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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-06-13 · 24 (13.6.1913) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
24 (13.6.1913)
Date
1913-06-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 24 Sfc. Wtibmm «ette E stralen Artikel L. Luzzati's zugunsten der Juden im „Corriere della Serra". Es war ganz natürlich, daß die rumänischen Zeitungen die Gelegenheit ergriffen, um auch die rechtliche Lage der Juden in Bulgarien als nicht beneidenswerte darzustellen; es kann aber niemand in Abrede stellen, datz durch diese publizistischen Auseinandersetzungen ein Schritt vorwärts gemacht ist. Die Rutschuker Kultusgemeinde der Sephardim hat alle falschen Bchauptungen der rumänischen Presse widerlegt,' bei dieser Gelegenheit verweisen wir auf den im Regierungsblatte „Mir" vom 22. April l. I. erschienenen Artikel in französischer Sprache. Beim Durchlesen der Unterredung mit dem „Präsidenten der bulgarischen Zionistenorganisation" gewinnt man den Eindruck, als hätte irgend ein rumänischer Antisemit -hie Wahrheit entstellt. Die Behauptung, datz die Juden als Staatsbeamte nicht angestellt sind, ist wahr. Das aber kommt nicht daher, datz kein Jude Staatsbeamter werden kann. Wenn wir die materielle Lage der Juden in Bulgarien berücksichtigen, ist es kein Wunder, datz der einigermatzen gebildete Jude auf die aufs elendeste bezahlten Staatsposten nicht reflektiert. Der Jude, Sohn eines Kaufmannes, erzogen in der jüdischen Familie mit Handelsbestrebungen, hat keine Vorliebe für die Hierarchie des Beamtentums und begnügt' sich weder mit dem elenden Einkommen, noch mit der abtötend maschinellen und geistlosen Beamtentätigkeit. Ferner ist in Betracht zu ziehien, datz das bulgarische Beamtentum durch parteipolitische Mittel zu Staatsposten gelangt. Ist eine Partei aus dem Ruder, so sind auch fast alle Beamten ihrer Posten ledig. Glaubt vielleicht her Führer der bulgarischen Zionisten, datz der zweckbedachte Jude auf solche Lebensstellung absieht? So ist es nicht zu wundern, datz die bulgarischen Juden auf solche Posten nicht reflektieren, denn sie gehen der parteipolitischem Praris nicht nach, um dadurch Staatsämter zu bekleiden. Das Bekleiden emes Staatsamtes bedeutet lange nicht eine Gleichberechtigung. Hat der Jude in Bulgarien das Wahlrecht? Wählt er und wird er gewählt? Ja. Sind die Schulen und Gerichte ihm offen? Ja. Kann er Lehrer oder Richter werden? Er kann es, aber er strebt diese Aemter nicht an, und zwar darum, weil diese Posten so wenig wie möglich einträglich! sind. Des öfteren kam es vor, datz Juden, die ein oder zwei Jahre ein Staatsamt bekleideten, dasselbe verliehen, um einen freien Berus, wie z. B. als Advokat, Arzt usw., zu ergreifen. Zu der Frage der jüdischen Kandidatenliste ist folgendes 'hervorzuheben: Nach den Verfassungsbestimmungen ist jedem bulgarischen Bürger ohne Unterschied das gleiche Recht gewährt. So wie es in den monarchischkonstitutionell organisierten Staaten üblich ist, bilden sich zur Erreichung des Staatswohles und Staatsideals politische Parteien, die bei den Wahlen zu den verschiedenen Staats- und städtischen Korporationen mit eigenen Kandidatenlisten auftreten. Wo ist die Raison, wenn die Zionisten eine eigene Kandidatenliste aufstellen, oh-ne eine bulgarische politische Partei zu sein,' ohne ein Staats- und Tästgkeitsprogramm zu haben? Die bulgarischen Zionisten haben kein politisches Programm! für eine Wahlkampagne und es ist daher kindisch, mit einer eigenen Kandidatenliste aufzutreten. Damit wird die Geistesbeschränktheit mancher der Führer bekundet, die von Politik, Staatsorganisatiyn und Verfassungskunde keine Ahnung haben. Mit dem bestehenden zionistischen Programm und mit eigenen Kandidatenlisten für die Abgeordnetenwahlen kann man den bulgarischen Bauern nicht bewegen, einen