Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 28 (11.7.1913)
- Date
- 1913-07-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 506 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 28 bezüglich der Anfangsarbeiten und der Verteilung des Bodens ausgearbeitet und ein Komitee zur Führung der Geschäfte der neuen Ansiedelung eingesetzt. Der genaue Bewirtschastungsplan soll jedoch erst später an Ort und Stelle von den Funktionären der O. C. L. gemeinsam mit dem Komitee der Kolonie ausgearbeitet werden. Freudige Stimmung erregte in der Versammlung die Mitteilung, daß Herr Moses M. Manasiewitz, der als Parzellen-Inhaber an der Kolonie beteiligt ist, eine namhafte Stiftung errichte, aus der die Kosten der öffentlichen Institutionen wie Synagoge, Schule, rituelles Bad rc. bestritten werden sollen. Die Versammlung beschloß daraufhin, in Anerkennung der großen Verdienste des hochherzigen Stifters um die Bialystoker L. E. G. überhaupt und die neue Kolonie insbesondere, ihm zu Ehren die neue Kolonie „Kiriath Mosche" (die Stadt Mosis) zu nennen. Auszeichnung eines jüdischen Polizeidirektors. Der anläßlich der Ermordung des Großveziers Mahmud Schefket Pascha im Kampfe mit den Verschwörern verwundete Polizeidirektor Samuel Esfendi Israel wurde, wie aus Konstantinopel berichtet wirdvom Sultan mit der goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Polizeidirektor Samuel Effendi befindet sich noch immer in Pflege des französischen Spitals in Konstantinopel. Auszeichnungen in Rußland. Der Kaiser von Rußland hat in jüngster Zeit eine Anzahl von Juden ausgezeichnet. So wurde der russischjüdische Lehrer Hirschmann Leibin aus Pawlograd zum Hofrat und der Lehrer Kleinmann zum Schulrat ernannt. Ferner erhielten die Dozenten am Charkower Musikinstitute Belloussow und Burewitsch, beide Juden, den Stanislaus-Orden. Schließlich übersandte der Zar dem Kronrabbiner Lewner in Lugask „für seine ausgezeichnete dem Zarewitsch gewidmete Erzählung ,der Sinai' den allerhöchsten Dank des Kaisers." Eine französische Auszeichnung für den türkischen Großrabbiner. Wie dem französischen Amtsblatt zu entnehmen ist, wurde der Großrabbiner der Türkei Chain Nahum zum Ehrenmitgliede der Akademie der Wissenschaften und Literatur in Paris gewählt. Straßenbenennung nach dem verstorbenen Großrabbiner __ von England. Wie uns aus London geschrieben wird, hat der Gemeinderat der Stadt London in einer seiner letzten Sitzungen beschlossen, in Ehrung des Andenkens an den verstorbenen Großrabbiner von England, Dr. Hermann Adler, die Union Street Commercial Road in „Adler- Street" umzunennen. Wie in Amerika die Ritualmordlegende behandelt wird. Aus Ncwyork wird berichtet: Nunmehr hat auch Amerika seinen ersten Ritualmordprozeß gehabt. Die Geschichte, um die es sich handelt, war folgende: Vor ungefähr zwei Monaten ermordete die aus Galizien eingewanderte Polin Valeria Wafchkewilfch, ihren Mann, während er ahnungslos in seinem Bette schlief, nachdem sie ihn vorher an Händen und Füßen gefesselt hatte. Als die Mörderin verhaftet wurde, gab sie an, daß sie ihren Mann gelötet habe, weil er sich mit den Juden verbunden habe, denen er das Blut ihres einzigen Knäbleins verkauft hätte. Bei der Verhandlung schilderte Frau Waschkewitsch ausführlich die Motive, welche sie zum Morde geführt hätten. „Daß Juden Ehristenblut zu ihrem Osterfeste brauchen, weiß ich schon von meiner frühesten Kindheit an. Meine Mutter und mein Vater haben es mir gesagt, und auch der Pfarrer hat erklärt, daß die Juden Christen umbringen und ihr Blut trinken."" Der Richter war durch diese schauerliche Erzählung ganz entsetzt. „Niemals hätte ich es mir denken können, daß es Menschen geben könne, die an solche Märchen glauben," sagte der Richter, und frug dann die Mörderin: „Wissen Sie denn sicher, daß Juden zu ihren Ostern Blut brauchen?" „Gewiß, gewiß," antwortete sie. „Bei uns in Galizien sitzen sehr viele Juden für dieses Verbrechen im Gefängnis." „So mögen Sie nun ein für allemal wissen, daß Ihre Beschuldigung