Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 24 (13.6.1913)
- Date
- 1913-06-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 24 Dr. Bkochs Wochenschrift. Sette 439 hat. die antisemitische Mär. als fürchte der Jude das Pulver, glänzend zuschanden gemacht. Im Beisein des Korpstommandanten von Böhmen, zahlreicher Offiziere, Landesschulinspektoren, Direktoren und Professoren haben zwei jüdische Studenten, die Septimaner Karp les und Katz, die ersten Preise beim Preisschießen der deutschen Mittelschüler in Prag errungen, indem sie von 275 überhaupt erreichbaren Einheiten 260 bezw. 255 Punkte erzielten. Am Freitag wurde Fräulein Felicie Ploo auf dem Prager Judenfriedhofe zu Grabe getragen, die in geradezu ärmlichen Verhältnissen gelebt hat und im israelitischen Krankenhause gestorben ist. Die Eröffnung des Testamentes ergab eine Ueberrafchung. Das alte Fräulein .hatte gedarbt, um das Andenken an ihren vor zehn Jahren verstorbenen Bruder, den k. k. Oberfinanzrat Dr. Benedikt Ploo, dauernd zu ehren. Sie hinterlieh für eine seinen Namen tragende Stiftung für israelitische Rechtshörer in Prag den Betrag, von dreißigtausend Kronen. Ehre ihrem Andenken! I.6Ä8t not least sei noch der munifizenten Widmung gedacht, mit welcher der um das Prager Judentum hochverdiente Herr Robert Fuchs Edler von Robetin das Kunstgewerbemuseum der Prager Handels- und Gewerbekammer überrascht hat. In hochherziger Weise hat Herr von Fuchs einen zwischen der Pinkassynagoge und dem Kunstgewerbemuseum gelegenen Baugrund von der Stadt Prag für 200.000 Kronen erworben und dem genannten Museum für Ausstellungszwecke unter freiein Himmel geschenkt. Nebenbei sei erwähnt, dah der hochherzige Gönner mit dieser Schenkung auch die Erhaltung der Pinkassynagoge wesentlich gefördert hat, die durch einen späteren höchstens einstöckigen Zubau des Museums nicht erdrückt wird, wie dies durch ein mehrstöckiges Zinshaus 'geschehen würde. So schafft eine gute Tat die andere, und Herr Robert Edler von Fuchs wird durch seine der Allgemeinheit zugute kommende Widmung nicht pur in der Geschichte des Prager Kunstgewerbemuseums, sondern auch der altehrwürdigen Pinkassynagoge und der Prager Kultusgemeinde, zu deren besten Männern er gehört, für immerwährende Zeiten ein dankbares Gedenken haben. W. Klein. Der neue galizifche Statthalter. Unter den Deputationen, welche zur Begrüßung des neuen Statthalters von Galizien, Dr. v. Korytowski. erschienen waren, befand sich auch eine Abordnung der Lemberger israelitischen Kultusgemeinde. Auf die Begrüßungsansprache des Kultuspräsidenten Dr. Simon Schaff erwiderte der Statthalter, daß er in allen seinen bisherigen öffentlich>en Stellungen sich stets von absoluter Unparteilichkeit habe leiten lassen und niemals einen konfessionellen Unterschied kannte. Aus diesem Grunde habe er die Juden stets mit demselben Wohlwollen behandelt, wie alle übrigen Mitbürger. Von diesem Prinzipe wolle er sich auch in seiner neuen Vertrauensstellung leiten lassen. AntifenMscher JesuitiÄmus. Wie uns aus Lemberg berichtet wird, hat der Landesschulrat für Galizien dieser Tage eine Petition erhalten, welche die Unterschrift von 3000 christlichen Frauen trägt und die jesuitische Forderung enthält, daß in den Dorfschulen keine jüdischen Lehrer oder Lehrerinnen mehr ernannt werden mögen. Unter den Unterschriften befinden sich auch solche von Damen der polnischen Aristokratie, wie z. B. der Fürstin Ezartoryska, der Gräfin Badem etc. Wer