Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 28 (11.7.1913)
- Date
- 1913-07-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 508 Dr. Bkochs Wochenschrift. Nr. 28 jeder einzelnen Behauptung des gegenständlichen Artikels hervorgeht und ihnen bis heute Zeit zur Information gelassen. Bei der am heutigen Tage stattgefundenen Vertretersitzung haben die Unterzeichneten Vertreter unter Ablehnung jedes Widerrechts den Gegenvertretern überdies Genugtuung durch Anrufung irgend eines paritätischen, meritorischen Ehrenrates — unter Ausschluß des Duells -- angeboten, welcher das Beweismaterial prüfen und auf Grund desselben ein Urteil, dem sich ihr Mandant unterwerfe, fällen sollte. Da aber dieses Anbot der Genugtuung von den Herren Gegenvertretern abgelehnt wurde, erklären die Unterzeichneten Vertreter die Ehrenangelegenheit für Herrn Dr. Emil v.Hcfmannsthal in ehrenhafter Weise erledigt." Die Juden im neugewahlten galizischen Landtag. Aus Lemberg wird uns geschrieben: Der mit so großer Befürchtung erwartete Wahlkampf ist vorüber, und es muß vorweg erklärt werden: die Bilanz ist für die Juden in jeder Beziehung eine recht unerfreuliche. Die Wahlbewegung stand, hauptsächlich was uns Juden betrifft, im Zeichen der Waffenbrüderschaft der Allpolen mit den Klerikalen, die in jenem famosen Hirtenbrief der galizischen Bischöfe ihren verhetzenden Ausdruck fand. Wer die Psyche des galizischen Bauern kennt, für ben war es klar, daß der Hirtenbrief und die Hetzartikel der allpollnischen Presse ihre Wirküng nicht verfehlen werden. Diese antisemitische Stimmungsmacherei und diese Solidarität der galizischen Allpolen mit ihren Gesinnungsgenossen in Russisch-Polen in bezug auf die Verfolgung der Juden, hat für uns nicht nur die Bedeutung eines Agitationsmittels während der Wahh sondern die viel traurigere Bedeutung, daß die Wahlkampagne, die uns bei dem gegenwärtigen Wahlsystem Gutes nicht bringen konnte, den Antisemiten den willkommenen Anlaß und die unbezahlbare Gelegenheit bot, den Boden für tiefergehende antisemitische Aktionen vorzubereiten. Nur von diesem Gesichtspunkte aus können wir das Ergebnis der Wahlen beurteilen und nur von diesem Gesichtspunkte aus ist es tief zu bedauern, daß die Wahlreform auch im neuen Landtage keine zwei Drittel-Majorität haben wird. Ls ist dabei irrelevant und nur als Symptom beachtenswert, daß im künftigen Landtag nur mehr vier Juden, darunter drei von den Handelskammern entsendet, Sitz und Stimme haben werden, während im früheren Landtage fünf Juden saßen. Gleichfalls nur als Symptom ist es zu beurteilen, daß das Lemberger jüdische Mandat infolge des schon so oft unheilvoll wirkenden Antagonismus zwischen den Zionisten und den Nichtzionisten verloren ging. Dies r Antagonismus wird es auch verschulden, daß, vfenn einmal zwischen den Polen und den Ruthenen der Friede auf Grundlage der Verhältnisziffer der beiden Rationalitäten zustande kommen wird, die Juden von diesem Frieden nicht jenen Nutzen werden ziehen können, der ihnen, sei es vom Standpunkte des Nationalismus, oder vom Gesichtspunkte des Konfessionalismus, der Steuerkraft und Intelligenz gebühren würde. Und dieses Bewußtsein ist das traurigste Fazit, das auch aus der letzten Wahlkampagne, besonders aber aus dem Wahlkampfe in Lemberg, für uns gezogen werden muß. Schließung der jüdischen Schule in Hohenems. In Hohenems (Vorarlberg) ist einer der bedeutendsten Pädagogen des Landes der Oberlehrer Mor. Federm a n, Rabbinats-Stellvertreter und Sekretär der dortigen Kultusgemeinde, Besitzer des Verdienstkreuzes mit der Krone und der goldenen Medaille für 40jährige treue