Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 24 (13.6.1913)
- Date
- 1913-06-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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BÜB Dr. Blochs Wochenschrift 24 Und es begann dein Abstieg. In deiner Weltsremdheit zerbrach dir auf der steinigen Straße Stab und Sette 442 stets ein warmer Freund, der mich, den Jüngeren, förderte, und als ich fein Amtsnachfolger wurde, mit Freude dies begrüßte. Ja, er war mir noch mehr. Er war mir wie ein älterer Bruder. Marienbad, im Juni 1913. JUDr. Josef Steiner. PoLega Zur Einweihung der neuerbauten evangelischen Kirche ist am 7. d. M. Magnatenhausmitglied Bischof Ferencz Gyuratz hier eingetroffen. Auch unser Rabbiner. Herr Dr. M. Margel, samt der Repräsentanz der israelitischen Kultusgemeinde wurden zur Teilnahme des festlichen Empfanges eingeladen. Auf die Begrüßungsworte, die Rabbiner Dr. M. Margel an den Bischof richtete, erwiderte dieser folgendes: „Ich danke Ihnen, hochwürdiger Herr, herzlichst für die warmm, überzeugenden Worte. Sie haben recht, wir allesamt sind Kinder eines himmlischen Vaters. Jo, wir alle sind es, wirwerdenesimmerbleiben in gemeinsamer Betätigung für Menschen- und Friedensliebe. Israel ist schon in alten Zeiten ein großes Volk gewesen. Israel hat die größten Propheten, die herrlichen Psalmen, das berühmte Buch Hiob der Menschheit geschenkt. Israel ist ein großes Volk durch seineTeilnahmeanallemSchönenundGuten/ Der greise Oberhirt setzte dann in einem klassischen Hebräisch fort. Auch beim Bankett dankte der Bischof dem Rabbiner für den gesprochenen Toast in einem vollendeten Hebräisch. Gegen Abend stattete der Bischof dem Rabbiner Dr. M. M a r g e l einen längeren Besuch ab. Skotschau. Herr Dr. Leopold Fischer vom Rabbiner-Seminar zu Berlin wurde zum Rabbiner der isr. Kultusgemeinde zu Skotschau (Oesterr.-Schles.) gewählt. Cssek. Der langjährige Kultusvorsteher der Kultusgeweinde, Herr Advokat D r. H u o o S p i tze r, Ritter des Franz- Josefs-Ordens und des silbernen Verdienstkreuzes mit der Krone, Mitglied der Landesgcsetz-Kodifikations'Kommission rc. rc. hat sich mit Fräulein Martha Jakobi, einer Tochter des Agramer Oberrabbiners Ehrwürden Herrn D r. H o s e a Jakobi verlobt. Die bevorstehende Verbindung beider im ganzen Laude hochgeschätzten Familien hat überall freudige Ueberraschung hervorgerufen. Feuilleton. A«s dem Feuer gerettet.*) Von Dr. Wilhelm Münz Einem stillen, heißen Sommertage glich dein Leben, du guter Schammes (Küster, Kultusbeamter an der Synagoge) von Renzburg! Dämmernd ging der Morgen dir auf und schien mit mattem Zwielicht durchs die kleinen Fensterscheiben in dein Vaterhaus. Er fand dich — nicht auf Rosen gebettet. Früh mußtest du das enge Nest verlassen und dich aus eigene Füße stellen. Unverdrossen stiegest du bei immer heißer werdender Sonne den Berg hinan; über Geröll und dürftiges Heideland führte dich dein Weg. Ms du tief aufatmend auf der Höhe standest — der Mittag war längst überschritten — und die andern wie die Jahrmarktleute auf hochbeladenen Wagen vorüberzogen, haltest hu nichts in den Händen — nichts als deinen Stecken! Aber ein demütiges, kindlich frommes Herz und ein treues, neidloses Auge haltest du dir gewahrt, und du sprachest: „Gelobt sei der Herr für* 1 jeden Tag." *) Aus dem Buche: „Einsames Land." Erzählungen und Stimmungsbilder von