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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-07-25 · 30 (25.7.1913) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
30 (25.7.1913)
Date
1913-07-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 538 Dr. Bll>chs WoHenschrfft. Nt 30 während die Musikbegleitung hinter seiner Bahre, weil sie der jahrhundertlangen Gepflogenheit, dem Lehrgehalte, der Wesensart seines Stammes widerspricht, hier etwas fremdartiges sein muh. Dahingegen sollte die vorhandene Trauerliturgie gefällig und sympathisch, etwa durch Ehorbegleitung ausgestaltet werden. Dadurch wird die Parallele mit der Musikbegleitung zu ungunsien unseres Rituals verhütet. Und hiefür darf das, freilich mit großen Mitteln gebotene Beispiel der Wiener Gemeinde richtunggebend sein, das aber der unvergeßliche Sulz er auch für kleinere Gemeinden verwendbar gestaltete. Freilich wird nicht in Abrede gestellt, daß in unserer Zeit der Eitelkeit und des äußerlichen Scheines der Trauermarsch eines Chopin, Meyerbeer, Mendelssohn seine Wirkung nicht versagen wird, gleichwohl bleibt es Tatsache, daß nach Auffassung unserer Religion von. Leben und Tod die würdigsten Verdienste des Heimgegangenen seine Taten sind, und da nicht jedermann Taten beschieden sind, zumindest sein Tun und Wirken auf Erden. Neutitschein, im Juni 1913. Dr. Simon Mandl. Vom Jahrmarkt des Lebens. Sand in die Augen. Wie die rumänischen Blätter melden, richtete in der letzten Senatssitzung Senator Emil L a h o v a r y an die Regierung folgende Anfrage: Wie die rumänischen Blätter melden, richtete in der letzten Senatssitzung Senator Emil Lahovary an die Negierung folgende Anfrage: „Nahezu 15.000 Soldaten jüdischen Glaubens haben dem an sie ergangenen Rufe Folge geleistet und sind gleich am ersten Tage nach der Veröffentlichung des Mobilisierungsdekrets zu ihren Truppenkörpern geeilt. In Erwägung des Umstandes, daß unter den rumänischen Fahnen sich ein so starkes Kontingent Soldaten jüdischen Glaubens befindet, die dem Lande jederzeit mit Liebe dienen und keinen Augenblick zögern, für die Vergrößerung Rumäniens, als desjenigen Landes, das die Gräber ihrer Eltern birgt und wo die Wiege ihrer Kindheit stand, ihr Leben zu opfern; in Anbetracht der Tatsache, daß die Mehrzahl dieser jüdischen Soldaten sich dennoch nicht aller bürgerlichen und politischen Rechte als rumänische Staatsbürger erfreuen, erlaube ich mir, an die Regierung die Anfrage zu richten, ob sie gewillt ist, einer Forderung der allgemeinen Gerechtigkeit entsprechend, in offener Parlamentssitzung zu erklären, daß sie nach der Demobilisierung alle rumänischen Soldaten jüdischen Glaubens als gleichberechtigte Söhne des Vaterlandes betrachten und behandeln wird.“ Finanzminister MargHiloman, der in Vertretung des Ministerpräsidenten Majorescu der Senatssitzung beiwohnte, erhob sich sofort zu folgender Beantwortung dieser Interpellation: Die Regierung ist gern bereit, allen Söhnen des Vaterlandes jüdischen Glaubens, die gemäß dem Mobilisierungsbefehle zu den Fahnen gerufen wurden, „alle tunlichen Erleichterungen" zur schleunigen Erlangung der vollen Staatsbürgerrechte nach der Demobilisierung einzuräumen. Soweit der Bericht rumänischer Blätter über die Regierungserklärung. Versprechungen der rumänischen Negierungsmänner werden erfahrungsgemäß niemals eingelöst. Wortbruch und Vertragsbruch gehören zu den ständigen Hilfsmitteln der rumänischen Politik. Wenn es den Regierungsleuten ernst wäre, den jüdischen Kombattanten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, so brauchten sie bloß einen Gesetzentwurf einzubringen, welcher den Kombattanten das Bürgerrecht verleiht. Ein solches Gesetz wird nicht einmal „angekündigt", sondern „Erleichterungen" versprochen. Damit ist klar, was