Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 23 (6.6.1913)
- Date
- 1913-06-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 23 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 415 send an dieses Ergebnis der Konkurrenz, für welche nicht so sehr die Schönheit als die Gesundheit des lindes maßgebend war, weisen die amerikanischen Blätter daraus hin, daß die russischen Juden, welche Rußland so leichtsinnjig verstößt, für Amerika ein sehr wichtiges Nationalvermögen bilden. Das Verlesen dlqr Megillah in griechischer Sprache zur Zeit des byzantinHchen Reiches. Zu dem vor kurzem veröffentlichten Berichte, datz anläßlich des diesjährigen Purimfestes in der Synagoge von Prevesa, das von den Griechen besetzt wurde, die Megillah in Gegenwart des griechischen Kommandanten in griechischer Sprache verlesen wurde, macht Abraham Galante im Konstantinopler „Aurore" daraus aufmerksam, datz zur Zeit des byzantinischen Reiches die Megillah in den meisten Judengemeinden in griechischer Sprache oder zum Teil in griechischer Sprache verlesen wurde. Er entnimmt dies einem Responsenwerke „Sefer majim amukim" des Rabbi Elie Ben Chajim, eines Zeitgenossen des Verfassers des Schulchan Aruch, Josef Caro. Auf eine ausdrückliche Frage, ob es erlaubt sei, die Megillah in griechischer Sprache zu verlesen, antwortet der genannte Rabbi, daß die Verlesung ausschließlich in hebräischer Sprache zu erfolgen habe. Anknüpsend hieran erzählt nun Rabbi Elie, datz in den meisten Städten des byzantinischen Reiches die Megillah aml zweiten Tage Purim, wenn derselbe an einen Sabbath fiel, in griechischer Sprache zur Verlesung gelangte. Später wurde dieser Usus dahin verallgemeinert, datz die Megillah am zweiten Tage Purim, ohne Rücksicht darauf, an welchem Tage er fiel, in griechischer Sprache zur Verlesung gelangte, weil die Sprache der Juden damals im allgemeinen die griechische war, was übrigens auch heute noch bei den Juden in Prevesa der Fall ist. Da» antike Goldland Ophir. Ihre gesch. Wochenschrift bringt unter obiger Ueberschrift in 'Oit. 12 den Auszug eines Vortrages Dr. Peters, wonach mit Ophir der Bibel das Maschona- und Matabeleland in Afrika gemeint und davon auch der Name Afrika abzuleiten sein dürfte. Diese Hypothese wird in der Einleitung als „überraschende Aufklärung" bezeichnet. Es wäre richtiger, sie einfach als Phantasma kurz zurückzuweisen, das jeder geschichtlichen Grundlage entbehrt. Nur wenn man alle hiebei in Betracht kommenden geschichtlichen Momente ignoriert, kann man bei der Lokalisierung des biblischen Ophir seiner Phantasie solch freien Spielraum lassen, hingegenmutz derselbe sehr zusammenschrumpfen, wenn man die geschichtliche Basis nicht verlassen und die Quellen genau berücksichtigen will. Die Ursache, datz sich der Auffindung von Ophir so viele Schwierigkeiten entgegenstellen, ist einfach darin zu sucheil, datz man hiebei, wie stets in solchen Fällen, sich von Namens- und Lautähnlichkeiten bestechen ließ, anstatt sich ausschließlich von sachlichen Gründen leiten zu lassen. Andererseits wiederholte man hier den oft begangenen Fehler, die vorhandenen Behelfe aus der historisch reichlich fließenden talmudischen Literatur zur Erklärung der Quellen nicht heranzuziehen. Da ich ein einschlägiges Thema anderweitig ausführlich behandle. beschränke ich mich jetzt nur auf einige Bemerkungen, um