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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-07-11 · 28 (11.7.1913) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
28 (11.7.1913)
Date
1913-07-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 28 Dr. Mochs WocheiWrift. Sette 505 nicht um eine Person jüdischen Glaubens oder jüdischer Abkunft handelt. Die diesbezüglichen Dokumente sind von mir geprüft worden. Der Name „Körner" ist von dem Antragsteller frei gewählt, ohne daß er dabei eine bestimmte Familie im Auge gehabt hatte. Hierzu bemerke ich, daß der Name „Körner" sehr häufig ist, da allein im Berliner Adreßbuch sechs Spalten dieses Namens enthalten sind. Diesseits wurde der Umstand, datz eine durchaus christliche, ursprünglich aus bäuerlichen Kreisen entstammende Person den spezifisch jüdischen Namen „Kohn" zu führen hatte, als ausreichender Grund zur Namensänderung angesehen. Den übrigen Herren ersuche ich von dem Vorstehenden Kenntnis zu geben. Jagow." Die Motivierung der behördlichen Maßregel damit, daß man einem christlichen Deutschen nicht zumuten könne, einen jüdischen Namen zu tragen, hat dem Polizeipräsidenten den Beifall und das Lob der antisemitischen „Deutschsozialen Blätter" eingetragen. Im übrigen gönnen wir dem christlichen Kohn seinen neuen Namen gern. Es wäre nur interessant festzustellen, wieso die Vorfahren des neuen Körner seiner Zeit dazu gekommen sind, sich Kohn zu nennen. Mannah-Fall in Persien. Der Direktor der Alliance-Schule in Kermanschah in Persien hat an das Zentralkomitee der Alliance- Israelite-Universelle in Paris, wie wir den jüngsten Mitteilungen dieser Organisation entnehmen, den folgenden interessanten Bericht erstattet. Vor ungefähr zwei Monaten war die Bevölkerung von Kermanschah Zeuge eines ganz merkwürdigen Phänomens. Sie entdeckte in der unmittelbaren Umgebung der Stadt Körnchen in großen Mengen auf der Erde zerstreut liegen. Diese Körnchen, die eine bis dahin unbekannte Form hatten, besaßen eine rindenartige Schale von grauer Farbe, während die Substanz weiß war und einen Geschmack ähnlich dem Mais hatte. Die Bevölkerung erblickte in dieser Erscheinung eine Offenbarung der Güte Gottes, dessen Mildtätigkeit sich der Bevölkerung von Kermanschah, die unter der ungeheuren Teuerung der Lebensmittel so schwer zu leiden hatte, kundtat. Für die Iuden der Stadt war es eine ausgemachte Tatsache, daß diese Körnchen da; Mannah war,, das ihre Vorfahren bei ihrem Auszuge aus Aegypten in der Wüste gegessen hatten. Möglicherweise hatten sie recht, wie dies übrigens aus einer Mitteilung des Direktors der „Ro^as-Lotanie-Oardeim" in London an den englischen Konsul in unserer Stadt hervorgeht, der eine Anzahl dieser Körnchen nach England geschickt hatte. In diesem Gutachten heißt es: „Das Muster, das Sie uns eingeschickt haben, ist das unter dem Namen „Deeauoia eseulevta" bekannte „Mannah", welches in West- und Nordafrika vorzukommen pflegt. Diese Pflanze wächst in den gebirgigen Gegenden, doch pflegen sich Fragmente der Pflanze loszulösen, die dann in großen Massen durch den Wind in die benachbarten Gegenden getragen werden, wobei sie bei diesem Transporte ihren Umfang vergrößern. Man nimmt an-, daß diese Frucht mit dem Mannah der Israeliten identisch sei. Im übrigen variiert ihre Form sowohl bezüglich ihres Aussehens als auch ihres Umfanges in ganz außerordentlichem Maße. Die Botaniker haben bereits eine ganze Anzahl Mannah-Spezies festgestellt. Ein erst jüngst erschienenes Werk behauptet jedoch, daß es sich bloß um verschiedene Formen der bekannten Familie Lecanora esculenta handle." Diesem Berichte war auch eine Sendung von dieser seltenen Frucht beigelegt.' Preisgekrönte Autoren in Frankreich. Das französische Amtsblatt veröffentlicht eine ganze Liste jüdischer Autoren, deren Werke mit Preisen der Akademie ausgezeichnet wurden. So haben die Brüder Eugen und Leon Bloch den Danton-Preis von 1500 Francs für eine Arbeit über die Bedeutung der Strahlen erhallen. Die unter dem Pseudonym Iean Dornis bekannte Schriftstellerin Mme. Guillaume Beer erhielt den Tausend-Francs-Preis für eine Arbeit unter dem Titel ..La sensibilitö dans la poesie franeaise“. Für militärische Werke erhielten Preise Dr. D. Goldschmidt (Stratzburg in der Belagerung) und Oberst Picard (Sedan 1870). Ferner der Dekan der Fakultät für Literatur in