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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-01 · 31 (1.8.1913) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
31 (1.8.1913)
Date
1913-08-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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jtmmiuüinmKJ 1 Sette.552 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 31. ist jetzt. dahin gerichtet, Finnland zu russifizieren. Es ist natürlich, datz die wenigen urfinnländischen Juden vollberechtigte Bürger sind, sie hatten sich beeilt, diese Rechte zu erwerben. Diese fühlen sich vollständig als Finnen. Die hohe politische Reife der finnischen Bevölkerung gibt sich, eben darin kund, daß sie die finnischen Juden vollständig in sich ausgenommen haben. Sie dürfen ihre Religion ganz frei ausüben, was ich wohl nicht erst zu betonen brauchte. Die finnische offizielle Welt kennt eine Unterscheidung nach Religionen überhaupt nicht — das russische Regime bemüht sich natürlich, hierin eine Aenderung eintreten zu lassen — und so ist es wohl nicht zu verwundern, daß die in Finnland zu Worte gelangenden Juden an allen Angelegenheiten des Staates in vollem Matze teilnehmen können, und auch tatsächlich teilnehmen. Ihr religiöses Leben ist, wie ich erfahren habe, im allgemeinen nicht sehr stark. Immer mehr greift dort eine gewisse Reformbewegung Platz, die meines Wissens von Deutschland ausging und die Modernisierung der jüdischen Religion zum Zwecke hat. Es entstehen „freie Synagogen" mit immer grötzerer Anzahl. Diese haben es auf sich genommen und gewissermatzen statutarisch festgesetzt, daß in der Synagoge Männer und Frauen gemischt mit entblößtem Haupte beisammen sein werden. Sie wollen auch die hebräische Sprache verdrängen und nur in einzelnen Hauptgeboten beibehalten. Die Sprache der Predigt, sowie des grötzten Teiles des Gottesdienstes ist die finnische. Dies geschieht deshalb so, um auf diese Weise das Wohlgefallen des finnischen Volkes zu erlangen. Wie bedeutungsvoll diese Tatsache ist, beweist am besten, datz die vornehme finnische Gesellschaft sich bisher nicht der finnischen, sondern der schwedischen Umgangssprache bedient hat und datz heute gerade infolge der patriotischen Agitation der Juden die finnische Sprache wieder die „vornehme" geworden. Sie sind imstande, der gewaltsamen Russifizierung zu widerstehen, und das lätzt sie in unseren Augen als ein sehr wertvolles Element erscheinen. Es wäre allerdings schade, die Sache zu beschönigen. Eine grotze jüdische Masse wäre bei uns in keiner günstigen Lage. Es gibt wohl bei uns keinen Antisemitismus in europäischem Sinne, aber es besteht eine gewisse Aversion gegen alles Russische, und diese, glaube ich, würde infolge einer starken russisch-jüdischen Einwanderung nur noch mächtiger werden. Das Finnentum hütet sich, wenn auch aus egoistischen Motiven eifersüchtig, vor allen äutzeren Einflüssen. Es kennt die gewaltsamen, schonungslosen Mittel der russischen Regierung und will sich gegen diese mit einer einheitlichen russenseindlichen Masse verteidigen. Sie meinen, datz die russischen Juden unmöglich von ideal russischen Gefühlen beseelt sein können. Das stimmt ja, aber das Volk sieht es dennoch nicht so. Und in diesem Falle entscheidet leider niemals der gesunde Verstand, sondern das sehr oft sich täuschende Gefühl. Finnische Nationalisten betonen schon jetzt, datz die Russen in erster Reihe Juden hieher siedeln werden, damit diese mit der Russifikationsarbeit beginnen. Ich brauche wohl nicht erst zu betonen, datz das eine lächerliche Rede ist. Aber es ist ohne Zweifel bezeichnend. Hiemit hätte ich Ihnen aufrichtig die ganze finnische Judenfrage aufgedeckt. Ich glaube, sie ist bei uns genau solcher Natur, wie in den übrigen Staaten Europas. Die Situation wird hier bloß