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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-07-04 · 27 (4.7.1913) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
27 (4.7.1913)
Date
1913-07-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 496 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 27 zurück. Das ist der Improvisator Maximilian Langenschwarz, der als solcher ein Nachfolger des ebenfalls jüdischen Oskar Ludwig Bernhard Wolfs wurde. Aber alle drei, Wolfs, Langenschwarz und Saphir hielten es für nötig, ein„Entreebillet für die europäische Kultur" zu lösen. .! In welcher Weise Langenschwarz witzelte, ersieht man aus den folgenden Mitteilungen: Ein Münchener zeigte Langenschwarz das neue Schloß und rief: „Hätte doch der König die ganze Stadt so aufgebaut!" — „Was würde dies nützen?" versetzte L., „die Nachwelt würde dennoch sagen: München ist nicht von ihm erbaut gewesen!"-') Ganz ähnlich wird von Oskar Vlumenthal erzählt, daß ein polnischer Jude im Berliner Lessrngtheater nach dem Spiel eines Blumenthalschen Stückes die Bauinschrift las: „Erbaut von Oskar Blumenthal. — Wie heißt, — — ich bin nicht erbaut von ihm." 'Ein Offizier hatte ein Kind überfahren und sah kurz darauf in die ihm früher zugedachte höhere Charge einen anderen eintreien. Als er dies dem Dr. Langenschwarz klagte, tröstete ihn derselbe mit den Worten: „Sie sind nach mosaischem Gesetze gerichtet worden, — weil Sie jemanden überfahren haben, hat man Sie übergangen."^) Gelegentlich führte eine Art von Konkurrenzneid dazu, daß Wolfs, Langenschwarz und Saphir einander zu verspotten suchten und ihren Witz an einander übten. Denn jeder beanspruchte für sich die Priorität bei manchem fliegenden Ausspruch, der eben doch oft von viel älterer Zeit herstammte. Der Herr Saphir zu Wien schrieb ein Gedicht „Der stille Gang", das augenscheinlich dem — schon im Jahre 1833 gedruckten und vielfache verbreiteten — Langenschwarzischen Gedichte ,,Die Leiche zu Wien" — siehe die „Europäischen Lieder" — nachgeäfft und gestohlen war. Als nun dieser Saphir unsern L. angriff und jemand sagte: „Der Saphir ist eine Hyäne", versetzte L.: „Das glaub' ich. er hat sogar meine eigne Leichte zu Wien gestohlen!"?) . „Ich wollte, daß alle Juden zehn Schuh hoch hingen!" sagte ein Judenfeind. — „Wahrscheinlich, damit sie verächtlicher auf Sie herabsehen könnten", versetzte Langenschwarz?) „Könnte ich nicht," fragte ein Frankfurter Jude unsern Langenschwarz, „zu einem Wechsel bei Rothschild gelangen?" „O ja," versetzte L., „ich werde ihm sagen, Sie hätten ihn einen Spitzbuben geheißen." „Was? Und warum dies?" „Dann kommen Sie zu einem Wortwechsel."-') Aus diesen Anekdoten ersehen wir, daß Langenschwarz gelegentlich, wenn auch sehr selten, in seinen öffentlich ausgesprochenen Witzworten, jüdische Gegenstände berührte, daß aber auch bei ihm der seichte Wortwitz am meisten hervortritt. (Fortsetzung folgt.) Adolf Ueustadt. Eine historische Remiscenz von Oberkantor B. Singer Jungbunzlau. Als im heurigen Frühjahr das Jubiläum des fünfzigjährigen Bestehens der „Alliance Jsraelite" festlich begangen wurde, war im herausgegebenen Be- 5) Die berühmtesten Calembourgs und Witz - Momente von Maximilian Langenschwarz. Hrsg, von Carl August D u m o n t. Einzig rechtmäßige Orig. - Ausg. Mit 2 Portr. H. l. (Mehr nicht ers hienen.s Schleusingen: Glaser 1641. 40 S. 8. Seite > 1. "') Langenschwarz, a. a. O. H. 1. 1841. Seite 37/38. 7) Langen) ch w arz, H. I, 1841. Seite 24. 8) Langenschwarz a. a. O. H. 1, 1841. Seite 39. 