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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-07-04 · 27 (4.7.1913) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
27 (4.7.1913)
Date
1913-07-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 492 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 27 Nach Verrichtung des Minchagebets nahmen Rabbiner Schnur, Isaak Thumim, M. A. Loeb usw. das Wort zu feurigen Ansprachen. Stimmungsvoll, wie diese Versammlung, wenn dieser Name noch dafür angebracht ist, begonnen, klang sie aus. Nach dem Gebete sammelte sich draußen, auf einem großen freien Platze, die nach vielen Hunderten zählende Menge, um dort gemeinsam die Neumondsweihe zu begehen. Wie der sich immer einende Mond das Symbol Israels ist, das aus allen Stürmen und Gefahren in Jugendfrische austaucht, so darf es für die Agudah in Galizien als günstiges Omen gedeutet werden, daß ihre erste Tagung auf galizischem Boden mit dieser Weihe abschloß. Die Gleichberechtigung der Juden von Silistria. In einer Zuschrift des Staatssekretärs Sir Eduard Grey an die jüdischen Körperschaften Englands, welche sich in Memoranden an das englische Auswärtige Amt mit dem Ersuchen gewendet haben, dafür einzutreten, daß die Juden derjenigen bulgarischen Gebiete, welche an Rumänien abgetreten werden sollen, ihrer Gleichberechtigung nicht verlustig gehen sollen, eine Zuschrift gerichtet, in welcher es unter anderem heißt: „Der rumänische Gesandte in London, Mischu, hat der englischen Regierung namens seiner Regierung die bindende Erklärung abgegeben, daß alle Bewohner von Silistria oder anderen Ortschaften, welche an Rumänien abgetreten werden sollen, ob sie nun Juden oder anderer Nationalität sind, auch nach dieser Annexion sich der vollen politischen und bürgerlichen Rechte erfreuen werden, in deren Genüsse sie unter bulgarischer Herrschaft gestanden sind." Das Komplott der Verschworenen von Konstantinopel. Wie aus Konstantinopel berichtet wird, hat die Untersuchung gegen die Mörder des Großvezirs und ihre Komplizen ergeben, daß die Verschwörer auch die Ermordung zweier jüdischer Politiker, und zwar Nissim Mazliach und Emanuel Earasso, sowie ein allgemeines Judenmassakres in ihrem Plane halten. Bei der Bewältigung der Mörder hat der Polizeidirektor Samuel Effendi eine besonders heldenmütige Rolle gespielt, wobei er auch lebensgefährlich verwundet wurde. Die gesamte türkische Presse zollt diesem braven Oberbeamten Worte der Anerkennung und weist auf die große Gefahr hin, welcher die Juden in der Türkei entronnen sind. Ein Aerztekongretz gegen die Ritnalmordlüge. Der russische Aerztekongreß, der vorige Woche in Petersburg tagte, hat in seiner Schlußsitzung eine scharfe Protestresolution in der Veiliß-Angelegenheit gefaßt. In dieser Resolution spricht der Aerztekongreß die tiefste Entrüstung allen jenen aus, die alles aufbieten, um in dieser Affäre allgemeine Beschuldigungen gegen die Juden als Religion zu konstruieren. Der Kongreß spricht im Interesse der Menschlichkeit seine feste Ueberzeugung aus, daß es keinen Gerichtsherrn und keinen medizinischen Experten, die ihrer Vertrauensstellungen würdig sind, geben kann, die an das Ritualmordmärchen glauben. Leipzig. (Eröffnung einer höheren israelitischen Schu l e.) In Leipzig wurde in voriger Woche die erste höhere israelitische Schule in Deutschland eingeweiht. Rabbiner Dr. Hildesheimer-Berlin begrüßte an Stelle des Vorsitzenden des Kuratoriums die Versammlung. Dr. Earlebach, der Direktor der neuen Schule, führte in einer längeren Rede aus: Mit der neuen Schule solle die Erziehung der jüdischen Jugend zum wahrhaft sozialgebildeten Menschen auf der Basis der jüdischen Ethik versucht werden. Mit dem gleichen Ernst und der gleichen Hingabe sollten die großen Schätze der modernen Bildung gepflegt und versucht werden, zwischen Wissenschaft und Religion diejenige Harmonie herzustellen, welche in sich gefestigte, gute und zufriedene Menschen erziehe. Einer der Redner gab dem Wunsche Ausdruck, daß die neue Schule die Mutteranstalt werden möchte für weitere höhere jüdische Schulen in Deutschland. Mädchengruppe der „Agudas Jisroel" in Frankfurt a. M. Montag, den 9. Juni, abends 8^/2 Uhr, hielt die Mädchengruppe der Agudas Jisroel ihre erste Versammlung ab. Da des Jomtow wegen nur kurz berichtet werden konnte, kommen wir im, Interesse der Sache nochmals darauf zurück. Der große Saal der Suppenanstalt war dicht besetzt. So viel frische Jugend! Ernstes, zielbewußtes