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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-06-27 · 26 (27.6.1913) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
26 (27.6.1913)
Date
1913-06-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 26 Sette 475 Dr.Bkochs Wochenschrift Er wies auf die eminente nationale Bedeutung der projektierten jüdischen Emigrationsbank hin, die die entfernten Zentren jüdischen Lebens, europäisches und amerikanisches Judentum, einigen und eine Wohltat für die wandernden jüdischen Massen bedeuten wird. Der Präses der Gesellschaft, Rechtsanwalt B. Mandel. referierte über die Vorgeschichte und die Grundprinzipien der Emigrationsbank. Das Projekt basiert auf einer Kombination von kommerziellen und sozialpolitischen Grundlagen. (Das von einer speziellen Vankkommission ausgearbeitete Detailprojekt wird in Bälde veröffentlicht werden.) Herr D. Davidowitsch berichtete über das Interesse, das das Projekt der Emigrationsbank in London, insbesondere bei den Herren Meyer, A. Spielmann und H. Landau erweckt hat. Die Debatten erwiesen, daß die Idee der Emigrationsbank sich großer Popularität erfreut und starke Sympathien bei der jüdischen Bevölkerung ausgelöst hat. Von der Notwendigkeit der Emigrationsbank sind alle soweit überzeugt, daß man nur noch die Verwirklichungsart derselben diskutierte. In den gehaltenen Reden wurde darauf hingewiesen, daß die russischen Juden nicht auf ausländische Hilfe warten und mit eigenen Kräften zur Verwirklichung des Projektes schreiten müssen. Die Debatten wurden vom Abgeordneten der ersten Reichsduma, dem Herrn L. Bramsohn, geleitet. Nach Schluß der Debatten wurde eine Kommission aus den Mitgliedern der Kreditbanken gewählt mit dem Auftrag, gemeinsam mit dem Vorstand das Projekt der Emigrationsbank in den Details herauszuarbeiten und zum kommenden Herbst die Gründungsversammlung einzuberufen. König Konstantin und die Familie Modiano. König Konstantin von Griechenland ist, wie aus Saloniki berichtet wird, in der Villa Modiano abgestiegen, wo er und sein Gefolge während des' ganzen Salonikier Sejours wohnen wird. Türkische und bulgarische Blätter machen sich darüber lustig, daß die 30.000 Griechen von Saloniki nicht ein Haus besitzen, das würdig wäre, ihrem König als Absteigquartier zu dienen, so daß er gezwungen ist. die Gastfreundschaft eines Juden in Anspruch zu nehmen. Diese Blatter scheinen nicht zu wissen, daß zwischen König Konstantin und dem Chef des Hauses Modiano eine Freundschaft besieht, die noch aus der Zeit datiert, da König Konstantin Kronprinz war. Es ist auch nicht das erste Mal, daß Konstantin XII. der Gast der Modiano ist, denn vor einigen Monaten schon hat der Generalissimus der griechischen Streitkräfte sein Hauptquartier auf der Besitzung Topsin der Familie Modiano in der Nähe von Saloniki aufgeschlagen. Die griechischen Blatter beulen natürlich auch diesen Umstand aus, um zu beweisen, daß die Juden von Saloniki nur unter griechischer Herrschaft sich wohl fühlen würden. Vom russischen Medizinalkongretz. Vorige Woche fand in Petersburg der diesjährige Kongreß der nach ihrem Begründer Pirogoff benannten naturwissenschaftlichen Gesellschaft statt. Zum erstenmale wagten die Antisemiten den Versuch, die Verhandlungen dieses Kongresses, die stets auf hoher Stufe zu stehen pflegten, auf ihr Niveau herabzudrücken, indem sie verschiedene antisemitische Anträge stellten, so unter anderem, daß die Juden aus physischen Gründen vom Militärdienste ausgeschaltet werden mögen. Der Kongreß blieb jedoch seinem guten Rufe treu und nahm eine Resolution an, jn welcher gegen den Versuch, die