Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 29 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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3it. 29 Dr. Mochs Wochenschrift Seite 527 Wien. (Auszeichnung.) Dem Hauptkonsul des Oesterr. Touringklubs und Vizepräsidenten des Wiener Photoklubs, Dr. Paul Cohn, wurde von der französischen Regierung die Dekoration eines Officier de rinslruction Publique verliehen. Wien. (Todesfall.) Mittwoch, den 16. Juli, fand am Zentralfriedhof das Leichenbegängnis des Haus- und Realitätenbesitzers Herrn Jakob Egg statt. Herr I. Egg, geboren in Hohenems (Vorarlberg), hatte es in Wien durch Bauten zu bedeutendem Vermögen gebracht und war in aufopferungsvollster Liebe seiner Familie ergeben. Der verschämten Armut war er eine Stütze, seine hmnanitüren Bestrebungen wurden in aller Stille ausgeübt. Eine distinguierte Trauergemeinde war am Zentralfriedhof anwesend. Herr Rabbiner Dr. S. Gelbhaus und Oberkantor Kläger fungierten in ergreifender Weise. Prof. E. Frankel hielt am Grabe eine Abschiedsrede. Wien. (StiftungdesWienerKolonifations- Vereines.) Der Jüdische Kolonisationsverein in Wien hat vor wenigen Tagen dem Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds die Summe von 10.000 Francs überwiesen mit der Maßgabe, für diesen Betrag 10 Aemenitenhäuserin einer der palästinensischen Kolonien'erbauen zu lassen und diese Gruppe von Häusern nach Herrn Baurat Wilhelm S t i a ß n y, s. A. zu benennen. Wien. (B i b e l sch u I - Pr ü f u n g in der Josefstadt.) Dienstag, den 8. d. M., fand in der Reudeggergasse die Schlußprüfung der Josefstädter Bibelschule statt. Als Gäste waren erschienen: Rabbiner Dr. Bauer, die Josefstädter Kantoren Reumann und Grob, die Vorsteher kais. Rat Alb. Frankl, Herr Hermann Pollak und der in der Josefstadt bekannte Gelehrte Herr Feilbogen, Amtsleiter Braun in Vertretung der Kultusgemeinde und viele Angehörige der Schulkinder. Bei der von Herrn Lehrer Sprinzeles geleiteten Prüfung fanden die Leistungen sämtlicher Schüler allseitige Anerkennung, und sowohl Herr Vizepräses kais. Rat Frankl, wie auch Herr Amtsleiter Braun sprachen sich sehr lobend über die Lehrtätigkeit des Herrn Sprinzeles aus. Besonders wurde Herr Vorsteher Hermann Pollak geehrt, indem die Gäste in dankbarster Weise die aufopferungsvollen Leistungen des Herrn Pollak im Dienste der Bibelschule hervorhoben. Die von Rabbiner Dr. Bauer, kais. Rat Frankl und Amtsleiter Braun gehaltenen Ansprachen an die Kinder inachten auf dieselben einen tiefen Eindruck. Herr Sekretär Rosenberg verteilte nachher die von den Herren Vorsteher Lazar Vitoli und kaiserlichen Rat Frankl gespendeten Prämien an die Schüler, worauf Herr Lehrer Sprinzeles mit Dankesworten für die ihm seitens der Gäste gezollte Anerkennung die Prüfung schloß. Wien. (M ä d ch e n - 1l n t e r st ü tz u n g s - V e r e i n, IX. Seegasse 16.) An den Schulen dieses humanitären Vereines hat das Schuljahr am 5., beziehungsweise 11. d. M. geschlossen. Sowohl in der Frauengewerbeschule (64 Schülerinnen), als in den Handels-Lehrkursen (112 Schülerinnen) und im Bureaukurs (42 Schülerinnen) waren die llnterrichtserfolge sehr befriedigend. Von den Zöglingen der beiden letzten Kurse sind bereits viele angestellt. Den Absolventinnen der Frauengewerbeschule verleiht das Abgangszeugnis die Berechtigung zum Antritt des Danrenkleidermachergewerbes. Der Unterricht wird in allen Abteilungen u n - entgeltlich erteilt. Die Einschreibungen für das Schuljahr 1913/14 finden (nach Maßgabe der noch vorhandenen Plätze) für die zweiklassige Handelsschule am 15. September und den Bureaukurs für den 1. Jahrgang der Frauengewerbeschule am 16. September dieses Jahres statt. Austritte aus dem Judentum. Vom 6. Juli bis inklusive 12. Juli 1913. Färber Gisela, Pfaidlerin, geb. 16. Juli 1867, Wien, IX., Bothmanngasse 24. Fischer Bumin Bernard, Agent, geb. 4. Februar 1863, Krakau, II., Miesbachgasse 12. Gancz Neche Brane, Hilfsarbeiterin, geb. 17. März 1887, Marmarossziget, Ungarn, XX., Universumstraße 54. Hecht Charlotte, Kontoristin, geb. 13. Oktober 1880, Troppau, Schlesien, VIII., Schönborngasse 6. Jolowiz Anna, geb. 15. April 1899, Wien, wohnhaft Feldbach. Lemberger Otto, Zivilingenieur, geb. 23. August 1874, Wien, VII., Schottenfeldgasse 46. Lion verehel. Libal Friederika, Privat, geb. 24. Oktober 1879, Viersen, Rheinprovinz, XIII., Hütteldorferstraße 114. Pollak David, geb. 17. Februar 1895, Kiew, Rußland, II., Taborstraße 49. Schild recte Friedrich Cäcilie, Koloristin, geb. 2. Juni 