eine falsche, und daß Ihr fanatischer Aberglaube Sie zur Mörderin gemacht hat." „Nein, meine Beschuldigung ist eine begründete. Ich bin keine Mörderin, ich habe ein gottgefälliges Werk getan. Ein Mann, der sein Kind den Juden verkauft, verdient den Tod." „Wo befindet sich Ihr Kind jetzt?" „Ich habe es nach Galizien zu meinen Eltern geschickt. Dort ist es vor den Juden sicherer als hier. Wenn in Galizien Juden ein christliches Kind belästigen, so wird man sie alle ausmorden. Ich habe die Juden immer gehaßt. Und als mich mein Mann nach Amerika brachte, und bei Juden Wohnung nahm, geriet ich außer mir vor Zorn. Er hat jedoch dort eine Hausbesorgerstelle erhalten, und da konnte ich mir nicht helfen. In der letzten Zeit bemerkte ich, daß mein einziger Knabe Wassili sich unwohl fühlt. Er hatte Schmerzen in der Seite. Eines Tages bemerkte ich ein Zeichen auf seinem Körper, und ich war mir sofort im Klaren darüber, daß die Juden ihm für ihr Osterfest Blut abzapsten. Ich erzählte dies meinem Manne, dieser erklärte jedoch, daß die Juden in Amerika kein Blut zu Ostern brauchen, da in ihrem Gesetzbuche geschrieben stehe, daß sie nur in Galizien Blut zu Ostern brauchen. . . . Hierauf erklärte ich ihm offen, daß er von den Juden gekauft worden sei, und wahrscheinlich noch selber einmal Jude werden wird. Einmalnachts, als ich vor dem heiligen Bilde kniete, sah ich, wie mein Mann zusammen mit einer Schar Juden bei des Knaben Bett steht und wie man Wassili das Blut abzapfte. Ich lief schnell zu dem Bette, aber die Juden ließen ihre Zauberkunst spielen und waren plötzlich verschwunden. Am anderen Morgen ging ich in die Kirche und verrichtete ein Gebet, damit ich die Kraft habe, meinen Mann umzubringen. Des Nachts, als er bereits schlief, fesselte ich ihm Hände und Füße, damit er sich nicht wehren könne, hieraus versetzte ich ihm mit einer Hacke vier Schläge auf den Kops, und als ich sah, daß er sich noch rühre, hieb ich noch mit der Hacke auf seine Brust ein und begab mich dann zu einer meiner Verwandten." Aus Grund des medizinischen Gutachtens wurde schließlich Frau Waschkewitsch für geisteskrank erklärt und in eine Irrenanstalt abgegeben. Zur Würdigung der Pro-Falascha- Kemegung. Die Mitteilung über die Fortschritte der Pro- Falascha-Bewegung, der wir jüngst in unserem Blatte Raum gegeben haben, erhält eine eigenartige Ergänzung und Beleuchtung. Aus Veröffentlichungen in Missionsblättern wird die dringend st e Notwendigkeit rascher Hilfe ersichtlich. Vor uns liegt „Der Freund Israels", das Organ des Baseler Missionsoereines. Sem Januarheft enthält einen „Bericht einer Mifsionsreise nach der Provinz Velesa durch die Brüder Debtera-Desta und Debtera-Asressa. Die beiden von Flad getauften Falaschas erzählen ihre Erlebnisse während einer längeren Missionsreise, berichten von Erfolgen und Enttäuschungen. Die Methoden der Missionare sind dieselben, die wir von ihren Kollegen in Europa her sattsam kennen. Es wird mit denselben Schriftbeweisen aus der Bibel und den Paulinischen Briefen vorgegangen. Die ganze Art der Annäherung an die Opfer ihres Bekehrungseifers ist die gleiche, die namentlich den osteuropäischen Glaubensgenossen gegenüber fast täglich geübt wird. Es ist aber sehr interessant und erfreulich zu erfahren, wie wenig sich die Falaschas geneigt zeigen, den Lockungen der Missionare Folge zu leisten. Wiederholt heißt es in dem Berichts daß die Falaschas den Missionaren eine freundliche Aufnahme gewährten, daß sie willig zuhörten und sich den ganzen Tag über die Bibel auslegen ließen, aber einer wirklichen Bekehrung in jüngster Zeit vorgekommener Taufen wagen sie sich nicht zu rühmen.. Hingegen wird häufig genug der starke Widerstand zugestanden, den die Männer auf ihrer Reise gefunden haben. Besonders die Frauen erwiesen sich als glaubensstark und unerschütterlich. Sie begegnen den Missionaren sehr unfreundlich, lassen es sogar an Beschimpfungen nicht fehlen, sie sind scharf und haßerfüllt gegen diejenigen, die den Glauben verleugnen, ermahnen ihre Männer,