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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-06-20 · 25 (20.6.1913) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Str. 25 Dr. Vkochs Wochenschrift. L:Ur 459 Karlsbad. (Ferienheim.) Nachträglich wird von Seite des Vorstandes des israelitischen Ferienheims festgestellt, daß das Reineinkommen des jüngst abgehaltenen Konzertes nicht 400 Kronen, sondern erfreulicherweise 910 Kronen betrug. Bei dieser Gelegenheit sei noch erwähnt, daß Frau Julia Moser Ehrenpräsidentin und Frau Dr. Ziegler Vorstandsdame des Ferienheims sind. Diese beiden Damen haben sich große Verdienste um den Verein erworben. Eme Beratung bei Venizelos. Aus Saloniki wird uns berichtet: Vor einigen Tagen gewährte der hier weilende Ministerpräsident Venizelos dem bekannten jüdischen Finanzier Mario Modiano eine Audienz, in welcher Herr Modiano ein ausführliches Expose über die wirtschaftliche Zukunft von Saloniki unterbreitete. An dieser Konferenz nahmen auch der Finanzdirektor für Mazedonien, Cofinas, und der Finanzier Cleon Hadji Lazaro teil. Herr Modiano trug auch mündlich die Hauptpunkte seines Exposes vor, das als Ausgangspunkt die historisch erworbenen Rechte der jüdischen Kaufmannschaft von Saloniki annimmt. Ministerpräsident Venizelos, der an der Diskussion über die Frage sich gleichfalls intensiv beteiligte, versprach, so bald als möglich das Expose eingehend zu studieren, und versicherte, daß er nicht daran denke, die jüdische Kaufmannschaft von Saloniki in ihrer weiteren Entwicklung zu hindern. ' Seltsame Vorgänge in Palästina. Die „Allgemeine Zeitung des Judentums" in Berlin bringt aus Palästina nachstehende Meldung: . Ganz besonders groß ist die Zahl der jüd. Mädchen, die die katholische Missionsschule der Nonnen zum Heiligen Josef besuchen, wo ihnen zugleich die Vorzüglichkeit des katholischen Glaubens gepredigt wird. Da gerade der 'Einfluß dieser Schule am schlimmsten war, so war die Erbitterung der öffentlichen jüdischen Meinung um so größer, als bekannt wurde, daß auch Herr Antöbi, der Direktor der Gewerbeschule der Alliance Jsraelite Universelle, seine Töchter zu den Schwestern des Heiligen Josef-Stiftes schickte und daß seine engeren Freunde, die in Geschäftskreisen eine mehr oder weniger geachtete Stellung einnehmen, durch sein Beispiel ermutigt, auch ihre Töchter der Schule zum Heiligen Josef anvertrauten. Das „Komitee zur Bekämpfung der Missionsschulen" hatte beschlossen, die Eltern, deren Kinder die Missionsschulen besuchten, brieflich aufzusordern, ihre Kinder aus den Missionsschulen zu entfernen und zu einer Versammlung zu kommen, auf der über Mittel und Wege zur Bekämpfung der Missionsschulen beraten werden sollte. Dieser Brief war durchaus sachlich gehalten und vom Chachambaschi (Oberrabbiner) unterschrieben. Ein solcher Brief wurde nun auch Herrn Antöbi durch den Diener des Komitees zugestellt. In welcher Weise aber Herr Antöbi auf diese Zuschrift reagierte, zeigt ein in der hiesigen Tageszeitung „Haor" vom 2. Jjar erschienener Protest des gesamten Vorstandes des Komitees, der folgenden Wortlaut hat: - „Geehrte Redaktion! Wir bitten Sie, in den Kolumnen Ihrer Zeitung die Einzelheiten eines beschämenden und aufregenden Vorganges zu veröffentlichen, den sich ein Mann zuschulden kommen ließ, den viele unter uns für einen Volksführer hallen und den die große Menge als den Sauerteig der palästinensischen Kolonisation ansieht. Am Freitag, den 11. Nissan dieses Jahres (— 18. April 1913) brachte unser Bote, der Sesardi Jakob Hakohen Eschkhade dem Herrn Antöbi einen Brief, der .an alle Eltern, deren Kinder die Missionsschulen besuchten, gerichtet und vom Chachambaschi unterzeichnet war, da auch Herr Antöbi seine Kinder bislang in die Schule des Heiligen Josef-Stifts schickte. Der genannte Sesardi hat lediglich den Auftrag seiner Auftraggeber erfüllen wollen, hatte aber zum Inhalt des Brieses keinerlei Beziehung. Beim Empfang des Briefes, erzählt unser Bote, geriet Herr Antöbi in großen Zorn, zerriß den Brief in Stücke, überfiel ihn, den