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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-01 · 31 (1.8.1913) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
31 (1.8.1913)
Date
1913-08-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 555 gespräch. In der Nähe des fürstbischöflichen Palais befindet sich eine Tabak-Trafik, dessen Pächterin eine jüdische Frau ist. Trotzdem die Trafik der Frau nur ein recht ärmliches Auskommen bildet, fanden sich judenfeindliche Elemente, die alles aufboten. um die Jüdin ihres kärglichen Erwerbes zu berauben. Tatsächlich hätte die Frau dieser Tage die Trafik verlassen und einem Konkurrenten einräumen soklen. In ihrer großen Not faßte die jüdische Trafikantin den Entschluß, beim Fürstbischof um Audienz anzusuchen und ihn um seine hohe Intervention zu bitten. Fürstbischof Chomitzyn hörte die Frau wohlwollend an und fand bald heraus, daß es sich hier unl eine rein antisemitische Eristenzabtreiberei handelt und entschloß sich daher, bei der Finanzdirektion persönlich zugunsten der jüdischen Frau zu intervenieren, wobei er nicht verfehlte, auf die eigentlichen Motive der Kündigung hinzuweisen. Dank dieser Intervention, wurde der jüdischen Trafikantin ihr Erwerb erhalten. (Kohle Reklame für Karlsbad.) Anläßlich' des Leipziger Turnfestes waren auch die deutschen Turnvereine Oesterreichs, welche im Jahre 1903 wegen der antisemitischen Frage ausgeschieden waren, als Gäste in Leipzig. Unter diesen antisemitischen Gästen befand sich auch der Karlsbader Turnverein vom Jahre 1860, und beim Kommerse hielt der Abgeordnete Rudolf Löß 1, Mitglied des arischen Turnvereines in Karlsbad, eine Rede. Es muß doch wohl einen ganz eigentümlichen Eindruck auf die Tausenden anwesenden Turner in Leipzig gemacht haben, unter welchen sich ja auch viele Hunderte Juden befanden, als namens des internationalen Weltkurortes Karlsbad ein Redner auftrat, der einem antisemitischen Turnverein der Badestadt angehört. Man zerbricht sich in Karlsbad den Kopf, woher es kommt, daß in Karlsbad in diesem Jahre etwa 2300 Kurgäste weniger anwesend sind, als im vorigen Jahre, und warum bereits im vorigen Jahre weniger Kurgäste anwesend waren, als im Jahre 1911. Dieses Jahr hat man die willkommene Ausrede: der Krieg sei daran schuld. Vielleicht hat dies etwas damit zu tun; vielleicht hat es aber auch damit zu tun, daß bei Festen im Auslande Vertreter von großen antisemitischen Vereinigungen in Karlsbad als Redner jauf treten und Hunderttausende von reiehsdeutschen Bewohnern durch die Zeitungen erfahren, daß es in Karlsbad antisemitische Vereine gibt. Klug ist es nicht, daß man es so deutlich der ganzen Welt wissen laßt, welcher Uebeimut in Karlsbad herrscht. Eme interessante Stiftung. Der evangelische Bischof von Tremnitz, Ritter Karl von Raab, Hat dieser Tage anläßlich seines 50jäHrigen Priesterjubiläums unter anderem auch eine Begrüßungsdeputation der dortigen Iudengemeinde empfangen. In seiner Antwort auf die Begrüßungsansprache des Kreisrabbiners Reichardt erwiderte der Bischof, daß die wahre christliche Liebe keinen Unterschied der Konfession kenne, und er habe dieser seiner Auffassung auch durch die Errichtung einer Stiftung Ausdruck verliehen. Die Zinsen des von ihm gewidmeten Stiftungskapitales sind an diejenigen Schüler der Kremnitzer Oberrealschule zu verteilen, welche aus Religion eine vorzügliche Klassifikation aufzuweisen haben, ohne Rücksicht darauf, ob es katholische, protestantische oder jüdische Schüler sind. Der Mohr hat seine Pflicht getan . .. In dem ungarischen Städtchen Duna-Földvar lacht man jetzt über den folgenden Fall, der sich vor einigen Tagen zugeiragen hat. Der dortige katholische Gesellenverein, dessen eigentlicher Zweck die Propaganda des Antisemitismus ist und