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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-07-25 · 30 (25.7.1913) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
30 (25.7.1913)
Date
1913-07-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 542 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 30 und die alle Gerechtigkeit verhöhnenden Ränke der russischen Justiz in der Affäre Beilis in Kiew. Er nannte dieses Justizverfahren eine Schande des 20. Jahrhunderts, eine Insulte gegen die Humanität, gegen die Wissenschaft und gegen die Gerechtigkeit. Unter lautem Beifall hat der gesamte Kongreß den Ausführungen des Vizepräsidenten Rein ach zugestimmt. Paris. Die Akademie verlieh den Brüdern Eugen und Leon Bloch den Danton-Preis (1500 Frcs.) für eine Arbeit über die Bedeutung der Strahlen und dem unter dem Pseudonym Jean Dornis bekannten Guillaume Beer den Tausend-Francs-Preis für seine Arbeit „Du 86N8ib11it6 daus la poesie francaise". Für militärische Werke erhielten Preise Dr. D. Goldschmidt (Straßburg in der Belagerung) und Oberst Picard (Sedan 1870). Ferner der Dekan der Fakultät für Literatur in Nancy, Auerbach, einen 1500 Francs- Preis für das Werk „Frankreich und das heilige Deutsche Reich". Für seine verschiedenen Erfindungen des Automobilismus erhielt Fernand Forest einen bedeutenden Preis und ebenso G. Cahen für sein großes Werk „Ueber billige Volkswohnungen in Frankreich und dem Auslande". Das französische Parlament für die Juden in Marokko. Aus Paris wird uns geschrieben: Die von der Kammer eingesetzte Kommission in Angelegenheit einer Marokko-Anleihe beriet unter anderem auch über die Forderungen, welche die Juden von Fez an die französische Negierung als Schadenersatz für die anläßlich des vorjährigen Aufruhres erlittenen Verluste an Vermögen und Menschenleben stellen. Der Schadenersatz der Juden wird mit 10 Millionen Francs beziffert. Die Kommission beschloß nun, der Kammer vorzuschlagen, daß den Juden von Fez eine Schadenersatzsumme von 4 Millionen Francs bewilligt werde. Der Antrag eines Kommissionsmitgliedes, den Anspruch von 10 Millionen voll anzuerkennen, fand keine Majorität. Die polizeiliche Judenhetze in Kiew. Die allnächtlich stattfindenden Durchsuchungen der jüdischen Wohnungen sind zu einem Aergernis sondergleichen geworden. Nicht nur die Juden, sondern auch die Christen befinden sich in begreiflicher Erregung. Wird doch jeder Hausbesitzer mit enormen Geldstrafen belegt, falls in seinem Hause ein „nichtwohnberechtigter" Jude gefunden wird. Die permanenten Durchsuchungen und die sich daran anschließenden Einsperrungen und Massenabschiebungen haben im Leben der Stadt eine derartige Verwirrung hervorgerufen, daß sich schließlich die obersten Behörden, der Generalgouverneur und das Ministerium, veranlaßt sahen, dem übereifrigen Gouverneur ein Halt zu gebieten. Statt dessen sind jedoch drakonische Strafen für die nichtwohnberechtigten Juden, wenn sie in Kiew erwischt werden sollten, in Aussicht genommen. Was das allerdings bedeutet, versteht erst derjenige, der die inneren Verhältnisse näher kennt. Durch seine zentrale Lage inmitten des jüdischen Ansiedlungsrayons und durch seine engen Beziehungen zu den drei von Juden am meisten bewohnten Gouvernements. Kiew, Podolien und Wolhynien, in denen zirka 1,200.000 Juden ansässig sind, wäre Kiew eigentlich dazu prädestiniert, ein jüdischer Mittelpunkt zu werden. Die Tatsache, daß weit um den Umkreis von Kiew herum nicht eine einzige Stadt auch nur annähernd an Kiews Bedeutung heranzukommen vermag, daß vielmehr verschiedene Städte in der Nähe von Kiew zu dessen Gunsten im Rückgänge sich befinden, muß die Iudenheit noch mehr hierhertreiben. Ueberhaupt