Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 30 (25.7.1913)
- Date
- 1913-07-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 30 Dr. Vlochs Wochenschrift Seite 539 erwähnt werden darf, in seiner episch-lyrischen Dichtung „Gröndunnerstag bi Eckernför" dem wackeren Elias ein bleibendes Denkmal gesetzt. Der zweite Jude, der unbestritten zu den tapfersten Kämpfern des schleswig-holsteinischen Freiheitskrieges gehört, war der erst vor wenigen Jahren in Elmshorn verstorbene Selig Nathan Oppenheim. Gefreiter in der 2. Kompagnie des 15. schleswigholsteinischen Infanterie-Bataillons. Oppenheim zeichnete sich im mörderischen Sturm auf Friedrichstadt am 4. Oktober 1850, wo er auf der Brustwehr der feindlichen Schanze eine Fahne der Sturmkolonnen aufpflanzte uitb verwundet wurde, derartig aus, daß er eine der vom Herzog von Augustenburg, dem Großvater der Kaiserin, für die drei Tapfersten gestifteten goldene Medaille erhielt,- die einzige Ordenauszeichnung, die 1850 von schleswig-holsteinischer Seite vergeben wurde. Und die übrigen Glaubensgenossen, die mitkämpften, haben, wie überlebende Veteranen bestätigen, ihre Pflicht für das Vaterland wahrlich nicht vergessen. Zu diesem Thema wird uns noch geschrieben: Als im Jahre 1648 zwischen Habsburg und Schweden der Krieg ausbrach, da war es der Sohn des Rabbi Simon Spira's, mit Namen Markus, welcher als Anführer mit den jüdischen Jünglingen zu Prag den glorreichen Sieg über die Schweden erfocht und die Stadt Prag rettete. Nach dem Siege richtete Kaiser Ferdinand III. folgende Ansprache an Rabbi Simon Spira und seinen Sohn: „Was soll ich Euch Juden erzeigen, die Ihr doch das Beste getan habt? Was ist Eures Volkes rechter Herzenswunsch, Rabbi Simon?" „Großmächtigster kaiserlicher Herr," entgegnete derselbe auf dem Stab gestützt, dessen Spitze der Stern zierte, „wir Juden bitten um nichts, wir sind zufrieden. Ist uns doch an der Gnade genug, daß unser kaiserlicher Herr uns für treue tapfere Leute hält, uns selber Zeugnis darüber ablegt!" „Wenn Ihr auch um nichts bittet", sprach Kaiser Ferdinand III., „so sind Wir dennoch nicht gewillt. Euch gänzlich ohne Lohn und Gnade zu lassen! Rabbi Spira, der Du Deine Gemeinde geführt hast durch den Tod zum Siege, man soll Dich fortan Simon den Gerechten nennen, und es auf Dein Grab einst schreiben. wie Du treu erfunden worden bist um uns und Prag!" Er ergriff das große rotseidene Banner, welches ihm der Statthalter Colloredo reichte. „Um Eure große Tapferkeit willen und zum Gedächtnis, wie die Juden unter dem Zeichen ihres Glaubens für das Haus Habsburg, das Reich und diese Stadt gestritten haben, sei ihnen dieses Kriegsbanner in Ehren verliehen! Wir wollen es mit eiginer Hand in eurer Heiligtem pflanzen, und dieser Tag soll Euch von mir und meinen Nachfolgern allen zum ehrenvollen Andenken dienen!" Der Kaiser entfaltete mit Colloredos Hilfe das schwere seidene Fahnentuch, und alles Volk erblickte auf dessen rotem Grunde den goldenen Stern, gestickt, unter welchen die Juden gestritten haben. An dem schmäleren Ende des Bannerluchs, das in einer Troddel endigte, erglänzte aber das kaiserliche Wappen mit der Krone von Böhmen. Die Trompeten und Heerpauken klangen, das Jauchzen des Volkes erfüllte die Luft. Markus Spira führte zu Pferde das jüdische Kaiserbanner vor her Majestät her, sein Vater, Rabbi