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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-06-27 · 26 (27.6.1913) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
26 (27.6.1913)
Date
1913-06-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 474 Nr. 26 Dr. Bkochs Wochenschrift. Herr Dr. Eugen Frank ist konfessionslos und hat seine Kinder taufen lassen. Herr Dr. Desiderius Sipos ist konfessionslos. In Mariendad: Dr. Emil Loewy, Dr. Leo Martens, Zahnarzt, Dr. Julius Schuetz. In Ebensee: Dr. Nobel. In Bad Ischl: Kais. Rat Dr. Herzka, Dr. Stefan Isidor Stein, Inhaber der mechanotherapeutischen Anstalt (im Winter in Abbazia). In Baden-. Wien: Dr. Wilhelm Altmann. In Bad Gastein: Dr. Herzka. In Meran: Dr. Binder, Besitzer des Sanatoriums Stefanie, Meran-Obermais. Dr. Träger, Zahnarzt. In Franzensbad: Dr. Josef Steinbach, Dr. Gustav Egger, Dr. Nikolaus Euker, Dr. Johann Robert Heller, Dr. Tadeusz Kon, Dr. Bruno Fellner, Sohn des in Franzensbad praktizierenden kais. Rates Dr. L. Fellner. In Bad Nauheim: Die Söhne des Herrn Professors Dr. Isidor Grödel: Dr. med. Theo Grödel, Dr. med. Franz Grödel, Prof. Dr. Schott. In Kolberg: Medizinalrat Dr. Behrend, Dr. Margulies, Dr. Fabian. Eine scharfe Zurückweisung antisemitischer Angriffe. Berlin. In der Reichstagssitzung vom 20. Juni ereignete sich ein interessanter Zwischenfall, indem nämlich der klerikale Abgeordnete Erzberger auf eine antisemitische Schimpfrede des Abgeordneten Werner besonders scharf entgegnete. Werner, ein Angehöriger der kleinen antisemitischen Reichstagsfraktion, wendete sich während der Debatte über die Wehrvorlage gegen die Anstellung jüdischer Offiziere und sprach den Juden die Eignung für den Militärdienst ab. Es befänden sich unter ihnen auch viele revolutionäre Elemente. Den linksstehenden Parteien des Hauses warf Werner vor, daß sie für solche Fragen kein Verständnis hätten, weil sie zu sehr von Juden durchsetzt seien. Werner behauptete auch, von dem Abgeordneten Erzberger antisemitische Aeutzerungen gehört zu haben. In seiner Entgegnung sagte Erzberger unter anderm: Diejenigen Herren, die den Antrag auf völlige Gleichberechtigung der Konfessionen im Heere eingebracht haben, sind mit keinem Wort irgendwie den Anhängern einer christlichen Konzession zu nahe getreten. Daher hat auch kein Angehöriger einer christlichen Konfession einen Anlaß, die andere Glaubensgemeinschaft anzugreifen. (Sehr richtig!) Wenn ich als Angehöriger der katholischen Konfession und wenn Sie, Herr Werner, als Angehöriger der evangelischen Kirche Respekt und Achtung vor ihrer religiösen Ueberzeugung verlangen, dann muh sie das schon abhalten, in dieser Weise die religiöse lleberzeugung Andersgläubiger anzugreifen. (Lebhafte Zustimmung.) Es mutz um eine Sache äußerst schlecht stehen, die mit solchen Mitteln verteidigt wird, wie sie hier der Abgeordnete Werner angewandt hat. (Lebhafter Beifall.) Ich protestiere mit aller Entschiedenheit dagegen, wenn Herr Werner sagt, ich hätte manchmal antisemitische Aeutzerungen getan, das habe ich nie getan und das werde ich nie tun, weil schon mein Geschmack mich daran hindert, jemand zu schmähen, der einer anderen religiösen Ileberzeugung zuneigt. (Lebhafter Beifall.) Ein wirtlich religiöser Christ mutz auch den jüdischen Mitbürgern im deutschen