1887, Wien, XX., Karajangasse 10. Spitzer Oskar, Privatbeamter, geb. zu Wien, XIX., Hardtgasse 24. Stroß Sofie, Private, geb. 20. Juli 1887, Auval, XX., Karl Meisseistraße 8. Zoref Berta, Private, geb. 20. März 1892, Wien, I., Fleischmarkt 14. Zoref Hermann, Au'omobilhändler, geb. 14. April 1888, Wien, I., Fleisch markt 14. Wiener-Neustadt. Mit Schluß des heurigen Schuljahres sind es volle 25 Jahre, daß unser Herr Religionslehrer, Oberkantor und Sekretär Markus Alexander Landau, den Unterricht der jüdischen Religion an den öffentlichen Schulen.erteilt. Im Jahre 1880 trat Herr Landau als junger > Absolvent des Lehrerseminars und nach glänzend bestandener Religionsprüfung bei Oberrabbiner Horowitz, den Professoren Dr. Löwenstein und Dr. Duschak als Religionslehrer in den Verband des Krakauer Lehrkörpers ein, wo er durch einige Zeit auch im Gymnasium supplierte. Von 1889 bis 1893 war Herr Landau ^eelenhirte der Gemeinde B u t s ch o w i tz in Mähren, und seit 1893', also durch volle zwanzig Jahre, versieht er in pflichttreuer Weise seinen Dienst in der jüdischen Gemeinde Wiener-Neustadt, wo er Heuer auch den Unterricht an sämtlichen Mittelschulen übernahm. Herr Landau erfreut sich in sämtlichen Schulen einer seltenen Beliebtheit. Er hat wiederholt protokollarische Anerkennungen seiner Gemeinden, Belobungen des Landesschulrates, der Inspektoren und sämtlicher Direktoren erhallen. Er, der noch als junger Mann das einzige deutsche Wochenblatt in Ostgalizien, „Die Chronik", und später die „Krakauer Volkszeitung"' redigierte, ist auch jetzt vielfach schriftstellerisch, besonders in Fachzeitschriften, erfolgreich tätig. Ihm steht seine Gattin liebevoll zur Seite; die einzige Tochter ist an den hiesigen Arzt Dr. Wilder verheiratet und der einzige Sohn ist Absolvent der philosophischen und juristischen Fakultät. Wir rufen dem Jubilar aufrichtig zu: Ad mutlos annos! Budapest. (Auszeichnung.) Aus Anlaß der jetzigen vierzigsten Jahreswende der Rezeption der Juden in Ungarn, hat der Kantor Hermann Ehrlich in Rakoskeresztur ein Porträt des Kaisers in Glasmalerei angefertigt und mit Ornamenten versehen, die auch den Text von 145 Psalmen in hebräischer Sprache enthalten. Der Kaiser nahm das Geschenk entgegen. Dem Anfertiger des Bildes spendete der Monarch eine goldene Busennadel, die kürzlich dem genannten Funktionär in Gödöllö durch den Gemeindeobernotär in feierlicher Weise überreicht wurde. Leipnik i. M. (E h r u n g.) Herr David Spitzer, Fabrikant, Kultusvorsteher und Gemeinderat der pol. israel. Gemeinde in Leipnik, feierte dieser Tage in aller Stille seinen 60. Geburtstag und wurde bei diesem Anlasse in gerechter Würdigung seiner vielen und großen Verdienste um die Gemeinde und den Humanitätsanstalten zum Ehrenbürger der pol. israel. Gemeinde und Zum Ehrenmitgliede der israel. Kultusgemeinde in Leipnik von den betreffenden Vertretungskörperschaften einstimmig ernannt. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Hillel beehrte denselben mit der Auszeichnung der „Morenu". Dürrmaul. Seit vielen Jahren machte sich das Bedürfnis fühlbar, unseren Friedhof zu vergrößern. Dieses Bestreben scheiterte bisher an dem Widerstande des Herrschaftsbesitzers, der» sich weigerte, den hiezu nötigen Grund unserer Gemeinde zu überlassen. Heber neuerliches Einschreiten des Vorstehers Sigmund Dokter bei dem jetzigen Grundherrn Walter Grafen von- Buchen teilte dieser der Gemeinde seinen Entschluß mit, den nötigen Grund für einen Friedhof zu überlassen. Vorsteher Dokter übermittelte dem Grasen, der unserer Gemeinde schon im Vorjahre zur Adaptierung unseres Tempels den Betrag von 300 Kronen gespendet hatte, für diesen neuerlichen humanen Akt den Dank der Gemeinde. . . i! Kostei. Sonntag am 13. d. wurde der aus der Preßburger Jeschiwa hervorgegangene bekannte Redner und Talmudist Herr Rabbiner Adolf Deutsch aus Ungarn nach einem mit größten Beifalle aufgenommenen Probevortrag einstimmig zu unserem Rabbiner gewählt. Erzbischof und Rabbiner. Aus Slatina (Slavonien) wird geschrieben: Hier wurde eine römisch-katholische Kirche erbaut, zu deren Einweihung der Erzbischof Dr. Anton Bauer aus Agram nach Slatina kam. Samstag vormittags erschienen beim Erzbischof die Spitzen der Behörden und Korporationen, unter diesen auch Bezirksrabbiner Hinko G r ü n v a l d, der den Erzbischof in einer an hebräischen Zitaten reichen kroatischen Rede begrüßte. Nach den Empfängen stattete der Erzbischof in Begleitung seines Sekretärs dem Rabbiner einen Besuch ab und verweilte eine geraume Zeit in dessen Wohnung.