Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 30 (25.7.1913)
- Date
- 1913-07-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 30 Dr. Vkochs Wochenschrift. Seite 543 Wien. Eine überaus zahlreiche Trauerversammlung aab am Montag, den 21. d. M., dem allzufrüh verblichenen Herrn Julius Hirsch, Sohn des Obmannes des „Talmud-Thora-Bethaus-Vereines" Herrn Leopold Hirsch, das letzte Ehrengeleite und der Freund des Hauses, der ehrwürdige Rabbiner Salzer ans Hommona, der sich zufällig hier kurze Zeit aufhält, widmete dem Heimgegangenen,' der ein. Alter von 32 Jahren erreichte und eine trauernde Witwe mit einem Kinde hinterläßt, einen tiefergreifenden Nachruf, der clle Anwesenden zu Tränen rührte. Auch am Grabe hielt Prof. Antscherl im Namen und in Vertretung des obgenannten Vereines eine teilnahmsvolle Ansprache, worauf Kantor Dukes das LI mole rachawim-Gebet rezitierte. Austritte aus dem Judentum. Vom 13. Juli bis inklusive 19. Juli 1913. Bellak Emma, Private, geb. 27. Dezember 1882, Wien, JX., Porzellangasse 44. Blahofsky Louise, geb. 20. Oktober 1884 in Lipnik, XX., Klosterneuburgerstrasse 100. Borskowitz Frieda, Weissnäherin, geb. 7. Jänner 1893 in Wien, XVII., Hormayergasse 24. Fi ankfnrt Eduard, Ingenieur, geb. 15. April 1889 in Wien, III., Obere Weissgärberstrasse 11. Frankfurt Adolf, III., Obere Weissgärberstrasse 11. Kaufmann Richard, Beamter, geb. 13. Juni 1879 in Wien, I., Schottenring 9. Mautner Erwin, Bankbeamter, geb. 7. Februar 1886, Wien, VII., Burggasse 51. Mediansky Lothar, Kaufmann, geb. 5. März 1883 in Wien, IX., Schwarzspanierstrasse 9. Mittler Therese, Privatlehrerin, geb. 16. Februar 1875 in Wien, VI., Gumpendorferstrasse 76. Pollak Otto, Fabrikant, geb. 19. März 1888 in Wien, XIX., Karl Ludwigstrasse 84. Schatz Regina, geb. 2. Februar 1872 in Lemberg, VI., Linke Wienzeile 94. Schatz Markus, geb. 8. Juni 1874 in Lemberg, VI., Linke Wienzeile 94. Schatz Maximilian, geb. 6. Mai 1880 in Lemberg, VI., Linke Wienzeile 94. Schwarzstein Stefanie, Private, geb. 2. Juli 1899 in Wien, XX., Kluckgasse 12. Skamperl Betti (Berta), geb. 24. März, 1862 in Nikolsburg, XV., Löhrgasse 6. •Weiner Anna, Kleidermacheiin, geb. 5. Dezember 1889 in Jungworitz (Böhmen), XVI., Grundsteingasse 8. Mitzlitz. (Ehrung.) Zu Ehren des nach Wien berufenen Oberkantors Hermann Mayerowitsch fand Samstag, den 12. d. M., im Hotel Bader ein Abschiedsbankett statt, welches einen glänzenden Verlaus nahm. Die ungewöhnlich rege Teilnahme gab Zeugnis für die Beliebtheit und Hochschätzung, deren sich der Scheidende in allen Kreisen erfreute. Nachdem Herr Oberkantor bei seinem Erscheinen lebhaft akklamiert worden war, sang der Gesangverein Mitzlitz Jsr. unter der Leitung des Oberlehrers Leo Hersch einen Abschiedschor, nach welchem Herr Hermann Steiner in einer launigen Ansprache die Anwesenden begrützte. Hierauf hielt Oberlehrer Hersch die Abschiedsrede, worin er den Scheidenden sowohl als Kantor und Juden, wie auch als Menschen feierte. Hieran schloß sich ein Liedervortrag des Frl. Hilde Fischer, von Frl. Frieda Hauser erakt begleitet, ferner ein Melodrama, das Herenlied von Wildenbruch, vorgetragen von Herrn Franz Pollenz, mit Frl. Anna Schmiedl am Klavier. Es sprachen dann der Kultusoorsteher-Stellvertreter Herr Adolf Grünbaum und Herr Simon Sensky, Obmann des jüdischen Gesangvereines, dessen Chormeister der Scheidende war, Worte der Anerkennung, worauf dem Herrn Oberkantor zur bleibenden Erinnerung ein sinniges Geschenk überreicht wurde. Herr Mayerowitsch dankte tief gerührt für all die ehrenden Beweise der Sympathie. Unsere besten Wünsche begleiten Herrn Oberkantor Mayerowitsch in seinen neuen Wirkungskreis. L. H. Bndwets. (Promotion.) Am 22. Juli d. I. wurde Herr jur. cand. Rudolf Kohn, Sohn des Herrn JUDr. Israel Kohn, Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde in Budweis, au der Wiener Universität zum Doktor der Rechte promoviert. Oderberg-Bhf. Es dürfte den geehrten Lesern dieses geschätzten Blattes vielleicht noch in Erinnerung sein, daß die israelitische Kultusgemeinde in Bielitz am 13. Oktober vorigen Jahres das 25jährige Amtsjubiläum ihres Oberkantors, Herrn Ignatz Goldman, festlich beging. Der Jubilar faßte den Verlauf der Feier und der anläßlich derselben