Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 30 (25.7.1913)
- Date
- 1913-07-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 540 Dr. Blochs Wocheufchrist. Nr. 30 „Wäre ich Jude." (Rede eines Bischofs im Vereine für Judenmission.) 3m Eastend von London fand dieser Tage eine Versammlung des Vereines für Iudenmission statt, in welcher der Bischof von Stepney eine aufsehenerregende Rede hielt. Der Bischof sagte unter anderem: „Ich möchte auf eine Tatsache Hinweisen, und das ist, daß wir die Beobachtung machen konnten, daß unserer Werbearbeit in dem abgelaufenen Jahre etwas stärkere Opposition entgegengestellt wurde, als in den verflossenen Jahren. Ich muh sagen, dag ich diese Tatsache nicht beklage. Die jüdischen Behörden tun nur das, was ich als recht und billig anerkennen muß. Sie tun das, was ihnen meiner Meinung nach ihr Gewissen diktiert. Die jüdischen Behörden tun das, was auch ich an ihrer Stelle tun würde. Ich würde in keiner Weise zögern, wenn ich von dem Glauben erfüllt wäre, daß irgend einer meiner Glau-' bensgenossen im Begriffe ist, einen Wechsel vorzunehmen, den ich als eine Aenderung zum Schlechteren ansehen muß. Wenn ich ferner die Beobachtung machen würde, daß unter ihnen sich in der einen oder anderen Form eine Lockerung ihrer Anhänglichkeit an den alten Glauben bemerkbar machen würde, ich sage, ich würde keinen Augenblick zögern, alle Mittel anzuwenden, die geeignet wären, dem Prozesse Einhalt zu tun, der sich in dieser Richtung bewegt..... Wäre ich ein Jude und würde jene Mittel sehen, die angewendet werden, um unsere Arbeit zu noch größerem Erfolge zu führen, ich muß sagen, ich würde mich gewissermaßen zu der höchsten Kraftanspannung aufraffen, um dieser Arbeit ein entscheidendes Hindernis in den Weg zu stellen." Massenauswanderung der Juden aus Saloniki. Der „N. 3. K." wird aus Saloniki berichtet: Da es nunmehr feststeht, daß Saloniki griechisch bleibt, und weite Kreise der hiesigen jüdischen Bewohnerschaft zu den neuen Herren der Stadt kein Vertrauen fassen können, haben zahlreiche jüdische Familien, namentlich aus dem Kaufmannsstande, beschlossen, nach Konstantinopel, Smyrna, Kleinasien und Palästina auszuwandern. Heber 200 jüdische Familien haben sich bereits nach Konstantinopel begeben. Der Auszug so vieler wohlhabender Bewohner bedeutet eine schwere Schädigung für das Wirtschaftsleben der Stadt. Korrespondenzen. Fündig jähriges DolLorjubilämn des Präsidenten JUDr. Arnold Rosenbacher. Dieser Tage beging der Präsident der Prager isr. Kultusgemeinde, Herr JUDr. Arnold Rosenbacher, Advokat' in Prag, den fünfzigsten Gedenktag seiner Promotion zum Doktor der Rechte. In seiner Bescheidenheit. die sich allen öffentlichen Kundgebungen fernzuhalten strebt, beging ec auA diese Feier in stiller Zurückgezogenheit. Trotzdem sind dem vortrefflichen, allgemein geachteten Manne viele Beweise von Verehrung und Anerkennung zugekommen. Die Universität hat sein Dokterdiplom erneuert, und aus den Kreisen der Professorenschaft, der Richter und Advokaten, sowie aus der Gesellschaft erhielt der Jubilar ungezählte herzliche Gratulationen. Der Jubilar, der nicht nur als Advokat Hervorragendes geleistet, sondern auch als Prüfungskommissär bei den judiziellen Staatsprüfungen sich in ersprießlicher Weise betätigt hat, ist Mitglied und Ausschußmitglied vieler wissenschaftlicher und humanitärer Vereine. Was er als Präses der Kultusgemeinde in der Zeit der Assanierung getan, seine Verdienste um die Adaptierung des alten jüdischen