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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-07-04 · 27 (4.7.1913) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
27 (4.7.1913)
Date
1913-07-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 27 Dr. Bwchs Wochenschrift. Sette 491 derweitiger Wohltätigkeitsvereine und der israelitischen Kultusgemeinde, für die mittellosen Kranken etwa notwendigen orthopädischen Apparate, zu beschaffen, die Unterbringung Erholungsbedürftiger in Kurorten, Ausbringung von Geldmitteln für Kuren, Fahrkarten und Reisezehrung zu erwirken und denselben zuzuwenden. Für die erlernen Kranken — dem Hauptkontingente der kranken Schützlinge des Vereines Bikur Chaulim — wurden fehlende Bekleidungsstücke beigestellt und den Wünschen der Kranken nach Bücher- und Zeitungslektüre, um ihnen eine geistige Anregung zu geben, Folge gegeben. Da diese Aktionen mit verhältnismäßig hohen Auslagen verbunden waren, und um den Vereinstendenzen in der geschilderten Richtung Genüge leisten zu können, war der Vereinsvorstand bemüssigt, eine neue Einnahmequelle zu erschließen, und es wurde dem Vereine über ein diesbezügliches Einschreiten seitens der I. k. n.-ö. Statthalterei die Bewilligung erteilt, im Jahre 1913 eine Sammlung für Vereinszwecke durch Ausgabe von Rechnungszeitein zu -dem Preise von 2 Heller per Stück zu veranstalten. Zum Schlüsse des Berichtes wird allen Institutionen, sonstigen Wohltätern und Spendern, die durch materielle Beihilfe die Realisierung der Vereinszwecke ermöglichten, der wärmste Dank ausgesprochen. lieber Antrag des Revisors, Herrn Josef Sig. Wechsler, der in seinem Berichte die einwandfreie Führung der Kassavormerke und Belege seststellte, wurde dem scheidenden Vorstande das Absolutorium erteilt. Bei der vorgenommenen Wahl wurden die früheren Vorstandsmitglieder per Akklamation wiedergewählt* und dem Gesamtvorstande der verbindlichste Dank für die charitative Tätigkeit zum Ausdrucke gebracht. Namens des Vorstandes dankt Fräulein Lea Bondy für das Vertrauensvotum, appelliert an die Mithilfe der Vereinsmitglieder in der Propaganda für die Bestrebungen des Vereines auf dem Gebiete der Krankenfürsorge und ergreift den Mlaß, der Kassierin, Frau Frieda Wittmann, und dem Revisor, Herrn Johann Sig. Wechsler, die volle Anerkennung für die mehrjährige ersprießliche und aufopferungsvolle Tätigkeit zu zollen. Bei der nachfolgenden konstituierenden Sitzung wurde Frau Sofie Waltuch zur zweiten Vizepräsidentin gewählt. Neu-Sandez, 30. Juni. (Antisemitische Hetzereien.) .Von klerikaler Seite wird die Bevölkerung in schamloser Weise gegen die Juden aufgehetzt. Vor kurzem hat der Jesuit am hiesigen Jesuitenseminar Pater C z e n c z in polnischer Sprache in der Büchdruckerei des Roman Pisz eine Flugschrift Herstellen lassen, voller Lügen und Verleumdungen gegen die Juden mit einein fanatischen Appell, zum Zwecke „der Rettung des polnischen Volkes" die Juden zu boykottieren. Zu solcher „Rettung des Vaterlandes" wird an die Jugend appelliert, „die von Heldentaten träumt, anstatt zur Waffe, für die die Zeit noch nicht gekommen ist," sich zu vereinigen gegen die „ökonomische Judensklaverei", einen Eid zu leisten, „daß du nie und nimmer einen Heller den Vaterlandsfeinden geben wirst". Diese Flugschrift wurde Sonntag, am 29. Juni 1913, anläßlich des Jahresschlusses und der Verteilung der Schulzeugnisse durch den Katecheten Pfarrer Klamut, Gymnasialprofessor im SchMgebäude des hiesigen II. Gymnasiums, unter die christlichen Schüler verteilt. Auf diese Weise wird die von Haus zu Haus geführte antijüdische Agitation der Jesuiten auch in die Schule übertragen und den jugendlichen Herzen der Hatz gegen die jüdischen Mitschüler in der Schule eingeprägt.. Vor einem Jahre ist hier von den Jesuiten eine christliche Vereinigung gegründet worden, „Skladnica", mit dem ausgesprochenen Zweck, Juden in Handel und Gewerbe zu boykottieren. Zur „Skladnica" gehören fast sämtliche Lehrer der hiesigen Gymnasien als Anteilbesitzer und die Verwaltung derselben liegt zumeist in ihren Händen. So sieht es mit der Schulverwaltung bei uns in Galizien aus. Gründung eines Rabbinervercandes in der Bukowina. Heber Initiative des Czernowitzer Rabbiners Dr. 