Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 28 (11.7.1913)
- Date
- 1913-07-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 38 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 507 den Gesprächen der Missionare nicht so lange zuzuhören. Die Männer wiederum verstecken sich bisweilen, um dem Belehrungseifer zu entgehen und verlassen ihre Schlupfwinkel erst, wenn die Verkünder des neuen Glaubens ihrem Dorfe den Rücken gekehrt haben. Wo sie sich zur Aussprache einfinden, zeigen sie sich sehr belesen in der Bibel, sie verlangen Schriftbeweise, und wenn sie gegen die Redegewandtheit, die ihnen Psalmen und Propheten verkehrt auslegt, sich nicht mehr zu wehren wissen, dann wünschen sie Belege aus dem Pentateuch für die Richtigkeit des christlichen Glaubens. Wo sie aber dem Worte der Missionare gar nichts mehr entgegen zu halten wissen, ergeben sie sich noch immer nicht. Ihre letzte Zuflucht lautet: „Wenn der Jakob Faitlovitsch wiederkommt, dann könnt Ihr mit ihm disputieren, er wird Euch überwinden, dann wirds sich entscheiden auf welcher Seite die Wahrheit liegt, dann werden auch alle getauften Falaschas zu ihrem alten Glauben zurückkehren." Es ist das ernste Zeugnis für die bisherigen Leistungen dieses mutigen jüdischen Missionars, datz die Falaschas in dieser Weise sein Andenken bewahren und so f e st darauf bauen, datz er zu ihnen zurückkehrt und sie aus ihren Glaubensnöten erretteu wird! Der Bericht enthält auch Hinweise darauf, mit welch' unsäglichen Schwierigkeiten eine solche Reise verknüpft ist. „Oft kamen wir an fast undurchdringliches Dickicht und Gestrüpp. Wir blieben an den Dornen und Stacheln immer wieder hängen, so datz unsere Kleider manchen Ritz bekamen und unsere nackten Fütze übel mitgenommen wurden. In einer schrecklichen Bergwildnis standen wir auf einmal vor einem mit einer Flinte bewaffneten Mann. Es war ein Räuber. Er hielt uns an, frug, was wir tun, und wo wir hingehen. — Am folgenden Tage litten wir bei unserem Weitermarsch sehr. unter heftigem Regen, aber erfuhren auch freundliche Aufnahme bei einem alten Mann." Es kann gar nicht genug anerkannt werden, datz Dr. Faitlovitsch. obwohl er alle diese Leiden und Gefahren bereits mehrmals kennen gelernt hat, sich wiederum den Schwierigkeiten der Reste unterworfen hat und nicht eher rasten und ruhen will, bis er sein Ziel erreicht und den Falaschas den Trost des Glaubens gebracht hat. Die christliche Mission ist mit grotzem Eifer an der Arbeit. Der „Freund Israels" spricht sogar die Hoffnung aus, datz es dem Pro-Falaschakomitee nicht gelingen wird, „die christgläubig gewordenen Falaschas vom Glauben abwendig zu machen, datz sie wieder ins Judentum zurückfallen und Jesum Christum verleugnen". Es ist eine Ehrenpflicht der Juden heit, den Falaschas die Stärkung und Belehrung im Glauben, nach der sie so sehnsüchtig verlangen, zu gewähren und alles aufzubieten, um diejenigen, die dem Glauben der Väter treu geblieben sind, darin zu stärken, denjenigen aber, die den Verlockungen der Missionare anheimgefallen sind, den Weg zur Rückkehr zur angestammten Religion zu bahnen. Die Mittel, mit denen das zu erreichen ist, zeigt uns das Missionsblatt sehr deutlich. „Auf jeder der Stationen," so heitzt es dort, „besteht eine Schule, die fast ausschlietzlich von Kindern der Bekehrten besucht wird. An Samstagen besuchen sie oft Falaschas in den umliegenden Ortschaften. An den Sonntagen werden Gottesdienste