Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 25 (20.6.1913)
- Date
- 1913-06-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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»ftr. 25 De. Blochs Wochenschrift. Sette 455 Die Multiplikation war mit großer Wahrscheinlichkeit nur ein schrittweises Addieren. Die Division wurde durch Auszählen vorgenommen. Neben dem religiösen Werte der Thora, der natürlich stets in erster Linie zu betonen ist, darf ihr kulturhistorischer Wert nicht vergessen werden. Die Zähl-, Zahlordnungs- und Rechenarteu, die wir heute gedankenlos und wie selbstverständlich benutzen, stellen die Kulturarbeit von Jahrtausenden dar. vitz Juden und der deutsche Metallhau del Prof. Robert Liefmann unternimmt in einem Aufsatz über die „Internationale Organisation des Frankfurter Metallhandels“ *) den Versuch, auf „diesen bisher wenig beachteten Zweig deutscher Unternehmertätigkeit einmal die öffentliche Aufmerksamkeit zu lenken“, und in der Tat nimmt der Metallhandel im deutschen Wirtschaftsleben eine eigentümliche Sonderstellung ein, die auch für uns von Interesse ist. Hinsichtlich der „Internationalität über Beteiligungen und Unternehmungen“ steht in Deutschland die Elektrizitätsindustrie an der Spitze. Der Kpnzern der A. E. G. hat in einer erheblichen Anzahl überseeischer Länder festen Fuß gefaßt und dem deutschen Kapital immense Territorien zur Exploitierung erschlossen. Man weiß, welche Bedeutung eine solche Expansion von Industriegesellschaften — sowohl in politischer wie in wirtschaftlicher Hinsicht. — für das Heimatland besitzt. Es scheint nun wenig bekannt zu sein, daß unmittelbar hinter der A. E. G. in bezug auf internationale Verzweigtheit — der Metallhandel rangiert. Das ist um so auffallender, als dieser keineswegs wie alle anderen Industrien (auch die A. E. G.) das Instrument der Internationalität, die Börse in Anspruch genommen hat, sondern sich auch heute noch in den Händen einiger weniger Privatfirmen konzentriert, die ihren privaten Charakter auch dort noch wahren, wo sie die Form einer „Gesellschaft“ bereits angenommen haben. Das Zentrum dieser Metallhandelsmonopolisten ist Frankfurt, und die Männer, die das ungeheuer weit gedehnte Netz des Metallhandels beherrschen und dem Deutschen Reiche einen eminenten wirtschaftlichen Vorteil sichern, sind — Juden. In Frankfurt haben die zwei größten Firmen ihren Sitz. „Es sind dies die Metallgesellschaft und die Firma! Beer, Sondheimer & Co. Insbesondere der Konzern der Metallgesellschaft ist neben der A. E. G. und allenfalls noch Siemens & Halske der internationalste Unternehmungskomplex Deutschlands und dadurch und vor allem durch die Art seines Aufbaues von großem volkswirtschaftlichem Interesse. Man erkennt in diesem Konzern, wie trotz aller Effektenbeteiligungen und aller Aktiengesellschaften es doch zu einem großen Teile Personen sind, welche die verbindende Einheit schaffen.“ „Der Gründer der Metallgesellschaft ist Dr. Wilhelm Merton in Frankfurt a. M., in weiten Kreisen bekannt durch seine vielseitigen philanthropischen und sozialen Bestrebungen und Stiftungen. In seiner Person gipfelt noch heute der ganze große an die Metallgesellschaft geknüpfte Unternehmungskomplex, der, wie gesagt,- teilweise nur durch persönliche Verhältnisse zusammengehalten wird, weshalb man am besten von einem Merton- Konzern spricht, ein Name, der noch nicht so bekannt geworden ist, wie der des Fürstenkonzerns, ihm an volkswirtschaftlicher Bedeutung aber vielleicht nahe kommt.“ „Wilhelm Merton, geborener Engländer, entstammt einer ursprünglich deutschen Familie jüdischer Konfession.“ Wie alle Großhandelsgesellschaften, mußten auch die des Metallhandels darauf bedacht sein, in die Produktion einzudringen. Und ähnlich wie die größte Metallhandlung Amerikas, die (jüdische) Firma M. Guggenheim & Sons, allmählich mehr Bergwerksunternehmer als Händler wurde (gilt doch Daniel Guggenheim als der „König von Colorado“), gliederte sich der Merton-Konzern Produktionsunternehmungen an. Heute umfaßt er, um nur die wesentlichsten zu nennen: die Metallurgische Gesellschaft, die Merton- Metallurgical Company Ltd. London, die Metallurgien! Company of America, die Compagnie des Minerais, Lüttich, die Societe auxiliaire des Mines, Paris, die Compania de Mi? nerales y Metales, Mexiko, die Societe des Cuiores et Pyrites, Paris (an dieser sind auch andere Kjapitalistengruppen beteiligt), die African Metal Company, die Austra- Jian Metal Company, London-Melbourne, Im Jahre 1906 schuf sich dieser Konzern unter Mithilfe einiger Gro߬ *) „W eit wirtschaftliches Archi v.