die Sache in Kürze möglichst klarzustellen. Bevor man zur Eruierung der Lage Ophirs aus den Quellen schreitet, mutz in erster Reihe hervorgehoben werden, datz König Salomo keinen Handeh trieb. Auch war Palästina unter seiner Herrschaft kein Handels-, sondern ein Agrarstaat, der absolut keine hochwertigen Produkte zu exportieren hatte, um dafür von andereil Völkern einen Gegenwert in Gold und Silber in solchen Mengen zu erhalten, welch' letzteres insbesonders nach den Worten der Bibel durch den vorhandenen Ileberflutz fast ganz entwertet wurde. Wenn Salomo das erste Mal zu einer Expedition Schiffe ausrüstete, so konnte dies wohl nur deshalb geschehen sein, um einem kurz vor seiner Zeit eingetretenen Umschwünge in den Verkehrsoerhältnissen Rechnung zu tragen, den bis dahin benützten beschwerlichen Karawanenweg zu verlassen und anstatt dessen die gewünschten Gebiete auf einem neuen, leichteren Wasserwege zu erreichen.Z Schon von David wird erzählt (I. Par. 29, 4 —7), datz er einen großen Vorrat Gold und Silber „von Hebräern gesammelt und für den Tempelbau bestimmt, besaß". Demnach dürfte Sa- Das im Norden (im VII. Jährh.) verfaßte 2. Targum zu Esther C. 1 erzählt, gewiß ältere Quellen benützend, daß vor Salomos Zeit die Reise von "ins-pi dem Wohnsitze der Königin von 82D int Norden nach Palästina 7 Jahre dauerte; Salomo aber habe sie, mittelst des neuen Seeweges, auf 3 Jahre abgekürzt. Richtig heißt es auch im I. Reg. 10, 22, daß die Seefahrt aus Tharschisch 3 Jahre dauerte, was noch im 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung der Fall lomo folgerichtig diese Seefahrten zu seinen Glaubensgenossen auch nur zu dem Zwecke gemacht haben, um Kontributionen oder freiwillige Gaben für den Tempelbau zu sammeln. 'Jixiz suchte er auf dem kürzeren Seewege zu diesem Ziele zu gelangen. Als Quelle dieses Goldregens wird auch wiederholt angedmrtet, „datz das viele Gold und Silber von den Kaufleuten, Ätalthalteru und Königen des Abendlandes herrühre". Offensichtlich weist hier unsere bisherige Geschichtsdarstellung hinsichtlich der Ausdehnung des Reiches unter David und Salomo am nördlichen Euphrat ein^ Lücke auf. Von einer Erörterung dieser Frage mutz aber hier abgesehen werden, da ich sie anderwärts ohnedies ausführlich behandle. Bei Berücksichtigung dieser Umstände liegt es^ klar auf der Hand, datz Salomos Absicht dabin. ging, an stelle des unsicheren alten Karawanenweges entlang des Taurus den neuen Seeweg über das Mittelländische, Aegäische und Schwarze Meer zu benützen, um die Gebiete am Ursprung des Euphrat zu erreichen. Das war jedoch keine Handelsreise, wozu auch alle Voraussetzungen gefehlt hätten. Hält man nun Umschau zwischen den bekannten Goidländern des hohen Altertumes, so kann man den richtigen Weg bei Eruierung Ophirs nicht verfehlen. Die in die älteste Zeit hinaufreichende Sage vom Argonautenzuge und vom goldenen Vließe verrät die Bekanntschaft mit den Goldwäschereien am Flusse Phasis, dessen Gold auch in Genes. 