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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-01 · 31 (1.8.1913) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
31 (1.8.1913)
Date
1913-08-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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sr 31 Dr. Bkochs Wochenschrift. SeU 55K haben sich die Sabbatarier in zwei gegnerische Lager gespalten^ wodurch selbst ihr Familienleben vergiftet wurde. Die Differenzen zwischen den beiden Parteien haben bloß den Ehrgeiz zur Grundlage, indem die Angehörigen der einen oder anderen Partei die Führerschaft kür sich in Anspruch nehmen. Die Sabbatarier.in Sibirien und überhaupt in ganz Rußland haben heute schon sehr wenig von ihrem alten jüdischen Puritanismus, sie sind in ihren Sitten ganz russifiziert und der Alkohol spielt nicht nur bei den Männern, sondern auch bei den Frauen unter ihnen eine sehr wichtige Rolle. Von einem Reisenden wird erzählt, daß es durchaus nicht zu den Seltenheiten gehöre, daß auf einer Sabbatarierhochzeit, deren Gäste fast ausschließlich aus Cabbatariern besteht, 8—10 Eimer Branntwein konsumiert werden. Eine Synagoge aus dem Fahre 1579. Wie man uns aus Lemberg berichtet, hat die „Gesellschaft polnischer Archäologen" den Beschluß gefaßt, unter Mitwirkung des „Polnischen Architektenvereines" eine stilgemäße Restaurierung der alten Synagoge in Przemysl durchführen zu lassen. Die Przemysler Synagoge stammt aus dem Fahre 1579 und ist eines der ältesten Baudenkmäler in Galizien. Es ist urkundlich nachgewiesen, daß sie im Jahre 1579 von dem berühmten italienischen Architekten Vononius erbaut worden ist. Die. Przemysler Judengemeinde hat sich bereit erklärt, die Losten dieser Restaurierung, welche in byzantinischem Stile erfolgen wird, aus ihren Gemeindemitteln zu bestreiten. Priestervergötterung. In der Juni-Nummer 1913 des katholischen „Pfarrboten aus Ars a. M.“ ist zu lesen: „Der ehrwürdige Pfarrer von Ars, der den erhabenen Beruf des Priesters sehr wohl zu würdigen wußte, sagte darüber folgendes: „Gehe bßu und beichte der heiligen Mutter Gottes oder einem Engel! Können sie dich lossprechen'? Geben sie dir den Leib und das Blut Christi? Nein, keineswegs! ■— Die allerseligste Jungfrau kann ihrem göttlichen Sohn nicht befehlen, daß er in die Hostie herniedersteige. — Und hättest du bei dir eine Legion Engel, sie könnten dir keine Lossprechung erteilen! — Ein Priester aber, so arm uncl schwach;er auch immer sei, er kann dich lossprechen! Er darf zu dir sagen: Gehe hin in Frieden; deine Sünden sind dir vergeben. Welch eine Macht ist des Priesters! Erst im Himmel wirst du sie vollständig begreifen; würdest du auf Erden dieselbe gänzlich einsehen, du stürbest, und zwar nicht vor Furcht und Schrecken, aber aus Dankbarkeit und Liebe. AVas nützen dir alle Wohltaten Gottes ohne den Priester? .... Ohne den Priester wäre Christi Tod und Leiden vergeblich. . . Nach Gott ist der Priester alles; Er ist das Werkzeug Gottes. Gott heiligt den Menschen durch den Priester und ohne den Priester kann sich niemand heiligen!“ In Konsequenz dieser religiösen Vorstellung behauptet jeder Dorfpfarrer von sich wörtlich: ..Nach Gott ist derPriester alles! Er ist das Werkzeug Gottes! Gott heiligt den Menschen durch den Priester, und ohne den Priester kann sich niemand heiligen!"