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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-07-04 · 27 (4.7.1913) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
27 (4.7.1913)
Date
1913-07-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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sette 488 Dr. Bwchs^ Wochenschrift. Hx 27 der verschiedenen Werke, welche dieser Gelehrte über Marokko veröffentlicht hat, den Offiziersrang des Hafidien- Ordens verliehen. . Ein jüdischer Botschafter für Amerika. Die einflußreiche „Newyorker Times" verzeichnet eine Washingtoner Meldung, wonach es nunmehr feststeht, daß der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Wilson, den Newyorker Finanzier und Philanthropen Henry Morgentau zum Botschafter in der Türkei oder China ernennen werde. Morgentau gehört zu den ältesten und einflußreichsten Mitgliedern der demokratischen Partei, aus deren Mitte bekanntlich auch Präsident Wilson hervorgegangen ist. Die Kraft des Judentums. Der auch in Europa bekannte amerikanische Gelehrte und gewesene Präsident der Harvard-Universität in Boston, Professor Charles Elliot, hielt dieser Tage eine interessante Vorlesung über „Die Kraft des Judentums"^ Laut der Ansicht des Professors Elliot sei das Judentum deshalb zivilisatorisch so erfolgreich gewesen, weil es an seine alten Ideale festgehalten habe. Diese Ideale sind: Der Glaube an die Einheit Gottes, für welche die Juden so viele Märtyrerqualen erlitten, zweitens die Reinheit des Familienlebens, die einen Teil der Religion bilde, und drittens die Ethik der 10 Gebote, welche die Juden der Welt geschenkt haben. Der Gelehrte schloß seine Vorlesung mit der Bemerkung, daß die Juden, welche erfreulicherweise sich der amerikanischen Freiheit bedienen, jetzt ihrem alten Namen schuldig sind, zu beweisen, daß die Juden nicht nur von Freiheit träumen, von Freiheit singen und für die Freiheit sterben, sondern auch in Freiheit leben und in Freiheit wirken können. Die Vorlesung hat in der gesamten amerikanischen Presse sympathischen Widerhall gefunden. Ein jüdischer Richter in Irland. Der Lord-Leutnant von Irland hat, wie das Amtsblatt meldet, Herrn Jacob Elyan zum Richter ernannt. Herr Elyan ist der Sohn des Rabbiners Meyer Elyan von Cork und hat sich nicht nur im allgemeinen öffentlichen Leben Irlands wiederholt hervorgetan, sondern auch seinen Glaubensgenossen in Irland bereits große Dienste erwiesen, für welche er von verschiedenen jüdischen Wohlfahrtsinstituten mit Ehrenstellen ausgezeichnet wurde. Das Los einer Getauften. Charakteristisch für die Zwangstaufen in Galizien ist die folgende Annonce, die vor einigen Tagen in einer Krakauer polnischen Zeitung zu lesen war: „Ein junges intelligentes, getauftes Mädchen, das, von ihren Eltern verstoßen wurde, befindet sich ohne jede Subsistenzmittel. Es bittet um irgend eine Arbeit, damit es nicht Hungers sterbe." Mit Recht fragt ein anderes Krakauer Blatt, wo denn jetzt diejenigen sind, die das unerfahrene Mädchen zur Taufe überredet haben, und wo denn ihre sicherlich hochgestellten Taufpaten weilen. Diese hatten nur ein Interesse, eine Seele für die Kirche zu reiten, aber nicht für den Körper dieser Seele soviel zu opfern, daß es nicht Hungers sterbe oder etwa von der Straße lebe. — Juden im preußischen Abgeordnetenhause. Nachdem nunmehr das Endergebnis der preußischen Landtagswahlen fast vollständig vorliegt, können wir mit Genugtuung konstatieren, daß trotz des Rücktritts des Herrn Justizrats Lichtenstein-Königsberg im neuen preußischen Abgeordnetenhaus neun bürgerliche Abgeordnete jüdischen Bekenntnisses vorhanden sein werden. Rechnet man den gleichfalls jüdischen Abgeordneten der Sozialdemokratie Dr. Hirsch hinzu, so wird das neue Abgeordnetenhaus zehn Abgeordnete jüdischen Bekenntnisses haben. Von besonderem Interesse ist, daß diesmal auch die Nationalliberalen mehrfach jüdische Landtagskandidaten ausgestellt haben und die nationalliberale Fraktion des Landtages statt bisher einen, zwei Abgeordnete jüdischen Bekenntnisses in ihren Reihen hat.