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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-07-04 · 27 (4.7.1913) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
27 (4.7.1913)
Date
1913-07-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 27 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 487 lichkeit gibt, diese bis jetzt vollständig brachgelegene Kolonie durch jüdischen Fleiß und jüdische Kapitalien in eine blühende Besitzung zu verwandeln. Als Herr S. Rubinstein im Mai 1912 das erste Mal mit dem Relator des Projektes, Dr. Ramada Curso, in Lissabon zusammenkam und die Frage von der privatrechtlichen Erwerbung eines zirka 100.000 Quadratkilometer umfassenden Landkompleres aufwarf, da fand er willige Ohren. Die nachträgliche, seitens der Jto-Leitung erfolgte Hervorhebung des Autonomie-Prinzipes hat die Portugiesen zunächst etwas argwöhnisch gemacht, weil sie offenbar im ersten Augenblick, nur an die wohlbekannten Kolonisierungsmethoden der Großmächte denkend, ganz außer acht ließen, daß die Juden — und n u r die Judenkeine Dreadnougths im Hintergründe haben. Was sie nachher noch mehr verblüffte, das war der selbstbewußte Ton der bekannten Wiener Depesche. Dieser Ton jüdischerseits war für die Portugiesen etwas ganz neues, und es ist deshalb gar nicht zu verwundern, daß sie vorerst über die ,.nao peuea ingratidas“ über die „große Undankbarkeit" der Juden aufgebracht waren. Nun hat sich die Aufregung etwa gelegt. Einerseits konnten sie bei ruhigem Ueberlegen nicht darüber hinwegschauen, daß sie selbst, wie die Dinge nun einmal stehen, nicht in der Lage sind, die von vielen begehrlichen Blicken bereits umworbene Kolonie durch dichtere Besiedlung sich dauernd zu sichern. Die vielen fruchtlosen Anläufe der Regierung in dieser Richtung haben das bereits zur Genüge bewiesen. („Nao lia dinlieiro!“ Kein Geld! — das ist der unfehlbar wiederkehrende Refrain, den Dr. I. Pereira do Nascimento der Schilderung eines jeden der bis jetzt fehlgeschlagenen Versuche folgen läßt, sobald er auf die Ursachen des Mißerfolges zu sprechen kommt.) Andererseits aber dämmert bei ihnen langsam das Bewußtsein auf, daß sie von einer jüdischen Kolonisation auf jeden Fall am allerwenigsten in bezug auf ihre Souveränen Rechte etwas zu befürchten haben. So erklärt es sich, daß vor wenigen Tagen das Projekt auch vom Senate genehmigt wurde, wenn auch in einer Form, die von den Intentionen der Jto erheblich abweicht. Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, daß es dem Londoner Conseil der Jto gelingen wird, die portugiesische Negierung von der einfachen Wahrheit zu überzeugen, daß es in ihrem eigenen Interesse liegt, der zu schaffenden jüdischen Kolonie eine ungehinderte Entwicklung zu sichern, indem die jüdische Oeffentlichkeit in die Lage versetzt wird, die Sache von vornherein auf eine großzügige Basis zu stellen. Damit aber Zangwill die Unterhandlungen mit dem nötigen Nachdruck weiterführen kann, ist es durchaus wünschenswert, daß die jüdische O e f f e n t l ich - keit sich der Frage mit derjenigen ernsten Aufmerksamkeit zuwendet, welche der folgenschwere Augenblick erheischt. Man bedenke wohl, daß solche Gelegenheiten sich nicht jeden Tag bieten und daß es ein Verbrechen am jüdischen Volke wäre, aus kleinlichen Motiven des Parteihaders den günstigen Moment unbenutzt verstreichen zu lassen. - Möge man doch endlich vom verhängnisvollen Irrtum abkommen, daß es sich hier um eine Partei- Angelegenheit. handle. Die 2to hat nur den Anstoß zu geben. Das jüdische