Wissenschaft zu niedrigen Parteizwecken zu mißbrauchen, protestiert und ebenso gegen die Verfolgungen russischer und jüdischer Studenten auf deutschen Universitäten Stellung genommen wird. Diese Verfolgungen seien um so beklagenswerter und verwerflicher, als diese Studenten durch die unglaublichen Hindernisse, welche das russische Bildungsministerium der Entwicklung der Volksbildung in Rußland in den Weg legt, zur Auswanderung auf ausländische Hochschulen gezwungen werden. Eine neue antijüdische Aktion des heiligen Synods. Eine der zahllosen russischen Ungerechtigkeiten besteht darin, daß die Juden außerhalb des jüdischen Ansiedlungsgebietes nicht Zeitungsherausgeber oder verantwortliche Redakteure sein dürfen. Der heilige Synod hat nun in einer seiner letzten Sitzungen beschlossen, der Regierung ein Memorandum zu unterbreiten, in welchem gefordert wird, daß den Juden in Rußland die Herausgabe einer russischen Zeitung überhaupt untersagt werde. Die dem Synod nahestehenden Blätter glauben ihre Leser versichern zu können, daß dieser Forderung in kurzer Zeit werde entsprochen werden. Nach derselben Quelle soll auch eine Gesetzesvorlage betreffend den numerus clausus für jüdische Freiwillige in der Armee in Vorbereitung sein. Ein Mittel gegen jüdischen Fleitz. Der russische Bildungsminister hat ein ganz originelles Mittel erfunden, um den jüdischen Studierenden die Lust zu benehmen, in ihrem Studium den bereits sprichwörtlich gewordenen jüdischen Fleiß illusorisch zu machen. Er erließ nämlich ein Zirkular an die Universitätsrektorate, in welchem angeordnet wird, daß in Zukunft das Los zu entscheiden habe, welche Juden im Rahmen der vorgeschriebenen Perzentnorm in die Universitäten ausgenommen werden sollen. Dieses Zirkular entstand infolge der Beobachtung der Bildungsbehörden, daß die Juden in den Mittelschulen einen außergewöhnlichen Fleiß und Ausdauer an den Tag legen, um die Medaille für Fleiß zu erreichen, deren Besitzer nach der bisherigen Gepflogenheit bei der Aufnahme in die Hochschulen bevorzugt wurden. Auf solche Weise wurden überall die Juden die besten Schüler in den Mittelschulen. Dieser Eifer soll nun illusorisch gemacht werden, daß in Hinkunst bei der Aufnahme in die Universität nicht mehr die Medaille, sondern das Los entscheiden soll. Fünfzigjähriges Dienstjubilänm eines jüdischen Polizisten. In Warschau wurde dieser Tage unter Beteiligung des gesamten Polizeikorps ein seltenes Jubiläum gefeiert. Es ist das 50jährige Dienstjubiläum des 38jährigen einzigen jüdischen Polizisten Baruch Jablonki. Mit 21 Jahren trat Jablonki zum Militärdienst ein und diente 15 Jahre ununterbrochen bei der berühmten Semjonower Leibgarde in Petersburg. Wegen seines Heldenmutes in der Schlacht bei Sebastopol wurde er mit der Kriegsmedaille ausgezeichnet. Nach seinem Uebertritt zur Reserve kam Jablonki nach Warschau, wo er von dem damaligen Statthalter Großfürsten Konstantin Nikolajewitsch in Audienz empfangen und seinem Wunsche, in den Polizeidienst treten zu können, entsprochen wurde. Das war im Jahre 1863 und von diesem Zeitpunkte an dient Jablonki ununterbrochen als Polizist in Warschau. Jablonki erinnert sich, daß außer ihm noch 12 jüdische Kollegen im Warschauer öffentlichen Polizeidienste gestanden sind, die aber zumeist entlassen, manche gestorben sind. Heute ist er der einzige Jude im Warschauer Polizeidienste. Jablonki wurde wegen seines Pflichteifers von auswärtigen Fürstlichkeiten ausgezeichnet und besitzt Auszeichnungen von Alexander II., Nikolaus I., Alexander Ilf. und auch der gegenwärtige Kaiser Niko-

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