davon zu halten ist. Sand in die Augen! Die rumänischen Juden freilich treiben keine Politik, die Oberrabbiner Dr. Beck und Dr. N i e m i r o w e r hielten patriotische Reden, die „Union einheimischer Juden" stellte der Armee eine Ambulanz zur Verfügung, in Bukarest, Jassy, Ealatz und anderen Städten errichtete sie Spitäler für Verwundete. Blank, Stern, Cohen, Beck, N i e m i r o w e r, S t a a d e ck e r, B r e i e r, S i 1 b e r st e i n, Schwarz «. a. leiten in der verschiedensten Weise Hilfswerke für die Familien der Soldaten. Juden erfüllen unter allen Verhältnissen die Pflichten gegen das Vaterland. Sind die Juden eine kriegerische Rasse? I. Zu dieser Frage bringt ein ungarisches Blatt einige schätzenswerte Daten über die rühmlichen Leistungen von Juden im ungarischen Freiheitskampfe: Als Ludwig Kossuth die ungarische Nation zu den Waffen rief, eilten die jüdischen Jünglinge scharenweise unter die Fahnen. Fast ein Drittel des Pester Bataillons bestand aus Juden und ebenso zahlreich war das jüdische Element in den Bataillonen der Komitate Raab, Kaschau und Stuhlweißenburg vertreten. Die eiligst ausgebildeten Truppen rückten in die Feuerlinie und die jüdischen Soldaten kämpften mit wahrem Heldenmut gegen die aufständischen Serben und Kroaten und gegen die österreichischen Regimenter. „20.000 Juden kämpfen tapfer in unserem Heere", sagte Ludwig Kossuth, und dieses Lob aus dem Munde des Führers hatten die Unerschrockenen redlich verdient. Nicht gering war die Zahl der jüdischen Helden. Ein jüdischer Honvedgefreiter geriet nach der Schlacht bei Moor in Gefangenschaft. In Raab gelang es ihm zu entfliehen und nach zahlreichen Entbehrungen und Widerwärtigkeiten kehrte er zu seinem Truppenkörper zurück und fand später den Heldentod. Ein Jude, der bei den „Radetzky-Husaren" in Mailand stand, als der Freiheitskampf ausbrach, desertierte und schlug sich durch ganz Oesterreich durch, 'um heimzukehren und hier für das. Vaterland zu sterben... Karl Urany (Goldner) jagte als Husarenoberleutnant und Kommandant der Vorhut des Generals Ernst Kisch die Serben in die Flucht. Nach der unglücklichen Schlacht bei Vizakna geriet er in Gefangenschaft und wurde in Hermannstadt untergebracht. Vom General Bem befreit und zum Major ernannt, war er sich mit 8000 Mann auf die doppelt so starke feindliche Abteilung, die Oravitza verteidigte und vertrieb sie nach blutigem Kampfe. Die ungarischen Juden hatten gezeigt, daß sie auch mit der Waffe in der Hand ihren Mann zu stellen wissen. II. Im siegreichen Kampf der deutschen Strandbatterien gegen die dänischen Kriegsschiffe bei Eckernförde am 5. April 1849 zeichnete sich u. a. der jüdische Kanonier Elias aus Friedrichstadl hervorragend aus. Der Kommandeur der „Nordschanze", Major Jungmann, wohl der kompetenteste Berichterstatter, erzählt in seinem Büchlein „Eckernförde und der 5. April 1849. Eine artilleristische Episode", davon also: „Dem Trompeter Hansen riß eine Kanonenkugel die eine Wade weg und er sank zusammen. Unmittelbar darauf krepierte eine Granate und der Kanonier Ehlert wurde von einem zersprungenen Stück der letzteren niedergeschmettert. Die Mannschaften des Geschützes hielten mit der Bedienung inne und sprangen den Verwundeten bei. Da ergriff Kanonier Elias, ein kleiner Mensch, der kaum das Maß besaß, den langen Wischer, brachte ihn in die Seele, und mit den Worten: „Ihr verfl.... Kerls, helft mir doch, helft mir doch," bemühte er sich, die schwere Stange im Rohr zu Boden zu bringen. Die Geistesgegenwart des einen Kanoniers rief die Mannschaft dieses Geschützes zu ihrer Pflicht zurück. — Elias wurde für sein wackeres Benehmen Bombardier. Er war jüdischer Religion." — Auch der plattdeutsche Dichter Johann Meyer hat, wie

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