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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-06-27 · 26 (27.6.1913) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
26 (27.6.1913)
Date
1913-06-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nc. 26 Dr. Wachs Wochenschrift. Sette 473 Troppau. (Protest - Versammlung.) Donnerstag, den 19. Juni l. 3., fand um 8 Uhr abends in der Promenade-Restauration in Troppau eine auf geladene Gäste beschränkte Versammlung der Mitglieder der hiesigen Kultusgemeinde statt, welche sich mit den jüngsten Ereignissen an der Wiener Universität befaßte. Der Vorsitzende, Herr Kultusvorsteher Dr. Sonnenschein, begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste, worauf Herr Advokaturskandidat Dr. Berthold Leschner in freier Rede ein umfassendes und formvollendetes Referat erstattete. Er schilderte die geschichtliche Entwicklung der antisemitischen Hetzen unter den Studenten der Wiener Universität, setzte den Inhalt des sogenannten Waidhofner Programms auseinander und führte die jüngsten Roheitsakte gegen die jüdischen Studenten in Wien vor Augen. Er kam zu demselben Schlüsse, der auch schon auf der Einladung stand: „Wenn man unsere studiennde Jugend durch feige Roheitsakte einschüchtern, sie ihrer gesetzlichen Rechte berauben und in ihrer Ehre kränken will, so will man damit unsere jüdische Gemeinschaft treffen. Unsere jüdischen Studenten, welche sich furchtlos und mutig gegen diese bubenhaften Ausschreitungen wehren, verteidigen unsere Ehre, unsere Rechte und ist es daher die Herzenssache und Ehrenpflicht eines jeden von uns zu der Frage Stellung zu nehmen." Einstimmig wurde die namens der Veranstalter der Versammlung von Herrn Kultusvorsteherstellvertreter Dr. Wolf vorgeschlagene Resolution beschlossen: Die am 10. Juni 1913 zu Troppau versaminelten Vertreter und Mitglieder der Troppauer Kultusgemeinde sprechen der jüdischen Studentenschaft der Wiener Universität für ihr mannhaftes und taktvolles Verhalten anläßlich der gegen sie geführten Angriffe die herzlichsten Sympathien und ihre Anerkennung aus. Die Versammlung gibt der Erwartung Ausdruck, daß die Regierung die geeigneten Vorkehrungen treffen wird, um die Ehre einer großen Zahl von Staatsbürgern vor derartiger Verunglimpfung zu schützen, wie sie in dem Waidhofner Programme enthalten ist. Die Versammlung erachtet es als Pflicht jedes ehrbewußten Juden, gegen Angriffe auf die Ehre des Judentums sowie einzelner Juden als solcher in jeder Weise und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln energisch anzukämpfen. 80jährige Geburtstagsfeier des Herrn Ludwig Moser, Vorsteher der israel. Kultusgemeinde in Karlsbad. Der 18. Juni wird nicht nur für die Familie Moser, sondern für die gesamte israelitische Kultusgemeinde in Karlsbad ein dauernder Gedenktag bleiben. Ludwig Moser wurde an diesem Tage in einer Weise geehrt, wie noch kein Jude bisher in Karlsbad geehrt wurde. Und es kann in der Tat die gesamte Gemeinde mit Befriedigung auf die Ereignisse dieses Tages zurückblicken. Schon am Vorabende, den 17. Juni, zeigte es sich, welcher besonderen Verehrung sich Kultusvorsteher Ludwig Moser nicht nur in Karlsbad, sondern insbesondere auch in der Gemeinde Maierhofenj, in welcher sich seine berühmte Fabrik befindet, erfreut. Mit klingendem Spiele kam die Bewohnerschaft von Maierhofen nach Karlsbad gezogen, ein prachtvoller Fackelzug der Arbeiterschaft, der Gemeindebehörden und fast sämtliche Vereine von Maierhofen fand statt und in der Parkstraße versammelten sich Hunderte von Menschen, um dem Geburtstagsjubilar ihre Glückwünsche darzubringen. Dieser Fackelzug war eine spontane Ueberraschung und erregte das größte Aufsehen in Karlsbad. Hiebei möge nicht verabsäumt werden, anzuerkennen, daß die Bezirkshauptmannschaft und Gemeindevertretung von Karlsbad in Berücksichtigung der besonderen Verdienste des Kultusvorstehers, die Abhaltung dieses Festzuges gestalteten, obgleich in der Regel Musikaufzüge in der Kurstadt nach 9 Uhr abends nicht bewilligt werden. Der 18. Juni selbst wurde in überaus würdiger Weise gefeiert, und besonders vom Vorstände der israelitischen Kultusgemeinde wurde der Jubilar in einer sehr bemerkenswerten Weise geehrt und ausgezeichnet. Schon vom frühen Morgen angefangen verwandelte sich die Wohnung des