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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-07-18 · 29 (18.7.1913) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
29 (18.7.1913)
Date
1913-07-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Dr. Bkochs Wochenschrift Seite 52s des Rabbi sich erheblich besserte, und der Arzt äußerte seine Zufriedenheit und erlaubte ihm auf seine Frage, außer der Hafergrütze etwas kräftigeres zu essen. Der Rebbe fragte: „Darf ich schon a bissel Ei essen?" — „Nun, ja, gegen ein Ei ist jetzt nichts einzuwenden." — „Und a bissele Butter?" — „Nun^, ein wenig Butter rann auch nicht schaden." — „Wie ist das mit etwas Mehl, kann ich das vertragen?" — „Auch ein bißchen Mehl ist nicht schlimm."- Sobald der Doktor den Rücken gekehrt hatte, ries der Rebbe: „Rebbezen, mach' mir an Eierkichen!" Die Rebbezen ist ganz erstaunt und weigert sich: „An Eierkichen? Dos is ja das schwerste, was man sich denken kann. Dos geit nit." Aber als der Rebbe sie belehrt, daß der Doktor es erlaubt hat, hat sie nichts einzuwenden, und sie macht dem hungrigen Manne einen Eierkuchen. Als er den gegessen, fühlt er sich so sterbend krank, daß er kaum Luft holen kann, und man muß den Doktor von neuem rufen, der. ganz erstaunt ist, seinen Patienten, der schon zur Besserung war, so krank zu finden. Als er von dem Eierkuchen hört, ist er ganz entsetzt: „Wie können Sie mit Ihrem Magen jetzt Eierkuchen essen wollen? Der ist ja schwer und unverdaulich." „Aber Herr Doktor, ich Hab' Sie doch gefragt, ein Ei. ein bißchen Mehl, ein klein wenig Butter? Was ist denn weiter im Eierkuchen drin? Das haben Sie mir doch erlaubt!" „Aber, Herr Rabbiner," sagt der Doktor, „jedes einzeln ist ja wirklich nicht schwer. Aber als Eierkuchen zusammen ist es ja für Sie geradezu lebensgefährlich!" Jedenfalls war der Rebbe wieder schwerkrank, und der Doktor ging von neuem aus und ein. Inzwischen hatte der Parneß bereits die Aßife in Kohlsstub (Versammlung in der Gemeindestube) einberufen, und nach langen Debatten — man hatte bereits davon gehört, daß es denk Rebbe besser gehen solle, — wurde die Gehaltserhöhung abgelehnt. Als man aber aus Kohlsstub fortging, hörte man, daß der Rebbe neuerlich schwer erkrankt sein solle, und man beeilte sich, ihn wieder mewakker chäule zu sein. Einer nach dem andern kam, und einer nach dem andern erzählte dem Rabbi: „An mir hat's ja nicht gelegen, daß die Erhöhung abgelehnt worden ist, ich Hab' ja mein Möglichstes getan, aber die andern, Rebbe, die andern!" So erzählte ihm ein Mitglied des Vorstandes nach dem andern, ein Repräsentant wie der andere, bis zuletzt auch der Parneß sich einfand und die gleiche Litanei anhub. Da sagte ihm der Rebbe: „Oih, mit de Parnoßim und Gabboim is es takke asoi wie mit dem Eierkichen: Jeder einzelne is git. Nor alle zusammen toigen nfcht."^) Von demselben kleinen Städtchen sagt man in der Provinz, es habe eine gesunde Luft. Dort sei noch nie ein Gemeindebeamter gestorben. In Wahrheit 'st es dort ein Grundsatz, 4eden altwerdenden Beamten rechtzeitig zu entlassen, ehe man etwa genötigt sein könnte, für den Mann Pension zahlen zu müssen.' Zur Beruhigung der Mitglieder kleiner Gemeinden. die diese Geschichten auf sich beziehen könnten, sei bemerkt, -daß die Geschichte keine einzelne trifft, sondern auf ein ganzes Dutzend mehr oder weniger paßt. Aber auch der Jude, der Grund zu haben glaubt, seiner Verachtung Ausdruck zu geben, ist nicht zu selten. Was der S ch l e m i e l von Wronke erzählt, wird an anderer Stelle über andere Kleingemeinden, die auf dem Aussterbeetat stehen, berichtet. „Du", sagt Pinkus zu Salomon, „ich Hab geheert, du hast Pätsch (Ohrfeigen) gekriegt in Wronke?" — worauf dieser verächtlich erwidert: „Spaß, a Kille (Gemeinde) Wronke!" (Fo-t'ltzu'u fol.t.) ") Provinz Posen. Kileratirr. Knrzgefaßtes Lehrbneh der jüdischen Religion für Schule und Haus. Von Dr. F. Feilche nfeltl- Schwerin. Neu herausgegeben von Dr. Samuel Freu n d, Rabbiner in ,Hannover. 