? Es ist gar nicht auszudenken, welche flammenden Proteste der aufhorchenden Menschheit in die Ohren geschrieen würden, wenn beispielsweise ein Rabbiner eine solche Aeußerung von sich zu geben wagen würde. Allein ein katholischer Priester — der kommt gleich hinter dem lieben Herrgott! E. Opfer von Auswanderungsagenten. Wie wichtig die Emigrationsregulierungstätigkeit der Jto in Rußland ist, beweist die folgende Nachricht, die uns aus Kiew zugekommen ist. Vorige Woche wurden an der Alerandrower Grenze 25 jüdische Auswanderer, die aus Russisch-Polen kamen und mit Hilfe eines Auswanderungsagenten die Grenze überschreiten wollten, verhaftet. Wie gewöhnlich, haben diese Auswanderungshyänen, als sie sahen, daß die Grenzpolizei hinter ihnen her ist, ihre Opfer im Stiche gelassen und haben sich geflüchtet. Die bedauernswerten Auswanderer, von denen manche dem Agenten auch ihre Barschaft anvertraut hatten, wurden ..»eretappein ihre Heimat zurückbefördert, wo ihrer noch eine empfindliche Strafe harrt. Katholische Zwangstaufen in Rußland. Selbst in Rußland, wo die Katholiken es wenigstens teilweise zu spüren bekommen, was es heißt, als Angehörige einer Minoritätsreligion Beschränkungen ausgesetzt zu sein, benehmen sich die Katholiken den Juden gegenüber genau so. wie in Galizien. Die Entführung jüdischer Mädchen zum Zwecke der Taufe ist in manchen russischen Gegenden auf der Tagesordnung: so wurden, wie uns berichtet wird, in Wilna erst vor kurzem dem Juden Pazofsky, der in der Umgebung von Wilna wohnt, zwei Töchter im Alter von 15 und 17 Jahren in ein Kloster entführt, wo sie für die Taufe vorbereitet wurden. Als ein direktes Einschreiten des Vaters in dem Kloster wegen Herausgabe der Kinder fruchtlos blieb, nahm er die Polizei in Anspruch, doch die Leitung des Klosters widersetzte sich, ganz wie in Galizien. selbst der Polizei und es bedurfte erst der Intervention des Gouverneurs, um — und darin ist Rußland doch Galizien voraus — die Kinder dem unglücklichen Vater zu überantworten. Eine Hilfsaktion für die Opfer des dritten Balkankrieges in Saloniki. Aus Saloniki wird uns geschrieben: Mehr vom Gesichtspunkte der Frage, welche Stellung die Juden in Saloniki einnehmen werden, wenn, wie es nunmehr mehr als wahrscheinlich ist, Saloniki griechisch bleibt, bietet das folgende besondere Interesse. In allen öffentlichen Aktionen haben bisher die Juden in Saloniki eine gesonderte Stellung für sich eingenommen, indem sie eigene, selbständig handelnde Komitees bildeten und das Ergebnis einer solchen Aktion als die Leistung der Judenschaft von Saloniki auswiesen und an die Zentralsammelstelle ablieferten. Nach Ausbruch des dritten Balkankrieges haben nun die Griechen abermals eine große Hilfsaktion zugunsten der Opfer des Krieges gegen Bulgarien eingeleitet. Aber diesmal ist die Aktion bereits eine gemeinsame, indem eine sogenannte gemischte Kommission gewählt wurde, in welche jede Konfession eine im Voraus festgesetzte Anzahl von Vertretern entsendete. So wurden in die Spitalkommission, welche aus dreißig Personen besteht, 16 Griechen. 10 Juden und 4 Muselmänner entsendet. Allerdings wurden in mehreren Subkomitees Juden zu Vizepräsidenten gewählt. Es braucht nicht erst hervorgehoben zu werden, daß Juden dem Appell zur Hilfeleistung sofort entsprachen und mit ihren Beiträgen an der Töte marschieren. Der neue Gouverneur von Mazedonien, Dragoumies, erschien denn auch in Begleitung des Stadtpräfekten Argyropolos beim Großrabbiner von Saloniki, um ihm namens der Regierung und der Stadt für das glänzende Verhallen der Juden den Dank auszusprechen. Jüdische Karikaturen aus dem Fahre 1848. Bei einer Durchsicht wertvoller Blätter aus dem Jahre 1848, die in vernichtend sein sollender, uns aber Hans Jörglhaft gemütlich scheinender Art nicht ein Ereignis des Sturmjahres unbespöttelt lassen und vor nichts Halt machen, konnte ich nur drei Blätter über die Juden finden, ein Beweis, daß der Antisemitismus weniger populär war als heute. Das in dieser Beziehung stärkste Blatt zeigt eine gekrönte Iudenkarikatur auf einem allösterreichischen schwarzgelben Postwagen, der statt der Pferde anmutige Wienerinnen, nahezu im Evakostüm, eingespannt hat, die der gekrönte Iudenkönig tüchtig durchpeitscht, also eine Paraphrase der Könige

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