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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-06-20 · 25 (20.6.1913) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr 25 Dr. Vlochs Wochenschrift Sette 457 Schnftsührer: Max Schmidt Xlll., Hauptstraße 117a. Schriftführcr-Stellvertreter: Leopold Pick Fabrikant VII., Kaiserstraße 41/46. Revisoren: Gen.-Dir. Charles Landeis K. k. Komm.-Rat Leop. Baß Xil, Schönbrunnerstraße 177. XII., Schönbrunnerstraße 209. Cmanuel Beer Fabrikant: XIX., Hardtgasse 19. Vorstandsmitglieder: Adolf Huppert Jakob Krane; Kaufmann Schriftsteller Xlll., Hauptstraße 1^6. IX, Po zcllan, asse l,6. Wolf Pappenheim Bernh. Toch Schriflltiller Kaufmann II.> Kleine Pfarrgasse 1. IX.,Se:vitengasfe 1. Dr. Josef Bloch Herausg. d. Oest. isr. Wochenschrift II.. Praterstraße 9. Hugo Angemahr K. k. Komm.-Rat Siegm. Blau Josef Bosssr Heinrich Bäck Julius Eckstein Kais. Rat Albert Frankl Carl Grün Ed. Hacker . Adolf Hirsch Sam. Hoffmann Dr. Ernst Karman Julius Kohn Herm. Kuuer Rudolf Lyon Simon Manheit Max Zirner Sam. Meise! Jacob Oscr Friede. Pollak Kais. Rat Fr. Pollak Kais. Rat M. Pozsony Samu Rechnitzer Dr. I. Samnely Bela Spitz Albert Spitz I R. Sckiütz Victor Schwadron Emil Storch Jakob H Straßberg Sl. Traub Adolf Ungar Nathan Zindw.r Ordentliches Mitglied zahlt einen Jahresbeitrag von mindestens.K 4.— Stifter wird man bei einer Widmung von mindestens.•. K 500.— Gründer wird man bei einer Widmung von mindestens.. K 100.— Antisemitische Hetzereien anläßlich der galrzischen Landtagswahlen. Die Wahlkampagne in Galizien nimmt für djie Juden, wie aus Krakau berichtet wird, an manchen Orten bedrohliche Formen an. Besonders die Allpolen und ihre Presse ergehen sich in Versammlungsreden und Zeitungsartikeln, deren Tenor an die Blütezeit des berüchtigten Antisemitenpaters Stojalowski erinnern. Die Allpolen benützen die Wahlkampagne zum Vorwände, um überhaupt zum Boykott gegen die Juden zu hetzen, und den letzteren mit Pogromen zu drohen, wenn sie den Gegnern der Allpolen Gefolgschaft leisten würden. Unter solchen Umständen sehm die Juden, besonders in denjenigen Bezirken, wo die Allpolen um ihre Mandate erbitterte Kämpfe zu führen haben werden, den weiteren Wahlereignissen mit großer Besorgnis entgegen. Prag. Nicht geringe Anerkennung verdient die Prager Chewra-Kadischa gemilus chasodim. die am letzten Sonntag ihre Vollversammlung abgehalten und den Jahresbericht vorgelegt hat. Der Verein zählt dermalen an zweitausend Mitglieder: im Jahre 1912 wurden bei ihm 408 Todesfälle gemeldet, 49 Beerdigungen waren unentgeltlich. Nach dem Kassaausweis, der, wie die anderen Berichte, genehmigt wurde, wurden an Spenden und Gnadengaben im abgelaufenen Jahre über neuntausend Kronen ausgegeben. Der Bericht gibt auch der Sorge um die Erhaltung des alten Ghettofriedhofes Ausdruck, dessen Umfriedung durch die nicht genehmigte Baulinie seitens des Landesausschusses nicht geregelt werden kann. Es ist zu hoffen, daß es den gemeinsamen Anstrengungen der Stadt Prag und mehrerer katholischer wie jüdischem Körperschaften sowie der Presse gelingen wird, den Friedhof ungeschmälert zu erhallen, dessen Beschneidung ein kultureller Skandal wäre. Die Versammlung votierte dem abtretenden Ausschuß Dank und Vertrauen und gestaltete sich zu einer ehrenden Kundgebung für den Obmann David S. Lieben, zu dessen 70. Geburtstag