Streben, hehre Begeisterung, fester Wille, reger Eifer strahlte aus aller Augen! Es weitete sich unser Herz, ein stummes Flehen stieg auf zum Allmächtigen, daß er dem redlichen Bemühen seinen Segen verleihe! In der heiligen Sprache unserer Väter begrüßte die Vorsitzende, Fräulein Jentilla Jeidel, die Versammlung. Stets habe der jüdischen Frau das Geschick der Nation am Herzen gelegen, immer habesie die Forderungen ihrer Zeit verstanden. So hat auch heute, wenn sich die weibliche Jugend vereint, um mitzuwirken an der großen Aufgabe der Agudah, sie nur die Pflicht erkannt, welche die Zeit ihr gebieterisch auferlegt. Kau aumar leweis Jaakauw, so sollst du dem Hause Jakobs sagen. Damit sind auch Frauen gemeint, denn sie sind zu Hüterinnen und Schirmerinnen des, Gesetzes aufgefordert, sie, mit deren Einfluß das jüdische Haus steht und fällt. Aufgabe der Agudah sei, die Jugend auf ihr hohes Ziel hinzuweisen, sie dazu zu kräftigen, zu befähigen. - Hieraus ergriff Fräulein Clementine Eoldschmidt das Wort, um auf obiger Grundlage die Ziele und Aufgaben der Mädchengruppe zu entwickeln. Durchdrungen von edelster Begeisterung und dadurch selbst begeisternd, verstand es die jugendliche Rednerin, uns klar und sachlich die Wege zu zeigen, die zur Erreichung des erstrebten Zieles leiten. Nicht ein Verein mehr ist gegründet, geeinigt haben sich aus allen Kreisen zu einer einzig eigenartigen Verbrüderung alle jüdisch Denkenden und Wirkenden, aus daß in der Gesamtheit die Kraft des Einzelnen erstarke, und sich hierdurch wieder die Gesamtheit hebe. Ein Bollwerk gegen die nivellierenden Ideen der Zeitströmung, ein Zeugnis dafür, daß echtes Judentum wahre Bildung nicht 'ausschließt, im Gegenteil, ihr erst Vertiefung verleiht. Das hohe Ziel der Agudah schwebt auch deren Mädchengruppe vor. „Auch unsere erste Aufgabe ist es," so führt die Rednerin aus, „einzudringen in den Geist unserer Gesetze, ihre durch Jahrtausende ungebrochene Kraft kennen zu lernen, und sie auch in junserem Leben zur Oberherrschaft gelangen zu lassen." Lernen wollen die Töchter des „Am Ho Seefer" — und, wenn auch Talmud, Eemorah und Mischnah versagte Gebiete bleiben — so wollen sie sich um so mehr in die Schönheiten der Bibel vertiefen. Ein Tenachkursus soll das Verständnis für die Wichtigkeit der Pflichten der jüdischen Frau anbahnen, soll Anregung geben, die Forderung des modernen Lebens an altjüdischen Forderungen zu messen, um erstere aus ihren wahren Wert zu prüfen. Ein Tefillohkursus soll die hohen, eigenartigen Gedanken unserer Gebete einführen. Damit das jüdische Volksbewußtsein in den Herzen unserer jungen Mädchen ungetrübt bleibe, bieten ein Kursus über Dauraus Horischaunim von Halevy und systematische Geschichtsvorträge Gelegenheit, sich in die jüdische Geschichte zu vertiefen. Das Volksbewußtsein in uns fordert gebieterisch die Kenntnis unserer Sprache, die ein festes Band um die Juden der Diaspora schlingt. Damit sie wieder unser Eigentum werde, sind Sprachkurse eingerichtet, einer für Anfängerinnen, der zweite für Fortgeschrittene. Auch zur Pflege der Geselligkeit, zur gegenseitigen Annäherung all der so verschiedenartigen Elemente soll die Mädchengruppe zusammenkommen. In den schönen Räumen der Jugendgruppe wird ein Zimmer den Mädchen überlassen bleiben. Mehr als den jungen Männern, welche schon die Pflicht des Tages einander näher bringt, tut Zusammenschluß den jungen Mädchen not, die gerade die Arbeit des Tages trennt. Um mit den anderen Mädchengruppen in Fühlung zu kommen, sollen Handarbeiten verschiedenster Art, die im Laufe des Jahres, ob zu Hause, ob in gemeinsamen Zusammenkünften gefertigt werden, am Ende des Jahres aus den einzelnen Gruppen gesammelt, in einer noch zu bestimmenden Stadt verkauft und der Erlös nach Erez Jisroel gesandt werden. Neben der Schulung des Geistes soll auch der Körper geschult werden. Die Mädchengruppe will zu diesem Zwecke einen Turnkursus einrichten. Die Rednerin fordert nun alle Anwesenden auf zu gemeinsamem, freudigem, andauerndem Schaffen. Ein harmonisches Zusammenklingen soll es sein aller Elemente, ein geschlossenes Zusammengehen der Haustochter, der von der Familie Gehüteten und Geschützten, mit der, die in ernster, oft schwerer Tagesarbeit selbständig im Leben dasteht, — alle sollen sich verbinden in dem einen Gedanken, in dem höchsten, idealsten Streben — im Leben und Wirken für unsere Thora. Andauernder Beifall dankte diesen Ausführungen..

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