4. vermehrte und verbesserte Auflage. Verlag von J. Kau f f m a n n, Frank £ u r t a. M. Feilclien felds Lehrbuch hat sich in der Praxis trefflich bewährt; dafür spricht das Erscheinen der 4. Auflage, die von dem Schwiegersohn Feilehenfelds, dem bekannten lind anerkannten Rabbiner Dr. Samuel Freund in Hannover herausgegeben und einer sorgfältigen Durchsicht und Bearbeitung unterzogen wurde. Das Judentum hat auf Schritt und Tritt mit zahlreichen Vorurteilen zu kämpfen. Im vorliegenden Buche werden ohne Polemik jene Vorurteile widerlegt. Das Buch enthält in trefflicher Uebersicht und Anordnung 5 Hauptkapitel: 1. Ueber das Wesen der Religion. 2. Ueber die (Quellen der jüdischen Religion. 3. Die Grundlehren der jüdischen Religion. 4. Die Segnungen der Religion. 5. Die Heiligungsmittel. Das Buch ist auch unserer jüdischen Intelligenz, die leider oft eine krasse Ignoranz in der Kenntnis der eigenen Religion aufweist, zu empfehlen. Professor Dr. Bi ach. Dr. Max Gruuwald. Die Feldzüge .Napoleuni nach Aufzeichnungen jüdischer iäinehmer und Augenzeugen. Wien und Leipzig. Wilhelm Braumüllcr, lc u. k llof und Umversitälsbuchhändler. 1913. Tieis K. 4 5 . „Nord und Süd" (Herausgeber und Chefredakteur: Prof. Dr. Ludwig Stein, Berlin W., Lützowufer 5 a. — Verlag: Schlesische Buchdruckerei, Kunst- und Verlagsanstalt von S. Schottlaender, A.-G., Breslau. — Preis pro Quartal 6 Mark. Im Juliheft werden speziell die kulturellen Gesichtspunkte der Entdeckung Amerikas in ebenso eingehenden, wie eigenartiger und überzeugender Weise von Dr. Th. Schuchart erörtert. Das ganze kulturelle Leben Amerikas beginnt sich nach neuen Lebensmaximen umzuformen, wobei * auch die Einwirkung der europäischen Kulturentwicklung zu einer intensiveren sich gestaltet. In Wissenschaft, Erziehung und Unterrichts wesen werden deutsche Leistungen vermittelt, vor allem aber übte Deutschlands wirtschaftliches Erstarken auf die breiten Volksmassen seine Wirkung aus, als deren Folge eine entschiedene Neubelebung der deutsch - amerikanischen Kulturzusammenhänge zu konstatieren ist; und zwar liegt in der Technik, in technischer Wissenschaft und Ausbildung zurzeit die unmittelbarste Berührung zwischen deutscher und amerikanischer Fortschritts¬ und Kulturarbeit. — Als „die Wahrheit über die amerikanisch-japanische Streitfrage“ erachtet Hans Lambertz, daß die Schuld letzten Endes auf seiten der japanischen Regierung liege, auf deren Initiative die Unbestimmtheit und Zweideutigkeit des zwischen Japan und den Vereinigten Staaten im Jahre 1911 abgeschlossenen Handels- und Schiffahrtsvertrages zurückzuführen ist. — Unter dem Titel: * Deutschland: Freund oder Feind?“ teilt W. L. George die Gedanken und Gesichtspunkte mit, die Lady Phillipps in ihrem neuen Buche „A friendly Germany. Why not?" entwickelt. — Von besonders aktuellem Interesse ist, was der Herausgeber Prof. Dr. Ludwig Stein über „die Weltanschauung der Orientalen“ ausführt. Denn an ihr ist das Staatsleben der orientalischen Völker politisch zugrunde gegangen. Der Grundzug dieser Weltanschauung ist die Lehre vom Leiden, und sie geht auf die buddhistische Lehre und die Sämkhya-Philosophie zurück. Für die weitere Entwickelung, die persische und arabische Mystik, schließt sich der Verfasser an Friedrich Rosens Vorwort zur Neuausgabe der Mesnevi-Uebersetzung von Georg Rosen an. — Gute, tiefgehende Kenntnisse mohammedanischen Wesens und Charakters zeigt auch der Aufsatz Max Roloffs: „Frankreich und Italien in Nordafrika und der Islam.“ — Ueber den spanischen Ministerpräsidenten Grafen Romanones, dessen Bildnis dem Hefte beigegeben ist, schreibt Jara Carrillo; der portugiesische Minister des Auswärtigen, Antonio Macieira, betont die bemerkenswerten Fortschritte, die „Portugal unter der Republik“ gemacht hat. — An der Hand eines reichen statistischen Materials erweist Alexander Foß den sich immer mehr vollziehenden „Uebergang Dänemarks vom Agrarstaat zum Industrieland“. — Wie notwendig und wertvoll die „staatsbürgerliche Erziehung“ und Bildung für das Volk ist, will Prof. Dr. H. Rauchberg an einigen der wichtigsten. Seiten des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens aufzeigen und hebt dabei namentlich heraus: den Anteil der Staatsbürger an der Bildung des öffentlichen Willens (Parlamentarismus), ihre Beteiligung an Rechtsprechung und Verwaltung, die soziale Frage und die Leistung der Bürger für den Staat (Erfüllung der Steuerpflicht und der Wehr-

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