Jak. Hakohen Eschkhade, versetzte ihm kräftige Faust schlüge, warf ihn zu Boden, trat ihn mit Füßen und konnte sich nicht eher beruhigen, als bis er seinen Schuh auszog und ihn damit schlug. Jeder Kommentar ist überflüssig. Die Tatsache spricht von selbst und ist geeignet, ein wahres Bild der geistigen und moralischen ° Persönlichkeit des Herrn Antöbi zu geben. Gegen diese schändliche Tat sprechen wir unsere vollste Erbitterung und Verachtung aus. Im Namen der Abteilung des Lehrerverbandes: Ch. L. Zuta, Salamon Schiller, Chaje Braude. Im Namen des Komitees zur Bekämpfung der Missionsschulen: Jehuda Schnior, Elazar Pinsker, L. A. Orloff. I. Burla, A. Nosnitzki, Abiezer Yellin, I. Riwlin." Wiederemwethung eines alten jüdischen Friedhofts. In Middelburg (Holland) wird am 2. Juli d. I. eine interessante Feier stattfinden. Es ist das die Wiedereinweihung des alten jüdischen Friedhofes dieser Stadt, auf welchem auch der unvergeßliche Manasse Ben Israel begraben ist. Vor einigen Jahren hat nämlich die Iudengemeinde von Middelburg über Veranlassung des englischjüdischen Historikers Isidor Harris, der auf dem Friedhöfe Studien machte, den uralten Gottesacker restaurieren und auf dem Grabe Manasse Ben Israels einen neuen Gedenkstein errichten lassen. Auch die übrigen Gräber und Grabsteine wurden aufgefrischt und der Friedhof im allgemeinen wieder in Ordnung gebracht. Auf die historische Bedeutung dieses Friedhofes hat Isidor Harris in einem Referat, das er im vorigen Jahre in der jüdisch-historischen Gesellschaft hielt, hingewiesen. Diese Monographie wurde nun auch ins Holländische übersetzt. Nunmehr soll die Wiedereinweihung dieses alten Friedhofes am 2. Juli d. I. unter besonderen Festlichkeiten stattfinden. Die jüdisch en Arbeiter außerhalb des Ansiedlungsrayons. Die russische Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke unter den Juden in Rußland hat im Laufe des letzten Jahres unter den jüdischen Handwerkern und Arbeitern außerhalb des jüdischen Ansiedlungsgebietes cine Enquete über ihre wirtschaftliche und soziale Lage veranstaltet. In dem Fragebogen ist auch die wichtige Frage enthalten, welche Beziehungen zwischen den christlichen Handwerkern und den jüdischen bestehen. Nunmehr veröffentlicht die genannte Gesellschaft das Ergebnis der Enquete, die sich auf viele Hunderte von jüdischen Handwerkern und Arbeitern in 45 verschiedenen Ortschaften erstreckt hat. Aus dieser Publikation ist zu ersehen, daß die Beziehungen zwischen den christlichen und jüdischen Handwerkern und Arbeitern in diesen außerhalb des jüdischen Ansiedlungsgebietes gelegenen Städten sehr gute sind. So oft ein jüdischer Handwerker sich bei Gericht dafür verantworten mußte, daß er außer seinem Handwerk auch einen Handel betreibe, haben die christlichen Handwerker fast ausnahmslos zugunsten ihrer jüdischen Kollegen ausgesagt. In anderen Städten, wo besonders das Uhrmachechandwerk stark betrieben wird, haben die christlichen Uhrmacher zugunsten ihrer jüdischen Eenoffen bei Gericht die Erklärung abgegeben, daß man vom Ahrmacherhandwerk allein nicht leben könnte, und die jüdischen Uhrmacher daher gleichfalls gezwungen seien, außerdem auch einen kleinen Handel mit Silberwaren zu betreiben. Die Behörden kümmern sich jedoch wenig um die Fürsprache der christlichen Handwerker und verfolgen die jüdischen Handwerker mit allen Mitteln, weshalb sich verhältnismäßig nur sehr wenig jüdische Handwerker und Gewerbetreibende in den Städten außerhalb des Ansiedlungsgebietes niederlasten. Nathan Strauß schwer erkrankt. Aus Newyork kommt die betrübende Mitteilung, daß der weltbekannte Philanthrop Nathan Straiß schwer krank darniederliegt. Er kam erst vor ganz kurzer Zeit von einer Europareise in Newyork an und mußte von dem Schiffe auf einer Tragbahre in seine Wohnung befördert werden. Einige Tage später wurde Strauß in ein Sanatorium überführt, wo er an einem Nervenleiden darniederliegt. Die behandelnden Aerzte sind der Meinung, daß es sich noch immer um die Folgen jenes

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