Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 26 (27.6.1913)
- Date
- 1913-06-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 482 Dr. Vlochs Wochenschrift lir. 26 Sonne des Rechtes vertrauend, diese auch aus dem Wolkendunkel Rußlands endlich einst hervorbrechen sieht. An Stelle Gustav Karpeles’ zeichnet Simon Berenf e 1 d die „Literarische Jahresrevue“ (S. 21f.). Nach einer treffenden Charakteristik der Wissenschaft des Judentums, die noch immer das Prädikat der jüdischen Wissenschaft trägt, anstatt den ihr gebührlichen Platz in der allgemeinen Wissenschaft zu erhalten (8. 22 f.), würdigt er die Neuerscheinungen auf dem Gebiete der biblischen Wissenschaft, (S. 27) der biblischen Theologie und des Prophetismus, (8. 35 f.) der jüdischen Kulturgeschichte, (S. 40), worunter besonders die wichtigen: „Aramäische Papyrus aus Elephantine“ von A. Ungnad und der III. Schlußband von 8. Kraus, „Talmudische Archäologie“, als wissenschaftliche Ereignisse des Berichtsjahres hervorragen. Geber den erwähnten sensationellen archäologischen Fund der „Papyri von Elephantine“ referiert Rudolf Leszvn s,k y (8. 64 f.) an der Hand der Gesichtspunkte: Auffindung der Papyri, Zeitgeschichte, äußere Geschichte der jüdischen Kolonie, Volksleben in Elephantine, um seine Untersuchungen in dem Urteile zusammenzufassen: „Das Bewußtsein von der Ewigkeit des Judentums erwacht von neuem in unserer Brust, wenn wir jene zerfetzten Blätter (aus Elephantine) lesen. Der Stamm, der einst an den Ufern des Nils gestanden hatte, ist heute noch stark und lebensfrisch, trägt] Blüten und Früchte; derselbe Gottesglaube, den die Söldner der Pharaonen hegten, lebt, allerdings veredelt und vertieft, noch heute fort.So werden die Papyri von Elephantine zu Adelsbriefen für die Juden der Gegenwart.“ (S. 119.) In seiner Tragödie „Barkochba“ (S. 121) bietet der bekannte Berliner Prediger und Pädagoge M. Le w i n auch eine vollgiltige Probe seiner dramatischen Befähigung. Mit verhältnismäßig geringem szenischen Aufwand führt er ein Bühnenbild des letzten nationalen Aufstandes in Bethar vor Augen, das in plastischer Anschaulichkeit den besten biblischen Dramen: Ludwigs „Makkabäer“, Grillparzers „Esther“ würdig sich anreiht und an deren Seite stets seinen Platz behaupten wird. Vor der gleichnamigen Tragödie des jüngstens verstorbenen tschechischen Dichters Jaroslav Vrchlicky zeichnet es sich durch knappe, bühnenfähige Form aus. Abraham Berliners Jugendreminiszenz: „Aus meiner Knabenzeit“ (S. 164 f.) gewährt, obgleich der Autor sich vorweg dagegen bescheiden verwahrt, einen Einblick „in die Anfänge seines Lebensganges, der zweifellos von solcher Bedeutung ist, daß er wert erscheint, ihn von seinem Beginne an trennen zu lernen“, von der ärmlichen Kindheit an, in Filebne, bis zum gefeierten deutschen Seminarprofessor. ‘; Das „Dreigestirn am Himmel des Synagogengesanges: Salomon Sulzer, Louis Lewandowsky, Moritz Deutsch“ (8. 191 f.) findet in dem Berliner Hauptkantor A. F r i e dm a nn einen ebenso pietätwie verständnisvollen Schilderer. Bei M. Deutsch vermißt man freilich das an dessen Grabmal befindliche, sinnige Epitaph: „Smiros haja li chukecha b’wes m’guraj“. Den belletristischen Teil vertritt diesmal J. L. Perez (durch die gewandte Uebersetzung A. Katz’) mit zwei Novellen aus dem Leben des östlichen Ghetto, teils tragischen Genres: „Der Sonnenstich“ (8. 228), teils heiteren Charakrakters: „Pharaos Erbe“ (8. 255). Willkommen muß das neueingeführte „Verzeichnis der in der literarischen Jahresrevue besprochenen Bücher“ (8. 