Vaterlande dieselbe Achtung und denselben Respekt entgegenbringen, die er für seinen Glauben verlangt. Darin stimme ich allerdings dem Abgeordneten Werner durchaus bei, datz scharf zu verurteilen sind diejenigen Juden, die wegen wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Vorteile dem Glauben ihrer Väter ohne innere Ueberzeugung entsagen. Diese Verurteilung gilt aber auch allen denen, die einem solchen Mann, der nur aus äußeren Gründen seine Religion verleugnet, die Tore öffnen, die ihm bisher verschlossen waren. (Lebhafte Zustimmung.) Nach der deutschen Reichsverfassung ist jeder Bürger gleichberechtigt, auch jeder Jude. (Beifall.) Berlin. In einer kürzlich stattgefundenen Sitzung des Ausschusses des Verbandes derDeutschenIuden wurde beschlossen, den diesjährigen Verbandstag in Hamburg abzuhallen. Die Tagesordnung dieser Tagung, zu der eine große Anzahl von auswärtigen Delegierten und Ehrengästen erwartet wird, ist sehr reichhaltig und interessant. Erster Referent ist Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt (Königshütte), der über „Die soziale Fürsorge in der jüdischen Religion" spricht. Auch ist ein Vortrag nationalökonomischer Natur vorgesehen, dessen Thema und Referent noch nicht bestimmt ist. Zur Hauptversammlung soll als Festgabe des Verbandes eine Broschüre unter dem Titel „Soziale Ethik des Judentums" erscheinen, die eine Reihe von Beiträgen von Prof. Hermann Cohen, Dr. Bernfeld sowie der Rabbiner Dr. Bloch (Posen) und Dr. Bäck (Berlin) enthalten wird. In Hamburg hat sich bereits unter Mitwirkung des Gemeindevorstandes ein Lokalkomitee zum ,würdigen Empfang der Gäste gebildet. Außer eine Reihe von Festlichkeiten ist auch ein großes Festbankett im „Hamburger Hof" vorgesehen. In den Gemeindesynagogen sowie im Israelitischen Tempel wird ein Festgottesdienst stattfinden. Berlin. Der Verband der Arbeitsnachweise der Großloge für Deutschland VIII. U. O. B. B. und das Kartell der jüdischen Arbeitsnachweise (gegründet vom jüdischen Frauenbund) haben Verzeichnisse der ihnen angeschlossenen Arbeitsnachweise und Stellenvermittlungen zunächst an die Gemeinden, Logen, Vertrauenspersonen des Frauenbundes usw. gesandt mit der Bitte, diese Tabellen an geeigneten Stellen aufzuhängen, damit sie der breitesten Oeffentlichkeit sowohl den Arbeitgebern als auch den Arbeitnehmern zugänglich sind. — Der Versand der Verzeichnisse an die Herren Rabbiner, Lehrer, Kultusbeamte und andere in Betracht kommende Vereine kann erst nach dem Erscheinen des statistischen Jahrbuches des D. I. G. B. erfolgen. — Diese Tabellen haben den Zweck, die Arbeitsuchenden auf die ihnen benachbarten, nächstgelegenen Arbeitsnachweise hinzuweisen, und dadurch den Zustrom von Arbeitnehmern nach den einzelnen großen Verkehrsplätzen abzuhallen. Konferenz in Angelegenheiten der jüdischen Emigrationsbank. Die Generalversammlung der St. Petersburger Gesellschaft für die Regulierung der jüdischen Auswanderung mit Anteilnahme der Repräsentanten der Gesellschaften des gegenseitigen Kredits wurde am 7. Juni öffnet. Anwesend waren ca. 200 Personen, unter ihnen 100 Repräsentanten der Gesellschaften des gegenseitigen Kredits aus allen Städten des Ansiedlungsrayons. Die Eröffnungsrede hielt der bekannte Historiograph S. Dubnoff.

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