Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 28 (11.7.1913)
- Date
- 1913-07-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022064--22292-3047430- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Dęblin 1× ep/1044429
- Radom 1× ep/1000823
OCR text
rr 11 —* - Nr. 28 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 509 Wahrheit zuwiderlaufende Behauptungen in die Welt gesetzt hat, hiermit ausschließlich antisemitische Tendenzen verfolgte und gegen diesen Mißbrauch der Lehrkanzel zu judenfeindlichen Zwecken seitens eines antisemitischen Professors müsse die jüdische Hochschuljugend energischesten Protest einlegen. Aus der Agudas Jisroel-Vewegung. Eine bedeutsame Kundgebung aus Rußland. Frankfurt a.M.. 29. Iuni. Am Montag und Dienstag voriger Woche fand in dem Kurort Gorbatka (Gouvernement Radom) eine seit langem vorbereitete Versammlung der führenden chassidischen Kreise Polens statt, an der die bekanntesten Chassidimrebbes, insbesondere diejenigen aus Gor, Radsin, Pilitza, Grodisk, Ostrowietz, Sokolow, Sochatschew, Lublin, Lukow, Iwangorod, Kölbel, Kosenice, Bialobzeg, Osrow, Radom u. a., sowie hervorragende Persönlichkeiten aus Warschau und Lodz teilnahmen. Gegenstand der Beratung war — neben dem durch den Boykott hervorgerufenen wirtschaftlichen Notstand in Polen — die gemeinsame Stellungnahme zur „Agudas Iisroel". Nach gründlicher Aussprache wurde, wie das Sekretariat der Versammlung dem Bureau der Agudas Iisroel mitteilt, einstimmig folgende Resolution beschlossen : „Der Grundgedanke der Agudas Iisroel entspricht unseren Wünschen und Bedürfnissen, und seine Verwirklichung ist von zwingender Notwendigkeit für die Gesamtheit in allen Ländern der Zerstreuung. Es ist Pflicht, an dieser Vereinigung aller zu Ehren des einzigen Gottes mitzuwirken, und die Versammelten erklären sich bereit, ihre Anhänger dahin zu beeinflussen, daß sie sich mit aller Kraft an der Arbeit der Aguda beteiligen. Voraussetzung ist hierbei die regierungsseitige Legalisation, sowie die statutarische Führung aller inneren Landes-Angelegenheiten der Aguda in Polen durch die einheimischen rabbinischen und weltlichen Führer." Mit der Ausführung der Resolution wurde ein Ausschuß betraut. Damit hat die bedeutsame Versammlung,. die. auch eine Reihe bemerkenswerter Beschlüsse auf ökonomischem Gebiete faßte, die Verwirklichung des Agudas Iisroels-Eedankens im Osten ein gutes Stück weitergefördert. Ist ja die von der Versammlung gewünschte Autonomie der Landesorganisationen in allen inneren Angelegenheiten von vornherein als Grundgesetz der „Agudas Iisroel" betont und auch in dem jetzt vorbereiteten Satzungsentwurf zu präzisem organisatorischen Ausdruck gebracht worden. Der Bericht über die Angola-Erpedition. Vor einigen Tagen erschien in London in Buchform der Bericht der Expedition, welche im Aufträge der Ito- Organisation und unter dem Schutze der portugiesischen Regierung in Angola Studien unternommen hatte, um festzustellen, ob vom wissenschaftlichen Standpunkte aus Angola als Kolonisationsgebiet für Juden zu empfehlen sei. In dem Berichte sprechen die einzelnen Mitglieder der Expedition ihre Ansichten gesondert aus. Während nun der Führer - der Expedition, Geologieprofessor an der Glasgower Universität, Dr. I. W. Gregory, der auch seinerzeit die Itoexpedition in der Cyrenaica leitete, sich dahin ausspricht, daß Angola ein gesundes und fruchtbares Land sei, wie es gesegneter nicht gewünscht werden könne, sind Sir Harry Johnstone und H. W. Newinson, ganz entgegengesetzter Meinung. Johnstone behauptet, daß in dem ganzen nördlichen Teil von Angola eine