270), sowie das zum erstenmal erscheinende Kalendarium genannt werden, Die Mitteilungen aus dem Verbände, sowie das Verzeichnis der Literaturvereine und der in ihrer Mitte gehaltenen Vorträge im Laufe des Berichtsjahres bilden den obligaten publizistischen Teil. Das Jahrbuch hat sich als beredtes Organ der deutschen Literaturvereine behauptet; ein Organ, das wahrlich für die Gediegenheit dieses Unternehmens spricht. Denn es entspricht jener Bedingung, welche die Alten an ein vollendetes Werk stellten, und die darin besteht, daß man über der Betrachtung desselben seines Meisters vergessen müsse. So spricht der Schöpfer dieses literarischen Werkes, der unvergeßliche Karpeles, aus demselben. Allein vergessen soll er nicht werden. — Und wenn die Kritik eines Mangels dieses Jahrbuches erwähnen darf, so wäre es die Bemerkung, daß vielleicht bei weiteren Folgen desselben der Name seines Gründers an dessen Stirnseite leuchten möge, wie es ja bei anderen posthumen Sammel- und Jahrbüchern üblich ist. : [ . . : | Neutitschein. Dr. Simon Mandl. Monatsschrift für Goschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Z. Frankel. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Dr M. Br ann. 57, Jahrgang. Heft 3/4. Neue Folge, 21. Jahrgang. März—April 1913. Inhaltsverzeichnis: V. Aptowitzer: Christliche Talmudforschung (Fortsetzung). — Louis Ginzberg: Eine unbekannte jüdische Sekte (Fortsetzung).— Jakob Guttmann: Die Familie Scbemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie. — Majer Balaban: Jakob Pollak, der Baal Chillukim in Krakau und seine Zeit (Schluß). — Reinhold Lewinn: Die Judengesetz-’ gebung Friedrich Wilhelms II. (Fortsetzung). — Noüz. - Besprechungen. — Berichtigungen. — M. Br ann: Bibliographische Uebersicht über die im Jahre 1911 erschienen Schriften. (Schluß). — Koebernsche Verlagsbuchhandlung (Barasch und Riesenfeld) Breslau, Schmiedebrücke 17/18. Briefkasten. M. Schapira. Die Erscheinungen, welche der Prozeß A l trnann zutage gefördert Hat, bilden die trauriaen Resultate der Assimilation. Schwache Charaktere sind in einem Taumel und gehen zugrunde. K. F Der verstorbene Professor Kassowitz gehöre dem Judentume nicht mehr an. K. L., Olmiitz. Es ist nicht das erste Mal, daß wir die Aufmerksamkeit unserer Leser auf die ausgesprochen judenfeindliche Haltung einzelner reichsdeutscher Witzblätter lenken. Sie sind im vollen Rechte, wenn Sie behaupten, daß es keinen jüdischen Obergymnasiasten gibt, der da sagt: „Entschuldigen Se, Herr Leitnant, was kost' so e Geschoß?" — wie es iüngst im „Simplizissimus" zu lesen war. N. R in Wien. „Mephistopheles" ist eine Nachbildung von „Christopheles". Mephisto Anti-Christo. Mephi stammt aus dem Hebräischen und wird hier im Sinne des Mephi in Mephiboscheth, welcher Name in II. Sam. vorkommt. Notiz. Ausserordentliche Staatswohltätigkeitslotterie. Die k. k. General-Direktion der Staatslolterien veranstaltet eine ausserordentliche Lotterie für gemeinsame Mililärwohltätigkeitszwecke, deren Ziehung am 3. Juli 1913 statlfindet. Das Spielprogramm ist sehr reich ausgestattet und weist 21.146 Gewinste in barem Gelde im Gesamtbeträge von 625.000 Kronen auf, daruter Haupttreffer von 200.000 K, 50.000 K, 30.000 K und 20.000 K etc. Die Gewinstchancen sind also überaus günstige. Lose ä 4 K sind in Tabaktrafiken, Lottokollekluren, Wechselstuben, bei Steuerämtprn, Postämtern, Bahnämtern etc. erhältlich. Zur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der lausenden Mbonnementsgebübr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beträge wolle man sich des in der heutigen Nummer beigelegten PosteHagscheines bedienen. Die Administration. Danksagung. Für die herzlichen Glückwünsche, die mir in so grosser Anzahl von meinen lieben Kollegen und Freunden aus nahe und fern, anlässlich meines 40jährigen Amtsjubiläums zukamen, ausserstande jedem eizelnen zu danken, bitte ich auf diesem Wege meinen innigsten Dank entgegen nehmen zu wollen. Pilsen, im Juni 1913. Oberkantor Armin Freisinger. Kundmachung. An einer der hiesigen Mittelschulen wird mit Anfang des Schuljahres 1913/14 für die Dauer dieses Schuljahres die Stelle eines provisorischen Lehrers für den mosaischen Religionsunterricht zur Besetzung gelangt. Kandidaten wollen ihre gehörig adjustierten Gesuche an den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Lemberg (Bernsteingasse 12) bis spätestens 30. Juni I. J. überreichen. Lemberg, den 15. Juni 1913. Vorstand der Israel. Kultusgsmeinde in Lemberg.