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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-07-11 · 28 (11.7.1913) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
28 (11.7.1913)
Date
1913-07-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 504 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 26 Wilhelm Breuning in dem „Boten aus Zion" veröffentlichten Bericht „Mein erstes Weihnachten im Syrischen Waisenhaus und heiligen Lande" (Februar-Nummer 1913) erfahren wir nämlich, daß der Knecht Ruprecht im „Syrischen Waisenhaus", welcher den bösen Kindern Schrecken einflöhen und ihnen das Mißfallen des Christkindchens kundtun soll, diesmal die ausgesprochene „Fratze des ewigen Juden aus den benachbarten Judenkolonien" trug. Hören wir, wie schaurig ergreifend das Herr Breuning als Augen- und Ohrenzeuge seinen Lesern selber zu erzählen und zu schildern weih: „Auch zu uns war eines schönen Tages im Dezember ber Knecht Ruprecht gekommen. An allen Türen hat er geklopft, wo er Kinder vermutete. Draußen bei den Familienhäusern der Meister hat er angesangen. Wie ein Sturmwind ist er mit seinem Begleiter, dem Sackträger, durchs Waisenhaus gezogen. Sein Gesicht zeigte nicht die biedere, freundliche Strenge des deutschen Ruprecht, eher die Fratze des ewigen Juden, der aus den benachbarten Juden! olonien gekommen zu sein schien. Grimmiger konntekeines der Kinder sich ihn vorgestellt haben, auch die nicht, die es vorgezogen hatten, sich ins Bett zu stehlen und den roten Teppich sich über die Ohren z u z i e h e n. So war es kein Wunder, daß das Erscheinen des Weihnachtsknechtes im Türrahmen überall die gleiche Wirkung tat. Da sah man ein furchtsam Häuflein brauner Menschenkinder in einer Stubenecke zusammengedrängt. Der Ruprecht fuhr unter sie wie der Wind ins Herbstlaub und scheuchte sie vor sich her durchs Zimmer, bis schließlich in einer Ecke die Jagd zum Stehen kam. Nun begann das hochnotpeinliche Gericht über die hartnäckigen Uebertreter . . ." Dah es natürlich mit diesem jüdische Züge tragenden Schreck-Popanz nicht etwa darauf abgesehen ist, eine heilsame Wirkung auf verstockte Sünderherzen zu erzielen, sondern recht früh in die empfänglichen Kinderherzen die vergiftende Saat des Antisemitismus und Judenhasses zu pflanzen, liegt auf der Hand, und zeigt es nur den entschieden christlich-religiösen Sinn der Herren Schneller, dah sie hiezu gerade das christliche Fest benutzen, an welchem sie über den Tert des Evangeliums zu predigen haben: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen". Auf dem Umschlag des „Boten aus Zion" liest man eine Mahnung, bei Sendungen von Andenken aus Jerusalem genau darauf zu achten, dah sie aus den Werkstätten und den Ateliers des „Syrischen Waisenhauses" und nicht etwa von „unbekannten schlauen Spekulanten, meistens jüdischer Abkunft," kommen, „die auf diese Weise einen schwunghaften Handel treiben". Noch offensichtlicher tritt der antisemitische Unmut der Herren Schneller zutage in einer Notiz in den „laufenden Nachrichten" mit dem Stichwort „Landhandel": „Der Landhandel stockt gegenwärtig wie alle anderen Geschäfte. Gerade dieser Umstand hat den Juden geholfen, wieder einige größere Landgebiete hier auf dem Gebirge und in der Ebene um billiges Geld anzukaufen. Das eine derselben liegt im Norden von Jerusalem am Wege nach Ramallah, andere nahe bei Deraban und an anderen Orten an der Bahnlinie. Von Konstantinopek aus ist die Abgabe größerer Ländereien an die Juden zwar verboten, aber sie wissen sich mit der Lokalregierung zu arrangieren und kommen so doch zu ihren Zielen. Sehr von Nutzen soll ihnen dabei der im Herbst abgegangene Eouverneur gewesen sein, den sie einmal aus eine ihrer schönen Kolonien in der Ebene einluden, ihn fürstlich (!) empfingen, feierten und regalierten, und der ihnen dann bei ihren Unternehmungen willig an die Hand ging/' Wie mag jetzt nur Herr Schneller in der nächsten Nummer seines griesgrämigen „Boten aus Zion" seinem