Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 26 (27.6.1913)
- Date
- 1913-06-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 472 Dr. Bkochs Wochenschrfft. Nr. 26 formieren und von ihr verlangen werde, daß sie den Herrn Prof. Dr. Groß veranlassen möge, daß er im Interesse des Vereines seine Stellung als Obmann niederlege und daß sie — die Zentrale — auch die Mitgliedschaft durch eine entsprechende Bekanntmachung darüber informiere, wie sie sich zu den Aeutzerungen und Handlungen ihres bisherigen Obmannes stelle. Wenn der Deutsche Schulverein tatsächlich ein unpolitischer Verein sein soll, dem jeder Deutsche ohne Unterschied der Parteistellung und des Glaubens beitreten solle und könne, dann mutz er so geleitet sein, daß es allen Deutschen ermöglicht wird, Mitglieder zu sein, ohne daß sie in ihrem Ehrgefühl vom Obmann oder sonstwem verletzt werden. Wenn die Zentralleitung noch immer zu den Extratouren ihres Obmannes schweigen sollte, müßte man annehmen, daß sie sich mit Herrn Dr. Groß und seinen Aeußerungen identifiziere. Dann werden natürlich die Konsequenzen daraus gezogen werden. Ich zeichne hochachtungsvoll Pilsen. 20. Juni 1913. Dr. I. Wollner. Wir sind begierig, ob die Zentralleitung die antisemitischen Gesinnungen ihres Obmannes ratifizieren oder dem in vorstehendem Schreiben eingenommenen Standpunkte Rechnung tragen wird. Der Entschließung der Zentralleitung muß umso gespannter entgegengesehen werden, als auch deren Haltung bei der Ausschreibung der Lehrstellen für die Schulen des Deutschen Schulvereines entschieden mißbilligt werden muß. Die Ausflucht, daß der Lehrer der Konfession der Schülermehrheil angehören müsse, entspricht nicht der Wahrheit, da dies vom Gesetze nur vom Leiter der Schule verlangt wird. Zur Madchrnkonfirmatiorr. (Eine Entgegnung von D. K.) „Eibisch erfolgreich st e positive Leistung!" Daß ein ehemaliger Schüler der Preßburger Jeschibah in solchen Worten von der Mädchenkonfirmation sprechen kann — das hätte ich doch bei all seiner Liebe zur „Reform" von dem von mir sehr verehrten Herrn Bettelheim nicht gedacht. Ich finde nur ein Gegenstück in einem geflügelten Wort, das von einem Vorstandsmitglied eines Tempels herrühren soll: „und wenn ich am Freitag abend ein Ballett im Tempel aufführen lasten müßte — der Tempel soll nur gefüllt sein." Auch eine positive Leistung! „Daß den Mädchen zur Begehung ihrer religiösen Volljährigkeit Gelegenheit geschaffen wurde" usw. Wo soll da die Polemik einsetzen? Ich verweise blos auf die b’bnn p*na nmö '-iös„?bru ppn ’Kö bn: ppm ,a Ferner aean mm rio' obn Ich zitiere Jbn Esra b r n*n nana auch den zur Stelle ss as ja ,-nwui 'si rer na'S. Ferner verweise ich auf die Response« des -Ditz ann und p’p anna. „Mit der Mädchenkonfirmation ist das alte Vorurteil, als ob das jüdische Weib religiös tiefer stehe als der Mann beseitigt." Bei keinem Volke genießt die Frau eine solche Ehrenstellung. Wo und wann hat es ein solches Vorurteil geben können, das die Konfirmation einsetzen mußte, um es zu beseitigen? Von den Schöpfungstageu angefangen bis in die späteste rabbinische Literatur ziehen weibliche Lichtgestalten an uns vorbei — Frauen, wie wir fie nirgends finden. Eva erhielt von der Bibel den Titel ti ba an. Und unsere Stammütter und Jochebed, Mirjam Deborah, Hulda, Birurjah u. s. v. a. — hat solche ein Volk der Erde aufzuweisen? Die Bibel setzt sie dem Manne voraus *,K-in rrmi las tf'K und der Ausspruch