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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-06-06 · 23 (6.6.1913) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
23 (6.6.1913)
Date
1913-06-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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sette 414 Üix. 28 Dl. Vlochs Wochenschrift. Mit hinein Worte, er wird als ein Fremder betrachtet und behandelt. Aber es Libt noch andere, allgemeinere und viel ernstere Nachteile. Nehmen wir zum Beispiel Saloniki. Die Juden bilden in dieser Stadt die Majorität. Griechenland tut alles, um ihnen angenehm zu sein. Sie sind gerne gesehen und ihr Oberrabbiner besitzt eine gewisse Autorität. Alle seine Wünsche erfahren eine ernste Beurteilung. Ueber sein Dazwischentreten und seine Intervention werden alle Schwierigkeiten applaniert. Der Inhalt der letzten aus Saloniki hier eingelangten jüdischen Blätter ist von diesem Gesichtspunkte aus besonders bezeichnend. Sie stellen fast alle die Forderung auf, daß die Juden während einer bestimmten Anzahl von Jahren vom Militärlaste befreit werden. Es wird genügen, daß die Häupter der Gemeinde im gegebenen Moment diese Forderung formell an die kompetente Stelle richten, um sie ebenso erfüllt zu sehen, als ihnen bisher alle vorge-- brachten Wünsche gewährt wurden. Diese ihre Erfolge sind in ihrer Zahl begründet. Wenn aber von den 70.000 Juden in Saloniki nun 35.000 fremde Untertanen werden, was werden die restlichen 35.000 auszurichten vermögen? Mit einer Zahl von 70.000 Seelen bilden sie eine kompakte Masse, eine imposante Majorität. Wenn aber eine so große Zahl unter ihnen ihre Staatszugehörigkeit ändert, werden die übrigen an Zahl herabgemindert, nicht mehr die Majorität bilden und mithin auch das Recht einbüßen, die Geschicke der Stadt zu dirigieren. So lange die Juden von Saloniki eine Majorität bilden, wird es nur an ihnen liegen, bei den Wahlen einen jüdischen Bürgermeister, jüdische Beamte und Deputierte zu wählen. Die Aenderung ihrer Staatsgugehörigkeit macht sie jedoch, indem sie die Majorität einbüßen, auch all dieser wertvollen Vorteile verlustig. Angesichts dieser allgemeinen Vorteile, die sich für die Juden von Saloniki ergeben können, müssen bi>c einzelnen ihre mit Aenderung der Staatszugehörigkrit etwa verbundenen persönlichen Vorteile im Interesse der Allgemeinheit opfern. Das Judentum hat das Recht, von seinen Kindern dieses Opfer zu fordern. Für uns bedeutet also die Aenderung der Slaatszugehörigkeit einen Irrtum, eine Gefahr, die zu beschwören Pflicht der verantwortlichen Häupter der jüdischen Gemeinden ist." i So weit der Artikel. Er eröffnet einen lehrreichen Einblick -in jene tiefgehende Bewegung, welche unter den Juden des Balkans platzgegriffen hat und die für die künftige Gestaltung der Lage der Juden von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Eine Bewegung unter den Karaiten. Die Karaiten von Rußland machen jetzt eine ganz merkwürdige Krise durch. Die Wahl eines Ehachams über sämtliche Karäer von Rußland hat diese kleine aus dem Judentum hervorgegangene Sekte in zwei Lager gespalten. Ein Teil steht noch immer in der Gefolgschaft des bekannten Abenteurers Schabsal, der, wie bekannt. lange Zeit der einflußreichste Ratgeber am persischen Hofe war und dann, von dort verjagt, in seine russische Heimat zurückkehrte, wo er infolge seiner alten Beziehungen von russischen Regierungskreisen gefördert wird. Aber gerade deshalb wird seine Kandidatur zum Ehacham-Baschi bekämpft. Die Schwierigkeit, diesem einflußreichen Menschen einen angesehenen und den Anforderungen entsprechenden Gegenkandidaten gegenüber zu stellen, bestand bisher hauptsächlichdarin, daß die Stelle des karaitischen