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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-06-13 · 24 (13.6.1913) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
24 (13.6.1913)
Date
1913-06-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 438 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 24 bedauerte es lebhaft, nicht Gelegenheit gehabt zu haben, ein schwieriges Meisterwerk von ihm vorgetragen zu hören. Die Einnamen des Konzertes beliefen sich auf nahezu 1000 Kr., doch sind die Spesen eines Konzertes in Karlsbad ziemlich hoch, und trotzdem den Vortragenden ein Honorar nicht zu entrichten war, dürften sich dieselben immerhin auf 600 Kr. belaufen. Mit besonderem Vergnügen sei an dieser Stelle die Tatsache zu konstatieren, daß sich eine Reihe von jüdischen Bewohnern Karlsbads nunmehr etwas mehr an Wohltätigkeitsakten betätigen, und es wäre recht eftreulich, wenn dieser Geist auch in jüngeren Kreisen, zu denen viele wohlhabende israelitische Bewohner gehören, sich weiter entwickeln würde. Als Ehrenpräsident des Vereines fungiert unser Kultusvorsteher, Fabrikant Herr Ludwig Moser, dessen Name für alle Zeiten einen Ehrenplatz in der israelitischen Kultusgemeinde Karlsbads einnehmen wird. Vizepräsident ist Herr Rabbiner Ph. Dr. Ziegler, Obmann Herr Fabrikant Oskar Gutherz, Mitinhaber der Porzellanfabrik Oskar und Edgar Eutherz in Altrohlau, Schriftführer Herr Dr. Hahn, welcher auch als Obmann des Karlsbader Deutschen Turnvereines fungiert. Ferner gehören dem Vorstande an: Herr Viktor Maier, Inhaber der Porzellanfabrik Fischer u. Mieg in Pirkenhammer. Herrn Viktor Maier, dessen Gattin aus der bekannten Fabriksfirma Beran aus Brünn stammt, würde man gern mehr in dem Vordergrund der Karlsbader israelitischen Gemeinde sehen und im öffentlichen Leben, wozu ihm seine persönlichen Eigenschaften und seine kaufmännische Stellung auch vollkommen eignen. Ferner gehören dem Ausschüsse an: Herr JUDr. Samel, langjähriger Obmann des Wohlfahrtsvereines Eintracht, Herr Adolf Grünbaum, Kassier des Vereines, der sich durch seine philanthropischen Bestrebungen einen ehrenhaften Namen in der Gemeinde erworben hat, ebenso wie Herr Gustav Löbl, der langjährige Kassier und Mitglied des Deutschen Turnvereines, eine ehrenwerte Stellung in der Gemeinde einnimmt; ebenso die Herren Dr. Samifch, Rudolf Mosauer, und der verdiente Eeschästsleiter des Vereines, Herr Ludwig Zentner, langjähriges Mitglied des Kultusvorstandes und der auch nach vielen anderen Richtungen hin im Interesse der Gemeinde wirkt. Als Präsidentin der Damensektion fungieren die Frau Sidonie Schwalb, Frau Dr. Fleischner, Frau Direktor Rosenthal, Frau Dr. Hermann, Frau Julie Fischer, Frau Jenny Eutherz und Frau Paula Klein. Warnung vor den „Karawanen" zigeunernder, angeblich russischer Juden. Aus Notizen jüdischer Wochenblätter ist Zu ersehen, daß schon wieder, wie seit Jahren in jedem Frühjahr, in der Bukowina Karawanen bettelnder Juden sich auf den Weg gemacht haben, die mit Frauen und Kindern nach Zigeunerart in Wagen besonders durchs die kleineren Städte Oesterreichs und Ungarns reisen und sich als russische Emigranten namentlich aus Kiew ausgeben. Die jüdischen Gemeinden und Vereine werden vor diesem Unfug und Schwindel gewarnt, und es wird ein für allemal bekannt gegeben, dass bei der bestehenden Hilfsorganisation der „Israelitischen Allianz" mit ihren Filialen und Schutzkomitees in Czernowitz, Brody, Krakau und andern Grenzorten es vollkommen ausgeschlossen ist, daß wirklich durch Verfolgungen zur Auswanderung gezwungene russische Juden von Ort zu Ort wandern müssen, um nach Wien zu gelangen. Es ist dafür gesorgt, daß die wirklich Verfolgten und der Hilfe Bedürftigen schon durch die in Rußland selbst eingesetzten Komitees die nötige Unterstützung finden, an der österreichischen Grenze von den Vertretungen der „Allianz" übernommen und mit der Bahn direkt an ihr Ziel geschickt werden. Speziell in Kiew, wo eine der reichsten und wohltätigsten jüdischen Gemeinden Rußlands und außerdem ein mit der „Allianz" in Wien korrespondierendes, leistungsfähiges Hilfskomitee für Auswanderer besteht, ist es noch niemals