Dr. Wilhelm Münz. 2. verm. Auflage. Verlag I. Kauffmann. Frankfurt a. M. Dieses vorzügliche, stimmungsvolle Büch kann bestens empfohlen werden. Stütze des Brotes, und du irrtest ratlos umher. Da wurde dir der Dienst an der Synagoge übertragen, in deren Burgfrieden du dich gesichert fühltest. — In Träumen und Sinnen und in stillen Gebeten, umhäucht von der Wehmut der verrinnenden Jahre, gingest du durch den Nachmittag deines Lebens. Und nun ist es Abend geworden, und die schieidende Sonne umspielt mit ihren rötlichen Strahlen dein ruhsames, friedliches Alter. Dir war ein liebliches Los zuteil. Wie lief doch durch dein Leben eine Kette von Freuden, und wie haben diese Freuden dein kleines, unbeachtetes Amt verschönt und gehoben! Und jede Woche hat Mnen neuen Ring au diese schimmernde Kette gefügt. Mit welchem Hochgefühl zündetest du am Freitag nachmittag in der Synagoge die Lichter an, zu Ehren des Sabbats. Mit welcher Andacht gossest du das Oel in die ewige Lampe; nicht anders, als ob du das Feuer der Sonne entfachtest. Und wenn dgnn in den Kronleuchtern die Kerzen so stillfeierlich und weihevoll brannten und das Gotteshaus in hellem Glanze erstrahlte, wie, entglommen da auch in deiner Seele wunderbare Lichter: Sabbatruhe und Sabbatsriede zog in dein Herz ein. Und welchen Zauber hat dieser geweihte Tag dir in dein Haus getragen! Da haben die engen Räume; deiner Wohnung zu einem Königspalast sich geweitet. Dein schlichter Tisch wurde eine 'Fürstentafel, besetzt mit den auserlesensten Gerichten, gleiche dem Festmahle iv;s Königs Salomo in seinen glorreichsten Zeiten. Du aber throntest im Kreise der Deinigen mit tiefem Behagen an dem Weißgedeckten Tische und aßest deinen Fisch — bisweilen war es nur ein Hering — und trankest ein; Schnäpschen dazu. „Eine köstliche Würze gibt es, und die heißt Sabbath," sprachest du und trankest noch eins. Und wenn du an den Fasttagen! des Hochsommers im Schatten deines Häuschens saßest, und über d ir flüsterte der alte Lindenbaum, als wäre er gleiche dir von Hunger und Schläfrigkeit umsponnen: wie glücklich! warst du da, wenn ein frischer Lufthauch auffuhr und dein graues Haupt umfächelte! „Die Annehmlichkeit erquickender Kühle kann man nur an den längen Sommersasten ermessen," dachtest du und blicktest mit dankbarem Auge zu den ziehenden Wolken empor. An einem solchen Fasttage war es auch, da du die Großtat deines Lebens vollbracht hast! Doch du willst es selbst erzählen! So höret denn, Freunde, der würdige Schammes von Renzburg spricht: Es war vor srebenunddreißig Jahren — ich hatte eben mein Amt an der Synagoge übernommen: ach, wie sind mir doch meine Tage wie im Traume entflohen! — also es war vor siebenund dreißig Jahren, am frühen Nachmittag des siebzehnten Tammus, als ich. in meinem Zimmer faß und über meinem Erbauungsbuche Menoraih ha-Mao r eingenickt war. Es war ein schwüler Tag. Die heiße Iulisonne schien in die Stadt, durch die Straßen wehte der warme Sommerwind, und so war ich. denn vom Fasten müde. Da kam es mir im Halbschlummer vor, als ob ich die Feuerglocke läuten hörte. „Rahel", sprach ich . aufschreckend zu meiner Frau, „läutet nicht dir Feuerglocke? ... ." „Gott behüte uns vor allem Bösen!" versetzte bestürzt die Fromme, Gute — mit ihr der ewige Friede! — Als ich aber zum Fenster hinausblickte, sah ich., wie aus des Nachbars Scheune eine turmhohe Flamme zum