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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-01 · 31 (1.8.1913) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
31 (1.8.1913)
Date
1913-08-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 55t De. Blochs Wochenschrift Nr. 31 Assyriens und Babylons, welche die unterworfenen Könige als Zugtiere benützten. Die Unterschrift bezieht sich auf die eben proklamierte vollständige Judenemanzipation. Dieses Blatt solle eine sehr seltene Lithographie sein. Viel harmloser sind die beiden anderen bei C. Hoiegschj gedruckten Lithographien. Auf der einen ziehen eine Anzahl jüdischer Bürger mit Fahne und klingendem Spiel, mit keck geschwungenem Säbel und aufgestülptem Zylinder, augenscheinlich wohlgetroffene Porträts damaliger Kaufleute, umgeben von einem großen College jüdischer Gassenjugend und Gassenweiblichkeil zu einer Ovation vor das Haus des Nationalgardenkommandanten, dessen drei schöne christliche Töchter vom Balkone mit gutmütige-.- Heiterkeit sich die Huldigung gefallen lassen. Die Legende tautet: „Habt's acht. Nehmt's Euch zusammen! Hascheln! Mer kümmen zu gehen vor unsern Kommandanten sein Haus. Regimentstremmler, schlog ein! Trum, bum, bum!" Namentlich der jüdische Fahnenjunker, ein Sechziger, und der „Tremmler" sind mit köstlichem Humor gezeichnet. Das Gegenstück zeigt genau dieselben Physiognomien in weniger kriegerischer Stimmung. Der alte Fahnenjunker steht vor einem Tor auf der Wacht, glaubt in der gleichfalls ganz jüdischen Ablösungspatrouille Feinde zu erkennen, und ruft: „Wai geschrien! Wei, hüls, se machen mich dodt, Wai, jetzt is losgangen, iach nach schon's Pülfer!" Wachkommandant (gleichfalls Jude aus dem vorigen Bild): „Aber Schabs! I' kennst mich denn nicht? Jach bin ja der Herschl, wir kommen ja ablösen." Allerdings scheint der Spott nicht ganz unverdient, wenn ich Familientraditionen trauen darf, haben unsere Großväter und Großonkeln, ihrem Geschäftsleben entrissen und schwarz-gelb bis ins Innerste, den Mobilgardendienst in den letzten Oktobertagen, aus denen diese Blätter stammen, nur mit äußerstem Widerwillen und unter strengstem Zwange versehen. C. Benedikt. Korrespondenzen. Jüdische Ehrlichkeit. Im Hinterhause des von mir bewohnten Hauses lebt eine fünf Köpfe zählende jüdische Familie, deren Oberhaupt schon seit vollen zehn Wochen stellungslos ist. Er war vor Jahren ein Schnittwarenhändler in Polna in Böhmen und kam infolge der Hilsneraffäre und des von den Provittzblättern provozierten Boykotts um seine gesamte Habe. Mit dem elenden Reste seines einst nicht geringen Vermögens übersiedelte er nach Wien. „Ja, warum haben Sie denn nicht Konkurs angesagt? Den Staatsanwalt wollte ich sehen, der die Klage auf betrügerische oder leichtsinnige Krida aufrecht erhalten hätte, wenn Sie unter wahrheitsgetreuer Darlegung der Verhältnisse den über Sie verhängten Boykott als die einzige Ursache Ihres ökonomischen Niederganges namhaft gemacht haben würden," fragte ich den Mann. „Herr," entgegnete mir der Unglückliche, „ich konnte meinen unschuldigen drei Kindern nichts erwerben, als einen ehrlichen Namen. Und um diesen sollte ich sie bringen? Lieber Hungers sterben und in die Donau gehen, als meinen schuldlosen Kindern einen bemakelten Namen hinterlassen!" In Wien trat er als Stenopist in eine Fabriksniederlage ein mit einem Monatsgehalte von 130 Kronen, mußte jedoch schon nach Verlauf dreier Jahre diese Stellung aufgeben, da er sonst — laut Ausspruch des Professors Fuchs — völlig erblinden müßte. So brachte er sich und die Seinen als Platzagent einer Mehlspeisefabrik fort. Seine achtzehnjährige Tochter, ein blutarmes unterernährtes