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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-07-11 · 28 (11.7.1913) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
28 (11.7.1913)
Date
1913-07-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 513 Nr. 26 bedeuten: Guten Morgen, Reb Anschel." Der Baron lächelt und erwidert: „Guten Morgen! Na, nun sind Sie doch zufrieden?" „Aber," fuhr der Schnorrer fort, „es sennen auch die Rosche Teiwes von Get Mooß Reb Anschel (Geben Sie Geld, Herr Anselm)", worauf ihm der Baron, erfreut über den Einfall, einen Dukaten in die Hand drückt. Den nahm der Schnorrer, sah das kleine Goldstück freundlich an und sagte: „Es sennen obber auch de Rosche Teiwes von: Get Mehr Reb Anschel (Geben Sie mehr, Herr Anselm)", worauf ihm der Baron noch ein Goldstück in die Hand gab und ihn bat, das Zimmer zu verlassen, da er Bedenken habe, ob seine Kasse oder die Rosche Teiwes des vieldeutigen Wortes „Gemore" endgiltig länger aushalten würden. Anselm Rothschild liebte das Judentum und unterstützte mit besonderer Freude jüdische Talmudgelehrte, die ihrem Studium oblagen. Das wußten die Schnorrer und gaben sich gern für lernende Talmudgelehrte aus. Ein solcher Schnorrer, der von Rothschild plötzlich gegefragt wurde: „Welchen Peirek (Perek --= Kapitel der Gemara) lernt Ihr?", antwortete ihm aber: „Get poschet", was einerseits der Name des Talmudkapitels v'vs rsi (ein einfacher Scheidebrief) im Refikin - Traktate Baba Batra ist und andererseits im Iüdischdentschen nichts anderes heißt als: „Gebt ohne weiteres — einfach gebt!" Und er bekam einfach Geld. Eine andere Anekdote aus hem Volksmund hat sich an den Typus Micher Wortwitzler, an jenen mit «Langenschwarz im Wettbewerb lebenden Saphir, angelehnt, dem ja bessere Witze in den Mund gelegt werden, als er wirklich gemacht hat. Als Rothschild eines Tages von Saphir um ein Darlehen von 1000 Gulden angegangen wurde, antwortete er ihm, er wolle sie ihm nicht bloß leihen, sondern schenken, wenn er ihn mit einem schlagenden Witze bei seinem nächsten Besuche begrüßen würde. Als Saphir am folgenden Tage seine Visite bei Rothschild machte, rief ihm dieser entgegen: „Ah, Herr Saphir, Sie kommen ums Geld!" — „Nein," erwiderte dieser, „Sie kommen drum!" Dann wird auch erzählt, daß Saphir von Rothschild um ein Autogramm gebeten wurde, das er seinem Album mit den Autogrammen berühmter Leute einverleibte. Saphir besann sich nicht lange und schrieb: „Leihen Sie mir 100 Taler und vergessen Sie mich!" Als Rothschild dies las, nahm er ein Blatt Papier und schrieb darauf: „Ich schenke Ihnen lausend Taler und vergesse Sie und sie!" Also auch Rothschild wird nicht bloß als Liebhaber geistreicher Wörter geschildert, sondern versuch! sich oft selbst in solchen. Witzen, die ihn freilich immer Geld kosten. Uebrigens hat auch darin der Volkshumor das Rechte getroffen, ebenso, daß . er den Frankfurter Rothschild als unerschöpflich wohltätig, wie daß er Saphir als Schnorrer im europäischen Dichtergewande darstellt. Mansche Sachsenhausen geht niedergeschlagen und in sich gekehrt hinter Rothschilds Sarg einher. Von Zeit zu Zeit rollt ihm eine Träne über das bärtige Antlitz. So folgt er tiefbrtrübt dem Leichenzuge. Als man von der Lewaje heimkehrt, fragt ihn sein Nachbar Hirsch Oppenheim, warum er denn gar so betrübt wäre. Ob ihm denn der Tod Rothschilds so nahe gegangen sei, ob er vielleicht gar ein Verwandter Rothschilds wäre. „Eben darum", antwortet Mansche Sachsenhausen, „bin ich so unglücklich, daß ich sein Verwandler nicht bin!" Auch von anderen jüdischen Geldbaronen werden gern Anekdoten erzählt. Der Geh. Kommerzienrat E. in G. war es schon gewohnt, daß ein bestimmter in G. ansässiger Schnorrer seine Hilfe in etwas überreichem Matze in Anspruch