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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-07-11 · 28 (11.7.1913) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
28 (11.7.1913)
Date
1913-07-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. LS Dl\ Bloch’s I-chrgans XXX Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Wien- 11. Jnli 1913 : LrscbeLnt jeden Freirag.i Brief-Adresse: Wie«, U/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie«. oq= . - -o? Vrxugsprris für Vrstrrrrich: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die mal gespal» 3 lene Peliczeile 48 Heller. G no— ...Q Q TU. ft. Pvflsx«rKaUrn«rnl aiearing-Verkebr Nr. 810.976. Redaktion und Administration: < Wir» n/i, Pratcrstraße 9 Telefo» 14847 Inhalt: Leitartikel: Rumänien mobil,sint. — Sind die Juden eine kriegerische Raffe? — Antisemitenmätzcken aus dem „Sy'.ischen Waisenhaus" in Jerusalem. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Ein Beitrag m christlicher und jüdischer Humanität. Ein „durchaus christlicher" Kohn. Mannah-Fall in Persien. Preisgekrönte Autoren in Frankreich Englische Ausgrabungen in Palästina. . Kiriath Mosche. Auszeichnung eines jüdischen Polizeidirektors. Auszeichnungen in Rußland. Eine französische Auszeichnung für den türkischen Großrabbiner. Straßenbenennung nach dem verstorbenen Großrabbincr von England. Wie in Amerika die Räualmordlegende behandelt wird. Zur Würdigung der Pro-Falascha-Bewegung. — Korrespondenzen: Emigranten-Fi'nsorge der „Israelitischen Allianz" zu Wien. Eine Ehrenaffaire Dr. v. Hoffmanrthals mit einer deutschnationalen Burschenschaft. Der Bericht über die Angola-Expedition. Schließung der jüdischen Schule in Hohenems. Protest der Lemberger jüdischen Studenten. Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Ungiltige Stadtverordnetenwahlen wegen Bedrohung jüdischer Wähler. Jüdischer Frauenschutz in England. Eine jüdische Kolonisationsaesellschaft in Südafrika. Die Judenverfolgungen in Rußland. Von der Petersburger Universität. Auszeichnung einer jüdischen Töchterschule. Von der Petersburger hygienischen Ausstellung. Das neue türkische Kabinett. Eine Palästina- Kolonisations-Stiftung. — Vermischtes. — Feuilleton: Der jüdische Witz. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Rumänien mobilisiert. Bukarest, 9. Juli. „In der mobilisierten Armee befinden sich über 30.000 Juden. Heute erschien eine Deputation der „Union" der rumänischen Juden bei dem Kriegsminister und ersuchte um Zulaffung der Juden als Freiwillige." Das wichtigste und beunruhigenste Ereignis in der Balkankrise ist die seit einigen Tagen währende Mobilisierung in Rumänien. Wenn diese Zeilen erscheinen, wird die Mobilisierung schon beendet und das Heer König Carols von Rumänien die kriegsmäßigen Operationen vielleicht schon begonnen haben. Die Proklamation des Königs ruft alle wehrfähigen des Landes: Christen aller Schattierungen, Mohammedaner und—Juden zur Verteidigung des Vaterlandes unter die Fahnen. Auch die Juden? Zur Verteidigung des Vaterlandes? In Rumänien? Quo jure? Mit welchem Rechte fordert der König von Rumänien, fordert die rumänische Regierung von den rumänischen Juden diese Blutsteuer, den Opfermut und die Todesverachtung, die allein eine Gewähr für einen Sieg bieten können'? Mit welchem Rechte werden der jüdische Arbeiter, der in Friedenszeiten in den staatlichen Fabr.ksanlagen keine Arbeit erhält, d-r jüdische Advokat, der seine Advokatur nicht ausüben kann und der jüdische Familienvater, der seine Kinder nicht in die Schule schicken darf, sitzt gezwungen für dasselbe Land zu bluten und eventuell das Leben zu lassen? Seit undenklichen Zeiten wohnen Juden in Rumänien; so oft dieses Land um seine Existenz gekämpft hat, haben die Juden ihren letzten Groschen und den letzten Tropfen Blut dem bedrängten Vaterlande zur Verfügung gestellt. Auf den Schlachtfeldern, auf welchen die Unabhängigkeit Rumäniens erfochten wurde, hat das Blut jüdischer Helden sich mit demjenigen der tapferen Rumänen vermengt. Während aber die überlebenden rumänischen Kämpfer dann im Frieden den Lohn ihrer Tapferkeit ernteten, begann für die Juden eine Aera der wildesten Verfolgung, der unmenschlichsten Bedrückung und der unerhörtesten politischen und wirtschaftlichen Drangsalierung. Leitet die rumänische Regierung etwa hieraus die Berechtigung ab, jetzt die Juden den feindlichen Kugeln auszusetzen? Der Berliner Vertrag hat dem Fürstentum Rumänien die Unabhängigkeit unter der Bedingung gesichert, daß es den eingeborenen rumänischen Juden die volle Gleichberechtigung gewährleiste. Mit erfinderischer Hinterlistigkeit haben die rumänischen Regierungen die Juden bisher um diese ihre verbrieften Menschenrechte betrogen. Gibt das der jetzigen Regierung vielleicht das Recht, von den Juden zu fordern, ihr Leben in die Schanzen zu schlagen, damit Rumänien Gebiete erobere, durch welche die Zahl der rechtlosen, „fremden" Glaubensbrüder gemehrt werde? Um die mit dem Berliner Vertrage übernommenen Verpflichtungen umgehen zu können, wurden die rumänischen Juden kurzerhand zu „Fremden" gestempelt. Von diesem Tage angefangen ist in Rumänien noch kein Gesetz entstanden, das nicht in der Absicht geschaffen worden wäre, die Juden moralisch herabzudrücken, kulturell zu knebeln und wirtschaftlich zu ruinieren. Erblickt die rumänischeRegierung vielleicht hierin eineRechtsgrundlage dafür, die Juden zu zwingen, das Schlachtfeld mit ihrem Blute zu düngen? Als der selige Balkanbund im Kampfe gegen die Türkei von Sieg zu Sieg eilte und Rumänien leine Forderung auf Silistria stellte, da ging's wie ein Hoffnungsdämmern durch die Seelen der Juden. Man wollte nicht vollends an dem Menschlichkeitsgefühl der Machthaber in Rumänien verzweifeln, man wollte nicht glauben, daß moderne, gesittete Menschen nicht gerne die Gelegenheit ergreifen würden, um eine alte Schuld gegen die Juden und gegen ihr eigenes Sittlichkeitsgefühl endlich einmal abzutragen. Aber Rumänien blieb sich in seiner Unmenschlichkeit treu. In der berechtigten Bffürchtun?, in London vor den angesammelten Vertretern jener Großmächte, wrlche den Berliner Vertrag mitunterzeichneten, nicht ohne Schamröte auch weiter auf den Vertragsbruch beharren zu können, flüchtete es sich nach Petersburg, wo es ein feines Verständnis für sein barbarisches Vorgehen voraussetzen dürste. Das war gestern. Und heute ruft dieselbe Regierung die „fremden, vaterlandslosen" Juden zur Verteidigung des Vaterlandes auf. Quo jure?. Aber doch. Die rumänische Regierung hatte ein begründetes Recht zu diesem menschheits- und völkerrechtlichen Hohn. Die Rechtsquelle, aus der sie schöpft, ist das unerschütterlich ruhige europäische Gewissen, das sich wohl für

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