-Außer den -schon bisher dem Abgeordnetenhause angehörenden Dr. Levy-Hohensalza ist noch Herr Liepmann, der jüdischen Bekenntnisses ist, von den Nationalliberalen aufgestellt und gewählt. In der Fraktion der Fortschrittspartei befinden sich folgende preußische Landtagsabgeordnete: Geh. Justizrat Cassel, Nosenow, Aronsohn. Wolff-Lissa, Baerwald, Münsterberg-Danzig und Dr. Waldstein-Altona. Mit den 10 jüdischen Abgeordneten hat der Landtag seit seinem Bestehen die höchste Zahl von Abgeordneten jüdischen Bekenntnisses erreicht. OpferwrMgkeit bayerischer Offiziere. Würzburg. Eine höchst anerkennenswerte Opferwilligkeil haben bayrische Offiziere bewiesen, um das Leben eines Soldaten zu retten. Aus Würzburg wird gemeldet: Der Soldat Frankfurter des 11. Feldartillerieregiments in Würzburg erkrankte auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg an Blutzersetzung, so daß eine Bluttransfusion notwendig wurde. Als der Oberst die Anfrage stellte, wer sich zu der Abzapfung von Blut für den Soldaten hergebe, meldeten sich 17 Offiziere, darunter ein Major. Leutnant Dittmar von der 6. Kompagnie des 9. Infanterie-Regiments stellte sich als erster zur Verfügung und ließ sich durch Professor Cnderlen das Blut abzapfen, das dem Soldaten infiziert wurde. Der Soldat befindet sich auf dem Wege der Besserung. — Auf solche Offiziere kann das Offizierkorps stolz sein. Glücklich das Land, in dessen Offizierkorps ein solcher Geist waltet! Die Droschkenkutscher von Jerusalem. Man schreibt der „Franks. Zeitung" aus Jerusalem: Am ersten Sonntag und Montag vorigen Monats streikten die hiesigen Droschkenkutscher. Was das für Jerusalem bedeutet, kann nur der ganz verstehen, der die hiesigen Verhältnisse etwas näher kennt. Da es hier weder „Elektrische" noch 'Dampfbahn, noch sonst irgend welche anderen modernen Verkehrsmittel gibt, so ist die Droschke das einzige Gefährt, dessen man sich bedienen kann. Und größere Strecken zu gehen, ist hier, bei dem orientalischen Klima, das verweichlicht und erschlafft, fast eine Unmöglichkeit. Selbst in einem Sommer, wie dem diesjährigen, der im Vergleich mit sonstigen Jahrgängen bis jetzt angenehm und kühl zu nennen ist, brennt die Sonne doch um die Mittagszeit so versengend, daß jeder, auch der fast Unbemittelte, sich eines Wagens bedienen muß. Die Droschke ersetzt hier nämlich im - wahrsten Sinne des Wortes Omnibus und Trambahn. Die ärmere Bevölkerung kann es sich natürlich nicht leisten, jedesmal einen Wagen zu nehmen,n daher fahren denn so und soviele, die gerade nach derselben Richtung wollen, in einem Gefährte, manchmal bis zu acht Personen zusammengepfropft: für diese Fahrt zahlen sie dann jeder zwei metalle (= zehn Pfennig), also ebensoviel, wie wir in unseren Trambahnen. Diese Sitte hat sich so eingebürgert, daß die verschiedenen Kutscher schon immer eine bestimmte Richtung hin und zurück einschlagen und auch die verschiedenen Stadtteile ausrufen. Natürlich sind sie auch darauf bedacht, die Konjunktur zu nutzen. Wenn Droschken sehr gesucht sind, d. i. meist zur Touristenzeit, wo viele einen Wagen allein und häufig für den ganzen Tag nehmen, dann geht der Preis auch für solche, die nur einen Platz mit anderen

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