Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 29 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 29 Dr. Btochs Wochenschrift. Seite 523 im-Mittelalter sind rein biblisch, ein Zeichen für Abgeschlossenheit, wurden aber wieder deutsch, sobald die Juden in regere Beziehungen zu der Umwelt traten.' Interessant ist es, daß man die rein deutschen weiblichen Rufnamen, wie Schönchen, Gütchen, Eitel, Sprinzchen für jüdische hielt und sie vielfach wiederum umbildete. Jüdische Familiennamen aber sind nicht, wie irrtümlich angenommen wird, durchweg kaum hundert Jahre alt. sondern manche lassen sich sogar bis in das Jahr 1.000 zurückführen. Dokumente, Grabsteine sind klare Zeugen dieser Tatsache. Gumpertz, Gumprecht, Horwitz, Lipschütz sind solche historische Namen. Gewissen Emblemen verdanken die Rotschilds, Schwarzschilds, Kann ihre Namen. Diese und andere interessante Ausführungen über Namen wie Hirsch und Löwe, Katz, Bach, Sachs und Götz, fesselten die Zuhörer bis zur vorgerückten Stunde. Erst kurz vor Mitternacht trennten sich die zahlreich erschienenen Damen und Herren. Der Sohn eines Rabbiners der Kommandant der Kolonialarmee. Wie das französische Amtsblatt meldet, wurde der Hauptmann der französischen Kolonialarmee Arthur Pereyre zum Kommandanten ernannt. Arthur Pereyre ist der Sohn des Rabbiners von Bayonne, Sylvain Pereyre, der im 78. Lebensjahre steht, und sich der größten Verehrung erfreut. Der König von England bei Leopold de Rothschild. Wie uns aus London geschrieben wird, hat König Georg von England vorigen Mittwoch Herrn und Frau Leopold de Rothschild die Auszeichnung zuteil werden lassen, mit ihnen gemeinsam im Palace House Newnictrfef, der Residenz des Barons de Rothschild, zu dinieren. Rekonstruierung des englischen Kabinetts. Nach einer Meldung des „Standard" steht die Rekonstruierung des englischen Kabinetts bevox. Bei diesem Anlässe soll das Handelsportefeuille dem jetzigen Generalpostmeister. Mr. Herbert Samuel, übertragen werden. Ein antisemitisches Bild in der Londoner Eoyal Academy. Zu heftigen Auseinandersetzungen gibt, wie aus London gemeldet wird, das in der Royal Academy ausgestellte Bild des Malers Edgar Bundy. welches den Titel „Finance" führt und mehrere Judengestalten aufweist. Viele jüdische Besucher der Ausstellung, ebenso auch unvoreingenommene christliche Besucher erblickten in dem Bilde die Tendenz, den Juden als Wucherer darzustellen. „Jewish Ühronide” hat deshalb den Maler selbst in einem Interview wegen dieser Tendenz, die jeder Unbefangene aus dem Bilde herausliest, zur Rede gestellt. Der Vertreter das LJewisli Chromclesagte dem Maler, daß man in dem Bilde eine Anspielung auf die in jüngster Zeit von gewisser antisemitischer Seite aus, Anlaß des jüngsten Prozesses der beiden jüdischen Minister, den Juden gemachten Vorwurfe erblickt. Edgar Bundy gab hierauf folgende Erklärung ab: „Ich kann nur soviel sagen, daß mir von den erwähnten Angriffen auf die Juden nichts bekannt ist, und daß ich das Bild vor ungefähr 15 Jahren gemalt habe. Der Sinn - dieses Bildes ist ein ganz einfacher. Sie sehen auf dem Bilde in einem Empfangszimmer eine Gesellschaft um einen Tisch herum sitzen, an der Täte sitzt der Gast, der seinen Gästen ein etwas vulgäres, vielleicht zu fröhliches, Diner gibt. Er ist an der Gründung irgend einer Gesellschaft interessiert, hat dazu auch andere Interessenten Ungeladen. Sie sind eben bemüht, den Träger eines adeligen Namens, der gleichfalls zu den