des Verfassers der Mischna. „Ehret Euere Frauen", ist lange vor Schiller getan worden. Und jetzt soll die Mädchenkonfirmation ein (nie bestandenes) Vorurteil vom Tiefstand der Frau im Judentum beseitigen. Dann begeht der geehrte Verfasser des Konfirmationsartikels einen Widerspruch in den Worten: „in der Tat hängen die Söhne dieser Dame eingedenk der Worte weal titosch tauras imecho treu dem jüdischen Glauben an". Dann ist es verehrter Herr Bettelheim-Salomo, dem wir diese Anhänglichkeit verdanken und nicht das Gedenkblatt der Konfirmation unter Glas und Rahmen. Dann hat König Salomo eine positive Leistung zu verzeichnen. Was bedeutet dieses vergilbte Blatt in puncto Anhänglichkeit am Judentum im Vergleich zu den 3 Fundamentalgesetzen npbm nbn ms. Ich kenne die Antwort, sie lautet: tcmxora mutautur. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Ueberfall während einer Andachtsübung. Aus Lemberg wird uns geschrieben: Die unausgesetzte Wühlarbeit allpolnischer Agitatoren gegen die Juden, besonders in Westgalizien, hat in Wadovice vor einigen Tagen zu argen Ausschreitungen geführt. Als am Samstag abend eine Anzahl von Juden vor der Synagoge Kiddusch Levanah verrichtete, griff eine Truppe vorübergehender intelligenter Polen die Juden während ihrer Andachtsübung mit Steinwürfen und Schmährufen an. Als einer der betenden Juden die jungen Leute zurechtwies, fielen diese mit ihren Stöcken über die Juden her. Bei diesem Handgemenge wurde einer der Juden so arg zugerichtet, daß er nach Hause getragen werden mußte. Bis Polizei zur Stelle war, hatten sich die heldenmütigen Polen, die eine völlig unbewaffnete, betende, jüdische Gesellschaft mit Stöcken überfallen, aus dem Staube gemacht. Die Untersuchung wurde eingeleitel. Jüdische „Feigheit". Bekanntlich wurde versucht, gegen die jüdischen Erdarbeiter in Boryslaw einen Boykott zu verhängen. Aus welchen Gründen dieser 1898 versuchte Boykott mißlungen ist, erfährt man aus einem amtlichen Schreiben des Bürgermeisters von Boryslaw an Herrn Adolf Stand in Lemberg, aus welchem derselbe folgenden Passus publiziert: „Bei den großen Erdwachsgruben in Boryslaw blieben im Jahre 1898 noch über 1000 jüdische Arbeiter auch weiter beschäftigt, außer diesen haben sich ca. 1000 Arbeiter bei sogenannten Leppschmelzen, welche sie allein aus alten Halden erbauten, beschäftigt bis zum Jahre 1902, wo in Boryslaw die Petroleumindustrie begann, und da haben alle obigen auch bei verschiedenen Erdarbeiten Arbeit gefunden, indem man die jüdischen Arbeiter als die geeignetsten bei Erdaushebungen angesehen hat. und so sind in Boryslaw bis heute ca. 2500 jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt, und zwar bei Wachs, Gruben, Wachsschmelzen, Leppschmelzen, Rohölzusammennehmen und Rohölreinigungen, welche Arbeiten auch christliche Unternehmungen jüdischen Arbeitern überlassen, weil diese die einzig dafür Fähigen sind, so daß bei den Petroleumgruben nur von jüdischen Arbeitern im Falle einer Feuersbrunst die Rettungsaktion durch Zuschütten und Ersticken ausgeführt wird, weil diese diekühnstensind, diedirektins Feuer gehen, was seinerzeit beim Oil City-Brand vom Herrn Sektionschef Homann hervorgehoben und gelobt wurde. Gegenwärtig zählt Boryslaw 15.300 Einwohner, darunter 9000 Juden, von welchen ca. 3000 als Arbeiter und Arbeiterinnen tätig sind." So lautet der Text der Zuschrift des Gemeindeamtes Boryslaw an mich, Z. 6501/13, vom 5. Juni 1913.