2, 11--12, gerühmt wird. Es wurden zwar in etwas späterer Zeit der Goldgewinnung ain Flusse Pactolus am Berge Tmolus (Kleinasien) und im Strymon (Päonien) und noch anderer Orte Erwähnung getan, ihre Goldausbeute war aber nicht von großer Bedeutung und bald erschöpft. Das wahre Kalifornien des hohen Altertumes war entschieden die Gegend des Phasis oder eigentlich das unerschöpfliche Hinterland der Sacen, nämlich die heutigen sibirisch-uralischen Goldfelder, von wo das Gold nach Kolchis gebracht wurde. Herodot (III, 98 etc.) schildert diese Gegend als die goldreichste des Altertumes; die Bibel bestätigt dies unzühligemal. So gibt Ezechiel 27, 22 an, datz die Händler von szr Gold brachten. Es kann kein Zweifel darüber obwalten, welche Gegend hier gemeint sei, wenn man hiezu die Erklärung Joma 10 heranzieht: *KrCD nejni d. i. Sakastan (das Gebiet der Sacen). außerhalb und innerhalb des Taurusgebirgsstockes, die einen Zwischenraum von 100 und einen Umfang von 1000 Meilen haben." Dies ist eben genau das von Herodot geschilderte Goldgebiet. Jes. 13, 17 spricht von den Mediern, als von einem Volke, bei dem Gold und Silber nur geringen Wert haben. In Palästina gab es kein anderes Gold, als das aus dieser Gegend. Dies beweisen die dem Golde dort beigelegten Namen 7ä'xa .cra ,i£ö z~t, die alle Bezeichnungen ein und desselben Provenienzgebietes sind, wie ich dies anderwärtig Nachweise. Prüft man hienach die auf Ophir bezug habenden Angaben der alten Versionen und Traditionen an der Hand der einschlägigen alten Literatur, so gewahrt man, datz alle Quellen übereinstimmend diese Gegend als im Nordosten Asiens gelegen annehmen. Die älteste griechische Uebersehung der Bibel, die Septuaginta, übersetzt Ophir mit ^0)2^ (auch —türsipct und geschrieben). Bis jetzt ist die'es Wort trotz tausendfacher Versuche unerklärt geblieben. Zieht man aber die leider bis nun als Quelle vernachlässigte altrabbinische Literatur, die iür die Geschichte des Altertums eine unerschöpfliche Fundgrube bildet, zu Rate, so läßt sich ein Schlüssel zur Erklärung dieses Wortes bald finden und die fragliche Gegend mit Sicherheit feststellen. In Sifre zu Numeri 8 4 wird von R. Akiba Hervorgeboben, datz er von seiner Ankunft in jnsi eine Rechtsanschauung über "in b?? hatte, die er nach seiner Rückkehr von f— 3-7 (Tosefta B. Kam X, 17 schreibt dieses Wort auch so, das in späteren Quellen auch f ts lautet,) änderte. Der dortige Aufenthalt R. Akibas bildete also gewissermaßen einen Abschnitt in seinem Leben, von dem auch seine Rechtsanschauungen beeinflußt wurden. Bevor ich aber die Lage dieser Gegend feststelle, möchte ich zur besseren Errl'ärung dieses Gegenstandes mit einigen Worten die infolge der unrichtigen Deutung der geographischen Namen eingerissene irrige Auffassung, R. Akiba hätte die ganze Welt bereist, dahin richtig stellen, datz seine angegebenen Reisen die Grenzen Asiens niemals überschritten haben. Er unternahm diese Reisen größtenteils während des Feldzuges Trajans in Asien. Er kam ins vsrhönische Reich (R. Hasch. 26 a wie bei den alten Schriftstellern „Arahia"), von dort auf kurze Zeit nach Nahardäa (Misch. Jeb 16, 7). Bei Trajans Vordringen nach dem Osten wandte sich R. Akiba nach Norden zur Kaukasusgegend. Er pflegte auch sonst früher schon die Reise dorthin über Mazaca, Cüsarea (Jer. Jeb. 16, 4). die Hauptstadt Kappadoziens, und Trapezunt (-an; Koh. 10, 6; war. (Moed Katan 20 a von Khendzoukhi). Im Targum Esther wird auch der Wohnort der Königin T2'p"t saro: erwähnt, wie die ganze Gegend im Norbert, weil in Tunst und Nebel gehüllt, “7*K genannt wurde, wie ich dies anderweitig Nachweise. Zur näheren Bezeichnung dieser Gegend wird noch hinzugefügt, daß sie rnr Lsten liege Km«:: Krona.