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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-06-20 · 25 (20.6.1913) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 462 Dr. VLochs Wochenschrift. Nr. 2b Schülerinnen in einer formvollendeten Ansprache nach, welch wichtige Stelle die Frau in der jüdischen Geschichte seit jeher eingenommen und welch hohe Aufgaben sie kraft der Religion zu erfüllen hat. Herr Vorsteher Mtmann dankt den Vorrednern und spricht den Lehrern seine Anerkennung aus. Austritte aus dem Judentum. Vom 8. Juni bis inklusive 14. Juni 1913. Baumgarten Frieda, geb. 5. April 1884 in Wien, wohnhaft in Cilli. Banmgarten Dr. Hugo, geb. 16. Dezember in Wien, wohnhaft in Cilli. Fischer Pani, k. k. Hofmusiker, geb. 31. August 1876 in Wien, V., Schönbrunnerstrasse 66. Klein, geh. Bauer Anna, Private, 28. September 1880 in Wien, V1IL, Krottenthalergasse 2. Lünz Johanna, Kontoristin, geb. 26. Juni 1891 in Wien XIII., Titlgasse 13. Steiger Adolf, Mechanikergehilfe, geb. 10. November 1884 in St. Pölten, VI., Mollardgasse 26. Winternitz Regina, Private, geb, 23. Juni 1886 in Linz, II., Obere Donaustrasse 109 Urrg. Hradisch. Aus Ung. Hradisch wird uns berichtet, daß der dortige langjährige, sich allgemeiner Beliebtheit erfreuende Oberkantor. Religionslehrer und Sekretär Wilhelm Lustig infolge Berufung als Religionslehrer und Oberkantor-Str Übertreter in Prag-Königliche Weinberge zum größten Bedauern der gesamten hierortigen jüdischen Bevölkerung ab 1. September 1313 seinen Posten verläßt. Feldrabbiuer Prof. Dr. Kisch — Ritter des Franz-Joseph-Ordeus. Wie aus Prag gemeldet wird, hat der Kaiser dem Landwehr-Rabbiner in der Res., Prof. Dr. Alexander Kisch das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen. Oberkantor Freisinger. Pilsen. Glanzvoll war das Fest des 40jährigen Amtsjubiläums des Herrn Oberkantors Armin Freisinger am vergangenen Schwuaus. Die in herrlichstem Blumenschmuck prangende Synagoge konnte die große Zahl der Festteilnehmer kaum fassen. Mit tränendurch^ stickter Stimme betete Oberkantor Freisinger selbst das Minchagebet vor. Hierauf sang der durch den deutschen Männergesangverein verstärkte Synagogenchor den von Herrn Kantor Kornfeld vorzüglich einstudierten Psalm 100, der stimmungs- und weihevoll zu Gehör gebracht wurde. Anknüpfend an den Vers „Se hajaum oloh a daunoj" richtete sodann Herr Rabbiner Dr. Ealinsky eine warme, von Verehrung getragene Ansprache an den Jubilar. Er feierte ihn als Zierde seiner Berufsgenossen, in hingebender Treue seines heiligen Amtes waltend, und schloß seine von edlem Schwung durchglühten Worte mit dem biblischen Segen, den er auch für die treue Gefährtin des Jubilars und dessen Kinder vom Allmächtigen herabflehte. Mit der Absingung der Beethovenschen Hymne: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" schloß die glanzvolle Feier am Festabend. Den Gipfelpunkt der Feier bildete die Gratulationscour im blumendurchdufteten Familienheim des Jubilars am Vormittag des Festes. Im Namen des Kultusoorstandes erschienen die Herren Kultusoorsteher Dr. Josef Schanzer, Dr. Wollner und kais. Rat Zuckermann. Dr. Schanzer hob die ersprießliche Tätigkeit des Jubilars hervor, der durch die ihm von Gott verliehenen Gaben des Gesanges zur Hebung und würdigen Ausgestaltung unseres Gottesdienstes wesentlich beigetragen, so daß letzterer auch für andere Gemeinden der Monarchie vorbildlich geworden. In vollster Anerkennung der stets geübten Pflichttreue im Dienste der Gemeinde überreichte Dr. Schanzer dem tiefgerührten Jubilar ein. künstlerisch ausgeführtes Diplom und eine ansehnliche Ehrengabe. Es gratulierten sodann für die Chewra Kadischa deren Obmann Herr Adolf Hofmann und die Herren I. S. Löwith und Josef Eisler. Mit den Wünschen eines glücklichen Lebensabends übermittelte Herr Adolf Hofmann ebenfalls ein Ehrengeschenk. Frau Rosa Weis! überbrachte äls Präsidentin des Frauenvereines dessen Glückwünsche, ebenso gratulierte Frau Präsidentin Camilla Eckstein für den „Bund jüdischer Frauen und Mädchen". Namens des Waisenvereines sprachen die Herren Dr. Duschner und kais. Rat Alfred Recht. Für den Verein „Zion" überbrachten die Herren Gustav Beck und Dr. Julius Zentner die innigsten Glückwünsche. Mit einem kostbaren Blumengewinde und einem herrlichen Pokal überraschte der Choroerein seinen perehrten Chormeister. Unter den sonstigen, aus der Ferne