gebauten, die gut und regelmätzig von den Bekehrten besucht werden." „Von den Feinden wollen wir lernen." nach des Dichters Wort, was wir sollen. Auch wir müssen derartige Stationen gründen. Schulen errichten, die als Mittelpunkt in diesem Glaubenskamvfe dienen können. Dazu freilich sind weit grötzere Mittel nötig, als dem Pro-Falaschakomitee bisher zur Verfügung stehen. Jeder Glaubensgenosse, dem die gute Sache am Herzen liegt und der bereit ist. für die Erhaltung des glaubenstreuen Stammes beim Judentum miteinzutreten, mutz es als Ehrenpflicht betrachten, für diese Bewegung sein Schärffein beizutragen.*) Korrespondenzen. Emigrantenfürsorge der „Israelitischen Allianz" zu Wien. Während des Monates Juni 1913 wurden von der Zentrale der „Israelitischen Allianz" in Wien insgesamt 260 Emigranten, davon 204 russische und 56 rumänische, weiterbefördert, und zwar 139 nach den Vereinigten Staaten, 58 nach Argentinien, 39 nach Kanada, 10 nach Frankreich und 14 nach England. In die Heimat zurückbefördert wurden 35 Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Monate Juni für 22 Personen zusammen 74 Tage Logis und volle Verpflegung bezahlt und an 68 Personen zusammen 264 Speisemarken für die „Israelitische Volksküche" ausgegeben. Im ersten Halbjahre 1913 wurden im ganzen weiterbefördert 911 Emigranten (gegen 515 im gleichen Zeiträume des Jahres 1912), davon 769 (454) russische und 142 (61) rumänische. Während des Aufenthaltes in Wien wurden vom 1. Jänner bis 1. Juli 1913 für 426 Personen zusammen 503 Tage Logis und volle Verpflegung und an 603 Personen zusammen 2311 Speisemarken ausgegeben. Eine Ehrenaffäre Dr. v. Hofmannsthals mit einer deutschnationalen Burschenschaft. In der bekannten Ehrenaffäre Dr. v. Hofmannsthals mit der „Wiener Burschenschaft" wurde von den Vertretern Dr. v. Hofmannsthals — Dr. Mar S ch ö nbach und Viktor von Do etter — folgendes einseitige Protokoll aufgenommen: /„Die Wiener Burschenschaft hat von Herrn Dr. Emil von Hofmannsthal wegen seines am 26. Mai 1913 im Wiener Wochenblatt „Der Morgen" erschienenen Artikels „Akademische Ehre" Genugtuung verlangt, dieses Begehren aber mit der Begründung zurückgezogen, datz Herr Dr. Emil von Hofmannsthal Jude sei. Nach Zurücknahme der Forderung durch die „Wiener Burschenschaft" haben drei der Verbindungen, aus welchen sie gebildet wird, nämlich „Albia", „Moldavia" und „Olympia" ihrerseits die Forderung nach Genugtuung für den fraglichen Artikel erhoben. Ohne die Frage aufzuwerfen, ob diese Burschenschaften als Glieder einer Vereinigung, die in derselben Sache Genugtuung verlangt und dies Verlangen dann unter einem nichtige;; Vorwand zurückgezogen hat. zu dieser Forderung berechtigt sind, haben die Unterzeichneten Vertreter namens ihres Mandanten erklärt, datz er von dem Rechte, sich auf die publizistische Freiheit zu berufen, keinen Gebrauch mache und für den Artikel auch den erwähnten Verbindungen gegenüber voll und ganz eintrete und sich erbiete, die Wahrheit jeder einzelnen behaupteten Tatsache und die Berechtigung der daraus gezogenen Schlüsse auf Grund des in seinen Händen befindlichen Beweismaterials vor einem Ehrenrat zu erweisen. Sie haben den Herren Gegenvertretern überdies die Namen und Daten bekanntgegeben, aus welchen die Richtigkeit *) Beiträge nimmt der Schatzmeister des Pro-Falaicha Komitees in Berlin. Herr Bankier Bruno Galewski i. Fa. Gebr. Oppler, Burgstr. 38, Postscheckkonto Berlin 11038 entgegen.