“ Herausgeber Dr. Beruh. Harmä-Kiel. I. Bd., Heft 1. Verlag von G. Fischer, Jena, banken eine Finanzierungsgesellschaft in der Berg- und Metallbank. Diese wurde „statt der Metallgesellschaft die eigentliche Spitze des ganzen Konzerns“ und „kontrolliert ihn, zusammen mit dem persönlichen Besitz der Familie» Merton.“ Doch mit diesem Merton-Konzern ist die Rolle des Juden als Beherrscher des deutschen Metallhandels keineswegs begrenzt. Prof. Liefmann weist „auf die bemerkenswerte Erscheinung hin, daß sich der große Metallhandel ausschließlich, wie vielleicht kein anderer Erwerbszweig, in jüdischen Händen befindet, dergestalt, daß z. B. die beiden größten deutschen Metallhandlungen außer dem Merton- Konzern, die Fa. Beer, Sondheimer & Co. in Frankfurt a. M. und Aaron Hirsch & Co. in Halberstadt überhaupt keinen nichtjüdischen Teilhaber aufnehmen würden. Die .Juden haben in diesem Geschäftszweig von jeher eine große Rolle gespielt, die meisten großen Metallhandlungen sind' schon alte Firmen usw.“ — Der Gründer von Beer, Sondheimer «fc Co. war ursprünglich in der Metallgesellschaft tätig. Das erinnert daran, wie Bleichröder Lehrling bei Rothschild war — und hierin liegt das historisch Bedeutsame: heute bildet der Metallhandel fast eine Art Enklave im deutschen Wirtschaftsleben, ein Stückchen aus der guten alten Zeit. Wie lange wird es dauern, bis auch hier die „Persönlichkeit" eliminiert, der Betrieb versachlicht, die Verwaltung unter die Herrschaft der Banken kommen wird? Wie lange ist es noch hin bis zu der Zeit, wo der Name Merton oder Sondheimer so mittelalterlich und überlebt klingen wird, wie heute schon der Name Rothschild oder Bleichröder? Für denjenigen, der die wirtschaftliche Expropriierung der Juden verfolgt, liegt in dieser Insel ein seltener Reichtum an wehmütiger Romantik. („Jüd. Rundschau".) Zionismus und Mischehe In der „Alljüdischen Revue. Die Freistatt". Nr. 2, vom 15. Mai findet sich unter der Ueberschrift ..Die jüdischen Mädchen und die ernsten Iuden mit Selbst-' achtung" ein Artikel, welcher ernsteste Erwägung und Würdigung verdient und daher auch zur Kenntnis unserer Leser gebracht werden soll. „Es ist gar nicht abzusehen, wohin es führen kann, wenn wesensfremde Menschen mitbestimmen, was lebendiges Judentum sein soll und was nicht“ . . . Ein wunderbarer Ausspruch, den man in Erz graben und dann zusammen mit dem Erze gewissen Herren an die Köpfe werfen sollte, damit sie sich ihn nur ja recht gut merken . . . Im Grunde bringt der Artikel „Mischehen“, der jüngst in der Prager zionistischen „Selbstwehr“ veröffentlicht war, nichts wesentlich Neues. Die „Tatsache, . . . daß die zionistische Bewegung nicht imstande ist, ein immer häufigeres Vorkommen von Mischehen selbst bei den Bekennern zu verhindern“ oder anders ausgedrückt, daß „die jüdische Ehe . . . auch bei nationalbewußten Juden immer mehr an Boden verliert“, hat man seit jeher gekannt. Auch daß diese Tatsache „mehr als für andere jüdische Schichten für die Intelligenzler, die ja gerade richtunggebend fürs Volk sein sollten, gilt“ — war niemandem verborgen. Ja noch mehr, man kannte auch die Ideologie dieser nationaljüdischen Mischehen sehr gut, man bekam es ja oft genug von den Betreffenden zu hören, daß „die Zahl der jüdischen Mädchen, die ernste Juden mit Selbstachtung zur Ehe begehren können, so gering ist, daß viele unter ihnen nicht auch noch eine Frau unter dieser Zahl finden können, die ihrem Bildungsgrad, ihrer Individualität oder gar noch ihrer sozialen Stellung entspricht“. Wobei auch mancher gnädig und begütigend hinzufügen mochte, daß er „durchaus nicht so pessimistisch“ sei, „zu glauben, daß jedes jüdische Mädchen in seiner Weiblichkeit unter jedem nichtjüdischen Mädchen , steht“. Alles dies ist, wie gesagt, nicht neu. Neu ist nur das unumwundene öffentliche Bekenntnis nicht nur zu den entsprechenden Tatsachen, sondern auch zu der Erklärung, die für sie gegeben wird. Neu ist, daß die bisher nur ganz privatim, — übrigens ebenso von solchen, die Mischehen schließen, als von solchen, die sie meiden — geäußerte Theorie von der Inferiorität des jüdischen Weibes nunmehr ex cathedra verkündigt wird. Neu ist der o f f izielle Ausruf: „Wir müssen es so trotz der ungeheuren Schäden, die es für unser Volkstum mit sich bringt, freudig begrüßen, daß unter unseren jungen Juden manche ein Weib als Krönung ihrer Lebensarbeit sich außerhalb ihres Volkes zu erringen suchen, wenn sie es innerhalb desselben nicht finden können“. Neu ist die Problemaufrol-