gesandten Telegrammen und Glückwunschschreiben, die die Zahl 400 übersteigen, seien besonders hervorgehoben die des Herrn Oberrabbiners Dr. Caro aus Lnuberg, des .r>errn Oberkantors Bauer im Namen des Kantorenvereines in Wien, die des Herrn Oberkantors Kornitzer in dem der Kantoren Prags, die des greisen Oberkantors Kohn aus Arad, des Herrn königlichen Musikdirektors Singer in Kattowitz und vieler anderer namhafter Kantoren. Ueberaus herzlich gratulierten auch Herr Direktor Wilhelm Arnstein aus Karlsbad und Herr Religionslehrer Josef Baß aus Wien. Ganz besonders erfreulich ist die Tatsache, daß Herr Oberkantor Freisinger im Vollbesitze seiner herrlichen Stimme ist und auch an seinem Ehrentage durch die Innigkeit und die Wärme seines Vortrages die Herzen der Betenden auf den Schwingen der Andacht zum Allmächtigen emporhob. Dr. Link. Samuel Gompers. < Der Präsident der American Federation of Labour, Same! Gompers, liegt, wie aus Newyork berichtet wird, hoffnungslos danieder. Die führenden Blätter aller Parteischattierungen widmen dem schwerkranken „König der Arbeiter" teilnahmsvolle Artikel. Es gibt in Amerika wenige Männer von solch mächtigem Einfluß und so großer Popularität als Samuel Gompers, der. wie die Blätter versichern, wiederholt Kandidat für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten gewesen wäre, wenn er nicht im Auslande geboren worden wäre. Gompers wurde nämlich sim Jahre 1850 in London geboren und kam in seinem dreizehnten 'Jahre nach Amerika. Wiederholt angebotene Kandidaturen für den Kongreß und Senat hat Gompers stets abgelehnt. Er ist der Herausgeber des großen Arbeiterblattes „American Federationist" und der Verfasser zahlreicher Werke über amerikanische und europäische Arbeiterfragen. Trotzdem Gompers das anerkannte Haupt der amerikanischen Arbeiterbewegung ist, gilt er doch nicht als Sozialist in europäischem Sinne, wird vielmehr als der stärkste Schutzwall gegen den Sozialismus in den Vereinigten Staaten angesehen. _ Feuilleton. Der jüdische Witz. Von kgl. Bibliothekar Dr. Heinrich Loewe, Berlin. I. Der jüdische Witz ist ein echtes Kind des jüdischen Lebens. Er ist nicht das Produkt der Geisteskraft eines einzelnen, wenn auch natürliche jeder Witz ursprünglich einen einzigen Verfasser gehabt haben muß. Der jüdische Witz in seiner Gesamtheit verdankt dem jüdischen Volke als Gesamtheit seine Entstehung. Daruin äußert sich in ihm der jüdische Volksgeist viel unmittelbarer als in den Geistesprodukten einzelner Schriftsteller, bei denen die eigene Individualität um so mehr hervortritt, je bedeutender die Persönlichkeiten und ihre Leistungen sind. Im jüdischen Volkshümor dagegen, an dem die ganze jüdische Nation ebenso schöpferisch wie rezeptiv Mitarbeitet, der die dichtende Nation selber wieder zum Gegenstände seiner Dichtung hät, kommt ein viel objektiveres Bild zum Vorschein, wenn auch die Eigenart des Witzes es mit sich bringt, daß scheinbar die Objektivität ausgeschaltet ist. Aber nicht bloß die stammestüMliche Eigenart der Juden als Volk kommt zum Vorschein, sondern am allermeisten die der einzelnen Period>en und Zeiten, der Länder und der Milieus, in denen die Judien leben. Der jüdische Witz, der so vieles Gemeinsame zu allen Zeiten und in allen Ländern hat, ist doch eben nach! diesen Zeiten und Ländern wiederum verschieden, und ein Witz oder eine humoristische Erzählung aus dem Ghetto hat andere Gegenstände und andere Art der witzigen Beobachtung, als der Witz der Berliner Börse. Und doch sind beide Aeußerungen desselben jüdischen Volksgeistes. Denn auch der Witz der Berliner Börse entstammt dem Humor des Ghettos und seine Erzähler und die Witzbolde der Börse stammen von Vätern und Großvätern, die mit Behagen die Witze über Rabbiner und Vorbeter, über, die Rebbezen (Rabbinersfrau), über die jüdischen Kultusgegenstände und synagogalen Vorkommnisse verfaßt und schmunzelnd sich weiter erzählt haben. Aber das veränderte Milieu gibt sich klar und unzweideutig in den Witzen und Anekdoten zu erkennen. Und nicht bloß die Umgebung im Aeußern, auch die Ausstattung des inneren Menschen ist eine andere geworden. Wenn auch der Volkscharakter und der Rassegeist in ihrem Wesen unverändert geblieben sind, wenn auch heute noch die Juden in denselben Kategorien denken, wi: ihre Vorfahren gedacht und gefühlt haben, so ist der Mittel-

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