vorgekommen, daß jüdische Emigranten gezwungen worden wären, die Stadt wie bettelnde Zigeuner zu verlassen. Die Karawanen bestehen nach den bereits sehr oft gemachten genauen Feststellungen aus Wanderbettlern. Welche in Sadagora und verschiedenen galizischen Orten Wagen und Pferde mieten oder kaufen, um mit ihren Familien regelrechte Schnorr-Reisen zu unternehmen. Das Bureau der „Israelitischen Allianz" (Wien, II., Untere Donaustraße 33) ist bereit, jedesmal gegen Mitteilung der Personalien und Angaben der Wanderer Auskunft über die Richtigkeit derselben zu erteilen. Ein Duell. Die „Stanislauer Nachrichten" melden: Sonntag, den 1. d. M., hat der Verein „Ognisko" einen Sammeltag veranstaltet zugunsten jüdischer Ferienkinder. Gerne stellte sich die akademische Jugend in den Dienst der guten Sache und das Fest ergab ein ansehnliches Erträgnis. Aufsehen erregte ein peinlicher Zwischenfall mit einem Oberleutnant des 14. Dragonerregimentes namens Tu - r e k. Ein jüdischer Akademiker Liebesmann und Frl. Goldschlag begegneten dem genannten Oberleutnant, welcher 40 Heller spendete, worauf Fräulein G o l d - schlag dem Offizier die Schleife anheftete.l Plötzlich fragte der Oberleutnant, welchem Zwecke das gesammelte Geld diene, und als er die Antwort erhielt, daß man für arme jüdische Ferienkinder das Geld sammle, erklärte er: „Es ist eine Unverschämtheit, von Offizieren Geld für jüdische Zwecke zu verlangen." Akademiker Liebesmann griff tu die Tasche und bot dem Offizier seine Spende von 40 Heller zurück, der aber dm Rücknahme verweigerte. Herr'Liebesmann verlangte die Visitkarte und der Oberleutnant erklärte, er werde ihn arretieren lassen. Herr Lieb es mann ließ sich das nicht gefallen und sagte in kaltem Tone: „Sie sind ein Rotzbube!" — Eine Stunde später entsendete her Regimentskommändant zwei Offiziere zu dem Bürgermeister Dr. Ni min hin, um im Namen der Herren Offiziere des Regimentes das Bedauern über den Vorfall ausZusprechen und zu erklären, daß die Offiziere mit dem Benehlmen des Oberleutnants Turek sich nicht solidarisch erklären. Montag darauf hat in der Reitschule ein Duell stattgefunden, bei welchem die beiden Gegner leicht verletzt wurden. Dieser Regimentskommandant von Stanislau trat als ein tadelloser Ehrenmann auf, was öffentlich anerkannt zu werden verdient. .... Präger Brief. ■ ~r; Kaleidoskopartig bewegt sich, das Leben fort und zeigt bald freudige, bald traurige Bilder. Was sich aber in der Erscheinungen Flucht gleich bleibt, ist Israels Duldnerschicksal. Selbst wir Juden in dem so fortgeschrittenen Böhlmen sind seit Jahren in den Strudel des politischen und wirtschaftlichen Antisemitismus mitgerissen worden und Welle auf Welle treibt unser Schifflein bald nach, oben, bald nach! unten. Die Liebesaffäre des Koliner Katecheten Pater Hrachowsky ist zur Komödie geworden. Der saubere Herr, von dem der erzbischöfliche „Lech" schrieb, daß keine Behörde Anlaß gefunden habe, seinem Ansuchen um Einleitung einer Untersuchung gegen ihn Folge zu leisten, erklärte im selben Organ, gegen seine Untersuchung durch den Bezirksschulrat beim Landesschulrat protestieren zu wollen. Wie „Osveta Lide" vom 8. d. M. meldet, hat er es auch getan und als Krone des Skandals tritt die Beschuldigung des k. k. Bezirtsschulinspektors Chmelar auf, weil er die Untersuchung gegen Pater Hrachowsky erst dann eingeleitet habe, als ihn seine eigene Frau über Drängen ihrer Freundin Frau Schlapl dazu veranlaßt hätte. Und das jüdischtschechische Organ „Rozvoj" weiß in der letzten Nummer zu melden, daß der t. k. Landesschulrat für Böhmen die Anträge des Bezirksschulrates Kolin auf Versetzung Hrachowskys abgelehnt und ihn dort belassen habe. Prälat Burian und der klerikale Graf Schönborn brauchen solche.Kreaturen wie Hrachowsky für ihre Propaganda. Und so wird der verliebte Katechet, den sein Vorgesetzter, Dechant Sirta, im Bezirksschulräte eine Schmach des Standes nannte, in Kolin „weiterwirken" .... In diese traurigen Zeiten fallen, gottlob, auch einige Lichtstrahlen. Unsere Mittelschüler haben bei dem Preisschießen, welches am 7. d. M. in Prag stattgefunden

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