Kultusvorstehers in einen förmlichen Rosenhain, denn immer neue Blumengewinde der kunstvollsten Art wurden als Zeichen der Verehrung und des Glückwunsches überbracht, so daß zwei Zimmer damit gefüllt wurden. Die Repräsentanz der Kultusgemeinde erschien vollzählig und überreichte eine prachtvolle Kassette mit einer Glückwunschadresfe, in welcher der Jubilar verständigt wurde, daß die Kultusgemeinde zur Erinnerung an diesen Tag ein Bett im Kaiser Franz Josephs-Jubiläums-Hospiz gewidmet habe, welches für alle Zeiten den Namen Ludwig Moser-Stiftung führen wird. Besonders ergreifend war der Moment, in welchem Rabbiner Dr. Ignaz Ziegler, der seit nahezu 25 Jahren als Seelsorger der Gemeinde wirkt, im Ornat beim Vorsteher erschien, und demselben kraft seines Amtes die Würde eines „Merene Meraw's" verlieh. Mittlerweile brachten der Telegraph und die Post Hunderte von Glückwünschen, die nahezu einen großen Tisch füllten. Unter den zahllosen Gratulanten erschien auch unser toleranter und allgemein geehrter Bezirkshauptmann, Statthaltereirat Ritter v. Jordan, dessen Wirken für Karlsbad in der gesamten Bevölkerung die größte Anerkennung findet, und der ebenso wie seine, einer vornehmen Wiener Familie entstammende Gemahlin, in gleicher Weise in den christlichen, wie in den jüdischen Kreisen Kalsbads verkehrt. Besondere Befriedigung ries auch eine Zuschrift des Karlsbader Bürgermeisters, Dr. Josef Pfeifer, hervor. Dessen Inhalt lautete: Stadtrat Karlsbad, am 18. Juni 1913. Euer Hoch wohlgeboren! Am heutigen Tage vollenden Euer Hochwoblgeboren das 80. Lebensjahr. Ein gütiges Geschick verlieh Ihnen Gesundheit und vollste Rüstigkeit, so daß es Ihnen vergönnt ist, diese seltene Feier an hervorragender Stelle des öffentlichen Lebens schaffend zu verbringen. Im Aufträge des Stadtrates und im eigenen Namen gestatte ich mir Euer Hochwohlgeboren bei diesem Anlasse die herzlichsten Glückwünsche auszusprechen. Auch der Stadtrat schließt sich heute gerne der großen Zahl derer an, welche mit Dank und Anerkennung der vieljährigen edlen und selbstlosen Tätigkeit Euer Hochwohlgeboren im öffentlichen Leben gedenken. Die in fast iOjähriger, höchst verdienstvoller Amtswirksamkeit Euer Hochwohlgeboren als Vorsteher der israelitischen Kullusgemeinde geschaffenen Einrichtungen, insbesonders die Wohlfahrtseinrichtungen gereichen der Stadt und dem Kurorte Karlsbad zu Ehren. Besonders nahe erscheint jedoch die vieljährige Tätigkeit Euer Hochwohlgeboren auf dem Gebiete des Schulwesens, Ihre Wirksamkeit als Mitglied des Orts- und Bezirksschulrates, berührt. Die allseitige Achtung und Verehrung, welche Euer Hoch wohlgeboren gemessen, ist der deutlichste Beweis, daß die Erkenntnis der hohen Auffassung Euer Hochwohlgeboren von den übernommenen Aemtern allgemein ist. Als Bürgermeister der Stadt erachte ich mich verpflichtet, an dem heutigen Ehrentage denkbar der zahlreichen Verdienste Euer Hochwohlgeboren zu gedenken und Ihnen dafür den besten Dank abzustatten. Ich knüpfe daran den aufrichtigen Wunsch, daß es Euer Hochwohlgeboren noch viele Jahre vergönnt sein möge, sich der dankbaren Erinnerung Ihrer Mitbürger zu erfreuen und noch viele Jahre im Kreise einer glücklichen Familie froh und gesund zu vollbringen. Sr. Hochwohlgeboren Euer Hochwohlgeboren Herrn Ludwig Moser mit vorzüglicher Hochachtung Vorstand der isr. Kultusgemeinde ergebener Ritter hoher Orden etc. etc. JUDr. Josef Pfeifer Karlsbad. Bürgermeister. Noch am Nachmittage fanden sich zahlreiche Gratulanten im Hause „Columbus" in der Parkstraße ein, und wenn wir diesen denkwürdigen Tag mit dem Wunsche schließen, daß sich der Geburtstag des Kultusvorstehers, Herrn Ludwig Moser, noch recht oft wiederholen möge, dann ist dies sicherlich ein Wunsch, dem sich nicht nur alle diejenigen, die den Jubilar kennen, anschließen werden, sondern daß dies auch der Wunsch der gesamten Bevölkerung Kalsbads ist. Verzeichnis getaufter jüdischer Kurärzte. In Karlsbad: Die Herren Dr. Ludwig Ritter von Aldor, Dr. Gustav Aranyi, Dr. Adolf Eh arm atz. Dr. Franz Fokschaner, Dr. Edgar Ganz, Dr. Emil Goldscheider, Dr. Hugo Guth, Dr. Stefan Kelen, Dr. Rudolf Ko lisch, Dr. Alexander Komaromy> Dr. Friedrich Kraus. Dr. Arnold Lorand, Dr. Heinrich Munk, Dr. Gustav Töpfer, Dr. Leo Zupnik.

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