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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-06-20 · 25 (20.6.1913) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 456 Dr. Bkochs Wochenschrift Nr §5 Iung: „Was liat die nichtjüdischen Mädchen vor einem solchen Grade des sittlichen Niederganges (ergänze: wie er hei jüdischen Mädchen zu beobachten ist,) bewahrt?“ Aber dies alles ist nicht nur neu, sondern auch dankenswert. Denn während man früher mit unverantwortlichen Menschen zu tun hatte, für die niemand einstand, während man früher riskierte, ein böswilliger Feind und Verleumder gescholten zu werden, wenn man einem großen Teil der zionistischen Intelligenz eine prononzierte Stimmung gegen die Jüdin zuschrieb, — hat man diese Stimmung jetzt schwarz auf weiß und von den so Gestimmten selbst bestätigt. Man hat endlich jemanden, an den man sich halten, den man fassen, mit dem man abrechnen kann. Man hat endlich die Leute, denen man zurufen kann: Was wollt ihr von den jüdischen Mädchen? Was kerpt ihr in der Hauptsache allgemeine Gebrechen und Degenerationserscheinungen der westlich intelligentisierten Judenheit, des Bürgertums, der europäischen Zivilisation und des Weibes gerade diesen armen Geschöpfen an? Warum blickt ihr und geht ihr nicht lieber in euch? Seit wann ist es die Art volksgesunder Männer, an den Frauen ihres Volkes herumzunörgeln, ihre idealisierenden Empfindungen aber nur an die Frauen anderer Völker zu vergeben? Seit wann sind volksgesunde, Männer so instinktverlassen, daß sie nicht, — über alle Unzulänglichkeiten der Person und der Zeit hinweg, — im Weibe ihres Volkes den Genius dieses Volkes wittern und wählen sollten? Und wenn „man durchaus nicht sagen kann, daß diejenigen. die Mischehen schließen, immer oder auch nur in der Mehrzahl die schlechteren Juden sind“, — wie konnte dann 'die jüdische Frau dem alten, ewig jungen Perez das Modell so vieler wundersamer, in Liebe gesehener und geschaffener Gestalten abgeben? Wie konnte sie den jungen Asch zu seinen prächtig schönen Ausbrüchen eines verliebten Nationalstolzes begeistern? Warum sind denn die Frauen, die in den Liedern von Bialik, Einhorn und Tmber walten, so selbstverständlich Jüdinnen? Wie kommt es, daß in den so volksechten und humorvollen Geschichten eines Mendale und eines Shülem-Alejchem und in den Milieudramen eines Pinski so ganz und gar keine Verdrossenheit gegenüber Jüdinnen durchschimmert und auch nicht in der fernsten Ferne das siegende Antlitz einer Nichtjüdin auftaucht? Und wie ist es zu erklären, daß selbst der westjüdische Dichter Max Brod keinen Anlaß hat, über seine Westjüdinnen zu greinen, sondern im Gegenteile die gesunden mit sicheren Instinkt herausfindet und an den modern kränklichen noch der jüdischen Anmut und der jüdischen Selbstbesinnung sich zu freuen vermag? Alle diese Dichter, die ja übrigens nichts anderes sind als Sänger und Säger dessen, was die große Masse des jüdischen Volkes in Liebe und Ehe lebt, sollten die schlechteren Juden und ihr, die ihr die Mischehen schließt oder ihnen wenigstens als Erscheinung innerhalb der jüdischen Intelligenz soviel teilnehmendes Verständnis entgegenbringt, — ihr solltet die besseren sein? i O, redet euch nur das nicht ein! Und redet euch und der Welt nicht ein, daß ihr die jüdischen Mädchen nicht wählt und nicht mögt, weil sie so sind, wie sie sind. Nein, weil ihr so seid, wie ihr seid, verschmäht und verunziert ihr sie. Und nicht deshalb schielt ihr oder hascht ihr nach den anderen, weil sie die Natürlicheren, Unmittelbareren sind, sondern weil ihr eure „Assimilationsgelüste befriedigen“ wollt, — wie ein jüdisches Mädchen in ihrer Gegenäußerung gegen den Artikel „Mischehen“ schrieb — weil die Assimilation in euch sitzt und ihr die ganzen langen Jahre eures „Nationalismus“ nichts gegen sie getan und ausgerichtet habet. Aber leider ist euer Degout vor den jüdischen Frauen mehr als eine vereinzelte Erscheinung. Leider ist er ein Symptom und sein Sinn findet sich in allen euren „nationalen“ Handlungen und Plänen wieder! Und wir haben es ja gehört: „Es ist gar nicht abzusehen, wohin es führen kann, wenn wesensfremde Menschen mitbestimmen, was lebendiges Judentum sein soll und was nicht.