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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-06-20 · 25 (20.6.1913) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 450 srr. L5 Dk. Bloch» Wochenschrift Arktifrmitischr „Geschenke". Was ein echter Antisemit ist, erachtet es als Beleidigung, wenn nicht gar als Frechheit, falls ihm zugemutet wird, einem armen, notleidenden Juden einige Heller zu schenken. Das Wiener Stadtregime übt diese mitleidslose Unbarmherzigkeit selbst gegen Waisenkinder, wenn sie jüdischer Abstammung sind. Dennoch gibt es Momente, wo die internationalen Antisemiten den Juden gerne ein Geschenk machen, und sie, die Juden, sind jindHsen so undankbar, die antisemitischen Geschenke mit allem Nachdruck und aller Entschiedenheit zurückzuweisen. Es kommt nämlich häufig vor, daß rassenechte Arier, parteitreue Antisemiten als abgefeimte Spitzbuben vor Gericht entlarvt werden. In solcher peinlicher Situation ist die antisemitische Parteipresse rasch bei der Hand, um dem Judentum — ein Geschenk zu machen. Sie verschenken nämlich ihren eigenen Parteigenossen, erMren ihn für einen „Juden" oder wenigstens für einen „Judenstämmling." Das war seit je die spitzbübische Methode der antisemitischen Preßmrute und Hetzagitatoren aller Länder. Der Antisemitismus bleibt darin alten Vorbildern treu. In den Prozeßakten vergangener Jahrhunderte ist der schaudernde Fall historisch festgelegt, daß ein Judenfeind sein eigenes Kind grausam verstümmelt, in einen Sack gebunden und in die Nähe von Judenhäusern geschmuggelt hat, um nach dem voraussichtlichen Tode seines Kindes gegen die Juden als Kläger aufzutreten. Das Kind, ein Mädchen von drei Iahten, wurde, als man über Intervention des Vaters, der gegen die Juden die Anzeige erstattete, bei den Gerichten den Sack öffnete, noch lebend aufgefunden und hat mit schwacher Stimme angegeben, daß es „vom eigenen Vater..mit Messerstichen unterhalb des linken Auges und an den Füßen verwundet worden war". (Gerichtsbücher des Schlosses Kremenetz sKrzemiemiecs 1753.) Ein Attentat solcherart war es, als der Versuch unternommen wurde, den Obersten Redl dem Judentum zuzuweisen, gleichsam seine Leiche in h,ie Judenhäuser einzuschmuggeln. Indessen das Judentum ist in der Lage, dieses Attentat abzuw eisen und durch, Dokumente zu erbringen, daß die Antisemiten auch diesmal eigen Fleisch, und Blut verraten und mißhandeln. Oberst Alfred Redl war rassenreiner arischer Abstammung, ohne einen Tropfen semitischen Blutes in den Adern: sein Vater, Franz Redl, BahNeXpedient, römisch-katholischer Religion, geboren 1820 zu Wien, war nach, Wien zuständig, Während zu jener Zeit es überhaupt keine nach, Wien zuständigen Juden gegeben hat. Die Mutter des Obersten Alfred Redl hieß Mathilde, geb. Chitil, römisch-katholischer Relfgion und stammte aus der Stadt Sternberg bei OlMütz in Mähren. Alfred Redl war ein eifriger Antisemit und unterhielt intime Beziehungen zur antisemitischen Presse: er war ein Gegner jüdischer Offiziere, und seine jüdischen Untergebenen hatten es bei ihm sehr schwer. Man kann kühn behaupten, daß jüdische Offiziere noch nie zu Verrätern geworden sind. Die Zahl der Offiziere, welche in d.en letzten Iahten, sowohl in Rußland als in Oesterreich,, wegen Spionage und Landesverrat angeklagt und verurteilt wurden oder Selbstmord begingen, ergibt bereits eine sehr hohe Ziffer. Allein nicht ein einziger Jude findet sich darunter. Als der Dreyfus-Skandal in Paris sich abspielte, war in Italien ein Jude Oberkommandant der Armee, welcher später auch Kriegsminister geworden. Als Militärattache der italienischen Botschaft in Paris füngierte ein Offizier Ernestv Rossi. Bei