gepreßten Herzen Luft machen, wenn er mit bittersüßen Mienen seinen Lesern mitteilen muß, daß auch der neue Gouverneur von Jerusalem eben erst die jüdischen Kolonien besucht hat und dort womöglich noch fürstlicher „als seine Vorgänger empfangen wurde". Es muß jedem freigestellt sein, nach eigener Methode sich zu blamieren, — auch Herrn Schneller. vom Zabrmarlrt des Lebens. Ein Beitrag zu christlicher und jüdischer Humanität. Bei der Durchsicht nachgelassener Papiere meines Mannes, besonders Ethik und Pädagogik betreffend, finde ich nachfolgenden Bericht, der auch heute — und vielleicht heute am meisten — für die Leser der „Oesterr. Wochenschrift" von kulturhistorischem Interesse sein dürfte. Ernst dem „Süddeutschen Sonntagsblatt" von 1885 entnommen, einem „Zentralorgan für die Interessen der Geistes- und Gewissensfreiheit, der Humanität und Toleranz": als Redakteur nennt sich Dr. Johann Eihr in Stuttgart. — Es heißt darin: „Aus der Stadt Wittenburg (Mecklenburg-Schwerin) wird folgender Beitrag zur Würdigung christlicher und jüdischer Humanität gemeldet: Vor einer Reihe von Jahren wurde der Sohn des dortigen Kaufmannes Martens von der Konfirmation zurückgewiesen, was den Vater veranlagte, seinen Austritt aus der Wittenburger evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde für sich und seinen Sohn zu erklären. Der Sohn ward später in dieselbe aufgenommen, auch konfirmiert, während der Vater außerhalb des Gemeindeverbandes verblieb. Kürzlich starb der letztere, und die Wittenburger Geistlichen sahen sich nun vor die Frage gestellt, wie es mit der Beerdigung gehalten werden solle? Nack; Verhandlung mit dem Oberkirchenrat zu Schwerin wurde verfügt, daß die Leiche an einem Orte an der Kirchhofsmauer und nicht, wie üblich, in der Lage von Osten nach Westen, sondern von Norden nach Süden beerdigt werden solle. Die Witwe ließ sich dies noch gefallen und begehrte nur, daß ihr ein Platz neben ihrem verstorbenen Gatten auf dem Friedhofe gesichert werde. Dies wurde ihr jedoch verweigert und zugleich angeordnet, daß um das Grab ein Graben mit einem Walle errichtet und dadurch, sowie mittelst dichter Bepflanzung eine gänzliche Absonderung desselben hergestellt werde. Dazu aber wollte die Familie sich nicht verstehen. In dieser Bedrängnis erhielt sie nun von der jüdischen Gemeinde das Anerbieten, der Leiche auf dem Friedhof der letzteren eine Grabstelle zu gewähren und neben derselben auch der Witwe einen Platz vorzubehalten. Dies wurde mit Dank angenommen, und ein Leichengefolge, so zahlreich, wie es Wittenburg noch nicht gesehen, begleitete nun den Verstorbenen zu seiner letzten Ruhestätte. — Lächerliche und zugleich bösartige Intoleranz noch allerwärts!" Wie wohltuend berührt diese Bewahrheitung des „jüdischen Herzens"! Wie nachahmenswert ist doch diese eigentlich so natürliche, ja selbstverständliche Betätigung teilnehmender Menschlichkeit! Meran. Nahida Lazarus. Ein ..durchaus christlicher" Kohn. Seit Wochen entrüsten sich die deutschen Antisemitenblätter darüber, daß der Berliner Polizeipräsident einer Familie Kohn in Wilmersdorf gestaltet hat, sich fortan Körner zu nennen. Sie meinten nämlich, es handle sich hierbei um einen Juden, der sich einen christlich klingenden Namen, den Namen eines deutschen Dichters beilegen wolle. Wir haben schon oft auch vom jüdischen Standpunkt aus gegen eine solche feige Verleugnung ehrlicher jüdischer Namen seitens ihrer bisherigen Träger Front gemacht. In dem vorliegenden Falle liegt aber die Sache umgekehrt, wie Polizeipräsident von Jagow einem Beschwerdeführer mitgeteilt hat. Es handelt sich hier um Christen, die einen jüdisch klingenden Namen nicht mehr führen wollten. Der Polizeipräsident schreibt hierüber: Berlin, 10. Juni 1913. Auf die an den Herrn Regierungspräsidenten in Potsdam gerichtete und an mich zuständigkeitshalber abgegebene Eingabe vom 2. Mai 1913 erwidere ich, daß es sich im vorliegenden Falle

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