Volk in seiner Gesamtheit hat die verantwortungsvolle Aufgabe, das schwere Werk der Vollendung entgegenzuführen. vom Zabrmarkt des Lebens. Amerika geht Rußland nicht auf den Leim. sass? Einem Washingtoner Berichte zufolge, hatte der russische Botschafter Bachmetjeff in den letzten Tagen wiederholt Konferenzen im Ministerium des Aeußeren. unter anderem auch mit Staatssekretär Bryand, in Angelegenheit der zwischen Rußland und Amerika obschwebenden handelspolitischen Differenzen. Bekanntlich besteht zwischen den beiden, Mächten wegen der Divergenz im Judenpunkte gegenwärtig kein Handelsvertrag. Da ein solcher vertragsloser Zustand auf die Dauer für beide Teile verschiedene Nachteile in sich birgt, hat Rußland in Amerika den Vorschlag gemacht, zunächst einen Handelsvertrag abzuschließen, in welchem alle handelspolitischen Fragen geregelt erscheinen und bloß die Paßfrage für eine spätere Zeit in suspenso gehalten werden soll. Präsident Wilson erklärte jedoch, auf eiuen solchen Vorschlag nicht eingehen zu können, da ein solches Vorgehen eine Ausspielung des für die Vereinigten Staaten wichtigsten Prinzipes wäre, in dessen Interesse Amerika die Erneuerung des Handelsvertrages abgelehnt hat. Eine Dame Präsidentin des Verbandes jüdischer Literatur- Gesellschaften in England. In der jüngst stattgehabten Sitzung der Verbandsleitung jüdischer Literaturgesellschaften in England wurde die bekannte jüdische Schriftstellerin Mrs. Meyer-Spielmann zur Präsidentin des Verbandes gewählt. Frau Spielmann ist in England eine bekannte Schriftstellerin, die hauptsächlich jüdische soziale Fragen behandelt und durch verschiedene Arbeiten allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat. Es ist interessant, daß die wenigen jüdischen Schriftstellerinnen in England fast ausschließlich wohlhabenden Kreisen entstammen. Die Schwestern Rothschilds, besonders die Lady Battersea, haben vor einiger Zeit die Geschichte und Literatur der Juden herausgegeben. Richter Sulzberger, Ehreudottor für jüdische Literatur. % Anläßlich der diesjährigen Promotionen an dem jüdisch-theologischen Seminar in Newyork hat der Rektor dieser Anstalt, Professor Dr. Salomon Schächter, auch dem berühmten amerikanischen Richter Mayer Sulzberger das Diplom eines Ehrendoktors für jüdische Literatur überreicht. Sulzberger, der aus Preußen stammt, ist der Sohn eines Chasans, der anläßlich der Unruhen im Jahre 184L zu emigrieren gezwungen war. Mayer Sulzberger hat neben seinen juristischen Studien und auch später neben seinem Richteramie die jüdische Wissenschaft nicht nur gefördert, sondern auch selbst immer eifrig betrieben. Er besitzt eine der besten Privatbibliotheken in Amerika, welche auch eine reichhaltige Sammlung wertvoller hebräischer und anderer Werke über das Judentum aufweist. Richter Sulzberger ist auch viel beneideter Besitzer von ungefähr 45 seltener Jncunnabeln und Handschriften. Sulzberger ist der Präsident der Iewish Publication Society von Amerika. Bei diesem Anlasse sei erwähnt, daß bei der Schlußfeier des Newyorker Seminars 11 Hörer zu Rabbinern promoviert wurden, von denen 9 in Rußland geboren wurden, während die anderen 2 wohl in Amerika geboren wurden, jedoch gleichfalls von russischen Einwanderern stammen. Auszeichnung des Professors Slousch. Wie das Pariser Amtsblatt meldet, hat der Sultan k von Marokko über Vorschlag des Generalkommissärs der französischen Republik in Marokko dem Professor an a der Sorbonne, Dr. Nahum Slousch. in Anerkennung

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