Rathauses und um die Ausführung des Zubaues,, sowie sein Anteil an der Errichtung des isr. Siechenhauses in Zizforo und an der Förderung der Spitalbauaktion bilden ein eigenes Kapitel in der Geschichte der Prager israelitischen Gemeinde. Ein ganzes Dorf trauert um einen Juden. Vor einigen Tagen starb in Großwardein (Ungarn) der jüdische Dorfkrämer Simon Katz aus dem Dorfe Vojt. Zum Leichenbegängnisse, das in Großwardein stattfand, erschien aus dem weitentfernten Dorfe eine Abordnung von 100 Bauern, unter Führung des Gemeindesekretärs und des reformierten Geistlichen. Nach der Trauerrede des Rabbiners schilderte der Dorfgeistliche in einer ergreifenden Rede die große Trauer des ganzen Dorfes um den großen Verlust, welchen sie alle durch das Hinscheiden des alten Simon Katz erlitten haben, der stets ihr selbstloser Helfer und Berater war und dessen Andenken bis in die spätesten Generationen in dem Dorfe, in welchem Katz gewirkt hat, ein ehrendes bleiben wird.! Ein Bischof über die Marmaroser Juden. Wenn man in Ungarn eine Ausrede für antisemitische Gesinnung und judenfeindliches Handeln braucht, so erklärt man ganz einfach, daß es sich nicht um die kultivierten eingeborenen Juden, sondern um die aus Galizien eingewanderten Marmaroser Juden handle. Das hatte zur Folge, daß selbst die ungarischen Juden in dasselbe Horn bliesen und gewissermaßen jede Gemeinschaft mit den „Marmaroser Juden" ablehnten. Dies vorausgeschickt, wird man die Bedeutung der Mitteilung ermessen, daß der protestantische Bischof Dr. Desider Balthasar gelegentlich seiner jüngsten Anwesenheit in Huszt, der berühmten Ieschibah-Stadt des Marmaroser Komitates, einen Vortrag hielt, der im wesentlichen nichts anderes als eine Verherrlichung der Tugenden der Marmaroser Juden war. Der Bischof bezeichnete die Juden als das Volk der Dankbarkeit par excellence, als die Vorkämpfer des Staatsgedankens, die ihren Ehrenplatz inmitten der Völkerschaften noch immer ungeschwächt behaupten. Er richtete an das Auditorium, das die gesamte Intelligenz bes Städtchens darstellte, die Aufforderung, diese Iudenschaft zu würdigen, die berufen ist, dem Magyarentum und der ungarischen Kultur noch große Dienste zu leisten. Der Vortrag hat begreiflicherweise. großes Aufsehen erregt. Aufruf! Der Hilfsvcrein jüdischer Handwerker für Mährisch- Ostrau und Umgebung versendet folgenden Aufruf: An Eltern und Vormünder! Nach dem Schulscliluß tritt an viele die Frage heran, was soll aus unseren Jungen werden. Bei der Wahl des Berufes soll der Wunsch des Knaben berücksichtigt werden, denn der Erfolg ist ausgeschlossen, wenn man für ein Fach bestimmt wird, für das man keine Neigung hat, oft wählt aber der Junge einen Beruf, zu dem er nicht geschaffen ist oder seine geistige Veranlagung nicht paßt. Darum muß neben der Vorliebe des Knaben für die Berufswahl auch' die reifliche Ueberlegung von Eltern und Vormündern bestimmend sein. In den letzten Jahren hat sich die Jugend massenhaft dem Studium zugewendet, und darum ist eine Ueberproduktion von Absolventen verschiedener Lehranstalten geschaffen . worden, für die Stellungen nur schwer zu haben sind. Im Handwerkerstande haben immer noch tüchtige ausgebildete Menschen ihr gutes Fortkommen gefunden, und immer noch wird stets eine gute Handwerkerkraft gesucht. Der Unterzeichnete Hilfsverein jüdischer Handwerker für Mähr.-Ostrau und Umgebung hat es sich statutarisch zur Aufgabe gemacht, Knaben, welche Lust und Liebe zum Handwerk haben, verläßliche Lehrstellen zu besorgen. Beim