dessen Mitglieder es als ihre Pflicht ansehen, die Gesellschaft der Juden zu meiden, hat vor zwei Wochen zugunsten seiner Vereinskassa einen Theaterabend veranstaltet. In dem Stücke, das gewählt wurde, kommt auch ein Rechtsanwalt vor, und für diese Rolle konnte unter den Mitgliedern keine geeignete Person aufgetrieben werden. Das Festkomitee fand jedoch einen famosen Ausweg. Es engagierte den jüdischen Kommis Mor Buchwald, der nicht nur den Rechtsanwalt, sondern auch einen katholischen Gesellen abgeben mußte. Der Theaterzettel nämlich wies unter anderen Personen auch folgende auf: „Dr. Kenderesi . . . Mor Buchwald, ordentliches Vereinsmitglied." Mor Buchwald hat zweifellos seine Rolle gut gespielt, doch als er nach der Vorstellung auch an der „gemütlichen Unterhaltung" des katholischen Gesellenvereines teilnehmen wollte, wurde er recht höflich, aber auch ebenso recht energisch aus dem ^-aale gewiesen. Buchwald Mor hat seine Pflicht getan und der Mohr konnte gehen. Er hatte für sein einabendliches katholisches Gesellentum vielleicht einige Kronen Nutzen, dafür aber den dauernden Spott. Ein Ritualmordmärchen in Ungarn. Aus Trencsin, 23. d.. wird uns milgeteilt: Seit Wochen herrscht hier große Aufregung. In der Stadt ist eine neu» Synagoge gebaut worden, deren Einweihung demnächst stattfinden soll, Unter der abergläubischen Bevölkerung ist aber schon seit einigen Wochen das Gerücht verbreitet, daß zum Bau das Blut eines Chcistenmädchens verwendet worden sei. In der Stadt sprach man davon, daß die Juden in dem nahen Berzinawald ein Christenmädchen umgebracht und dann das Blut mit dem Mörtel vermengt hätten. Als nun diese Gerüchte einen drohenden Charakter annahmen. wendete sich die Leitung der hiesigen jüdischen Gemeinde an die Polizei mit der Bitte, eine Untersuchung einzuleiten. Die Polizei und die Gendarmerie durchsuchten mit Zeugen, die angeblich davon wissen wollten, daß das Mädchen umgebracht wurde, den Wald, natürlich ohne Ergebnis. Eine überfallene jüdische Deputation. Bagdader Juden haben, wie die Londoner „Times" berichtet, ihren persischen Glaubensgenossen in Sudzubulak eine Thorarolle gestiftet und sie durch eine Delegation überreichen lassen. Die persischen Juden haben dieser Deputation einen feierlichen Empfang bereitet. Als sie ihnen entgegenzogen, wurden sie von Muselmanen überfallen und in einen heftigen Kampf verwickelt. Die Juden setzten sich energisch zur Wehre, der Kampf hat so heftige Formen angenommen, daß es auf beiden Seiten mehrere mehr oder minder Schwerverletzte gab. Die Thorarolle wurde in Sicherheit gebracht. Casablama (Marokko), 10. Juli. Tit. Redaktion des „Dr. Bloch's Wochenschrift", Wien. Geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir. Ihnen behufs Veröffentlichung einige Zeilen über Leben und Treiben der marokkanischen Juden zu übersenden. Wer im Leben noch kein Elend und Not gesehen hat, kann es in Marokko finden: hier leben die armen Juden in sehr schlechten Verhältnissen, kein Mensch hat Erbarmen, besonders nicht die hier in Marokko lebenden sehr wohlhabenden marokkanischen Juden. Die reichen Juden treiben großen Lurus, haben Autos und schleudern mit dem Gelde, anstatt den Glaubensbrüdern zu helfen. Der Handel liegt in Händen der Juden und sind ihrer mehrere Millionäre. In den Straßen kann man alte, gebrechliche Kranke und sonst vollkommen erblindete Juden in großer Zahl hungernd finden und kein Mensch hat mit diesen Leuten Erbarmen. Die jungen marokkanischen Juden sind sehr fleißig und arbeitssam und sehr gesucht; sie finden gerne bei den Franzosen mit Vorliebe Arbeit in Restaurants, Cafes, Warenhäusern usw. Lob, Achtung und Dank verdient das hiesige Rothschild-Spital, das zwar sehr klein ist und nur

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