Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 30 (25.7.1913)
- Date
- 1913-07-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 536 Dr. Bwchs Wochenschrfft. *ir. 30 fühlte er sich plötzlich (— wie Antäos) auf heimischem Boden, stellte sich beim Ausgange dem besagten Herrn F. mit energischer Miene entgegen, herrschte ihn mit Stentorstimme in so beleidigenden Worten und Ausfällen an, daß der sonst besonnene Fabrikant — ohne ihn auch nur eines einzigen Wortes zu würdigen — dem damals noch wenig bekannten Antisemitenzögling eine derbe Ohrfeige versetzte, welche selbstredend in der Bahnhofshalle Aufsehen und Zusammenlauf verursachte. Der Inspektionskommissär führte sofort beide Herren in das Bahnhofspolizeiinspektorat und machte von dem Geschehenen Meldung. Herr F., ein bestrenommierter Fabrikant in Budapest, scheute sich nicht, seine Miffetat als im Widerspruche mit den Gesetzen stehend unumwunden einzubekennen und mutzte auch Schneider das beschämende Bekenntnis ablegen, datz er diesen wohlverdienten Backenstreich tatsächlich erhalten und sich keine Satisfaktion dafür genommen habe. Herr F. war zufällig dem amtierenden Kommissär im besten Sinne seit Zähren bekannt. Der letztere konnte nicht umhin, S ch n e i d e r als Kleingewerbetreibenden darauf aufmerksam zu machen, datz sein Gegner sich gewiß nur infolge einer Provokation zu einer Tätlichkeit aus öffentlichem Orte hinreitzen ließ und empfahl Herrn Schneider -— ihm die schädlichen Folgen eines weiteren gerichtlichen Verfahrens für ihn und feine Interessen vor Augen haltend — Herrn F. einfach für die in Z e d l e s e e gemachten Ausfälle gegen die Juden — u m Entschuldigung zu bitten. Schneider, zunächst sein materielles Interesse als Mechaniker sich vor Augen haltend, lieferte den Beweis der Ritterlichkeit und des persönlichen Mutes, indem er in aller Form Herrn F. Abbitte lei stete, pm seine materiellen Vorteile nicht in Gefahr zu bringen. Herr F. hatte seine Entschuldigung — Schneider seine Ohrfeige. Die Sache war somit in der schönsten Ordnung beigelegt. Die Czernowitzer „Bukowiner Rundschau" vom Dienstag, den 22. März 1892, enthielt nachstehende Mitteilung : Seit einigen Tagen fiel auf der Czernowitzer Promenade eine fremde Dame durch ihre schöne Gestalt und elegante Erscheinung auf. Der Name derselben ist Kreitner und sie weilt mit ihrem Gatten, einen Reisenden, hier. Was aber an der Dame bei den gegenwärtigen Zeitläuften besonders interessieren dürfte, ist. datz sie die älteste Tochter des bekannten Judenfressers Mechanikus Schneider und an einen Juden verheiratet ist. Die Ehe war ursprünglich zivil, aber vor zirka zwei Jahren trat aus Anlatz einer wunderbaren Genesung ihres Mannes Frau Kreitner (geb. Schneider) zum Judentume über. So hat ihn die Nemesis erreicht. Der anttsemitische Schüttrerem. „Der echte deutsche Mann mag keinen Franzmann leiden, doch seine Weine trinkt er gern." Diesen Vers haben sich nun die deutschen Antisemiten in eine eigene Moral übersetzt. Sie mögen zwar auch keinen Juden leiden, aber den Vorteil von ihm ziehen sie mit Begeisterung, mag es sich nun um Geld oder um Wahlstimmen handeln. Wenn in Nordmähren oder in Westböhmen die Wähler zur Urne schreiten, dann sind auf den Tribünen, den Plakaten und den Parteiblättern der deutschvölkischen Bewerber auch die Juden sehr geschätzte Mitbürger. Der Antisemitismus wird ganz tief in die Tasche gesteckt, um dann zur Entschädigung desto kräftiger wieder betrieben zu werden, wenn er nicht mehr schädlich wirken kann. Auf dem gleichen honorigen Standpunkt steht auch die grotze kulturelle Vereinigung der völkischen Deutschen, der Deutsche Schulverein. Dieser Verein ist auf das Schnorren angewiesen und betreibt dieses meisterhaft ohne jeden Unterschied der Konfession. Wenn man seine Bücher Nachsehen wollte, so würde man darin ein stattliches jüdisches Vermögen nachgewiesen finden, das mit grötzter Bereitwilligkeit beigesteuert