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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-06-20 · 25 (20.6.1913) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Br. 25 Dr. Bloch’s Jahrgang m ♦ Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums« Wien, 20. Juni 1918 : Brscbcint jeden Freitag, i Brief-Adresse: Wien» Wji, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch^S Wochenschrift, Wie«. 0 6" ' -= -=0C p Vrrugsprrk» Air Vsflerreiüj: Halbjährig 8 Kronen: Stnzelexevwlare 50 Heller. Für s Ansland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 26 Kronen. Anzeigen: Die nal gespal» O lens Pettrzeile -ia Heller. C o O ■ - . ■ "-0 ( 9.o~~ ■■•oo? Ä. h. Volilparkaffenamt Slearlng-Ver k ebr Vir. §10.976. Redaktion und Administration. <. Dien N/1, Praterstraße 9 ») Telefon 14847 <1 Q O _ ■ ■: " - Oo Inhalt: Leitartikel: Austreibung der Juden aus Saloniki. — Antisemitische „Geschenke". „Der Ehre bar". — Das Frauenstimmrecht und die jüdische Frau. — Die Mädchenkonfirmation am Wochenfeste. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Der deutsche Schulverein berücksichrigt nur den Taufschein. Jacob H. Schiff über die Zukunft der Galveston-Emigration und den Zionismus. Bürgermerster Gaynor und die Mischnah. Wie die bucharischen Juden um ihr Wohnrecht kamen. Zählen und Rechnen in der Thora. — Die Juden und der deutsche Metallhandel. — Zionismus und Mischehe. — Korrespondenzen: Der Zentralverein der Jüdisch- Territorialistifchen Organisation „Jto" zu Wien. Antisemitische Hetzereien anläßlich der galizischen Landtagswahlen. 80jäbriger Geburtstag von Ludwig Möser, Vorsteher der israelitischen Knltusgemeinde in Karlsbad. Prag. Einer, der sich seines antisemitischen Vaters schämt. Karlsbad. Eine Beratung bei Venizelos. Seltsame Vorgänge in Palästina. Wiedereinreibung eines alten jüdischen Friedhofes. Die jüdischen Arbeiter außerhalb des Ansiedlungsrryons. Nathan Strauß schwer erkrankt. Lehrer- und Schülerstreck in einer Talmnd- Thora. Gemeinnützige Gesellschaft zur Errichtung jüdischer Arbeiterwohnungen in Paris. Ein Zwischenfall auf der Petersburger Automobil-Ausstellung. Zwischen zwei Feuern. Die jüdischen Dumadeputierten und das russische Budget. — Vermischtes. — Feuilleton: Der jüdische Witz. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Austreibung der Inden ans Saloniki. Was man nach der Besetzung Salonikis durch die Griechen befürchten durfte, hat nun tatsächlich seinen Anfang genommen. Die griechischen Behörden haben mit der Ausweisung von Juden begonnen, welche während des Krieges und der Anruhen in die Umgebung der <otadt geflüchtet waren und jetzt zurückkommen. Welche unerhörte Barbarei! Ohne daß die Juden das Mindeste verschuldet hätten — denn die Flucht von Familien vor Granaten und Bajonetten wird doch niemand als Vergehen bezeichnen wollen — werden sie zu Hunderten um ihre Existenz und ihren Wohnort gebracht, wie die antisemitische Presse der ganzen Welt triumphierend verkündet. Europa schweigt und duldet das trotz seiner diplomatischen Vormundschaft über die Balkanstaaten, schweigt und duldet ein Vorgehen, das ihre Kriegsschiffe und Marinetruppen in Bewegung setzen würde, wenn es in China gegen getaufte Kulis geübt würde. Die sogenannten Kulturstaaten werden so zu Mitschuldigen einer unerhörten Schändlichkeit, welche von historischen Komödianten begangen wird. Während seiner Freiheitskümpfe hat Griechenland immer an die Mithilfe Europas appelliert, weil es der Erbe des alten Hellas und der Hort der von der Antike geschaffenen Lebensschönheit sei. Nun wird die Probe auf das Exempel abgelegt und der Anfang ist erbärmlich genug ausgefallen. Saloniki ist eine Stadt, in welcher bisher 70.000 Indem, die weitaus überwiegende Majorität der Bevölkerung, bei harter Arbeit, aber in voller Freiheit ihr Leben gefristet haben. Das „türkische Joch", das den erlogenen Vorwand zum Balkankrieg gegeben hat, lastete auf ihnen ebenso wenig wie auf den Christen. Sie selbst aber haben nicht den mindesten Anlaß zum Tadel gegeben. Es ist in der ganzen Welt bekannt, daß die jüdischen Handwerker, Hafenarbeiter, Lastträger Salonikis die fleißigsten und besten sind und daß die jüdischen Handelsleute die kaufmännische Ehre in'vorbildlicher Art betätigen. Gerade das aber hat ihnen den Haß der Griechen zugezogen. Denn dieses arbeitsscheue Volk kann es nicht verwinden, daß der fleißige Jude ein geordnetes Leben führt. Die griechischen Handelsleute find im Orient gefürchtet und verabscheut als skrupellose Betrüger und sie neiden den sephardischen Konkurrenten deren berechtigtes Ansehen und den großen Erfolg. Man hat gewußt, daß diese Feindseligkeit zum Ausbruch kommen wird, wenn Saloniki in den Händen der Griedien bleibt, und findet es nun bestätigt. Gleich bei der Besetzung hat es Ausschreitungen der plündernden Soldaten gegeben, die einem Pogrom sehr ähnlich waren und bei welchen mehr als vierzig unbewaffnete und friedliche jüdische Bürger in feiger und tückischer Weise gemeuchelt wurden. Jetzt sieht man die Wirkungen des Hasses auf wirtschaftlichem Gebiete, die furchtbare Fortsetzungen erwarten lassen. Jetzt schon kann man sagen, daß die Griechen alles daransetzen werden, um die blühende Judenstadt Saloniki zu vernichten und die Früchte Jahrhunderte alter Arbeit zu zerstören. Jüdische Korporationen und die Vertreter Salonikis haben gleich zu Beginn der Kampagne den Schutz der Großmächte angerufen, aber bisher ohne Erfolg. Die Gefahr wächst mit jedem Tage, daß eine Stätte des Friedens und der Arbeit der Verfolgung und Verwüstung anheimfüllt. Vielleicht ist es aber doch noch nicht zu spät, diesem furchtbaren Schicksal vorzubeugen und die Bevölkerung Salonikis vor dem Aeußersten zu schützen, welche durch ihren Fleiß und ihre Bildung die größte Achtung und Beachtung verdient und nichts verschuldet hat. Es ist zwar nicht zu erwarten, daß eine energische Intervention erfolgt, welche sich auf die Waffen stützt. Aber die Pariser Finanzkommissron der Mächte, von der die wirtschaftliche Erholung der Balkanstaaten abhängt, hat noch nicht gesprochen. Oesterreich und England haben ebenso wie Bulgarien in Saloniki Interessen, welche durchaus nicht mit den griechischen zusammenfallen. Diese politischen Umstünde können ausgenützt werden, aber das muß bald und mit der ganzen Kraft der vereinigten großen jüdischen Korporationen geschehen. Wenn einmal die Zustände endgiltig sind, kann nichts mehr geändert werden. Aber der letzte Augenblick der Möglichkeit muß noch verwendet werden, um die blühende Judengemeinde Salonikis vor einem barbarischen Untergang zu bewahren.

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