Geschöpf, saß für den Hungerlohn von 12.50 Kronen täglich zehn Stunden an der Nähmaschine und wirtschaftete sich bei dieser aufreibenden Arbeit die „Wiener Krankheit" ein: sie wurde tuberkulös. Sie kam ins Rothschildhofpital und auf ihre kniefällige Bitte hin nahm sie die Mutter vor sechs Wochen heim. Da sie nicht mehr transportfähig war, konnte sie von der Wohltat, die ihr die Krankenkasse bot, nämlich aufs Land zu gehen, keinen Gebrauch mehr machen und siechte jammervoll dahin, da die tief beklagenswerte Kranke sich ihres unheilbaren Zustandes, sowie ihrer baldigen Auflösung sehr wohl bewußt. war. Da die Mutter nahezu taub ist. kam ihr Mann ganze sechs Wochen nicht aus den Kleidern, um auf jeden schwachen Ruf seiner sterbenden Tochter gleich bei der Hand zu sein. Die Familie lebte von den 90 Kronen, die der Sohn als Monatsgehalt bei Heller und Pfennig nachhause brachte, und von den 30 Kronen, die die Sterbende monatlich von der Krankenkasse bezog. Da ereignete sich folgendes: Mit der Aussicht, sechzig Heller zu verdienen, fuhr der Familienvater vorgestern nach Baden. Er entledigte sich des erhaltenen Auftrages, wobei er nicht sechzig, sondern bloß sechzehn Heller ins Verdienen brachte. Da stolperte er auf der Straße über einen in der Sonne glänzenden Gegenstand. Er bückte sich nach demselben und hob eine mit Silber beschlagene Börse auf. In derselben fand er vierhundert Kronen und eine mit Gold beschlagene Zigarettenspitze. Ohne auch nur einen Augenblick zu schwanken, trug der vorbildliche Ehrenmann den reichen Fund zur Badener Polizei. Nach einer Stunde schon meldete sich die Verlustträgerin aus dem Polizeikommissariat, wo sie der diensthabende Beamte erst unter Hinweis auf die gesetzliche Bestimm u n g zum Erlag des zehnprozentigen Finderlohnes im Betrage von 42 Kronen veranlassen mußte. Ganz glücklich fuhr der ehrliche Mann nach Wien, in seinem Herzen jubelnd, daß er seiner kranken Tochter ein Huhn werde kaufen können. Zuhause angelangt, fand er seine Tochter als Leiche vor; sie war am Vormittag in ein besseres Jenseits hinübergedämmert! Und da erst trat das zum Himmel schreiende Elend dieser verschämten, armen Iudenfamilie zutage, bei dessen Kenntnisnahme die blutarmen Nachbarfamilien eine sofortige Kollekte veranstalteten, um für den Augenblick dem größten Elend abzuhelfen. Vor allem kauften wir der Mutter der Dahingeschiedenen ein Paar Schuhe, da sie in alten, zerrissenen Hausschuhen einherging. Und bei diesem Anlasse machten sich vier christliche Arbeiterfamilien anheischig, dem stellungslosen armen Juden allwöchentlich je eine Krone zum Haushalte beizusteuern, bis er sich anderweitig werde geholfen haben. Die unglückliche jüdische Familie, deren Tochter diese Woche bestattet wurde, heißt Schönbrunn, wohnhaft in Wien, XIV., Sechshauserstraße Nr. 70. II. Stiege. 1. Stock. Tür 23. Im Namen Gottes, des Allmächtigen und Allerbarmers bitte ich mit aufgehobenen Händen alle mitfühlenden Herzen, ein Scherflein zur Linderung dieser unbeschreiblichen Not beizutragen, und wende mich, sehr geehrter Herr Doktor, an Sie mit der eindringlichen Bitte, zugunsten dieser Aermsten eine Sammlung einzuleiten. Allen, die sich dieses schuldlos ins Elend geratenen Ehrenmannes liebevoll annehmen, rufe ich zu: „Gott vergelte Euch hundertfach alles, was Ihr an diesen tief bejammernswerten Menschen tut! Amen!" ZdenkoFur-Jelencko, Schriftsteller Wien, XIV., Sechshauserstraße 70. Humaner Akt eines Fürstbischofs. Aus Stanislau (Galizien) wird uns geschrieben: Ein interessanter Vorfall, in dessen Mittelpunkt der ruthenische Fürstbischof Chomitzyn steht, bildet hier das Tages-

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