Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 24 (13.6.1913)
- Date
- 1913-06-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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alt. 24 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 4?b Königin Al er and ra Mer die jüdische Wohltätigkeit. Aus London wird uns geschrieben: Dieser Tage erhielt Königin Alexandra von einem jüdischen jungen Manne ein Bittgesuch um Aufnahme in ein Rekonvaleszentenheim, das unter dem Protektorate der Königin steht. Die Königin veranlagte sofort, dag bei den jüdischen Wohltätigkeitsinstitulen Recherchen über den jungen Mann eingeholt werden. In der diesbezüglichen Verfügung. welche ein Beamter der betreffenden jüdischen Wohltätigkeitsanstalt von der Königin überbrachte, heißt es ausdrücklich, daß die Königin schon so oft Gelegenheit gehabt habe, die Opferwilligkeit der jüdischen Wobltäligkeitsanstalten und ihre mustergiltigen rationellen Einrichtungen zu bewundern, daß sie es für ihre Pflicht halte, dieses Gesuch erst dann zu erledigen, wenn die jüdischen Anstalten sich über den Petenten geäußert haben. Tatsächlich hat es sich herausgestellt, daß auch bei einer jüdischen Rekonvaleszentenunterstützungsoereinigung e'n Gesuch des betreffenden jungen Mannes vorlag, das an demselben Tage aufrecht erledigt wurde. Eine Anerkennung für die australischen Juden. Die „Australian Nastves Association" ist die einflußreichste australische Organisation, die den Zweck hat. die weißen eingeborenen Bürger von Australien zu schützen und ihre Interessen sowohl der Londoner Zentralregierung gegenüber, wie auch gegenüber den Farbigen zu wahren. Die wichtigsten Niederlassungen dieser australischen Gesellschaft, und zwar diejenige von Neu- Südwales sowie die Niederlassung in Südaustralien und in Melbourne, haben bei den letzten Neuwahlen Juden zu ihrem Präsidenten gewählt. Die Galveston-Emigration und die Ito. Aus London wird uns geschrieben: Am 30. Ma? fand bei Baron Leopold de Rotschild unter Vorsitz Israel Zangwill's eine sehr wichtige Beratung des Emigrations-Departements der Ito statt. An der Beratung nahmen teil: der bekannte Philanthrop und Finanzier Jakob H. Schiff aus Newyork, Baron Leopold de Rothschild als Kassier des Emigrations-Departements, Lucien Wolf, M. A. Spielmann und Cahn aus London, Leo Brodsky, der aus dem Beihliß-Prozeß bekannte Advokat Margolin und Dr. Iochelmann (Kiew), ferner die Herren Schapiro und Ingenieur Trop aus Baku etc. Nach der Begrüßungsansprache Zangwill's hielt Jakob H. Schiff ein äußerst interessantes Referat über die jüdische Emigrationsbewegung via Galveston, welche seiner Meinung nach gegenwärtig das einzige ist, das dem gesamten jüdischen Volke zum Glücke gereichen kann. In Amerika, erklärte Schiff, befinden sich gegenwärtig zwei Millionen Juden, von denen in Newyork allein eine Million lebt. Es ist kein Zweifel, daß in Teras noch Platz für zwei Millionen Juden ist. die zusammen mit den bereits dort anwesenden zwei Millionen Juden eine große politische Macht darstellen könnten, welche für die Juden der ganzen Welt von großem Nutzen wäre. Schiff hält es für seine Pflicht, zu erklären, daß die Ito die Ealveston-Arbeit in geradezu idealem Sinne geführt hat. und es wäre sein Herzenswunsch, daß diese Arbeit auch weiter von der Ito geführt und nicht der Ica übergeben werde. Allerdings müßte die Ito jene Mittel, welche zur weiteren Führung des Galveston-Werkes in Rußland notwendig sind, selber bestreiten, da er. Schiff, laut des amerikanischen Gesetzes für eine solche Tätigkeit in Rußland keine Mittel