einer Unterhaltung über die Affäre Dreyfus bemerkte der italienische Militärattache: „So weit meine Erfahrung reicht, gibt es unter den jüdischen Offizieren keine Verräter. Im Vertrauen kann ich das Geheimnis verraten, daß jene, welchje die Aufgabe übernehmen, militärische Geheimnisse fremder Armeen zu erforschen, sich vor der Begegnung mit jüdischen Offizieren hüten und jedes Gespräch mit ihnen als eine Gefahr für die eigene Sicherheit vermeiden. Juden sind besonders stolz auf den Rang und auf das Vertrauen, welches sie unter schwierigen Verhältnissen erworben, und sie ergreifen gerne bei Annäherung eines Versuchers die Gelegenheit, die eigene Regierung zu benachrichtigen, daß man von feindlicher Seite auf der Suche sei nach militärischen Geheimnissen." Daher kommt es, daß unter den wegen Verrat angeklagten und verurteilten Offizieren noch, nie ein Jude sich, befunden hat. Oberst Alfred Redl selber hätte die Zumutung, jüdischer Abstammung zu sein, als einen größeren Schimpf erachtet, denn als Verräter gebrandmarkt zu werden, seine Ehrbegriffe und seine Weltanschauung hatte er aus seinem antisemitischen Milieu. Während seines Lebens und Wirkens ist er gegen Juden nach den Prinzipien und Geboten der antisemitischen Parteidoktrin vorgegangen, und die Parteipresse darf nicht so undankbar sein, ihn schnöde zu verleugnen. Gegen den Versuch gar, ihn nachträglich an das Judentum „zu verschenken", müssen wir uns entschieden bedanken. Er hängt an Euren Rockschößen. „Der Ldrv dar". Zu dem „Weithofener Beschluß" send jt uns ein gelegentlicher Mitarbeiter einige völkerpsychologische Ausführungen: Beim Vorbeimarschieren eines bosnisch-herzegowinischen Regiments überrascht einen die große Anzahl blonder Köpfe, die — und das ist das auffälligste Moment — zumeist dem mohammedanischen Bekenntnisse angehören. "Woher kommen nun — so fragt man sich billig — die blonden Moslemin? Es sind dies die Nachkommen jener Viertelmillion christlicher Familien, die nach der blutigen Schlacht auf dem Amselfelde unter türkische Oberhoheit geraten sind und es vorzogen, zum Islam überzutreten, anstatt als getreue Christen den schweren Druck ihrer Unterjocher zu tragen. Dagegen haben die spanischen Juden lieber den Verbrennungstod auf dem Scheiterhaufen der Autodafes oder die selbstgewählte Verbannung getragen, bevor sie den Glauben ihrer Väter abgeschworen und in den Schoß der Alleinseligmachenden eingetreten wären. Die Juden haben für ihre Ueberzeugung Gut und Leben geopfert, bestiegen willig den flammenden Holzstoß, um nicht die Ehrlosigkeit zu begehen, einen falschen Eidschwur vor dem Priester eines christlichen Altares zu leisten. Deswegen sind die Angehörigen dieser Rasse „der Ehre bar". Die „Abendländische Zivilisation“ hat auf sie noch nicht gehörig eingewirkt. Nun habe ich vor mehreren Jahren mit verschiedenen Offizieren der bosnisch-herzegowinischen Regimenter über die Charaktereigentümlichkeiten ihrer Soldaten gesprochen, und es war eine ganz merkwürdige Erscheinung, daß alle Offiziere ohne Ausnahme, ja gerade so, als wenn sie sich früher untereinander besprochen hätten, mir folgende drastische Auskunft gaben: Der katholische Kroate ist ein Gesinnungslump erster Güte; der orthodoxe Serbe ist eine charakterlose Individualität, die um eines Kreuzers willen hundert falsche Eide schwört. Der mohammedanische Soldat ist dagegen ein exemplarischer Ehrenmann. Zu welchen zwingenden Schlüssen gelangt also ein logisch denkender Mensch? Wie hat also in den letzten fünf Jahrhunderten das Christentum einerseits und anderseits der Islam auf das Gemüt und den Charakter der Balkanbewohner ge-

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