Nancy, Auerbach, einen 1500 Francs-Preis für das Werk „Frankreich und das heilige Deutsche Reich". Für seine verschiedenen Erfindungen des Automobilismus erhielt Fernand Forest einen bedeutenden Preis und ebenso G. Cahen für sein großes Werk „Ueber billige Volkswohnungen in Frankreich und dem Auslande". Englische Ausgrabungen in Palästina. Die Ausgrabungen, die der Palestine Explora'ion-Fund in Ain Shems ausgeführl Hai, haben im Jahre 1912 zu solchen Erfolgen geführt, daß man in dieser Ausgrabungsstätte, wie ein Bericht der Kunstchronik bemerkt, ein zweites „Gezer" sehen darf. Die Ausgrabungen haben sich hauptsächlich auf jenen Teil bezogen, wo das israelitische Beth-Schemesch stand. Die Funde ergaben drei große Perioden, die eingeboren-kananitische, eine philistinische und eine israelitische. Die erste erstreckt sich von dem entfernten Anfang des Bewohntseins der Stätte im 3. Jahrtausend bis zum Ende des 15. Jahrhunderts vor unser Zeitrechnung. Ein furchtbares Ereignis begrub damals die ganze Stadt unter Asche. Vom 14. bis zum Ende des 12. Jahrhunderts herrschte die Philisterkultur. Dann pflanzte die israelitische Eroberung der Stadt, deren Befestigungen für immer zerstört wurden, eine zwar andere, aber doch nicht neue Kultur auf, die ganz aus den Traditionen der Vergangenheit bestand. Sanherib zog eines Tages auf seinem Kriegszuge, als er von Lachish heraufkam, nach Beth-Schemesch und vernichtete die kleine israelitische Stadt, wo der Tod seit dieser Zeit herrschte, bis in der byzantinischen Periode auf kurze Zeit wieder Leben begann. — Die größte Entdeckung, die in der letzten Kampagne gemacht worden ist, war die Aufdeckung eines Hochplatzes in der Art des berühmten Heiligtums von Gezer. Aber die fünf großen Stellen, die den Charakter des Hochplatzes bedingen, stehen nicht mehr auf ihren Basen, sondern sie liegen in einem gewissen Alignement auf dem Boden. Im allgemeinen gleichen sie den Mazzebas von Gezer; aber ihr oberes Ende hat doch eine gewisse Regelmäßigkeit, durch die sie den Grabstellen ähnlicher sind. Die Fundamente, auf denen die Stellen von Ain Shems aufgepflanzt sind, gehen herunter unter die Philisterschicht. Von da aus gelangt man an die Mündung einer doppelten Höhle, die vollständig der in Gezer gefundenen gleicht. Man hat das Adytum dieser Höhle noch kurz untersuchen können. Die beiden Höhlen sind voll von noch unberührten Gräbern mit reichem Mobiliar, das bis in die ältesten historischen Zeiten dieser Gegend zurückgeht. Die nunmehr beginnende weitere Ausgrabungsarbeit hat sicher hier noch große Entdeckungen vor sich: Es scheint, daß die israelitische Orthodoxie, wohl im Beginn des 11. Jahrhunderts, der Entwicklung dieses Hochplatzes ein schroffes Ende gesetzt hat, welcher mehr als ein Jahrtausend lang schon einen Kult besessen hatte. Neben ihrer Bedeutung für die Aufstellung der Geschichte von Palästina haben die Ausgrabungen von Ain Shems noch die allgemeine Bedeutung, daß jene Anschauungen über die Natur der Dolmenheiligtümer wiederum anläßlich der neuesten Funde in Alesia auch von französischen Forschern anerkannt worden sind. Kiriath Mosche. (Die Stadt Mosis.) Eine neue jüdische Kolonie in Palästina. Auf dem ca. 4800 Dunam umfassenden, an der Jaffa-, Jerusalemer Bahn gelegenen Terrain Kafr-Urieh, das im vergangenen Winter von der »?a!68tii>«>Land-l>eve!opm6nt-Co. Ltd.« gemeinsam mit der „Geulah" erworben wurde, wird demnächst eine neue jüdische Kolonie entstehen. Der Boden ist nämlich mit Hilfe eines von dem Finanzinstitut der A. I. K. O., der »Orient Coonisin« Co. Ltd.-, gewährten langfristigen Agrarkredits von Frcs. 118.000 in den Besitz einer Kolonistengruppe von 30 Familien übergegangen, um deren Zusammenstellung sich in erster Linie die Gründer und Leiter der Bialystoker Landerwerbsgesellschast, die Herren Moses M. Manasfewitz und A. Horodiscz, verdient gemacht haben. Von diesen 30 Familien sollen 10 demnächst übersiedeln, die anderen 20 Parzellen-Jnhaber werden einstweilen ihre Parzellen auf Grund einer besonderen Abmachung durch Funktionäre der Orient Colonisin^ Co Lid. bewirtschaften lassen und erst nach Fertigstellung der Pflanzungen sich in der Kolonie ansiedeln. Die unlängst in Bialystok veranstaltete konstituierende Versammlung der Kolonisten hat eine ganze Reihe von Bestimmungen

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