zur Verfügung stellen darf. Diejenigen Mittel hingegen, welche sich auf den in Amerika abspielenden Teil des Ito-Werkes beziehen, wolle er, Schiff, nach wie vor zur Verfügung stellen. Leo Brodsky dankt Schiff für die angeführten Erklärungen, schildert mit bewegten Worten die traurige Lage der Juden in Rußland, die nur durch eine rationelle Emigrationstätigkeit ein Ende nehmen könne. Er spricht den Wunsch aus, daß die Juden in Texas nicht in zu kleinen Gruppen verteilt werden, sondern im Gegenteile konzentrisch kolonisiert werden mögen, damit sie mit der Zeit eine kulturelle Autonomie erlangen können. Er sprach auch den Wunsch aus, daß in Hinkunft nicht nur Handwerker, sondern auch jüdische landwirtschaftliche Kolonisten aus Rußland nach Teras gebracht werden. Er gibt die Erklärung ab, daß er bereit ist, die Hälfte der Kosten der Galveston-Tätigkeit in Rußland auf sich zu nehmen und diese auch für die Zukunft sicher zu stellen. Nach dieser mit stürmischem Beifall aufgenommenen Erklärung meldet ssch Baron Leopold de Rothschild zum Worte und erklärt, daß er und seine Brüder berest sind, die zweite Hälfte der Kosten in Rußland aus Eigenem zu decken. Hierauf wurde der einhellige Beschluß gefaßt, von einer Aebergabe des Galveston-Werkes an die Ica abzusehen, sondern es in weit ausgedehnterem Maße auch weiterhin unter der Aegide der Ito zu führen. Nachdem das Budget des Emigrations-Departements für )as kommende Jahr festgestellt war, wurde die bedeutsame Sitzung geschlossen. Das Legat eines russischen Majors an jüdische Wohltätigkeitsinstitute. Bei einem Newyorker Gerichte wurde dieser Tage das Testament des Majors Iwan Taleff eröffnet, aus welchem hervorging, daß derselbe 50.000 Dollar zur Verteilung an Wohltätigkeitsanstalten ohne Unterschied der Religion und der Rasse vermachte. Trotzdem testierte Major Taleff noch besonders bedeutende Summen der ..United Hebrcw Earities", dem ..Montefiore-Heim". dem „jüdischen Waisenhause" etc. Major Iwan Taleff, der vor 18 Jahren als russischer Offizier aus Riga flüchtete, trat bald nach seiner glücklichen Landung in Newyork in die Armee der Vereinigten Staaten ein. wo er es auch bald zum Major brachte. Er kannte die Leiden der russischen Juden aus eigener Anschauung und diese Kenntnis war der Beweggrund dafür, daß er die Institutionen zugunsten der jüdischen Einwanderer besonders bedachte. Eine jüdische Militärliga in Honolulu. Der Newyorker „Wahrheit" wird aus Hanolulu lHawai) berichtet, daß daselbst unter den jüdischen jungen Leuten, welche in der amerikanischen Armee dienen, unter dem Namen „Young Men's Hebrew Military League" sich eine militärische Organisation gebildet hat, deren Zweck es ist. die moralischen Interessen der jüdischen Soldaten auf den Hawai-Inseln zu wahren. Dank dieser Organisation war es den genannten jüdischen Soldaten auch am verflossenen Pessachfeste möglich, das Fest nach ritueller Vorschrift zu begehen, an verschiedenen Stellen in imposanter Weise den Seder zu geben und regelmäßigen Festtags-Gottesdienst zu veranstalten. Zur Falascha-Bewegirng. lieber die Fortschritte der Pro-Falascha-Bew e g u n g erhallen wir die folgende wichtige Mitteilung: Wie bekannt und seinerzeit von uns veröffentlicht, hat das Pro-Falascha-Komitee im vergangenen Sommer beschlossen. Herrn Dr. Faitlovich zum dritten Male nach Abessinien zu senden. Dort sollte er zunächst unter den dortigen Glaubensgenossen eine von ihm m amharischer Sprache verfaßte Schrift verbreiten, die dazu geeignet ist, die Falcrchas im Glauben zu stärken und in dem ihnen von der christlichen Mission aufge-