten, daß sie nicht den Wunsch haben, von einer Gemeindevertretung begrüßt und bewirtet zu -werden, die in ihrer überwiegenden Majorität zu den Anhängern des Pelikan zählen, dessen Gewissen mit so vielen blutigen Pogromen belastet ist. Sollen jüdische Gelehrte zu Kongressen nach Rußland gehen? In zwei führenden Organen Englands und Amerikas, im „Jewish-Chronicle" (London) und „American Jsraelite", wird jetzt die Streitfrage diskutiert, ob jüdische Gelehrte Einladungen zu Kongressen, welche in Rußland abgehalten werden, selbst dann Folge leisten sollen, wenn ihnen für die Zeit des Kongresses Bewegungsfreiheit in Rußland zugesichert wird. Während im „Jewish Chronicle" der bekannte Gelehrte und Kritiker Israel Abrahams nach eingehender Erwägung zu dem Schlüsse kommt, daß es besser sei, insolange nicht nach Rußland zu gehen, als es den Juden im allgemeinen dort nicht besser geht, vertritt das Reformorgan „American Israelite" in Cincinnatti den Standpunkt, daß ein solches Verhalten nur dann einen Wert hätte, wenn die Gewähr vorhanden wäre, daß kein einziger Jude, auch kein Getaufter, nach Rußland geht, und daß auch die liberalen Nichtjuden aus dieser Abstinenz ihrer jüdischen Kollegen die Konsequenzen ziehen und gleichfalls sich von in Rußland abgehaltenen Kongressen ferne Hallen. Eine dritte Auffassung ist wieder, daß die jüdischen Gelehrten ihren russischen Glaubensgenossen einen größeren Dienst erweisen, wenn sie zu solchen wissenschaftlichen Veranstaltungen nach Rußland gehen und Referate halten, als wenn sie ferne bleiben. Durch eine solche Teilnahme müßte der Regierung in Rußland immer und immer vor Augen geführt werden, welch' hohen kulturellen und daher auch wirtschaftlichen Wert die Juden im Auslande darstellen, und wieviel Rußland schon bisher verloren hat und noch in Zukunft verlieren wird, weil es seinen jüdischen Bewohnern das Recht auf freie menschenwürdige Entwicklung vorenthält. Der neue Bürgermeister von Odessa. Die Juden von Odessa gehen abermals-sehr traurigen und schlechten Zeiten entgegen. Einer der gefährlichsten Pogromisten, der aus der Schreckensherrschaft des Generals Tolmatschew bekannte Pelikan, wurde zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Pelikan hat sehr viele Ausschreitungen gegen Juden auf dem Gewissen, und die Juden von Odessa befürchten mit Recht, daß für sie jetzt abermals eine Schreckensära herangebrochen ist. Mehrere Odessaer russische Blätter, welche die Erinnerung an die frühere Pogromtätigkeit Pelikans wachriefen, wurden konfisziert und die Redakteure verhaftet. Rewyork. Der auch in Europa bekannte amerikanische Gelehrte und gewesene Präsident der Harvard-Universität in Boston, Professor Charles Elliot, hielt dieser Tage eine interessante Vorlesung über „Die Kraft des Judentums". Laut der Ansicht des Professors Elliot sei das Juden-