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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-06-13 · 24 (13.6.1913) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
24 (13.6.1913)
Date
1913-06-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 436 Dr. BLochs WoWnschM. Nr. 24 zwungenen Kampfe zu ermutigen. In der Schrift ist ferner die Ankündigung enthalten, daß demnächst eine Schule in Erytrea eröffnet werden soll, in der jüdische Falaschas in der jüdffchen Religion und in der von ihnen so sehr gewünschten hebräischen Sprache Unterricht erhalten werden. Es soll ferner die Ausgabe des. Herrn Dr. Faitlovich sein, unter den Falaschas eine Anzahl begabter junger Leute auszuwählen, die gewillt wären, sich zu Lehrern ihrer Glaubensgenossen auszubilden. : j .!! I! :! j; j I Mitte Dezember konnte Dr. Faitlovich Europa verlassen. Nach einem kurzen Aufenthält in Alexandrien, wo er ebenfalls propagandistisch mit Erfolg tätig war, begab er sich nach Jerusalem, wo in der Schule des Hilfsvereines der deutschen Juden der junge Falascha Ieremia Getis ausgebildet wurde, und holte diesen ab, damit er ihn auf seiner Reise begleitete. Die italienische Regierung zeigte auch. dieses Mal das größte Entgegenkommen und stattete Dr. Faitlovich mit ausgezeichneten Empfehlungen an die Behörde der Kolonie aus. Der Gouverneur von Erytrea erklärte sich auch bereit, den Grund u!nd Boden für die zugunsten der Falaschas zu errichtende Schule unentgeltlich zu gewähren. Ueber den Ort, an dem diel Schule errichtet werden soll, konnte zunächst noch keine Einigung erzielt werden, da Dr. Faitlovich genötigt war, nach dem Innern von Abessinien zu gehen, ehe dort die Regenzeit einbrach und ihm das Reisen unmöglich machte. Bei seiner Ankunft in A s m a r a fand Dr. Faitlovich ein Schreiben der Falaschlcis vor, in dem sie seine lange Abwesenheit aufs tiefste beklagen und ihn beschwören, so rasch wie möglich wieder in ihren Gemeinden zu erscheinen, sie aufzurichten und nicht länger zu dulden, daß sie zum Spielball der christlichen Missionäre werden. Der neue Hilferuf machte auf ihn, ganz besonders über auf fernen BchMterG et's, einen tiefen Eindruck. In einem rührenden Schreiben in hebräischer Sprache fleht der junge Abessinier den Präsidenten des Pro-Falascha-Komitoes, Dr. Mürgulies (Florenz), seinen früheren Lehrer, an, ihn und seine Landsleute nicht zu verlassen, Mitleid mit ihnen zu haben, damit sie sich, nicht verlieren vom lleberrest des jüdischen Volkes und nicht zu verlassen brauchen die Thära, welcher sie seit Jahrhunderten auch unter schweren Leiden treu anhängen. Wir haben jetzt vernommen, daß unsere Feinde, das sind die Missionare und Verführer, in gröberer Zahl darauf aus find, uns zum Glaubenswechsel zu bewegen. Die Mission hat jetzt eine neue Station in Gondar errichtet. Wir hoffen auf die Hilfe und das Mitleid unserer Glaubensgenossen, damit wir gerettet werden können vor den Feinden unserer Nation." Die beiden Vertreter des Pro-Falascha-Komitees begaben sich unter dem Eindruck dieser Schreckensnachricht sofort auf die Reise und beschleunigten sie so sehr, wie das in jenen unwegsamen Gegenden möglich ist. Am 27. März erhielt Dr. Margulies aus Dobar'ek ein Schreiben von Dr. Faitlovich, das wie folgt lautet: „Ich benutze die Anwesenheit eines Kuriers nach Adua. um Ihnen mitzuteilen, däh ich bereits vor zwei Wochen Adua verlassen habe und auf dem Wege nach Amhära bin. Auf der Reise habe ich. einige Falascha- Gemeinden in der Provinz Tigre besucht. Ich kann Ihnen die Freude, welche jene unglücklichen Glaubensgenossen über meinen Besuch empfanden, jetzt nicht schildern, da der Kurier die größte Eile hat. Letzten