die Mitgliedschaft aus dem Erträgnis einer Sammlung eine David (2. Lieben -Stiftung zur Ausstattung jüdischer Bräute ins Leben gerufen hat. Die ausscheidenden Ausschußmitglieder wurden einmütig wiedergewählt. Der Ausschuß konstituierte sich dann wie folgt: Obmann David S. Lieben, Obmannstellvertreter Josef Strauß, Friedhofinspektor Anton B r a n d e i s. Kassier Eduard Lasch, Ordner und Friedhofinspektorstellvertreter Heinrich Freund. Kontrollor Moritz Welt sch, Stiftungsinspektor Ad. Skall, Rechnungsrevident Simon Hahn, Obmann des Vorstandes des Frauenvereines Adolf Schifferss, Administrator des alten Friedhofes Leopold Lebenhart, Ersatzmann M. Bodenheimer. Zu Revisoren wurden gewählt: Em. 1lrba ch, Direktor Wertheimer und Mor. D u b. Möge das neue Vereinsjahr sich den vorangehenden würdig anreihen! Die Wahl des Vorstandes ist die beste Gewähr hiefür. W.K. Einer, der sich seines antHermtischea Vaters schämt. Aus Großwardein in Ugarn wird uns geschrieben: Vorige Woche wurden es dreißig Jahre, daß der Tisza- Eszlarer-Prozeß unseligen Andenkens die ganze zivilisierte Welt in Atem gehalten hatte. Bekanntlich figurierte in diesem Prozesse ein gewisser Josef Bari als Untersuchungsrichter. Dieser Josef Bari lebt heute noch in Eroßwardein und man wird es begreifen, daß der Redakteur eines solchen Großwacdeiner Blattes die Idee hatte, diesen Zeugen des großen Prozeßes an diesem Gedenktage zu interviewen. Der alte Bari hat. wie es scheint, in den letzten dreißig Jahren nichts gelernt und nichts vergessen, denn er sagte unter anderem: Der Ritualmord ist durchaus nicht unmöglich, meiner Ansicht nach wäre ein ungarischer Jude zu einem solchen Morde nicht fähig: aber die Angeklagten im Tisza- Eszlarer Prozesse waren ja durchwegs eingewanderte galizische Juden. . ." Der Journalist fand diese Aeußerung interessant genug, um sie in seinem Blatte zu veröffentlichen. Während sich nun der alte Bari durch die Veröffentlichung seiner Weisheit geschmeichelt fühlte, wurde sein Sohn, ein Mann in angesehener Stellung, durch dieselbe in solche Entrüstung versetzt, daß er den Redakteur auf offener Straße züchtigte. Beim Verhör erklärte der junge Bari, daß er sich durch diese Veröffentlichung kompromittiert und sein Ehrgefühl verletzt erachte. Man sieht der Verhandlung des unausbleiblichen Prozesses mit Spannung entgegen. 86jähriger Geburtstag von Ludwig Moser, Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde in Karlsbad. Wenn diese Zeilen in Druck gehen, dann haben Karlsbad und seine Mitbürger, nicht allein die jüdischen, sondern auch die christlichen, Gelegenheit gehabt, einen hochverdienten Bürger in besonderer Weise zu ehren. Ludwig Moser, seit dem 24. Dezember 1874 ununterbrochen Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde der Kurstadt Karlsbad, hat am 18. Juni d. I. seinen Geburtstag gefeiert. Dieser Tag wird einen Gedenktag in der Geschichte Karlsbads bilden: er wird aber nicht nur in der altberühmten Kurstadt Karlsbad, sondern auch im ganzen Reiche und weit darüber hinaus das freundlichste Interesse erregen, denn Ludwig Mosers Name hat nicht nur einen guten Klang in der <Kadt, in welcher er lebt und wirkt, sondern infolge seiner persönlichen Eigenschaften, seiner Wirksamkeit in der israelitischen Kultusgemeinde, auf industriellem Gebiete, als

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