kann Kiew von den Juden des ganzen Südwestens Rußlands auf keinen Fall gemieden werden, eben weil es im Herzen des jüdischen Rayons gelegen ist und alle höchsten Anstalten des Südwestens, die administrativen, militärischen, gerichtlichen, sodann eine Reihe höherer Lehranstalten und Hochschulen konzentriert und den Handel und Gewerbeverkehr der ganzen Gegend beherrscht. Darum drängt das Leben Hunderttausende von Juden nach dieser Stadt zu ständigem oder zeitweiligem Aufenthalt und stößt die Schranken des Gesetzes um. Da entstehen täglich die harten Kämpfe der Polizei gegen die „Eindringlinge". Denn nicht wohnberechtigt in Kiew ist die Majorität der Juden, darunter gerade jene zahllosen Kleinhändler -und Vermittler, die ohne — wenigstens zeitweiligen — Aufenthalt in Kiew auch an ihren Heimatsorten ihren Berufen nicht nachgehen können. Für alle diese ist aber das Leben in Kiew eine einzige Kette polizeilicher Quälereien, die nicht selten mit tragischen Folgen verknüpft sind. Mögen noch so viele sauer erworbene Rubel in die Taschen der Polizeibeamten fließen, nie sind diese zu füllen. So versichern Kenner der Verhältnisse, daß die jährliche Einnahme eines Polizeileutnants in jedem der Judenbezirke Kiews auf 20- bis 30.000 Rubel sich beläuft. Also pflegt es in Kiew zu gewöhnlichen Zeiten zu geschehen. Die Razzien der letzten Zeit indes haben sämtliche ähnlichen Vorkommnisse der Vergangenheit in den Schatten gestellt und darum einen panischen Schrecken bewirkt. Laut der allerjüngsten Nachrichten sollen sie nun in ihrer bisherigen Form eingestellt werden, aber nicht gänzlich schwinden. Statt derer in der Nacht soll es nur solche am frühen Morgen geben. Man wird also fürderhin statt in dunkler Nacht in den frühen Morgenstunden Gelegenheit haben, das traurige und abstoßende Bild zu beobachten, wie ein großer Trupp anständiger Juden, von einem Polizeikordon umgeben, nach irgend einem finsteren Polizeiloch oder Gefängnisse geschleppt wird. Ein starkes Stück mittelalterlicher Manieren, mittelalterlicher Stimmung steckt in jeder dieser Szenen, die schlimmer als alle Pogromreden auf die unwissenden Massen wirken. Diese systematische Entwürdigung ist es überhaupt, die dem Pöbel den Gedanken an Gewalttaten gegenüber den Juden nahelegt. Wenn jemand von den Behörden als vogelfrei behandelt wird, warum sollte man sich an seinem Hab und Gut nicht vergreifen dürfen? Also spinnen die Massen des echtrussischen Volksverbandes den Gedanken ganz logisch weiter aus. Vermischtes. Kranzablösungsspeudeu zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I.. Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Julius.Reih: Michael und Serasine Lichtenstern 10, Gustav und Louise Lichtenstern 10, Heinr. und Therese Sonnenfeld 10, Eugen Zeiger 10, Alfred Sachs 10, Dr. Ludwig Sachs 10, Dr. Alois Friedjung 10, Dr. Leopold Spitzer 10, zusammen 80 Kronen. Anläßlich des Ablebens der sel. Henriette Neumann: Josef und Julius Neumann 20, Sofie und Jacques Modern 30, Fanny und Rich. Neumann, Brünn 30, Robert Neumann 30, R. N. 20, S. F. und A. F- 20, Simmeringer Waggonfabrik 20, Oskar Neumann 10, Zerline und Carl Thal 20, Franz C. Neumann 10, Stefan und Georg Neumann 10, Leo und Hedwig Wieseliier 10, Julius Fischer, Baden 10, zusammen 240 Kronen. Anläßlich des Ablebens der sel. Rosa Stern: Eduard Sommer 2 Kronen. „Baurat Wilhelm Stiaßny-Stiftung". Der „Jüdische Kolonisations-Verein" in Wien hat dem „Jüdischen Nationalfond" in Köln 10.000 Francs zum Bau von 10 Jemenitenhäuser in Palästina überwiesen. Die Stiftung führt nach dem langjährigen verdienstvollen Präsidenten des Vereines den Namen „Baurat Wilhelm Stiaßny- Stiftung".

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