Gästen zählt, als Aushängeschild für die neue Gründung zu gewinnen, und ihn zu einer größeren Investition zu veranlassen. Unter den Gründerfiguren sind auch, wie Sie bemerkt haben, rein arische Typen, und die Judengestalten wurden bloß von rein künstlerischem Gesichtspunkte aus gewählt. Ich gestehe es ganz offen, daß der Inhalt des Bildes für mich Nebensache war, ich habe bloß künstlerische Motive vor Augen gehabt und ich bin überzeugt, daß die Royal Academy gleichfalls nur vom künstlerischen Gesichtspunkte geleitet, sich zur Annahme des Bildes veranlaßt gesehen hat." Diese Auffassung teilt tatsächlich auch die Direktion der Royal Academy die in einer Zuschrift an den ..Chronicleerklärt, daß der ehrenwerte Charakter der Londoner Juden viel zu bekannt und offenkundig ist. als daß es jemand wagen könnte, in dieses Bild eine gegen die Juden und ihr finanzielles Gebühren gerichtete Tendenz hineinzulegen. Ein Misrach-Streit in Warschau. Es scheint, daß der Misrachstreit, der sich vor kurzem in Johannesburg in Südafrika abgespielt hat. nun auch in Europa Nachahmung finden soll. Wie uns nämlich aus Warschau berichtet wird, ist im Schoße des dortigen Rabbinates über eine ähnliche Frage ein ernster Konflikt ausgebrochen. Der Verein Moriah geht nämlich daran, eine neue Synagoge zu bauen. Der Vorstand wandte sich nun an das Rabbinat mit der Frage, ob es nicht gestattet werden könnte, daß die Misrachseite. gegen welche die Gebete verrichtet werden, etwas nach Westen hin gebaut werde. Begründet wurde dieses Ansuchen damit, daß dadurch der Verein in die Lage käme, den Bauplatz besser auszunützen und um etwa 200 Sitze mehr zu gewinnen. Ueberdies wurde auf Grund der Messungen und mit Hilfe des Kompasses auch der Nachweis erbracht, daß die Richtung, welche in den Warschauer Synagogen im allgemeinen als die Misrachrichtung angenommen wird, tatsächlich gar nicht die Ostseite sei, sondern eine starke Neigung nach Westen zeige. In einer Sitzung des gesamten Warschauer Rabbir.ales haben sich zwei Rabbiner für die Gewährung des Ansuchens ausgesprochen, während die übrigen dagegen waren. Da eine Einigung nicht erzielt werden konnte, wurde beschlossen, sich an die berühmten Rabbiner des Auslandes mit Anfragen zu richten, und die Erledigung des Ansuchens des Vereines Moriah bis zum Einlangen der Antworten aufzuschieben. Korrespondenzen. Leo Herzberg-Fränkel über die Vorgänge an der Wiener Universität. In Teplitz hielt der jüdische Volksverein am 9. d. M. eine zahlreich besuchte und lebhaft gestaltete Versammlung. zu der die letzten Vorgänge an der Wiener Universität den Anstoß gaben. Verhindert an derselben teilzunehmen, richtete der greise Herr Leo Herzberg- Fränkel an das Vereinspräsidium folgende Zuschrift, die alle Beachtung und Beherzigung verdient: „Hohes Alter und in dessem Gefolge schwere Leiden hindern mich zu meinem lebhaften und schmerzlichen Bedauern, an Ihrer so sehr berechtigten Defensiv-Versammlung teilzunehmen, wie ich gerne wollte und sollte. Es ist dies eine wahre Kontrollversammlung, eine Mobilisierung für alle Juden, die da noch an ihrem Volke, an Glauben und Tradition hängen, eine Gelegenheit, die Solidarität zu betonen und der garstigen Fratze des Antisemitismus einen ehrlichen Backenstreich zu geben. Einige Zeit haben Kampf und Haß geruht und man glaubte, einer besseren Zukunft, milderen, sittlicheren, humaneren Anschauungen entgegenhoffen zu dürfen. Leider aber wütet der Brüderkrieg selbst an der Stätte,