friedliche Kolonisation ohne Kämpfe mit den Eingeborenen ganz undenkbar sei, überdies sei das Land nicht gesund und die Juden würden dort stark unter dem Malariafieber zu leiden haben. Auch Mr. Newinson ist nicht der Meinung, daß Juden dort Kolonien zu gründen imstande sein würden. Vielleicht würde es einem Volke, das große agrikulturelle Erfahrungen besitzt, mit großem Aufwand an Mühe und Opfern etwas erreichen, aber für Juden, die in dieser Hinsicht nur geringe Erfahrungen besitzen, haben mit Rücksicht auf die schlechten Vorbedingungen in Angola nicht die geringste Aussicht auf Erfolg. Der Zentralrat der Ito spricht seine Ansicht in einem Vorworte dahin aus, daß, trotzdem der Bericht zu weiteren Erforschungen des Landes anregt, diese Schritte nicht eher unternommen werden, als bis die portugiesische Regierung die Garantien dafür bietet, daß die vom Professor Gregory in seinem Berichte als unerläßlich bezeichneten Vorkehrungen tatsächlich getroffen werden. Jedenfalls gehe aber auch aus diesem Berichte hervor, wie richtig die Situation in der vom Itokongreß in Wien im Juni 1912 gefaßten Resolution beurteilt wurde, als sie sich gegen eine Einzel-Emigration und -Kolonisation in Angola aussprach und die Anschauung vertrat, daß nur eine geschlossene Emigration und Kolonisation. gedeckt durch eine große gut fundierte, reiche Organisation, empfohlen werden könne. Wie wir erfahren, wird der offizielle Bericht, der in Form eines Blaubuches erschienen und 50 Seilen stark ist, auch in deutscher Sprache in Druck gelegt werden. Jüdischer Frauenschutz in England. Der jüdische Frauen- und Mädchenschutzverein von England veröffentlicht soeben seinen Jahresbericht. Diesem 167 Seilen starken Buche entnehmen wir interessante Daten über den Umfang der Aktionen, welche dieser segensreich wirkende Verein zugunsten jüdischer Mädchen und Frauen im Jahre 1912 unternommen hat. Es sei hier bloß auf die allerwichtigsten Daten hingewiesen. So erfahren wir, daß die Vertreter dieser Vereinigung im Berichtsjahre 661 einlaufende Schiffe aufgesucht haben, auf welchen sie 517 allein reisende jüdische Mädchen antrafen. In London allein hat das Bureau'der Vereinigung in dem genannten Jahre in 1021 Fällen interveniert, wobei es ihr gelang, eine große Anzahl jüdischer Mädchen noch rechtzeitig aus den Klauen herzloser Mädchenhändler zu retten, andere wieder aus einer verderblichen Umgebung herauszureißen. Ebenso wurden viele in Not geratene Frauen und Mädchen mit Rat und Geld unterstützt. Zu den wichtigsten Agenden des Vereines gehört die Ausbildung jüdischer Mädchen und alleinstehender Frauen in irgendeinem Gewerbe, das ihnen eine anständige Existenz ermöglicht. Die Vereinigung steht auch in reger Verbindung mit ähnlichen Korporationen des Auslandes. Präsidentin dieses angesehenen Vereines ist Lady von Rothschild, während Präsident des Herrenkomitees der bekannte Philanthrop Claude Montefiore ist, der dieser Organisation viel Zeit und Mühe widmet. Eine jüdische Kolonisationsgesellschaft in Südafrika. In Johannesburg hat sich, wie ays London gemeldet wird, eine jüdische Kolonisationsgesellschaft gebildet mit dem Zwecke, Untersuchungen zu pflegen, ob und unter welchen Bedingungen in Südafrika für Landwirtschaft geeignete Landgebiete zum Zwecke der Ansiedlung von Juden als Farmer zu erwerben möglich wäre. Die bisherigen Informationen lauten sehr'günstig, so daß zur Gründung der Gesellschaft geschritten weiden konnte. Gleich bei der ersten Besprechung haben sich 200 Mitglieder gemeldet. Zum Präsidenten der Gesellschaft wurde der angesehene Bürger von Johannesburg Alfred L. Cohn gewählt.