'Rosenfeld wurde ein Rabbinerverband für die Bukowina ins Leben gerufen. In zwei vertraulichen Vorbesprechungen wurden Ziel und Aufgabe des Verbandes genau besprochen, worauf dann zur Gründung desselben geschritten wurde. Bei der vor kurzem stattgefundenen Konstituierung wurden gewählt ins Präsidium die Rabbiner S. Ginsberg-Storozynetz, Dr. Josef Rosenfeld-Czernowitz, M. M. Haager-Wiznitz. zu Schriftführern die Rabbiner David Fränkel-Rebelkout, Jakob Hoffmann- Radautz, zum Kassier S. Moschkowitz-Suczawa, und zu Ausschutzmilgliedern M. Schapira, Gura Humura, Israel Ginsberg-Zadowa, Simon Schapira-Radautz und B. Schapira-Sastawna. Hiemit hat der Verl and auch seine Tätigkeit gleich in Angriff genommen. Aus der „Agudas Jisroel"-Bewegung. Tarnow (Galizien). Am 16. Juni nachmittag fand hier eine Versammlung der hiesigen Ortsgruppe statt, der zwei Vertreter des provisorischen Komitees aus Deutschland anwohnten. Dieser Umstand, in Verbindung mit einer im Anschlüsse an die Versammlung vorgesehenen Vertrauensmännerversammlung hatte aus fast allen größeren galizischen Gemeinden Delegierte nach Tarnow geführt. Die große „Schiurstube" mit allen ihren Nebenräumen war denn bei Beginn der Versammlung auch längst überfüllt. Hunderte, die keinen Einlaß mehr finden konnten, mußte man auf eine am Abend stattfindende zweite Versammlung vertrösten. Kopf an Kopf — von Schulter konnte keine Rede sein — standen die Besucher, als sich die ehrwürdige Gestalt des Rabbiners Schnur erhob, um Worte der Begrüßung zu spechen. Als erster Redner nahm Bankier G. H. Loewy-Rawitsch das Wort, um die Versammlung im Namen des provisorischen Komitees zu begrüßen. Das eigentliche Referat über „Zweck und Ziele der Agudas Jisroel" hatte M. A. Loeb-Berlin übernommen. Es sprach dann der Kultusvorsteher Baron, der seiner Freude darüber Ausdruck gab, eine solche Versammlung in seiner Gemeinde tagen zu sehen und diesem Gefühle durch eine Spende von 100 Kronen zu Gunsten der Agudah Ausdruck verlieh. Einen außerordentlichen Ausdruck hinterließen die Worte des Herrn Isaak Thumim-Przemysl. Dieser, einer alten berühmten Gelehrtenfamilie angehörende, selbst als Zierde der Orthodoxie und als Gelehrte in ganz Galizien geachtete Kaufmann, der niemals bisher an die Öffentlichkeit getreten war, und gerade wegen seiner Zurückhaltung in öffentlichen Dingen bekannt war, trat mit seiner ganzen Persönlichkeit für die Ziele der Agudah ein. Wer seine drastischen Darstellungen der Bedeutung der Agudah als „das Judentum in ungeteilter und ungetrübter Form" hörte, der wurde von seiner Begeisterung mitgerissen, zumal sie von geistreichen, exegetischen, witzigen, die Verhältnisse der galizischen Judenheit kraß beleuchtenden Bemerkungen gewürzt war. Agudas Jisroel betrachtete er als die Vereinigung, wo sich die scheinbaren Gegensätze zwischen Ost und West, zwischen Reich und Arm aufheben, wo aber auch die innerhalb der einzelnen frommen Gemeindemitglieder bestehenden Unterschiede beiseite gelegt werden. Der Munk-Lemberg, der sich der Organisation der Tagung mit außerordentlichem Eifer angenommen hatte, machte dann noch eine Reihe von Mitteilungen geschäftlicher Natur. Das Schlußwort nahm Rabbiner Schnur, der an die Anwesenden die Frage richtete, ob sie gewillt seien, der Agudah beizutreten. Ein einstimmiges Ja war die Antwort. Vor Schluß der Versammlung wurde noch bestimmt, daß für Hunderte, die keinen Einlaß gefunden hatten, am Abend in der „Sancer" Klauß eine neue Versammlung stattfinden werde. Ein Bild, würdig des Pinsels eines Rembrandt, war es, das uns am Abend empfing, als wir die alte, geweihte Stätte betraten. Schon im Vorhose stauten sich die Massen, durch die kaum ein Weg zu bahnen gelungen wäre, wenn nicht die ehrwürdige Gestalt des Herrn Rabbiner Schnur vorangeschritten wäre. In der Klaus, einem alten, bei aller Einfachheit stilvoll wirkendem Bau, drängte sich Kopf an Kopf die Menge. Sogar aus die Brüstungen der Fenster ringsum hatten sich unternehmende Jünglinge geschwungen, um von dort her den zu erwartenden Reden zu lauschen. Erwartungsvolle Spannung lag über dem Ganzen, und für uns Gäste, die wir auf dem Almenwr Platz gefunden hatten, war es ein tief in die Seele eindringender Anblick, diese durchweg schönen, geistvollen Gesichter zu sehen, von denen die meisten den Stempel tiefer, innerlicher Religiosität sichtbar trugen. Die auf mächtigen Wandregalen stehenden, zahlreichen stark benutzten Sforim zeugten dafür, daß die Klauß nicht nur eine Stätte des Gebets, sondern auch eifrigen Lernens ist. Hier konnte man auch einmal sehen, welch' malerische Tracht der im Westen so verpönte „Schubez" abgibt, wenn er aushört, eine Ausnahme zu sein, — und wer, der für malerischen Reiz nur im geringsten empfänglich ist, hätte aus den feingeschnittenen Charakterköpfen der Männer, von den blühenden Gesichtern der Kinder die so vielgenannten „Pajes" hinwegwünschen mögen?

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