Simon Spira, an der Seite. Hinter dem Kaiser aber folgten Colloredo, Kinsky, Czernin und der gesamte Adel der Hauptstadt — in das enge, verräucherte, schmutzige Judenviertel, und die halb unter der Erde gelegenen Alt- Neuschul-Synagoge, durch deren Dunkel jetzt ein Herr von festlichen Lampen glänzte. An der vordern, gen Westen stehenden Säule ward der Bannerspeer aufgerichtet und die riesige seidene Fahne mit dem jüdischen Gotteszeichen und dem Kaiserwappen über die Decke durch das ganze Schiff des Tempels gespannt so hängt es noch heute. Als der Kaiser in den alten Bau entblößten Hauptes trat, erglühte, von der Morgensonne durchstrahlt, feurig der Stern Jehovas beim Altäre. Staunend blieb Ferdinand III. stehen. „Wie wunderbar!" flüsterte er. „Sage mir, Rabbi Simon, was es bedeutet, damit ich die Kraft des Zeichens begreife, die es für Euch hat.." „Es ist das alte Zeichen der Verheißung. Majestät." entgegnete der Rabbi, „das uns verliehen ist, seit David und seit wir lernten zum ewigen Vater alles Geschaffenen beten." „Ich danke Dir, Rabbi: das ist eine sehr hohe Lehre! Dies Zeichen soll auch in meinem und meiner Nachkommen Herzen stehen und nimmer verlöschen!" Budapest. SigmundLaufer. Der Familienname Weil. Der Schüler des Macharil, R. Jakob b. Juda Weil (15 Jahrhundert) heißt sonach seinem Geburtsort Weil oder Weilderstadt am N ckär (Ziehe meine ®?ü§?cfjte III, S. 20). Süddeutsche Ortsnamen sind vielsach zu jüdisch m Familiennamen geworden, so Landau, Heilbronn (verderbt: Holpern, H'ilpein und ähnlich), Mühlhausen u. a. m. Dr. Güdemann. Professor Metschnikoff Refus. Aus Petersburg wird uns geschrieben: In hiesigen Regierungskreisen hat das Refus, welches sich die Regierung bei Professor Metschnikoff in Paris geholt hat. tiefen Eindruck gemacht. Die Regierung richtete nämlich an den weltberühmten Gelehrten die Einladung, nach Petersburg zu kommen und an der medizinischen Fakultät der Petersburger Universität eine Lehrkanzel zu übernehmen. In seiner Antwort erklärte Metschnikoff, daß er sich durch diese Einladung wohl sehr geehrt fühle, sie jedoch ablehnen Müsse, da er ohne seine beiden jüdischen Assistenten Besradga und Wallmann nicht nach Petersburg gehen wolle. Diesen beiden jüdischen jungen Gelehrten sei aber der Aufenthalt in Petersburg ohne Erniedrigung unmöglich. Bezeichnend ist nun, daß die russischen Blätter, wohl aus „Rache", Professor Metschnikoff zum Judenstämmling zu stempeln versuchen. Die „christliche Synagoge". Welch' große Summen der Missionsfond in Kanada verschlingt, geht aus einem Berichte hervor, den englische Blätter über die Einweihung der ..Christina Synagogue“ in Torronto veröffentlichen. Mit ganz besonderem Pomp wurde hier eine Institution geschaffen, in welcher sich alles befindet, was geeignet erscheinen könnte, arme Juden in die Versuchung zu führen. Die „christliche Synagoge" hat nicht nur einen überaus großen, ganz nach jüdischem Ritus eingerichteten Beiraum, sondern auch einen Kranken-Pavillon, ein Gymnasium für arme jüdische Schüler, ein Tagesheim für Arbeiterkinder, Turnsäle, Volksküchen, eine Bibliothek, Lesehalle etc. Trotz des ausführlichen Einweihungsberichtes, wird auch nicht mit einer Zeile erwähnt, wieviele Juden der Zeremonie beigewohnt haben. Es scheint eben, daß auch in Kanada die Juden solchen Mätzchen nicht aufsitzen wollen.