Dienste, in Pension getreten und die israelitische Schule aus Mangel an Schülern geschlossen worden. Die Juden sind im Laufe der Zeit nach St. Gallen (Schweiz) und Innsbruck gezogen, bilden dort Kultusgemeinden und Hohenems gehört der Vergangenheit der Geschichte an. Weiland Dr. Simon Steinach, der be- . deutende Arzt und Vorsteher der Kultusgemeinde, sagte von der israelitischen Schule, sie war stets, der Augapfel, die Perle der Gemeinde und mit vielen Opfern gehoben und gefördert. So wie die Samson-Schule in/'Wolfen- Lüttel in ganz Deutschland berühmt war, so war die Hohenemser Schule mit ihren erstklassig en Pädagogen, reichen Lehrmitteln,, hygienischem Schulgebäude und Garten im ganzen Lande berühmt und geehrt und von den behördlichen Inspektoren als Muster hingestellt. Herr Federman war 50 Jahre an dieser Anstalt tätig. Seine so zahlreichen Schüler wie seine Amiskollegen haben ihn immer hochverehrt und geschätzt. Nun ist die Schule geschlossen, die schon im 17. Jahrhundert bestand, die Hohenemser Juden, diese intelligenten, vielgereisten Weltleute, brachten dem Jügendunterrichte stets reges Interesse entgegen, und schon im Jahre 1785 gab es eine Vermögenssteuer zur Erhaltung der Schule. Den Lehrern dieser Schule gehörte Jakob Sulzer, ein tüchtiger Philologe und Mitarbeiter des „Triester Lloyd", der Bruder weiland Salomon Sulzers, Oberkantor von Wien, an, der in hebräischer, französischer und italienischer Sprache unterrichtete. Herr Federman. der Sohn des Kantors in Libochowitz in Böhmen, wurde am 2. September 1862 in Hohenems angestellt; sein Bruder Dr. Federman war Hofmeister im, Hause Königswarters in Wien und fein Verr a rdter, Dr. Wölfler. war Primararzt und Verwalter des. israelitischen Spitals in Wien. Emil Fränkel, Religionsprofessor. Protest der Lemberger jüdischen Studenten. Aus Lemberg wird uns geschrieben: Anläßlich des Attentates, welches der aus Russisch-Polen stammende Hochschüler Bierenzweig in Lemberg gegen einen Professor verübt hat, hat der Lemberger Universitätsprofessor Sierpinski die jüdische Studentenschaft verletzende, antisemitische Aeußerungen getan, die den Zweck hatten, die jüdischen Studenten in Russisch-Polen zu denunzieren und zu verdächtigen. Vor einigen Tagen hat nun das Repräsentantenkomitee der jüdischen Hochschuljugend von Lemberg dem Rektor der Universität einen schriftlichen Protest gegen das öffentliche, antisemitische Verhallen des Professors Sierpinski überreicht. In diesem Memorandum erklärt die jüdische Hochschuljugend, daß sie mit dem Attentäter nichts gemein habe, da der Boykott der russischen Schulen eine reine polnisch-nationale Frage sei. Die Lemberger jüdische Hochschuljugend müsse jedoch gegen die Verleumdung protestieren, als ob die jüdische Studentenschaft in Russisch-Polen den Boykott der russischen Hochschulen mit der geheimen Absicht fördere, um auf diese Weise die Aufnahme jüdischer Studenten zu erschleichen. Diese Behauptung ist eine bewußte Unwahrheit. Denn dem Professor Sierpinski ist es doch' sicherbekannt, daß Juden in den russischen Hochschulen nur in einem bestimmten Perzentsatz der Gesamthörerschaft der Zutritt zu den Hochschulen gestattet wird. Juden hätten also eher das Interesse, daß die Zahl der christlichen Hörer an den russischen Universitäten eine größere sei, da auf solche Weise der Perzentsatz der jüdischen Hörer gleichfalls ein höherer würde. Tatsächlich haben die Juden durch den Boykott der russischen Hochschulen seitens der Polen den größten Schaden dävongetragen. Aus diesen Tatsachen gehe nun deutlich hervor, daß Professor Sierpinski,, der von der Lehrkanzel herab der