Juden zu wählen. (Das bulgarische Volk ist bekanntlich ein Vauernvolk.) Diese Art von politischer Tätigkeit kann nur den politischen, sozialen und staatlichen Antisemitismus zum Gedeihen bringen. Einer der Führer der bulgarischen Zionisten, und zwar Dr. Caleb aus Sofia, hat seinerzeit gegen diese Wahltaktik in den bulgarischen zionistischen Blättern polemisiert und die Taktik mit Recht verworfen, indem er die Juden zum Eintritt in die politischen Parteien aufforderte. Er hat zu beweisen gesucht, datz diese Zionistentaktrk verfassungswidrig ist, da die Juden damit als Nation für sich, mit eigenen Sonderinteressen in die Wahlkampagne eintreten. In Bulgarien wird blotz eine Nation anerkannt und das ist die bulgarische. Darin sind Juden. Türken, Armenier usw. inbegriffen. Palästina und Ouganda liegen nicht in Bulgarien. Der Bulgare sieht in dem Zionismus eine Kulturbewegung, für den Juden aher, als Jude, ist der Zionismus eine jüdisch-nationalpolitische Bewegung. Datz die Juden im Parlamente nicht vertreten sind, können wir nicht bestreiten, aber als Juden brauchen sie nicht vertreten zu sein, wenn man weitz, datz der Jude in Bulgarien keine den Vulgaren entgegengesetzte Interessen hat. Der Jude ist und soll als bulgarischer Bürger durch politische Parteien vertreten sein. Er kann und ist durch einen Bulgaren vertreten, der selbstverständlich die Ausführung des parteipolitischen Programms, welchem der Jude als Bürger angehört, anstrebt. Es darf uns kein Wunder nehmen, datz keine politische Partei einen Juden als Vertreter der Partei wählen lätzt. Denn, erstens ist der Jude in Bulgarien kein reger Politiker und zweitens, ist die Judeneinwohnerzahl in den verschiedenen Ortschaften so beschränkt, datz sie bei den Wahlkonjunkturen keinen Ausschlag geben kann. Auch ist nicht autzer acht zu lasten, datz über ein Drittel der in Bulgarien wohnenden Juden fremde Untertanen sind. Somit kommen sie bei politischen Wahlen gar nicht in Betracht. Sollte aber der Fall eintreten. und dies wird allem Anscheine nach in Adrianopel Vorkommen, datz die Judeneinwohnerzahl ausschlaggebend sein kann, so ist gar nicht daran zu zweifeln, datz Juden als. Parteivertreter erwählt werden. In den städtischen Gemeinden, so in Sofia. Rustschuk, Varna und Philippopel, fungieren Juden als Gemeinderäte. Warum verschweigt dies der Präsident (?) der bulgarischen Zionistenorganisation? Mir ist bekannt, datz Führer der bulgarischen Zionisten den politischen Parteien angehören. Warum lasten sie sich nicht als Kandidaten ihrer Parteien aufitetteu? Und wenn sie schon mit eigenen Kandidatenlisten, als Zionisten ohne parteipolitisches Programm, bei den Wahlen auftreten, warum fahren sie fort, Mitglieder der politischen Parteien zu sein? Was die Frage von Ankauf von Grund und Boden anbelangt, ist hervorzuheben, datz die Tendenzen der bulgarischen Staats- und Bodenwirtschaftspolitik dah'.ngehen, datz die kleine Parzellierung von Grund und Boden dem kleinen und sparsamen Bürger gesichert bleibt. Dadurch wird dem mit dem Großgrundbesitz verbundenen Arbeiterelend und -Ausbeutungen, wie dies in Rumänien und Rutzland der Fall ist, vorgebeugt. Jeder ehrliche Betrachter und Kenner dieser gesunden Politik wird dem Lenker des bulgarischen Staatsorganksmus alle Achtung zollen, denn darin liegt die Gegenwart und Zukunst des Wohlstandes für das ganze Volk. Aber trotz der bestehenden Gesetzesbestimmungen, datz Ausländer Ländereien nicht kaufen können, Hatzen wir Ausländer, sowohl Juden wie auch Christen, die Grotzgrundbesitz erworben haben. Jnbetreff der Rechte des bulgarischen Juden ist auch in dieser Hinsicht wieder nur festzustellen, datz ihm das Recht gesichert ist, Grund und Boden anzuwerben. Es dürfte wohl jedem unverständlich sein, was der Führer der bulgarischen

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