“ M. A. Ikorrespondenzen. Der Zentralverein der Jüdisch - Terrrtorialistischeu Organisation „Jto" zu Wien versendet folgenden Aufruf: Der Zentralverein der Iüdisch-Territorialistischen Organisation „Jto" zu Wien hat sich vor kurzem neu konstituiert und nun beschlossen, sich zur Förderung seiner überaus wichtigen Ziele an die breite Oeffentlichkeit zu wenden. Der Zentralverein der Iüdisch-Territorialistischen Organisation „Jto" Ln Wien hat sich auf dem Programme der von dem berühmten. Dichter Israel Zangwill in London gegründeten gleichnamigen Organisation gebildet. Dieses Programm erstrebt die Schaffung einer freien Heimstätte für die wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum verfolgten Glaubensbrüder und hat auch die Regelung der jüdischen Auswanderung im Rahmen unserer Staatsgesetze und die dauernde Versorgung der Ausgewanderten mit Arbeit zum Ziele. Diesbezüglich kann die „Jto" mit Stolz auf ihre Tätigkeit als Regulator der Emigration Hinweisen und „Galveston" ist ein Ruhmestitel der Vereinigung. Vis zum Juli 1912 wurden 6000 Auswanderer aus Rußland nach Galveston, einem Hafen im Südwesten der Vereinigten Staaten von Nordamerika, gebracht. Sie alle fanden in den Staaten hinter Galveston Arbeit und Verdienst. In Oesterreich ist die Regulierung der Auswanderung von großer Wichtigkeit. Wir brauchen ein System, welches für die Emigranten auf dem Wege von der alten bis zur neuen Heimat sorgt. Die Auswanderungs bewegung ist eine sehr lebhafte. Von Galizien und der Bukowina allein wandern jährlich 12.000 Juden aus, und es muß leider konstatiert werden, daß viele von diesen Heimatlosen das gesuchte Ziel nie erreichen. Außerdem bereitet eben jetzt die „Jto" eine Organisation der jüdischen Landarbeit vor, indem in Nordamerika eine Farmerkolonie geschaffen werden soll. Aber auch hier wird Fürsorge geleistet, bis der einzelne selbstständig und in seiner Eristenz gesichert ist. Nach kaum achtjährigem Bestände hat die „Jto", welcher die bedeutendsten jüdischen Persönlichkeiten , der ganzen Welt angehören, die Emigration geregelt, die Organisation der Kolonisation in Angriff genommen und steht in ernster Unterhandlung um eine gesicherte Heimstätte für die verfolgten Juden. Für letztere haben uns die betreffenden Regierungen das portugiesische Angola in Südwestafrika mit 200.000 Quadratkilometer Größe und das in der Nähe des Panamakanals in Zentralamerika gelegene Honduras angeboten. Beide Länder werden von der „Jto" wissenschaftlich erforscht. Diese das Judentum umspannende Organisation zu stützen und zum Blühen zu bringen, ist die Aufgabe unseres 'Zentralvereines, der sich über ganz Oesterreich erstrecken soll. Jeder Jude, dem das Elend seiner verlassenen Glaubensbrüder am Herzen liegt, trete der Vereinigung bei und sorge für die Werbung neuer Mitglieder! Der Jahresbeitrag, der gefordert wird, ist sehr gering. In unserem Nachbarlande Ungarn hat die Organisation seit dem Herbste 1912 bereits 5000 Mitglieder gewonnen. Wir werden in Oesterreich nicht Zurückbleiben! Für den Zentralverein der „Iüdisch-Territorialistischen Organisation": Obmann: Dr. Jakob Engel Hof- und Gerichtsadvokat Vorstandsmitglied d. isr. Kultusgem. VI, Mariahilferstraße 53. Obmann-Stellvertreter: Direktor Dr. S. Krenberger XIII., Auhofstraße 221. Obmann-Stellvertreter: Dr. Karl Löwy VII., Mariahilferstraße 96. Kassier: Hermann König Fabrikant VII., Seidengasse 28. Kassier-Stellvertreter: Samuel Mohr Obmann d. Bezirkskomynss. XII-XV XII., Schönbrunnerstraße 289.

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