Sonntag verliehen wir Tigre. Um hierher zu gelangen, hätten wir drei Tagereisen durch die Wüste zu marschierenwobei wir schrecklich, viel gelitten haben. Gott sei Dank aber haben wir nun den Marsch gut überstanden. Morgen bin ich wiederum unter den Falaschas in der Gemeinde Masquelicho, wo ich den Sabbat verleben werde. Von dort aus werde ich eine Falascha-Gemeinde nach der anderen besuchen, bis ich. schließlich nach Gondar komme. Von Gondar folgt ein ausführlicher Bericht." > Hoffen wir, dah dem mutigen Missionar, den unsere besten Wünsche begleiten, das Werk an den Falaschas recht gut gelingt! Korrespondenzen. Emigranten-Fürsorge der .^Israelitischen Allianz" zu Wim. Während des Monates Mai 1913 wurden von der Zentrale der „Israelitischen Allianz" in Wien insgesamt 175 Emigranten, davon 153 russische und 22 rumänische, Weiterbefördert, und zwar 95 nach, den Vereinigten Staaten, 32 nach- Argentinien, 22 nach Kanada, 24 nach Frankreich, und 2 nach anderen Ländern. In die Heimat zmückbefördert wurden 26 Rückwanderer. >! l! Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Monate Mai für 31 Personen zusammen 100 Tage Logis und volle Verpflegung gezahlt und an 93 Emigranten insgesamt 279 Speisemarken für die israelitische Volksküche ausgegeben. Die Zahl der unterstützungsbedürftigen jüdischen Emigranten, besonders aus Ruhland, weist leider infolge der schweren Bedrückungen, welchen unsere Glaubensgenossen im russischen Reiche ausgesetzt sind, seit längerer Zeit eine regelmäßige Steigerung auf. Das Bureau der „Israelitischen Allianz" ist namentlich! an den speziell für die Emigranten-Abfertigung bestimmten Tagen (Montäg,' Mittwdch und Freitag) bön unglücklichen Familien überfüllt, die teils mit Empfehlung der russischen Komitees nach Wien gekommen sind und nach bestimmten überseeischen Zielen reisen, teils noch ohäe Plan mit ganz unzulänglichen Mitteln in fernen Landern eine Existenz suchen wollen. Bei der groben Anzahl der Hilfesuchenden und den sehr beschränkten Mitteln des Vereines (besondere Spenden zugunsten der verfolgten russischen Juden gehen leider der „Allianz" seit mehreren Jahren nicht mehr zu. seitdem an Stelle der blutigen Pogrome der stille Vernichtungskampf gegen die Juden in Ruhland getreten ist, von welchem die Oeffentlichkeit wenig erfährt), können Beiträge nur in besonderen Fällen und b's zu einer gewissen Höhe bewilligt werden. Um' in gröberem Umfange das Elend lindern zu können, mühte in weiteren Kreisen unserer besser situierten Glaubensgenossen die Hilfsbereitschaft für unsere verfolgten Brüder wieder erwachen und durch Zufühirung hochherziger Spenden an die „Jsraelttische Allianz" (Wien, II., Untere' Donaustrahe 33, Scheckkonto 8152) ihre Aeuherung finden. Antidnelliga und Waidhofner Programm. Am 19. Mai fand im Saal der Laufmannschaft eine von der Akademischen Antiduelliga einberufene Versamlung statt. Zur Diskussion stand das Thema: „Duellschuh oder Ehrennotwehr", welches der Referent Dr. Emil v. Hofmannsthal im Anschluß an das tragische Duell Zborowski-Weiß behandelte. Doktor v. Hofmannsthal wurde im Laufe seiner Ausführungen wiederholt durch Lärmen und höhnische Zurufe unterbrochen, und der Jurist Ehrich Riedl rief: „Wir dulden nicht, daß ein Jude über Ehrenhaftigkeit spricht, denn die Juden sind der Ehre bar." Daraufhin kam es zu derartigen Lärmszenen, daß die Versammlund ihr Ende fand. Dr. von Hofmannsthal fühlte sich durch diesen Zwischenruf persönlich verletzt und brachte durch seinen Vertreter, den Reichsrätsabgeordneten Dr. Wilhelm Reumann, eine Ehrenbeleidigungsklage gegen Riedl ein, über welche gestern Be-

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