8) a. a. O. H. 1, 1841. Seite 40. richt jener Männer gedacht, welche bei der Gründung dieses humanen Unternehmens sozusagen Pate gestanden sind, und unter den glanzvollen Vertretern der Wiener Kultusgemeinde, welche die Namen Wertheim, Kompert, Königswarter aufwiesen,, war auch der Name Neustadt genannt. Wer war Neustadl? werden viele der heutigen Generation fragen: denn nur wenige werden sich in Wien dieser sympathischen Persönlichkeit erinnern. — Dem Schreiber dieser Zeilen ist er ebenfalls nur als eine aus jugendlicher Erinnerung vorübergehende Gestalt, welche sich wie das Mädchen aus der Fremde mit jedem jungen Jahr in unserer Gemeinde in Raudnitz a. d. Elbe zeigte, bekannt. In diesem Städtchen mit seiner uralten Kehillo war mein seliger Vater Kantor vom Jahre 1865 bis 1873. Als Rabbiner und Prediger war der hervorragende Albert Kohn durch ein Menschenalter hindurch daselbst tätig, und seine Gemahlin, eine durch hohe Geistesbildung ausgezeichnete Dame, entsproß der alten Prager Buchhändlerfamilie Neustadt!, und ihr Bruder war genannter Adolf Neustadt, wie er eben diesen Namen verkürzt umsetzte. — Wenn nun Neustadt nach dorthin kam, so war das für die Familie des Herrn Rabbiners ein Freudenfest, für meinen guten Vater aber eine Reihe genußreicher Stunden, denn Rabbiner Albert Kohn war wohl wegen seiner unnachsichtlichen Strenge in Dingen der gottesdienstlichen Ordnung mehr gehaßt als geliebt: nichtsdestoweniger einer jener geist- und gemütreichen Männer, welcher die Gesellschaft eines intelligenten Funktionärs, wie es mein seliger Vater war, gern in seinen häuslichen Kreis beizog. — Und so war es ganz natürlich, daß er mit dem illustren Gaste des Hauses ebenfalls auf freundschaftlichem Fuße zu stehen kam. Diese Gunst eines solchen Mannes, der es bereits bis zum Vorstand der Wiener Kultus gemeinde gebracht hat, war für meinen seligen Vater vom Standpunkt seiner Amtswirksamkeit durchaus nicht zum Nachteil, denn in einer Zeit, wo der Synagogengesang nur von Wien aus seine Nahrung fand, wo Sulzer das alleinige Szepter seiner Meisterschaft schwang (Naumburg war damals noch nicht mit seinem Werke Semiroß Jisroel durchgedrungen), galt jede neue erschienene Komposition als ein, wenn auch verspätet, eingelangtes Novum, das in einer Landgemeinde, wie es Raudnitz war, mit Freuden begrüßt wurde. — Und mit jeder Ankunft Neustadt's erhielt auch der Vater das Interessanteste aus Wien. So brachte er unter anderem das Requiem, welches Sulzer nach der Schlacht bei Königgrätz und Custozza für die gefallenen Krieger komponierte und aufführte, direkt mit, und diese Meisterpiece (gewidmet dem Erzherzog Albrecht) war, ob des großangelegten Stiles und der erhabenen Stimmung, welche daraus erkannt wurde, Gegenstand unserer stillen Bewunderung. Still deshalb, weil bei den unzulänglichen Kräften eines Landchores an eine Ausführung gar nicht gedacht werden konnte. — Was sich weiter ereignete, und wie lange noch unser hochverehrter Freund lebte und wirkte, ist dem Schreiber dieser Zeilen nicht bekannt geworden: es erwuchs ihm aber die Pflicht, die Erinnerung eines ausgezeichneten Mannes dankend zu erwecken. Literatur. Li» jüdisches Kunstarchiv. Die Quellen der wissenschaftlichen Bearbeitung jüdischer Kunstdenkmäler und die Biographien jüdischer Künstler fließen nur spärlich. Das zahlreich vorhandene Material ist weit zerstreut, oft noch an unbekannten Orten bewahrt, und kommt nur durch Zufall an das Tageslicht. Viele Gemeinden besitzen wertvolle Kunstgegenstände, auch viele Familien bewahren unter den Erbstücken Gegenstände, deren künst- und kulturgeschichtlicher "Wert ihnen nicht zur Ge-

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