durch die russische Willkür kompliziert, die imstande ist, die finnische Russenfeindlichkeit in eine Judenfeindlichkeil umzuwandeln. Ich bemerke, datz dies noch nicht eingetreten ist, aber es ist meine Ueberzeugung, datz es blotz noch eine Frage der Zeit ist, wenn es so kommen wird. Gebe Gott und im Interesse des finnischen Volkes wünsche ich es auch, datz dieser Zeitpunkt doch niemals eintreffen möge." General Lambert. Das Museum der Gendarmerie in Nancy hat dieser Tage in feierlicher Weise seine Sammlung mit dem Porträt eines der berühmten Kinder der Stadt Nancy, des im Jabre 1696 verstorbenen Generals Aimo Lambert, des Sohnes des Abraham Samuel Lambert, bereichert. Der „Republicain" schildert in folgenden knappen Zügen die grotzen Verdienste dieses Mannes: Mine Lambert, grand officier der Ehrenlegion, der 1896 in Paris starb, hatte eine lange rühmliche Karriere durchgemacht, indem er an 13 Schlachten teilgenommen, mehrere Wunden erhalten und während des Krimkrieges allein im Tagesbefehl lobend genannt wurde. Dieser stolze Soldat war Besitzer zahlreicher Auszeichnungen und aller Medaillen des Krimkrieges, des italienischen, mexikanischen und türkischen Krieges. Der Schah von Persien verlieh ihm den Löwen- und Sonnenorden. Sowohl die Königin Jsabella, als auch Zar Alexander verliehen ihm den Kommandeur-Titel, und auch Papst Pius IX. hat diesem guten Franzosen, dem treuen Sohne des Alten Testamentes, dem Abkömmling der historischen Makkabäer, die treu sind ihrem Gotte und ihrem Vaterlande, das Kommandeurkreuz des Ordens des heiligen Gregors des Erotzen verliehen. Von den Sabbatariern in Sibirien. Die ersten Sabbatarier, die von Rutzland nach Sibirien verbannt wurden, waren Menschen, die für ihren jüdischen Glauben die größten Leiden erduldet haben. Die russischen Behörden jener Zeit behandelten diese Sabbatarier in der grausamsten Weise, verboten ihnen sogar, ihre minderjährigen Kinder in die Verbannung nach Sibirien mitzunehmen, die in russischen Dörfern zurückblieben und in den meisten Fällen niemals erfuhren, datz sie im weiten kalten Sibirien noch Eltern haben. Ebenso mutzten die Eltern an ihre in Rutzland zurückgelassenen Kinder vergessen, die sie niemals mehr zu Gesichte bekamen. Die ersten Sabbatarier waren dem jüdischen Glauben so treu ergeben, datz sie für ihn selbst dieses Opfer auf sich nahmen. Aber auch die Einigkeit und Anhänglichkeit untereinander wuchs mit der Größe an gemeinsamen Leiden. Sie zogen sich ganz auf das Studium der Thora und der Propheten, sowie auf die strikte Einhaltung des Sabbats und der in der Thora vorgeschriebenen Festtage zurück. In Sibirien führten sie ein ruhiges Leben, das hauptsächlich der gegenseitigen Unterstützung gewidmet war. Die russischen Bauernsabbatariern waren von jeher strenge Antialkoholiker. Eine Schenke zu besuchen, war für sie die größte Schande. Diese gute Sitte hielten sie auch in Sibirien aufrecht, wo sie selbst bei Familienfesten sich jeden Genusses geistiger Getränke enthielten. Für eine ebenso grotze Sünde hielten sie das in Rußland so heimische Fluchen und den Gebrauch unflätiger Ausdrücke. Ein Mensch, der sich in solche Redensarten erging, war bei ihnen so verachtet, daß sie seinen Namen als warnendes Beispiel von Mund zu Mund gaben. Diese guten Eigenschaften wurden bei den Sabbatariern auch in Sibirien so hoch gehalten,. datz jeder Vater sie seinem Sohne zur testamentarischen Pflicht gemacht habe. Das währte aber bloß in der ersten Generation, aber schon die zweite Generation hatte manche Sitte oder Unsitte der Umgebung angenommen, und in der dritten Generation verfielen sie zum Teile schon dem Alkohol und die Ausschreitungen bei ihren Familienfesten sind in Sibirien sprichwörtlich geworden. In der letzten Zeit

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