Ehachams, wie überhaupt die gesamte geistige Leitung der Sekte, bisher finanziell nicht fundiert war. Nun hat das zur Leitung der Chacham-Wahl berufene Komitee den Beschluß gefaßt, zu diesem Zwecke einen sogenannten Nationalfond von 200.000 Rubel zu' gründen. Dieser Beschluß hat bei den in Betracht kommenden Gemeinden lebhaften Anklang gefunden. KritWe Lage der Juden m der asiatisch,m TürkÄ. Der Jerusalemer Korrespondent des Warschauer „Haint" macht recht betrübende Mitteilungen über das gegenwärtige Verhallen der türkischen Regierung gegenüber den Juden. So habe der bekannte Vorkämpfer für jüdische Rechte in Palästina, Antebi, vor kurzem mit angesehenen Jerusalemer Juden eine Beratung darüber abgehalten, auf welche Weise eine gemchnsame Aktion zum Schutze der jüdischen Rechte und der bereits erworbenen Positionen in Palästina mit Erfolg unternommen werden könnt-. Laut dem Referate des Herrn Antebi befinden sich die vitalsten Angelegenheiten der Juden in Palästina in einem äußerst kritischen Stadium. Um die Araber zu beruhigen und die jetzt von neuem energisch einsetzende arabische Bewegung einzudämmen, zeigt sich die türkische Regierung bereit, den arabischen Forderungen bezüglich der Juden nachzugeben, und verrät immer mehr die Geneigtheilt, die jüdischen Unternehmungen zu erschweren und den Bodenerwerb für Juden, in welcher Form immer, nach Tunlichkeit einzuschränken. Diese Haltung der türkischen Regierung hat sich in jüngster Zeit ganz deutlich offenbart, indem eine Anzahl von Beamten, welche für Juden durchgeführte Bodenkäufe bestätigt haben, strafweise ihres Amtes enthoben wurden. Der Vorschlag des Herrn Antebi, einen Schutzverband aller jüdischen Organisationen in Palästina ins Leben zu rufen, dürfte jedoch .kaum realisiert werden, da Herr Antebi eine markante politische Persönlichkeit ist und daher in manchen Kreisen nicht das nötige Vertrauen genießt. Allerdings muß darauf hingew'iesen werden, daß Herr Antebi infolge seiner Beziehungen in der Lage ist,, die Absichten der Regierung zu kennen und schon aus diesem Grunde sind seine oben angestellten Behauptungen äußerst beachtenswert. Die Memoiren des Polizeipräsidenten Lepin. Der gewesene Polizeipräfekt von Paris, Louis Lepin, benützt seinen Ruhestand dazu, um seine Memoiren zu schreiben. Einem Journalisten gegenüber machte Lepin die interessante Mitteilung, daß einen beträchtlichen Teil seiner Memoiren Reminiszenzen an die Affaire Dreyfus bilden werden. Sie werden GeWmnisse enthalten, die bisher noch völlig unbekannt sind und die überhaupt nur 1—2 Personen außer ihm kennen. Gerade aus diesem Grunde habe er verfügt, daß seine Memoiren erst nach seinem Tode der Oeffentlichkejit übergeben werden sollen. Kongreß sm religiösen Liberalismus. Im Laufe des Monates Juli d. I. findet der sechste internationale Kongreß der Religiös-Liberalen statt. Eines der Referate ist dem bekannten amerikanischen Reformrabbiner Dr. Stephen S. Mise, einem Sohn des Begründers der amerikanisch-jüdischen Reformbewegung, Isaac M. Wise, zugewiefen. Derselbe wird einen historischen Vortrag über das liberale Judentum in Amerika halten. 1 '! '! - |; | | 1 Preisgekrönter Sauglingsschutz. In Newyork hat vor kurzem eine Preiskonkurrenz für die hygienisch am besten geschützten Säuglinge stattgesunden. D-en zweiten Pre-is erhielt die kleine Esther Friedmann. Diese Pre'iszuerkennung ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil die Eltern dieses 15 Monate alten Kindes aus Rußland eingewanderte Juden sind und damit einen neuerlichen Beweis dafür erbracht haben, daß die Juden selbst in ihrer größten Bedrückung dem Kinde die größte Sorgfalt angedeih'en lassen. Anknüp-

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