Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 28 (11.7.1913)
- Date
- 1913-07-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 502 Dr. Bßochs Wochenschrift. Nr.^38 die Christen des Balkans, auch für die Armenier in blutige Kämpfe zu stürzen bereit ist, aber nicht aus seiner Ruhe zu bringen ist, wenn es sich um die Entrechtung von 200.000 Juden handelt. Und noch eines: Die rumänische Regierung kennt ihre Juden. Sie weiß genau, daß sie mutig in den Kampf ziehen, und mit Todesverachtung kämpfen werden. Nicht aus Dankbarkeit für die Regierung und die herrschenden Kreise, die ihnen selbst den höchsten Heldenmut mit Undank lohnen, sondern weil ihnen die Scholle, auf welcher sie geboren wurden und so viel gelitten haben, m welcher ihre Väter begraben liegen grenzenlos teuer ist und sie für ihre Verteidigung gerne ihr Leben lassen. Sie werden in den Kampf ziehen und bis zum letzten Atemzuge kämpfen, weil das Vaterland es fordert und wert ihre Vaterlandsliebe in ihnen die Hoffnung erhält, daß auch in der Brust derjenigen, in deren Hand das Geschick des Vaterlandes liegt, endlich einmal die Menschlichkeit über die Barbarei den Sieg davontragen wird. _ —sz. Sind die Anden eine krieKerische Kaffe?*) Lrn Carl F r h r. von R l ch l h o f e u. In. der russischen Reichsduma wurde vor einigen Iahren bei der Beratung des Rekrutenkontingents der Ausschluß der Juden von der Wehrpflicht durch die Abgeordneten Samysslowsky und Krupenski angeregt. Ersterer behauptete die Untauglichkeit der Juden zum Militärdienst im allgemeinen, Krupenski brachte einen Antrag dahingehend, die Juden sowohl ihrer religiösen lleberzeugung als ihrer unkriegerischen Eigenschaften wegen von der Wehrpflicht zu befreien. Zum Ersatz für den Ausschluß von der Wehrpflicht sollten die Juden mit je 10 Rubel besteuert werden. Wenn 60.000 militärpflichtige Juden alljährlich derart besteuert werden, ergibt sich ein Ertrag von nur 600.000 Rubel jährlich. Aus diesem Grunde haben Mitglieder der Rechten zwei Zusätze beantragt. Das erste Amendement verlangt, daß alle von der Wehrpflicht Befreiten eine Wehrsteuer zahlen sollen, aus der ein Kapital zur Unterstützung der Familien von Soldaten, sowie ein Jnvalidenfonds zu bilden ist. Der zweite Zusatzantrag besagt: „Die Duma ist der Ansicht, daß die jüdischen Soldaten in Friedenszeiten sich als ein die Armee zersetzendes Element und in Kriegszeiten als unzuverlässiges und gefährliches Element erwiesen haben; daher wünscht sie, daß das Kriegsministerium der Duma einen Gesetzentwurf vorlegt, der das Heer von diesem Uebel befreit." Diese Anträge sind sicherlich aus der Tatsache entstanden. daß die Hauptbeschäftigung der Juden überwiegend im Handel liegt, ein Umstand, der ihre anderen. nicht kaufmännischen Eigenschaften, in einem weniger günstigen Lichte erscheinen läßt. In biblischen Zeiten beweisen die Urkunden, daß die Israeliten ebenso gut zu kämpfen als zu beten verstanden,' wenn sie Niederlagen erlitten, war es meist am Sabbat, weil an diesem Tage des „ewigen Bundeszeichens" die Juden rasteten und keinen Widerstand leisteten. Unter dem jüdischen Helden Judas Makkabäus, der gegen mehrere syrische Heere glücklich focht, sich Jerusalems bemächtigte und den Jehovakultus wieder herstellte (166 bis 160 v. Ehr.), haben die Juden Wunder der Tapferkeit verrichtet. In ihren verheerenden und schrecklichen Kriegen mit den Römern ertrugen sie jede erdenkliche Marter und Qual der Belagerung, Hungersnot und Anarchie. Auf das Aeußerste bedrängt, verweigerten sie dennoch die Aufforderung des römischen Generals Titus, Jerusalem zu übergeben, das erst nach langer heldenmütiger Verteidigung, Schritt um Schritt, *) Die vorstehenden Ausführungen, deren Verfasser als früherer Offizier und Diplomat gewiß ein ruhiges und klares Urteil hat, erschienen in der „Franks. Ztg." vom 