nahm. So wunderte er sich keineswegs, als dieser wieder einmal ihn in seinem Privatkonto! aufsuchte, um ihn in guter Weise anzubetteln. Er wollte die Summe zwar nur geliehen haben, aber er wußte so gut wie E., daß dieser nie etwas davon wieder zu sehen bekommen würde. In beredten Worten setzte er dem Kommerzienrat auseinander, daß er unbedingt fünfhundert Mark sofort gebrauche, um e?ii sehr einträgliches Geschäft zu machen, das ihm ohne die fünfhundert Mark Kapital entgehen würde. Und er entwickelte dem Kommerzienrat, welcher Art ungefähr das Geschäft sein würde. „Und Sie glauben," meinte dieser, „daß Sie wirklich Erfolg damit haben werden?" — „Gewiß werde ich das!" „Und, wenn es schon nicht schief geht, was können Sie groß daran verdienen?" - „Sechzig Mark!" — „Hier haben Sie sechzig Mark, aber lassen Sie das Geschäft!"*) (Fortsetzung fol.t.) Literatur. vor Xame Ghetto. Die Lösung' dieser Ghettofrage, die die „Newyorker Staatszeitung" gefunden zu haben glaubt, ist nicht neu. Schon vor fünfzig Jahren (1N(>3) hatte sie G. Wolf in seiner damals erschienenen Schrift ..Judentaufen“, S. 14, mitgeteilt. Dort heißt es wörtlich: „Der Xame Ghetto wurde schon mannigfach gedeutet. Wir geben hier eine Versio n, welche uns der vor kurzer Zeit verstorbene S. Romanin, Verfasser der storia Venezia documcntata mitteilt«*. Dieser meinte, dieses Wort stamme von „Getto" — Kano nengießerei ab. In S. Gerolamo in Venedig, wo jetzt das Ghetto ist, befand sich früher die Kanonengi e ß e r e i der Republik. Dieser Platz würde il getto genannt und im Munde des Volkes bildete sich die Aussprache il ghetto“ usw. Man sieht also, |daß diese Namensfrage schon vor einem halben Jahrhundert gelöst wurde. Allein was ist uns damit geholfen, wenn die eigentliche Ghettofrage noch immer nicht ihre Lösung und wir nicht die vollständige Gleichberechtigung gefunden haben? Wir leben in einem gewissen Sinne noch immer im Ghetto, Golus werden bei jeder Gelegenheit, obwohl wir bezüglich der Erfüllung unserer bürgerlichen und patriotischen Pflichten keinem anderen Volke auch nur im entferntesten nachstehen, als minderwertige Bürger betrachtet und behandelt, und trotz dem uns in der Verfassung eingeräumten Rechte überall zurückgesetzt und in den Hintergrund gedrängt.“ F. Weinender Humor. Den jüdischen Blättern in Rußland entnehmen wir die folgenden humoristischen Bemerkungen: Oester re ich- 1' n g a r n u n d P r a n k r e i c h. Was ist der Unterschied zwischen Oesterreich-Ungarn und Frankreich? In Frankreich wurde ein Jude unschuldig zum Spion gestempelt, während in Oesterreich-Ungarn ein Spion zum Juden gestempelt wurde. Der Effekt hätte in beiden Fällen derselbe sein sollen. Anklageschrift gegen B e i h 1 i ß. Was ist die Anklageschrift in der Kiewer Mordaffäre? Eine Tragödie in einem Akt. Der Gerusc h. A. : Warum heiratest du nicht, Freund, du besitzt doch ein eigenes Haus in deinem Dorf? B. : Weil ich fürchte, daß ich gleich nach der Hochzeit ein Gerusch werden könnte. (Geruseh bedeutet im Hebräischen sowohl „Geschiedener“, als auch „Vertriebener“.) Ilr. A. J. Brawer. Jerusalem comme Centre du Monde. Etüde historico-geographiquo. Publication spcciale de la Revue „Jerusalem“ vol x. Jerusalem 1913. Impr. A. M. Lu n c z. Dr. I. Günzig, Rabbiner in Loschitz. Haeschkol. Hebräisches Sammelbuch für Wissenschaft und Literatur. Band VII. Preis Iv 3.—. Krakau 1913. Verlag des Herausgebers. Interessante Kriminalprozesse von kulturhistorischer Bedeutung. Aus Gegenwart und Jüngstvergangenheit. Auf Grund eigener Erlebnisse von Hugo Friedlao n d e r, Gerichtsberichterstatter. Verlag von Hermann B a r s d o r fi, Berlin W. 30. Neunter Band. Eleg. broschiert 3 Marks, gebunden 4 Mark. *) Aus Görlitz.

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