die Verhältnisse in Galizien kennt, weiß, daß zu einer solchen Demonstration durchaus kein Anlaß vorliegt, da es in den Dörfern kaum ein halbes Dutzend jüdischer Volksschullehrer und Lehrerinnen gibt und daß die Juden auch auf diese wenigen Stellen in den Dörfern gerne verzichten würden, wenn sie wenigstens in den Städten in entsprechender Zahl zu Lehrstellen gelangen könnten. Opfer der moskakophtken Hetze in Galizien. Aus Burstyn wird gemeldet: Die ununterbrochene Agitation der moskalophilen Führer gegen die Juden hat in unserer Stadt bereits zu blutigen Exzessen geführt. Aus einem nichtigen Grunde geriet ein hiesiger Jude mit einem Bauer in Streit, der für die ausgehetzten Bauern den willkommenen Anlaß bot, sich mit verschiedenen Gegenständen bewaffnet auf die Juden der Stadt zu stürzen. Die meisten Juden flüchteten in ihre Wohnungen, während eine Gruppe von Juden sich zur Wehr setzte und die Angriffe der Bauern zurückschlug. Bei diesen Zusammenstößen wurden 12 Personen erheblich verletzt, 16 Personen wurden von der Gendarmerie verhaftet. Da neuerliche Ausschreitungen befürchtet werden, wurde die Gendarmerie verstärkt. Repatriierung der ottomanisch jüdischen SoltWen. Wie aus Saloniki berichtet wird, reklamiert die ottomanische Regierung alle jüdischen Soldaten, welche die Verbündeten zu Gefangenen gemacht haben, für sich und hat den Grand Rabbin von Saloniki im Wege der dortigen „Islamitischen Kommission" wissen lassen^, daß sie bereit sei, diese in Saloniki befindlichen jüdischen Gefangenen, welche als treue Ottomanen für ihr Vaterland gekämpft haben und als solche in Gefangenschaft geraten sind, auf Kosten der türkischen Regierung in ihre Heimat zurückzubefördern. Der erste größere Transport ist bereits eingeschifft worden und das Rabbinat von Saloniki hat bereits von den griechischen Behörden die Bewilligung erhalten, in allen Fällen, wo es sich um ottomanisch-jüdische Soldaten handelt, wegen deren Repatriierung mit der „Islamitischen Kommission" in Verbindung zu treten. Jüdische Finanzinspektoren in dar Türkei. Die türkische Regierung beschloß, für die enatolischen Provinzen Finanzinspektoren mit weitgehenden Vollmachten zu ernennen, denen die Aufgabe zufällt, die beabsichtigten Reformen in der Verwaltung dieser Provinzen in die Wege zu leiten. Die erste Liste der neun Finanzinspektoren weist drei jüdische Namen auf, und zwar wurde Zia Bey Matalon zum Generalinspektor in Bassorah, Ferrid Bey Asseo zum Inspektor der Vilajets Van und Bitlis in Armenien ernannt, während Zeki Bey Hayon, der bereits den Posten eines Generalinspekrors bekleidet, unter Belastung in dieser Stelle mit der Reorganisation und Direktion des Verwaltungsapparates im Post- und Telegraphen-Ministerium betraut wurde. Vermischtes. Kranzablöfuugsspenden zugunsten der ChewraKadischa in Wien I.. Seiteustetteugasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen Anläßlich des Ablebens der fel. Charlotte Löw-Beer: Ella und Sigmund Koller Kr. 10.—, Robert Fröhlich 20.—. Zusammen Kr. 30.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Nanette Weiß: Familie Glesinger Kr. 10.—, Familie Weinfeld 5.—. Zusammen Kr. 15.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Camilla Friedländer: Rudolf und Jenny Forst 20 Kronen. Bitte an edle Menschenfreunde Br eine Schwerkranle. Eine seit zwei Jahren in Spitalpflege befindliche, sehr arme Frau, die hier gänzlich fremd ist, könnte nach Aussage des behandelnden Professors nur gerettet wer-