gehaltenen Ansprachen in eine Broschüre zusammen und veröffentlichte dieselbe, deren Reinertrag dem Fonds des zu errichtenden Altersversorgungsheimes in Bielitz zugeführt wurde. Ein ’ Exemplar wurde auch dem Altbürgermeister Herrn Steffan zugesendet, welcher hieraus ein Schreiben an den Jubilar richtete, das als Zeichen der Wertschätzung und Beliebtheit, deren sich der Jubilar, nicht nur in seiner Kultusgemeinde, sondern auch in den Kreisen der christlichen Intelligenz von Bielitz erfreut, andererseits als Beweis der Vorurteilslosigkeit des Altbürgermeisters, hier folgen möge: Sehr geehrter Herr Oberkuntor! Entschuldigen Sie, wenn ich erst heute dazu komme, Ihnen für die mir freundliehst zugesandte Festschrift verbindlichst zu danken. Es ist mir eine Herzensfreude, daraus zu entnehmen, wie innig und freudig die ganze grobe Gemeinde Ihnen die Hochachtung und Wertschätzung zum Ausdrucke bringt und Ihre verdienstliche und segensreiche Wirksamkeit in so ehrenvoller Weise anerkennt. Sie haben, sehr geehrter Herr Oberkantor, sich in die Herzen hineingesungen, mit Ihrer vom Herzen kommenden gottbegnadeten Stimme. Auch ich gehöre zu Ihren dankbaren Zuhörern und war stets gerührt und innig ergriffen, so oft ich Gelegenheit hatte, Sie zu hören. Auch ich schliche mich freudig den laufenden Wünschen an, die Ihnen am Jubiläumstage zum Ausdruck gebracht wurden, und ich bitte Sie, nehmen Sie mein herzliches, wenn auch verspätetes: „Gott erhalte“, meine innigen Glückwünsche für Ihr stetes Wohlergehen im neuen Vierteljahrhundert freundlich entgegen. Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung Bielitz, 25. März 1913. Altbürgermeister Stella«. Ein jüdischer Kantor am rumänischen Kömgshofe. Wie die letzte Nummer des in Bukarest erscheinenden »Curicul I-alelit« meldet, wurde der Oberkantor der großen spaniolischen Synagoge in Budapest, Alberto Della Pergola, der sich durch seine Konzerte einen hervorragenden Namen als erstklassiger Sänger gemacht hat, vor kurzem zu Hofe geladen, um dort anläßlich eines Soupers an der Hoftafel zu singen. Das Konzert gelang ausgezeichnet und Oberkantor Della Pergola, ein Florentiner von Geburt, wurde während des Cercles wiederholt sowohl vom Königspaar als auch vom Thronfolger in ein längeres Gespräch gezogen, im Verlaufe dessen besonders die Königin Carmen Sylva den Leistungen des Oberkantors uneingeschränktes Lob zollte. London. Tie Britisli-Aeademy hat in ihrer letzten Vollversammlung den Professor der Philosophie ander Universität von Manchester zu ihrem ordentlichen Mitgliede gewählt. Feuilleton. Der jüdische Witz. Von kgl. Bibliothekar Dr. Heinrich Loewe, Berlin. (6. Fortsetzung.) Ueber Talmudgelehrte. Lamdonim, die sich ihr Brot schwer und oft auf merkwürdige Art verdienen müssen, gibt es viele Anekdoten. In Berlin gab es einmal einen großen Lamden (Talmudgelehrten), der aber in seinem Hauptberuf Marschalik (Lustigmacher auf Hochzeiten) war. Das patzte dem Row (Ortsrabbiner) nicht, der darin eine Herabsetzung der Wissenschaft sah, die er selbst zu pflegen hatte, und so sagte er einst dem Lamden: „Wie kommt es. daß Ihr. der Ihr sau a Lamden seid, a Macschalik seid?" Der antwortete ihm: „Wenn Ihr hett gekonnt lernen (d. h. ein Talmudgelehrter wäret), würdet Ihr auch sein a Marschalik."") In Labischin, einem kleinen Städtchen der Pcov'nz Posen, ist die Unwissenheit im jüdischen Schrifttum um nichts geringer, als in Wronke, Obersitzko oder anderen posenschen Städten. Andererseits wird jedem Fremden, von dem man annimmt, daß er ein Lamden ist, erzählt, dah früher Labischin nicht anders als Klein-Erez-Iihroel genannt wurde. „Es steit auf alten Mazeiwes." Das kann nicht auf die Zahl der Iuden gehen. Denn 13) lieberliefert von Landshut in feinem handschriftlichem Nachlaß. Daß diese Erzählung keine ursprünglich Berlinische gewesen seien muß, geht daraus hervor, daß sie abgeäudert auch anderweitig überliefert ist. Julius Des sau er erzählt in seinem Jüdischen Humorist (Seite 55) eine witzige Psalmenanslegung eines polnischen Marschalik bei einer Hochzeit. Der anwesende Rabbiner sagte hierauf: „Ich wußte gar nicht, daß der Marschalek auch etwas lerne» kann!" Jener antwortete: „Wenn der Rebbe hätP lernen können, wär' auch er ein Marschalek geworden!"