worden ist. Es ist aber schade um jeden Heller, wie wir schon oft gesagt haben im Anschlutz an die energische Warnung vor diesem Verein, der sich in erster Linie berufen fühlt. nicht die deutsche Bildung, sondern ihr Gegenteil, den rüdesten Antisemitismus zu verbreiten. Oft haben wir schon Gelegenheit genommen, die Judenfeindschaft des Dr. Gustav Grotz nachzuweisen, der zugleich Obmann des Deutschen Nationalverbandes im Parlament und des Deutschen Schulvereines ist. Dieser ganz unbedeutende Politiker ist jetzt im Zeitalter der Mittelmätzigkeiten an die Oherfläche gekommen und macht sich hier in unangenehmster Weise bemerkbar. Er kandidiert auf das deutsch-fortschrittliche Programm, aber das ist eine.Irreführung, denn er übt das deutsch-antisemitische Programm aus. Seine Tätigkeit ist durchaus minderwertig, nie haben die Deutschen einen Führer gehabt, der schwächlicher ist und weniger' versteht als er. Aber im Punkt Antisemitismus ist er ein Held, ein Wotan, ein Zerschmetteren Niemand schimpft im Parlamente so oft und so stark über die Juden als er, niemand wacht eifriger darüber, datz es im Verbände höchst judenrein zugeht und zu jedem Krügel Bier wird nach der Schlacht ein Jude verspeist. Man hat denn auch schon in politischen Kreisen beschlossen, dem Dr. Grotz energisch auf die Finger zu klopfen, und nach der nächsten Wahl wird man hoffentlich seinen blonden Bart, der die Hälfte seiner politischen Erfolge bedeutet, im Parlament nicht mehr erblicken. Man mutz aber auch den Obmann des Deutschen Schulvereines zur Rechenschaft ziehen. Der Antisemitismus in diesem Verein rührt aus den Zeilen her, in welchen Dr. Grotz die Leitung übernommen hat. Seit diesen Tagen werden immer mehr judenreine Ortsgruppen gegründet und die Juden nur mehr beim Zahlen als vollberechtigte Mitglieder behandelt. Wie weit diese Sachen gediehen sind, geht nun aus den jüngsten Ausschreibungen von Lehrerstellen für den Deutschen Schulverein hervor. Nur solche Bewerber deutscher Volkszugehörigkeit finden Gnade, welche neben der Eignung für den Lehrerberuf eine zweifellos verlätzliche völkische Gesinnung Nachweisen, sowie den Taufschein vorweisen können. So heitzt es in den Inseraten, die auch — traurig, aber wahr — in der „N. Fr. Presse" erschienen sind. Der Taufschein also als offizielle Bedingung für die Anstellung beim Deutschen Schulverein. Diese Ankündigung ist wahrhaftig eine freche Provokation. Man braucht gar nicht Verstecken zu spielen und weitz genau, datz auch ohne die ausdrückliche Bestimmung in den Inseraten niemals ein Jude als Lehrer zum Schulverein gekommen wäre. Aber dieser praktische, tatsächliche, stille Antisemitismus genügte einfach den Herren von der Leitung und dem famosen Obmann, nicht mehr. Sie wollten offiziell, öffentlich vor der ganzen Welt zeigen, datz sie Antisemiten sind. Man kann sich denken, welche Tendenzen überhaupt in dem Vereine herrschen und wie seine Erziehung der Jugend aussieht, wenn er bei einer solchen Gelegenheit das Banner des Antisemitismus entfallet. Man darf aber den Leuten für ihre Offenheit nur dankbar sein. Dadurch werden hoffentlich weniger Schafe, welche sich geduldig scheren und schlachten lassen und mehr Böcke, welche mit den Hörnern stützen können. Bisher, bis in die letzten Tage haben die Juden der Sudetenländer sich stets bereit gefunden, wenn die Sendlinge des Deutschen Schulvereines zu ihnen gekommen sind. Jetzt aber haben sie ein offizielles Dokument vor Augen, aus welchem sie ersehen können, datz sie mit ihrem Gelde nur das Wohlergehen ihrer erbitterten Feinde bezahlen. So minderwertig wird ihre Intelligenz venn doch nicht sein, datz sie auch jetzt noch in ihre Tasche greifen. Der Dr. Grotz mag auch dann schön gesondert in seinem völkisch reinen Kreise bleiben, wenn es zum Zahlen kommt. Man mutz ihm jede Rücksicht beim Schimpfen auf die Juden aus dem Wege räumen. Ihm und seiner ganzen Sippe, die oft genug die Juden