Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 28 (11.7.1913)
- Date
- 1913-07-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022064--22293-3047431- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Seite 510 De. Bkochs Wochenschrift. Nr. L8 Die Zudenoerfolgungen in Rußland. Im Dorfe Vendsova Vola bei Lodz wurden drei jüdische Häuser von Polen in Brand gesteckt, wobei ein siebenjähriges Mädchen verbrannte und ein erwachsener Jude schwere Brandwunden erlitt. Die polnischen Dorfbewohner verweigerten jede Hilfeleistung. Ein Bauernbursche, der flüchtende Juden ins Feuer zu stoßen suchte, wurde verhaftet. Dem Ministerium des Innern gingen zahlreiche Klagen gegen den Kiew'schen Gouverneur wegen der von diesem veranstalteten Judenverfolgung zu. Der stellvertretende Minister Lykoschin ordnete telegraphisch die Einstellung der Massenhausdurchsuchungen und Ausweisungen an. Auf Anordnung des Kurators des Kiew'schen Lehrbezirks verfügte das Odessaer Stadtamt, daß in die Stadtgymnasien von Odessa keine Jüdinnen mehr ausgenommen würden: auch zwei private Mädchengymnasien von Odessa stellten die Aufnahme von Jüdinnen ein. Aus Petersburg wird gemeldet: In Kalisch brachen gestern Diebe in die Josefskirche ein uub raubten drei Vrillantkronen und andere Kostbarkeiten von den Heiligenbildern. Da das Gerücht verbreitet wurde, daß der Einbruch die Tat eines Juden sei, brach unter der Bevölkerung in der Erwartung eines Pogroms eine Panik aus. Der Polizei gelang es inzwischen, die Diebe beim Verkauf der Steine zu verhaften. Die Ruhe kehrte unter der Bevölkerung zurück, als man hörte, daß die Diebe Russen sind. Von der Petersburger Universität. Mit Rücksicht auf die große Zahl von .Anmeldungen jüdischer Abiturienten zu der bevorstehenden Inskription an der Petersburger Universität hat der Universitätssenat, wie uns aus Petersburg berichtet wird, sich vor einigen Tagen mit dieser Frage in einer eigenen Sitzung befaßt. Nach eingehender Beratung beschloß der Senat, im Schuljahre 1913/14 keinen einzigen Juden aufzunehmen, da die für die Petersburger Universität festgesetzte Perzentnorm betreffend die jüdischen Hörer bereits jetzt erreicht ist. Der Senat hat sich hiedurch auf den judenfeindlichen Standpunkt gestellt, daß die Perzentnorm nicht nach der in jedem Schuljahre aufzunehmenden Schülerzahl, sondern nach der Zahl der gesamten Hörer der Universität zu bemessen sei. Auszeichnung einer jüdischen Töchterschule. Aus Paris wird uns geschrieben: Die hiesige Bischofssheimsche Lehranstalt für jüdische Mädchen hat eine ganz besondere Auszeichnung erfahren: Die französische Akademie hat dieser weithin bekannten Anstalt den Montyon-Tugendpreis von 800 Frcs. zugeurteilt. Das Bischofssheimsche Institut ist eine Gründung des verstorbenen Louis Bischoffsheim und dient zur Heranbildung jüdischer Mädchen zu tüchtigen Arbeiterinnen, auf allen sozialen Gebieten. Die -Lehrerinnen der Alliance- Schulen, die einen ausgezeichneten Ruf genießen, sind zum Teile auch aus diesem Instituts, dessen Existenz infolge der Munifizenz des Gründers Bischoffsheim gesichert ist, hervorgegangen. Bon der Petersburger hygienischen Ausstellung. In Petersburg findet jetzt eine hygienische Ausstellung statt, an welcher sich, wie an allen Kulturbewegungen, auch Juden in großer Zahl beteiligen. Die jüdischen Aussteller haben die Ausstellung beschickt, da ein