6. jJuli. erobert wurde. Parteikämpfe im Innern, Hunger und Pest, die Einäscherung des Tempels brachen den verzweifelten Widerstand des Volkes, das nun (70 n. Ehr.) feine politische Selbständigkeit verlor und zu Hundertlausenden in die Sklaverei geführt wurde von dem größten Heere, das je Rom gegen einen Feind gesendet hatte. Der Haß gegen die mächtigen Eroberer und der sehnliche Wunsch, die nationale Unabhängigkeit zu erneuern, trieb die Juden zu häufigen, aber trotz großer Tapferkeit stets erfolglosen Empörungen, von denen die zur Zeit Hadrians 132 unter dem angeblichen Messias Bar-Kochba die größte und erfolgreichste war. Begeisterte Anhänger, zu denen selbst der Gesetzeslehrer Ben Akiba gezählt wird, schienen Bar-Kochba den Erfolg zu sichern. Der römische Befehlshaber Jul. Severus beendete aber 135 die Kämpfe, bei denen mehr als eine halbe Million Menschen umkamen, mit der Einnahme der letzten Zufluchtsstätte der Juden, der Vergfestung Betlar, der Hinrichtung vieler hervorragender Persönlichkeiten, besonders Gelehrter, der Zerstreuung des Volkes und der Verödung Jerusalems, das von Hadrian neu erbaut und mit Heiden bevölkert wurde. Seit dieser Zeit haben die Juden als Nation nicht mehr in dem eigenen, ihnen gehörigen Lande gelebt. Aber sind ihre kriegerischen Instinkte während der langen Periode ihrer Zerstreuung erloschen? Daß die alten Juden eine kriegerische Rasse waren, kann niemand leugnen und es muß im allgemeinen zugestanden werden, daß kein Volk die Reinheit seiner Rasse mehr bewahrt hat als die Juden. Aus diesem Faktum kann man den Schluß ziehen, daß sie noch immer die nämlichen, ihrer Rasse anhaftenden Eigenschaften besitzen, eine Schlußfolgerung, die überdies durch jetzige Tatsachen und Zahlen beweiskräftig unterstützt wird. Der Feldprediger der jüdischen Soldaten in Äldershot hat vor einiger Zeit statistische Angaben veröffentlicht über die Zahl der Israeliten, die in den verschiedenen europäischen Heeren dienen, und diese Zahlen ergeben die erstaunliche Auskunft, daß verhältnismäßig eine größere Anzahl von jüdischen Soldaten in Europa vorhanden sind, als christliche Soldaten. Die Gesamtzahl der Juden in allen fünf Erdteilen beziffert sich gegenwärtig auf acht Millionen, wovon ungefähr 500.000 in Afrika, 750.000 in Asien und 200.000 in Amerika leben. Die 6,650.000 Juden in Europa liefern den Armeen Europas nicht weniger als 350.000 Mann. Der Kaiser von Rußland entnimmt eine viel größere Proportion von Leuten zum Dienste in seiner Armee seinen jüdischen Untertanen als dem Reste der unter seiner Herrschaft stehenden Bevölkerung, und obgleich dies nicht als eine Auszeichnung von denjenigen geschätzt werden mag, die ihrer teilhaftig werden, so ist es doch augenscheinlich gewiß, daß die Juden nicht so bevorzugt würden, wenn sie als Soldaten nichts taugten. Die Anzahl der Juden im russischen Heere beläuft sich nach offiziellen Angaben des russischen Kriegsministers auf 171.000 Mann. Im ganzen russischen Reiche leben 3,650.000 Juden. Der Abgeordnete Roditschew eiferte in der Duma gegen den erwähnten Antrag, die Juden von der Militärpflicht zu entbinden und dafür eine jährliche Steuer von diesen zu erheben. Nur in einem Sklavenstaat könnte ein solcher Vorschlag verwirklicht werden. Vor allem betonte Roditschew, daß die Juden bei der Ableistung der Wehrpflicht bisher ungerecht behandelt wurden; man sollte keine kranken Juden ausheben, dann würden keine unglücklichen jüdischen Soldaten vorhanden sein. „Die Befreiung einer Klasse von Staatsangehörigen vom Militärdienst", sagt Roditschew weiter, „führt zum Verfall. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Juden tapfere Soldaten sind und alle staatsbürgerlichen Pflichten ebenso gewissenhaft erfüllen wie die übrigen Bürger. Nicht die Juden haben Rußland, zur Niederlage von Tsuschima geführt. Dagegen war der