eigenes Verbot der Anteilnahme der Juden an der Ausstellung nicht erlassen wurde. Als nun diese jüdischen Aussteller nach Petersburg kamen, um ihre Objekte zu überwachen, wurden sie von der Administrativbehörde mit dem Hinweis darauf, daß sie in Petersburg kein Wohnrecht besitzen, ausgewiesen. Unter ihnen befindet sich eine bedeutende Anzahl Vertreter jüdischer Schulen und Wohlfahrtseinrichtungen, die der Ausweisungsorder gleichfalls verfallen sind. Die Ausstellungsleitung hat wohl an die Behörden ein dringendes Gesuch gerichtet, den Ausweisungsbefehl rückgängig zu machen, da sonst der in Aussicht ge .ommene Zweck der Ausstellung gefährdet erscheine. Ob diese Intervention etwas gefruchtet hat, ist bisher nicht bekannt. Das neue türkische Kabinett. Aus Konstantinopel wird uns geschrieben: Wenn das neue türkische Kabinet von langer Dauer sein wird, so ist begründete Hoffnung vorhanden, daß für die Juden der Türkei eine ruhigere Entwicklung kommen werde. Der neue Großvezier Prinz Said Hallim hat in seiner langen politischen Karriere wiederholt Gelegenheit ergriffen, sich den Juden gegenüber wohlwollend zu zeigen. Der Minister des Innern Talaal Bey führt wegen seiner Erziehung, die er, wie wiederholt hervorgehoben wurde, in einer jüdischen Schule genoß, und wegen seiner ausgezeichneten Kenntnis der spaniolischen und zum Teil auch der hebräischen Sprache den Beinamen „der jüdische Minister" führt, wird auch in seiner gegenwärtigen exponierten Stellung seine Haltung den Inden gegenüber nicht ändern. Auch der Präsident des Staatsrates und ehemaliger Kammerpräsident Hallil Bey ist als Judenfreund bekannt. Eine Palästina-Kolonisations-Stiftung. Auf Anregung der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" in Berlin und in Angliederung an dieselbe hat ein hochherziger Philanthrop, Herr Markus Przedborski aus Lenczy t in Russisch-Polen, sich entschlossen, eine Palästina-Kolonisations-Stiftung in der Höhe von 80.000 Frcs. (30.00 Rubel) zu errichten. In dem an den Ehrenpräsidenten der A. I. K. O., Herrn Dr. Isidor Ginsberg, gerichteten Briefe schreibt der Stifter: „In Anbetracht der unsagbar traurigen Verhältnisse, unter denen unsere Glaubensgenossen in meinem Heimatlande zu leiden haben, glaube ich meiner Stiftung keine bessere Bestimmung verleihen zu können, als die Förderung der Palästina Kolonisation durch rationell erteilten Kredit und durch Vorbereitung jüngerer Auswanderer zur Ausübung des landwirtschaftlichen oder gewerblichen Berufes in Palästina. Möge mein Beispiel die Wirkung haben, daß in jeder Gemeinde mehrere ähnlich denkende Männer sich finden, die einen Teil ihres Vermögens der dauernden Versorgung ihrer unglücklichen Glaubensgenossen widmen. Nur wenn jeder von uns dieser Pflicht nachkommt, kann das namenlose jüdische Elend beseitigt werden." — Die A. I. K. O., der Herr Przedborski die Verwaltung seiner Stiftung anvertraut, hat bereits einen Plan ausgearbeitet, auf Grund dessen das Stiftungskapital unter Hinzuschlag der Zinsen in fruchtbringender Weise zur Verwendung gelangen wird. Vermischtes. Kranzablöfungsspeudeu zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I.. Seitenstettenqasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Josef Kißler: David Engel, Budapest, Kr. 5.—. Anb ßlich des Ablebens des sel. Theodor Theumann: Isidor Steiner Kr. 5.--, Familie Theumann 5.- . Zusammen Kr. 10.—.